Text »verbessern« weil's Regeln gibt?

… das ist der entscheidende Punkt. Natürlich macht der pure kreative Prozess großen Spaß. Ob als Autor, Maler, Bildhauer, Komponist … aber ob das produzierte Werk dann auch Anklang findet, ist eine ganz andere Sache. Und spätestens da kommen Handwerk, Regeln und (beim Schreibenden) Lektoren ins Spiel.

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Erlaubt ist, was gefällt.
Show not tell habe ich noch nie wirklich verstanden. Das klingt mehr nach Film, als nach Buch. Wo sind die Grenzen? Muss man seinen Stil verbiegen, um irgendwelchen Regeln zu entsprechen? Keine Adjektiva… Ich schreib doch keine Masterarbeit.

Wortwiederholungen können wirkmächtig sein, aber auch ganz schön nerven.

Immer alles mit Maß und Ziel.

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Leider gibts absolut keine Garanten für eine gute Geschichte. Und ganz ohne Adjektive gehts auch nicht, verlangt ja auch niemand.

Guggst du hier:

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Ich bin deiner Meinung. Zu glauben, dass alle Leser den gleichen Geschmack haben, ist unsinnig. Ich denke eher, dass Autoren untereinander unfassbar streng zu sich selbst und anderen sind.
Am Ende ist es so, wie du sagst: Die Mischung macht’s und … die Dosis das Gift.

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Ein guter Text benötigt ein gewisses Gefühl für die Geschichte.
Die wenigsten Menschen kennen sich zum Beispiel mit Musiktheorie und Notenkunde aus. Aber ein Gefühl für Musik ist fast jedem eigen.
Ganz ähnlich bei Texten. Sie müssen etwas vermitteln.
Das können verschiedene Autoren mit verschiedenen Mitteln erreichen.
Der gemeine Leser kennt auch nicht die Regeln des Autorenhandwerkes. Er liest aus anderen Beweggründen.
Er möchte unterhalten, entführt, entschleunigt oder verthrillert werden. Manch einer möchte sogar in die tiefen Abgründe des Unsagbaren eintauchen.
Und dabei verlässt er sich auf das Geschick der schreibenden Gilde.
Einwenig vermisse ich diese Naivität bei mir selbst.
Wenn ich nun ein gutes Buch von einer guten Autorin lese und da kommt trotz Verlag und Lektorat und Erfahrung und dem Wissen um Regeln oft … billige Klischees, ungünstige Formulierungen ( war … gewesen) das ständige »während« und so weiter vor, dann hätte ich das früher für normales Geschreibe gehalten. Also die üblichen Redewendungen, die allgemein gehandhabt werden.
Ich für mein Teil werde mich vermehrt auf meine Erzählweise besinnen, natürlich in der Hoffnung, meine Gelaber trifft auf Zustimmung.
Ich glaube fest daran, nur wenn ich mit mir und meinem Text in reinen bin,dann wird es auch der geneigte Leser sein.
Ob ich dabei Regeln oder No-Go’s bediene, ist mir erstmal Wuppe. Vielleicht habe ich ja ein natürliches Gefühl für’s Erzählen.

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Bei deinem Gefühl für dein Erzählen kann ich nicht mitreden, aber bei anderen Gefühlen hast du noch Luft nach oben. Wenn du in der abgeschlossenen Vergangenheit irgendwo warst, dann ist war gewesen nun einmal die grammatisch richtige Form. Man kann sie vielleicht umschiffen, aber nicht immer ist das sinnvoll. Es gibt Auswege aus dem War-gewesen-Dilemma, aber die sind tiefergreifend als die meisten sich wünschen.
Man kann statt im Perfekt seine Geschichte in der Gegenwart erzählen und statt zum Plusquamperfekt zurückzufallen, kann man stattdessen ins Perfekt wechseln. Das empfiehlt sich, wenn mindestens ein Drittel der Geschichte in der abgeschlossenen Vergangenheit spielt. Man kann, falls man das nicht möchte, den Satz, der die abgeschlossene Vergangenheit einleitet, im Plusquamperfekt lassen und den Rest vom Abschnitt im Perfekt runterrattern. Der geneigte Leser weiß dann schon, wie er das einordnen muss. Aber generell den Plusquamperfekt als schlechten Stil hinzustellen, ist nicht ganz richtig. Er ist ein bisschen sperrig, passt durch keine Tür, aber vermeiden kann man ihn nicht immer. Das wars für jetzt von mir gewesen. :grin:

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Ohne »gewesen« ist es einfacher und genauso verständlich😉
Wenn auch nicht zu hundert Prozent korrekt.

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Am Ende ist es mit den Regeln so, wie mit vielen Statistiken. Sie sagen für den Einzelfall nicht viel aus, zeigen aber in der Summe die Richtung.

Soll heißen: im jedem einzelnen Fall kann es Gründe geben, von den Regeln abzuweichen. In der Summe wird ein Text aber oft besser, wenn man nicht dauernd dagegen verstößt. Man muss sich halt Gedanken machen.

Die obigen Überlegungen von @Klonschaf zum Plusquamperfekt sind ein schönes Beispiel. Hier ist es ja sogar so, dass zwei widerstreitende Regeln aufeinandertreffen. Wenn ich nämlich lange zurückliegende Handlungen beschreiben will, ist die Vorvergangenheit grammatikalisch die richtige Zeitform (Regel).

Trotzdem ist sie ohne Frage sperrig beim Lesen und sollte daher vermieden werden (Schreibregel). Muss man also schauen, wie man das elegant unter einen Hut bringt.

Wenn man ein Buch schreibt, muss man im Laufe der Zeit hunderte solcher Entscheidungen treffen. Das geht ja schon bei der Auswahl der Szenen los. Da überlegt man vielleicht, dass man die Szene mit dem Plusquamperfekt anders einbaut, so dass man diese Zeitform vermeiden kann.

Die ganze Summe dieser vielen Einzelaspekte ist (oder wird) dann ein Teil des eigenen Stils. Denn der ist ja auch nicht einfach so da, sondern entwickelt sich erst. Wenn wir schreiben, werden wir auch besser und unser Stil verändert sich. Wäre ja auch schade, wenn nicht.

:wink:

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… wenn beim Lesen ein Bild in deinem Kopf entsteht, als würdest du an diesem Ort sein. Wenn du die Stimme hörst, die diese Worte sagt. Wenn du die Emotion im Gesicht des Protas vor dir siehst und sofort verstehst, was er fühlt.
Das ist es für mich.

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… was ist denn ein „gemeiner“ Leser? Das Gegenteil vom „geneigten“ Leser?
Fragen über Fragen …

„Gemein“ steht hier für allgemein, also der Durchschnittsleser. Das ist zumindest mein Verständnis von „gemein“ in solchen Zusammenhängen.

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Ein geneigter Leser ist meiner bescheidener Meinung nach ein Fan. Einer jener wohlwollenden Geschöpfe, die aktiv nach deinen Werken sucht, sie verinnerlicht und deine Welten fast genauso gut kennt, wie du selbst.
Dem gemeinen Leser hingegen ist der Autor eher eine Nebenfigur. Er bevorzugt das Geschriebene eher als Konsumgut.
Zur Gänze sei nebenbei erwähnet, dass beiderlei Bezeichnungen eher antiquiert seien und nicht den heutigen Leser korrekt benennen.
Deines jedoch ist als Kompliment gemeint, meines als Statistik.

Also wenn ich den Leser direkt benenne, ist der geneigt, zu was auch immer
Wird er später in Mehrzahl genannt, ist er verallgemeinert.

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Und damit zurück zur Eingangsfrage … wäre schön, oder? :sunglasses:

Wie war das noch gleich mit dem Plusquamperfekt?
Ist das überhaupt noch zeitgemäß?

Um zum Thema zurückzukommen , reicht es oft zu fragen oder zu antworten. Wenn’s geht themenbezogen. :wink:

Wenn man im Buch etwas erwähnt, das zum Erzählzeitpunkt in der Vergangenheit liegt, verwendet man das Plusquamperfekt. Ja, das ist zeitgemäß.

„Sie betrat das Haus, in dem ihre Mutter gelebt hatte.“
„Sie betrat das Haus, in dem ihre Mutter lebte.“

Im ersten Satz ist die Mutter inzwischen ausgezogen, im zweiten Satz nicht. Das ist ein wesentlicher inhaltlicher Unterschied.

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… meins auch, aber mein Sprachgefühl stört sich an solchen Adjektiven. Man erhebt sich über seine Mitmenschen, indem man sie „gemein“ nennt; „geneigt“ (vermutlich von „zugeneigt“?) hat ebenfalls eine eigentümliche Konnotation (ich neige meinen Kopf, freiwillig oder nicht, oder er wird gar geneigt). Mir ist freilich klar, dass Ho.Ro. diese Begriffe verwendet, weil sie in der Zeit, mit der er sich beschäftigt, gerne verwendet wurden und eine bestimmte Stimmung erzeugen. Daher müssen wir das gar nicht weiter ausführen - ich wollt’s nur mal gesagt haben. Störgefühl eben.

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Antjes Erklärung hing über dem Nachtfalken wie eine Dachlawine, die ihn jeden Moment brutal ernüchtern würde.

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Fühle mich gar nicht ernüchtert. :slight_smile:
Oder von Lawinen bedroht.

Am Ende bleibt noch die Frage: für wen schreibe ich?
Für eine bestimmte Zielgruppe? Wahrscheinlich.
Für die Kritiker? Bähhhh.
Für einen selbst? Auf alle Fälle.
Für jeden, der zufällig darüber stolpert? Auch.

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Wenn es dabei bleiben würde. Aber es scheint in letzter Zeit normal zu sein, dass in den Romanen gevögelt wird, bis der Arzt kommt.
Er mit ihr, sie mit ihr. Er mit ihm. Alle miteinander, durcheinander, übereinander.

Können keine Bücher mehr verkauft werden, bei denen nicht auf jeder gefühlten achten Seite irgendwer irgendwo bei irgendwem irgendwelche Körperteile wegsteckt?

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In meinen Büchern wird nicht gevögelt. Außer in meinem einzigen Liebesroman und auch nicht ständig jeder und jede mit jedem.
Es geht also durchaus. In @Alex_Sassland s Büchern auch nicht, ebenso wenig in denen von @Waba und in denen von …
Es gibt unzählige Bücher, in denen „nichts“ passiert.

Korrektur: In meinem 1. Sardowski gibt es Sex, aber nur um zu zeigen, was für ein A… dieser Herr ist.

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