Ich wollte euch einmal fragen, was ihr davon haltet, wenn bei einem Autor, der mit einem Buch auf der Spiegel-Bestsellerliste war, dieser Hinweis anschließend auf jedem neuen Buch als Werbezweck erscheint.
Ist man, nur weil man einmal einen Bestseller geschrieben hat, automatisch für immer ein Bestseller-Autor? Oder sollte diese Bezeichnung nur für die Bücher verwendet werden, die tatsächlich Bestseller waren?
„Spiegel-Bestseller“ gilt immer nur für ein bestimmtes auflagenstarkes Buch. Mit der Bezeichnung „Spiegel-Bestseller-Autor“ hingegen darf sich der Autor auch in Zukunft schmücken, wenn er einmal einen „Spiegel-Bestseller“ geschrieben hat und darf diesen Schriftzug auf all seine anderen (auch älteren oder zukünftigen) Bücher drucken.
Ansonsten gilt in der Branche wohl zunehmend, dass die Bezeichnung „Spiegel-Bestseller“ das Arschgeweih des Literaturbetriebs ist. Ich hätte gegen so ein „Arschgeweih“ mit enstprechenden Ab- und Umsatzzahlen nichts einzuwenden …
Das betrifft wohl in erster Linie Verlagsbücher, und die Verlage wären keine, würden sie sich die Marketingchance entgehen lassen. Heute ist ohnehin der Autor oder die Autorin wichtiger geworden als das Werk. Ein ‚guter‘ Name zieht. Ich werde nie in Versuchung kommen, würde es aber nicht von der Hand weisen. Allerdings wünsche ich mir das Label gut und rückstandlos ablösbar vom Cover (nicht gedruckt), denn als Käufer schätze ich keine Labels auf Covern.
Ja, wer nicht? Aber irgendwie ist es auch etwas unfair. Ich habe schon Bücher von Bestseller-Autoren abgebrochen, weil das jeweilige Werk für mich alles andere als ein Bestseller war.
Man kann sich einen Bestseller ja auch kaufen. Jüngst rief jemand auf einer sozialen Plattform dazu auf, dass er den Kaufpreis plus 5 Euro rückerstattet, wenn jemand sein Buch kauft. Ich glaube, es waren sechstausend Exemplare, die er so verkaufen wollte.
„Bestseller“ sagt nichts über die Qualität eines Buches aus. Hierfür sind die Verkaufszahlen entscheidend. Laut Google KI reichen ggf. schon 2.500 bis 4.000 verkaufte Bücher pro Woche zum Erreichen dieses Status aus. Für uns SPler meistens eine eher utopisch klingende Zahl. Pro Jahr mag das möglich sein, aber pro Woche, da wird es schwierig.
Für mich ist es mittlerweile ein Warnhinweis. Zu oft habe ich schon festgestellt, dass die Bücher mit dem orangefarbenem Aufkleber einfach langweilig sind.
Von daher gucke ich bei Spiegel Bestsellerautoren zweimal hin, und häufig genug lass ich die Bücher lieber liegen.
Wobei das jetzt nicht für T.C. Boyle gilt.
Kann passieren, doch: Bestseller heißt ja nicht, dass ein Buch für alle gut ist, es heißt nur, dass es eine bestimmte (verkaufte?) Auflagenhöhe erreicht hat.
Ich gestehe, mich bei meinem Lesestoff u.a. auch an den Spiegellisten zu orientieren. Nicht weil ich das für die bessere Lektüre halte, sondern um zu verstehen, wie der sogenannte und geheimnisvolle Bestsellercode funktioniert. Aktuell 3.Woche Platz 1 Taschenbuch Belletristik: Madame le Commissaire und die tödliche Rallye, Pierre Martin, Knauer Verlag.
Spaßeshalber habe in kürzlich eine Seite, die sich irgendwie besonders sperrig und unrund las, in Papyrus gehackt und die Stilanalyse drüber gelassen… Ergebnis erschreckend - u.a. 2 Sätze zu 70Prozent verklebt.
Okay, die Stilanalyse muss nicht unbedingt das Maß aller Dinge sein … meine Meinung, grundsolides Handwerk, aber auch nicht mehr. Das gleiche Buch als Debüt eines unbekannten Autors hätte keine Chance auf einen Agentur-/Verlagsvertrag.
Fall 2) Der dritte Band einer Krimireihe, von einer Bekannten, sie hat seit vielen Jahren einen guten Namen in der Literaturszene, wurde vor 14 Tagen veröffentlicht.
Ihre Erfolgskurve damit: Band eins, solide bis gut geschrieben, brachte für den Auftakt einer neuen Reihe unter neuem Pseudonym gute Verkaufszahlen und respektable Kritiken.
Das veranlasste ihren Verlag dazu, für Band zwei aus allen Rohren der Marketings- und Vertriebs-Geschütze zu feuern, Ergebnis: mindestens vier Woche auf allen Büchertischen in allen großen Buchhandlungen Deutschlands, plus Online, Presse, Lesungen und der ganze Rotz UND eine Woche Platz 15 Spiegelliste. Der Band (nicht nur) in meinen Augen deutlich schwächer. Dem Verlag war die Platzierung im Vergleich zum Marketingaufwand zu gering. Band drei, mit Abstand der Beste, wurde daraufhin nur mehr per Randnotizen beworben. In den Buchhandlungen findet sich zur Zeit maximal noch ein Exemplar (Rückenplatz oberhalb Augenhöhe) unter den vielen Neuerscheinungen. Würde mich wundern, wenn es dieses wirklich herausragende Werk nochmal in die Liste schaffen wird.
Fazit, gutes Marketing bringt Bestseller und Bestseller gute Verkaufszahlen. Und ein verdammt schnelllebiges Geschäft. Richtig etabliert sind eigentlich nur die paar ganz großen Name der deutschen Autorenliga … also weiterschreiben, bis die Tasten glühen und darauf hoffen, irgendwann den kleinen orangen Aufkleber aufs Cover pappen zu dürfen … viel Glück und Erfolg euch allen, die das anstreben. Mein Traum wäre es schon …
Was ich schoin lange geargwöhnt (was für ein Wort) habe - es geht keinem Verlag mehr um gute Schreibe (gut, das ist nicht objektiv), aber wenn es nur noch um Geld geht, hat der Beruf / die Berufung des Autors keinen echten Stellenwert mehr. Wenn ein Verlag mit Unmengen an Geld (aus Sicht eines SPlers) auch noch den größtem Scheixx unters Volk bringen kann - dann kann ich das nur noch als billig bezeichnen.
Ich finde den Hinweis schon okay. Insbesondere wenn jemand einen echten und wahrlich herausragenden Roman geschrieben hat. Das rein an den Verkaufszahlen zu bemessen lädt Leute mit ausreichend Geld und Ego vielleicht ein, da etwas nachzuhelfen. Ist ja kein schlechtes Prädikat.
Klebt der Papper auf einem „nicht so gutem Buch“, so spricht sich das wahrscheinlich eh schnell herum.
So ist es, und ein Label für Qualität gibt es eigentlich nicht, da die Leserpräferenzen unterschiedlicher kaum sein können. Nicht einmal „Gewinner des XY-Preises“ muss einen Genuss für jedermann bedeuten. Es scheint leichter zu sein, ein ‚weniger gelungenes‘ Werk allgemein zu definieren als ein ‚gutes‘. Trotzdem ist es legitim, wenn viele hier mit dem Quantität-Label liebäugeln. Häufig verkauft zu werden, ist auch ein Lob, das man sich verdienen muss.
Guten Morgen! Gut möglich, dass du in in die richtige Richtung geargwöhnt hast … Nur was hat Marketingbudget mit einem Bestsellerplatz zu tun?
In der Belletristik gibt es jede Woche 60 Plätze auf den Spiegellisten (Je 20 im Bereich Hardcover, Paperback und Taschenbuch) für die am besten verkauften Bücher.
Diese Woche teilen sich exakt 26 Verlage diese 60 Plätze. Am stärksten vertreten sind Hyne mit 8, Rohwolt 5, Piper, Kiwi, Goldmann und DuMont mit jeweils 4 Büchern.
Die Inhaber geführten Häuser behaupten sich jeweils mit 1-2 Plätzen: Exakt Diogeness 2, Hanser 1, Loewe 1 und Vanessa Göcking mit ihrem neu gegründeten Vani Verlag hat auch eine Autorin platziert (Hut ab !!!)
Und zuletzt die Branchenriesen, Verlags- und Mediengruppen.
Nur die Top 3 aus dieser Woche:
Penguin Random House Gruppe (Bertelsmann): 19!!! von 60 Plätzen abgeräumt.
Georg Holtzbrinck Gruppe: 11
Droemer Knaur Gruppe: 6
Das heißt, die Drei teilen sich weit über die Hälfte der Spiegel Bestsellerlisten! Damit dürfte genug Budget vorhanden sein, um die nächsten Werke oder ganze Autorenkarrieren zu puschen und damit die Marktherrschaft zu behaupten!
Die Kriterien:
Gut verkäuflich? Unbedingt,
Gute Literatur? Geschmackssache
Jeden Scheiß? Nein - keiner will sich damit den Namen versauen - Nur die spitze des Olymps besteht dauerhaft in diesem Karussell - das gilt übrigens genauso, oder eigentlich am meisten, für uns Autoren!
Wow - man sollte deine Beiträge immer genau lesen. Tatsächlich hätte ich es fast überlesen, aber dieser Begriff ist genial! Trifft den Nagel auf den Kopf!
Nur bedeutet „häufig gekauft“ nur gekauft (Marketingbudget macht eben doch viel aus) und nicht automatisch „gelesen“. So, wie Leute Bücher verschenken, die vom Buchhandel empfohlen wurden. … So bekomm ich immer, mit Verlaub, Bestseller-Sch… geschenkt, oft genug unlesbar für mich. Ich lese mittlerweile lieber als Testleser und sehe dann, wie tolle Projekte mit tollem, eigenem und teils rauem Stil bei der Agenturvermittlung scheitern, weil Verlage wirklich das meiste „geglättet“ haben wollen (und sich über KI-Einsatz wundern …).
Bei der Spiegelliste oder Börsenblattliste (eher empfehlenswert) lese ich die Leseproben … Reicht meistens, um einen Eindruck zu gewinnen.