Text »verbessern« weil's Regeln gibt?

Mir sind viele Regeln bekannt, wenn es um das verbessern von Texten geht.
Zeigen , statt erzählen.
Adjektive, um Gottes Willen, bloß nicht und wenn dann nur sehr wenige.
Wortwiederholungen, ein no- Go.
Ich könnte weitermachen, will ich aber gar nicht.

Mein Gefühl ist da nämlich ganz anderer Meinung.

Ich benutze sehr gerne Wortwiederholungen um eine Dringlichkeit zu betonen zum Beispiel.

Adjektive machen aus einem Bericht eine Geschichte.

Beschreibungen sind auch Teil einer guten Erzählung.

Ich hab in letzter Zeit wenig geschrieben, dafür gelesen und gehört. Und ja auch die ganz großen Bestseller halten sich auch nicht an die wohlgelobten Regeln.

Zum Glück denke ich. Was meint ihr?

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Es gibt keine Formel x für einen guten Text. Deine Ausdrucksweise ist Teil deines Stils. Wichtiger ist es, die Wirkung von Wörtern, Metaphern und bestimmten Erzahlweisen zu wissen Welche Wirkung erziele ich mit was?

Wie bei einem Gericht ist zuviel von einer Zutat meistens schlecht. Ständig Cliffhänger? Nervig. Ständig Rückblenden? Nervig. Ständig Aktion? Nervig. Ständig geknutschte… Genau.

Der Mix macht’s.
Es gibt natürlich „Regeln“ die deinen Text in die „schwierige Ecke“ schieben. Z.b passive Schreibweise. Dialoge ohne Ziel.

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Nun, Adjektive mag ich. Show don’t tell muss nicht sein, mitunter mag ich tell. Bei Wortwiederholungen kommt es drauf an. Kürzlich las ich eine Reihe, wo pro Band bestimmt 40 mal karmesinrote Augen vorkamen, das war schon eindeutig nervig.

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Die karmesinroten Augen kommen mir bekannt vor🤔
Ja sicher, jede Geschichte will gut erzählt sein.
Ein Ökothriller bedient sich da einem anderen Vokabular und anderer Erzählweise, wie ein modernes Märchen.
Ich lese hier viele Kritiken, an denen ich mich oft nicht beteidige. (Ich bin eher unvoreingenommen und Kritikarm, außerdem fehlen mir Erfahrung und theoretisches Wissen.)
Oft kommen als erstes die üblichen Verdächtigen:
Mehr Show weniger Tell. Der allseits bekannte Infodump und die angeprangerte Adjektiv-Flut.

Oft denke ich dabei: na so schlimm ist es nun doch nicht.

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Meiner Meinung nach ändern sich die Regeln, die Art zu Schreiben, zu Sprechen. Alles hat seine Zeit. Heute, aktuell gilt die Regel: Show don’t tell…
Früher wurde langsamer, atmosphärischer geschrieben. In möglichst langen Schachtelsätzen konnte man ein Sprachkünstler sein. Ein Wortakrobat. Das will heute keiner mehr lesen. Das Gehirn ist auf Bilder programmiert. Mir persönlich fällt Show nicht so leicht. Ich mag mehr tell.
Und warum haben sich die Regeln geändert? Regeln sind da, um sie zu brechen. Man könnte das Rad nochmal neu erfinden… :wink:

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Tatsächlich kommt das auf die Zielgruppe an. Jack London (Wolfsblut) bediente sich schon vor über 120 Jahren einer „aktionreichen Bildersprache“, die selbst heute noch aktuell wirkt.
Während sich Scifi Horror Autor H.P Lovecraft (Berge des Wahnsinns) also Fantasy/SciFi vor 90 Jahren eine enorm indirekte, opulente Sprache nutzte.

Es gibt eine Kurzgeschichte von H.P Lovecraft die von der Besiedlung der Venus von den Menschen handelt (dieser baut dort Energiereiche Kristalle ab) und die dortigen Echsenmenschen unterjocht. (In den Mauern von Eryx))
Diese Fantasy hat mich enorm beeindruckt, wenn man bedenkt, wie wenig man 1936 über die Planeten wusste :grin:

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Ja das ist allgemein bekannt.
Obgleich die alten Meister noch immer in jeder Buchhandlung in den Regalen stehen und ein Garant für Umsatz bilden.

Auch wenn man da gewaltige Spielräume hat, so einige Dinge machen einen Text einfach nicht gut.

Z.B. die Adjektive. Sie sind nicht automatisch ein Garant für eine Geschichte, zumindest für keine gute, wenn man sie inflationär verwendet:
Er lief müde und erschöpft die verlassene, nasse und glitschige Straße entlang, als ein blaues, altes Auto schnell durch eine tiefe Pfütze fuhr und seinen fleckigen, am Ärmel zerrissenen Mantel endgültig durchnässte.
Niemand verlangt, dass man völlig auf sie verzichtet, aber sie als alleiniges Mittel zu verwenden, um einen Zustand zu schildern oder Atmosphäre zu erzeugen, macht aus dem Text mehr einen Steckbrief als eine Story.

Mit den Wortwiederholungen ist es auch so ne Sache. Gezielt eingesetzt, können sie etwas gezielt betonen oder verstärken.
Ist das nicht der Fall, fallen sie sehr schnell als Wörter auf, für die der Autor kein Synonym und auch sonst keine Umschreibung gefunden hat.
Man muss da von Fall zu Fall entscheiden, wie sehr eine solche Dublette tatsächlich den Lesefluss stört. 40 mal karmesinrote Augen sind (für den Autor) einfach nur peinlich.

Beschreibungen sind essenziell für eine gute Geschichte!
Es kommt hier auch sehr aufs Genre an, allerdings funktioniert keine Story nur mit Beschreibungen (tell), die miterlebte Handlung ist genauso wichtig (show).
Es braucht da einiges an Fingerspitzengefühl, um zu wissen, wann man was wie stark einsetzt, und mit der Zeit (und vielem Schreiben) bekommt man ein Gespür für dieses Gleichgewicht. Eine Story, die da schlecht ausbalanciert ist, hat es schwer.

man kann natürlich sämtliche Regeln in die Tonne kloppen, aber dann sollte man schon genau wissen, was man tut. Und man merkt es einem Text i.d.R. schnell an, ob da jemand mit Absicht oder aus Ahnungslosigkeit am Werke war.

Schon lange nicht mehr, den Umsatz bringen die im Mainstream schwimmenden Bestseller.
Alte Meister kaufen nur noch Liebhaber, Gymnasiasten der Oberstufe und Germanistikstudenten.

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Die Regeln - ob nun Rechtschreibung, Stil, Lesbarkeit oder „echte“ Schriftsteller-Regeln (Adjektive, Show, don’t tell, …) sollen vor allem Eines:

Den Leser in der Geschichte halten. Im Fluß, ohne dass der Leser „stolpert“.

Das fängt natürlich bei falsch geschriebenen Worten an, oder einem „schief“ gesetzten Komma. Peng, Leser denkt, aber er denkt nicht mehr an die Geschichte. Raus isser.

Gleiches bei Stilschwächen, oder „show, don’t tell“ Bleiwüsten, die von der Handlung ablenken und keine Figuren bringen.

All das ist ähnlich schlimm wie Werbeunterbrechungen in einem spannenden Film.

Aber! Setzt der Autor derlei bewusst (!) ein, wie bspw. Wortwiederholungen, und die sind nicht per Unfall durch Textumstellungen passiert (häufige Quelle für Dubletten), oder will erst einmal eine besondere Landschaft „malen“, um eine Stimmung zu erzeugen → das ist Kunst.

Es geht also darum, dass wenn man „Regeln“ aller Art beim Korrekturlesen „abklappert“, dass man dann die Stolpersteine findet.
Genau dabei helfen Regeln halt, weil man systematisch sein Werk durchgeht.

Man denke z.B. nur
nur an den berühmten Fehler,
der beim Lesen nicht auffällt, wenn eine Dublette endständig und nochmal am Zeilenanfang steht, wie das doppelte „nur“ in diesem Satz.
Bei systematischen Regeln mit auch noch Software-Unterstützung fischt man die Bösewichter halt raus.

Oder man merkt „eyh, das ist voll gut so!“, und schärft seinen Stil, indem man seinem Repertoire solche absichtlichen Kleinigkeiten hinzufügt.

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Es gibt soviele verschiedene Autoren wie Leser - jeder mit seinen eigenen Vorlieben. Also mach einfach, was sich für dich gut und richtig anfühlt. Nur so können deine Texte authentisch und einzigartig sein. :heart_hands:

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Guten Morgen, ich sehe und fühle es wie du lieber HoRo.
Das eigene Sprachgefühl bildet den eigenen Stil. (Der muss natürlich nicht jedem gefallen)

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Um es mit den Worten des Dalai Lama zu sagen: „Lerne die Regeln, damit du sie besser brechen kannst.“

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Ich würde noch einen Schritt weitergehen: Wenn man als Autor die Regeln nicht kennt und sie bricht, ist das schlechtes Handwerk. Wenn man sie kennt und bewusst bricht, ist das Literatur. :wink:

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„kann“ das Literatur sein :wink:. So, wie ein die Regeln nicht kennender, aber sie brechender Autor durchaus etwas künstlerisch Wertvolles schaffen kann. Jedenfalls: Das Handwerkszeug sollte man beherrschen, auch wenn man sich entscheidet, es im Koffer zu lassen.

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Oder Papst Pius der achtundzwölfzigste, der nebenbei bemerkte:
»Alter, der kann ja schwatzen, das einem die Ohren bluten!
Man möge ihn auf den Scheiterhaufen werfen, ich will nur in Ruhe scheißen! «

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Picasso soll es schöner gesagt haben: „Lerne die Regeln wie ein Meister, damit du sie brechen kannst wie ein Künstler.“

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„Bernsteinfarbene Augen“ wären wahrscheinlich besser gewesen. :wink:

Ich würde es deswegen Schablonen nennen. Da hat jedes Genre seine eigenen Ausformungen. Fantasy Leser wollen eine andere Welt erleben. Adjektive und Adverbien sind da gängiges Werkzeug. Das Innenleben eines Discounters braucht keiner gemalt zu bekommen.

Yoros Satz (Szene) ist auch ohne Adjektive platt wie ein Fladen. Da lautet die Regel eher; Wenn du schon Häufchen machen musst, aus welchem Grund auch immer, dann zwing den Leser nicht mit Adjektiven daran zu riechen. :wink:

Ohne Haken braucht man nicht anfangen Fliegen zu binden. Völlig egal was du da bastelst, oder wie schön du den Fluss gestaltest.
Ohne emotionale Haken fängst du keine Leser ein.

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Für mich sind das keine strickten Regeln. Ich sehe es eher als Tipps oder Hinweise, über die man Nachdenken sollte.

Das fehlen von Adjektiven ist genauso wenig ein Garant für eine gute Geschichte.

Weder reines Show noch reines tell sind gut. Es gibt Szenen da ist Show besser und bei anderen ist tell besser. Die Mischung machts.

Auch Wortwiederholungen können passend sein.

Auch gilt das richtige maß und die richtige Zeit.

Mit einer extrem wichtigen Einschränkung: Dabei den Leser berücksichtigen. Wir schreiben schließlich nicht für uns selbst, sondern für Menschen, die unser Werk lesen sollen.
Und deren Wünsche und Erwartungen zu missachten, macht den ersten gewaltigen Unterschied.

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