Show, don't tell mal kurz erklärt

Ja, finde ich gut. Ich glaube darum geht es letzendlich. Um „Wie nah“ möchte die jeweilige Szene geschrieben sein. Ich nutze manchmal „tellartige“ Strukturen, um z.b Zeit verstreichen zu lassen oder eine Handlung zu beschreiben, die stattgefunden hat, aber nicht so wichtig war, dass ich sie darstellen will . „Während sie sich der Stadt näherten, wurde aus Jim Bauch die Kugel(™byKoebes) herausoperiert“ Aber das ist wie der Tanz auf einen schmalen Grat, denn es bleibt dann die Frage „Hätte man das auch anders mitteilen können?“ im Sinne. „Lasst uns zur Stadt aufbrechen!“ „Und wo bleibt Jim?“ „Na, der steckt doch noch in der OP!“

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Das bringt’s auf den Punkt. Alles ist erlaubt - wenn man es kann.

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Ich denke, es ist sinnvoll, Show don‘t Tell genauso wie alle anderen Schreibregeln, Tipps und Hinweise als Werkzeug für die Überarbeitung zu verstehen. Und wie bei Werkzeug üblich, hat alles seine bestimmte Verwendung. „Wer nur einen Hammer hat, sieht überall Nägel“, weiß das Sprichwort. Davor sollte man sich hüten.

Ich will damit sagen, es bringt nichts, sklavisch die Regeln zu befolgen. Dadurch wird ein Text nicht besser. Unser Freund mit dem Hammer wird spätestens beim Tomaten schneiden nur noch suboptimale Ergebnisse erzielen.

Man muss also die echten Nägel finden. Also die Stellen im Text, die noch nicht ganz richtig klingen oder irgendwie unrund sind. An diesen Stellen setzt man dann seine Werkzeuge ein und schaut, was das was bringt. Und wenn man das richtige Werkzeug gefunden hat, ist der Text an dieser Stelle hinterher tatsächlich besser, als er es vorher war.

Das gilt, denke ich, für alle Regeln, sei es Show don’t Tell, Adjektive sparsam zu verwenden, schwache Verben, lange Sätze und was es sonst noch gibt. Es kann immer sein, dass eine Passage trotz Verstoßes gegen eine oder mehrere Regeln gut ist. Die gilt es zu erkennen und zu bewahren.

Wenn einem das gelingt, wird man am Ende einen ganz guten Text fabriziert haben.

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Ich finde, es ist wichtig wer gemeint ist.

Beim POV kann man meiner Meinung nach beides machchen. Show und Tell. Vor allem wenn es eine kompliziertes Gefühl ist kann man Tell einsetzen. Hier zwei Beispiele:
Sie bekam Angst.
Kalter Schweiß lief über ihren Körper.

Bei Nicht-POV finde ich ist Show die erste Wahl. Man muss nicht dem Leser alles erklären.
(Sie ist in dem Beispiel immer noch POV)
Schlecht: Er hatte jetzt Angst.
Nicht gut: Sie sah, dass er auch Angst hatte.
Gut: Sein T-Shirt war klatch nass. Sie wusste nicht ob sie seinen Schweiß roch oder ihren.

Um zuviel Schweiß zu vermeiden :disappointed_relieved:. Würde ich folgendes schreiben.

Sie bekam Angst und sah, dass auch sein T-Shirt klatch nass war. Sie wusste nicht ob sie seinen Schweiß roch oder ihren.

Mich nervt „show don´t tell“ zunehmend… Es wirkt teilweise krampfhaft, was manch Schriftsteller da versucht. So viele Phrasen sind mittlerweile ausgelutscht, oder es wird versucht, möglichst neue Details zu finden, durch die eine Gemütslage gezeigt werden soll. Das wirkt oft unpassend oder aus den Fingern gezogen. Besonders bei Kinder- und Jugend-Fantasy-Romanen fällt mir das in letzter Zeit eher unangenehm auf, aber auch bei Krimis usw.
Ich kenne bspw. niemanden, der ununterbrochen mit den Fingern auf die Tischplatte trommelt und seinen Blick immer wieder zur Tür wandern lässt, wenn er nervös ist. Das klingt nach Klischee, weil es schon tausendmal so beschrieben wurde. Die meisten versuchen genau so etwas zu unterdrücken, um sich selbst zu beruhigen, bzw. damit niemand bemerkt, dass sie nervös sind. Und als Beobachter würde mir so ein Verhalten wahrscheinlich gar nicht bewusst auffallen, sondern ich würde einfach nur spüren, dass mein Gegenüber nervös ist und erst, wenn ich erklären sollte, weshalb ich dieser Meinung bin, würde ich möglicherweise bemerken, dass sein linkes Auge leicht zuckt, oder seine Finger immer wieder trommeln, wenn er vergisst, sie zu kontrollieren (irgendwie sowas).
Was ist an „Er war nervös“ schlecht? Wenn ich so einen Satz lese, weiß ich sofort, wie sich das anfühlt. Wenn mir aber jemand ganz genau beschreibt, wie sich jemand fühlt, der nervös ist, passiert bei mir gar nichts. Ich trommel nämlich nicht mit den Fingern, sondern wippe mit dem Knie, ich schaue auch nicht immer wieder zur Tür, sondern versuche krampfhaft, genau das nicht zu tun. Wenn sich die Person im Buch dann anders verhält, als ich das tun würde, wird sie mir fremd und ich finde sie irgendwie doof. Irgendwie habe ich bei einem Satz wie „Er war nervös“ viel mehr Interpretationsspielraum und Raum für meine eigenen Gefühle.
Ich mag Texte, die erzählen und Empfindungen rüber bringen ohne dass jede kleine Gemütslage und Emotion bis ins winzigste Detail beobachtet wird. Ebenso finde ich persönlich z.B. „Sie spürte, dass auch er Angst hatte“ viel passender und realistischer, als „Sie sah, dass auch sein T-Shirt klatschnass war. Sie wusste nicht, ob sie seinen Schweiß roch oder ihren.“ Die erste Variante ist simpel, klar und eindeutig. Wenn ich selbst Angst habe, spüre ich doch einfach nur, dass auch der andere Angst hat. Wenn ich Angst habe, bin ich im Reptilienhirn-Modus und alle Instikte funktionieren automatisch und ohne die beobachtende Ratio, dann habe ich doch gar keine Zeit zu denken: Oh, sein T-Shirt ist klatschnass. Rieche ich gerade meinen Schweiß, oder ist es seiner?
Kein Mensch denkt so etwas, oder liege ich da falsch? Mich persönlich nervt es, wenn ich so etwas lese.

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Sehe ich ähnlich. Gut erzählt ist besser als schlecht gezeigt.
Trotzdem ist das „Show“ ein feines Stilelement, solange es in die Szene passt und der Autor es so beherrscht, dass der Text flüssig bleibt. Oftmals wirkt es erzwungen. Zum Beispiel dann, wenn alle Figuren bei Angst (meines Erachtens sowieso eher ein Zeichen für Ungeduld) mit den Fingern auf die Tischplatte trommeln …
Hat diese Eigenschaft nur eine, dann kann es als charakteristisches Erkennungsmerkmal dienen und zugleich beim „Show“ helfen.

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Geschmacksache, würde ich persönlich so nie schreiben.
Aber in der Sache hast du Recht, Jemanden einfach Angst zu unterstellen, der nicht Erzähler ist (außer auktorial) ist ein Perspektivfehler.

Das halte ich persönlich für nicht richtig.
Wenn es danach ginge, dürfte man nur noch Primärsinnerfahrungen in der Schilderung von Nicht-POVs verwenden. Dann wird das ganze unverständlich. Wenn jemand sein Hemd durchschwitzt, dann könnte er genauso gut unter der Hitze (müsste man dann auch erklären: „dabei war’s saukalt, jedenfalls für POV, denn eventuell war Nicht-POV auch gerannt, denn sein Atem ging schneller, aber vielleicht ist das auch nur Zeichen einer Herzinsuffizienz o mein Gott, hat er einen Herzinfarkt?“) oder Hyperhidrose leiden („roch er nach Aluminium-haltigem Deodorant?“). Nein, er sieht aus wie jemand, der Schiss hat. (Ich spar mir auch als Autor die Erklärung, auf welcher Körperfunktion das beruht). Das ist imA kein Perspektivfehler, wenn man allgemeingültige Erfahrung mitteilt. Der POV-Träger ist ja nicht permanent am Entschlüsseln körperlicher Signale (ein Photon trifft meine Netzhaut …) . Jedenfalls nicht als Leseinhalt.

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Zuvor würde ich mir die Frage stellen, ob eine Szene die Schilderung der Gefühlslage einer Figur, die nicht in der Funktion des Erzählers ist, überhaupt braucht. Falls ja, dann stimmt vielleicht etwas an der Wahl der Perspektive nicht.
Sollte dennoch der Kunstgriff notwendig sein, dann ist die Beschreibung eben auf das reduziert, was die Perspektivfigur plausibel dargestellt weiß oder wahrnehmen kann.

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„Der Typ da sieht nervös aus.“ :upside_down_face: :wink:

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Das ist eine effektive Möglichkeit. Formuliert als Vermutung. :+1: so mache ich das auch oft, wenn nötig. Stolpere dabei nur gerne über Wiederholungen: sieht aus, offensichtlich, scheint, scheinbar…

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Das verstehe ich nicht oder falsch … Die Nicht-POV haben kein notwendiges Gefühlsleben?
Ich stell mir gerade einen Liebesroman vor, wo niemand Liebe erwidert. Oder einen Thriller, in dem niemand außer dem PoV-Träger Furcht, Neugier, Sorge empfindet. Aber wahrscheinlich meintest Du das nicht?

Doch natürlich haben die auch Gefühle und Emotionen. Die Perspektivfigur kann das auch wahrnehmen und die Wahrnehmungen aus ihrer Sicht wiedergeben oder wie im Beispiel von Corinna eben vermuten.
Angenommen Figur A ( Erzähler) „erzählt“ über Figur B, das sie Angst hat. Dann ist das unglaubwürdig, weil Figur A das nicht wissen kann (die einfachste Form eines Perspektivfehlers). Ergo kann Figur A nur vermuten oder ihre Eindrücke wiedergeben. Also bleiben folgende Möglichkeit:
Figur B äußert sich selbst im Dialog: „Ich habe Angst …“
Figur A vermutet : „Figur B sieht aus, als ob sie Angst hätte …“
Figur A gibt eine Wahrnehmung wieder: „Figur B fischt ein Taschentuch aus seiner Hosentasche und wischt sich die Schweißperlen von der Stirn …“
Möglichkeit drei wäre die „Show don’t Tell“ Lösung. Und dabei stellt sich wieder die ursprüngliche Frage: Macht das Sinn (die Schweißperlen können ja auch andere Ursachen haben), passt es zu Szene (wenn’s gerade spannend werden soll, nimmt es unnötig Tempo aus der Szene) und ist das Gefühl der Figur gerade jetzt wichtig (lenkt ab von der Perspektivfigur) …

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Gut, dann hatte ich es falsch verstanden :wink:.
Ich würde nicht in jedem Fall einen Perspektivfehler sehen, aber man muss natürlich die Möglichkeit des Interpretationsfehlers durch den POV bedenken - bei einem personalen Erzähler halte ich das für akzeptabel; personal kann immer auch unzuverlässig sein, ohne dass ein Perspektivfehler vorliegt. Durch Show don’t tell verschiebt man den Interpretationsfehler, eventuell und vielleicht scheinbar eleganter, auf den Leser. Das nähme ich dem Autor aber übler, als wenn er den POV-Träger falsch vermuten ließe.

Wenn aus der POV falsch vermutet wird, ist das auf jeden Fall zu verzeihen, zumal es ja genau dann KEIN Perspektivfehler ist. Dann ging ja eine Vermutung des Erzählers voraus.
Dto. gibt es beim Show don’t Tell, keine Interpretationsfehler, der Autor kann höchstens eine Falschinterpretation beim Leser hervorrufen, manchmal ja auch gewollt (unzuverlässiger Erzäher)! Gefühle und Wahrnehmungen werden dabei ja nicht erzählt, sondern anhand Wahrnehmungen gezeigt! Beides ist okay und funktioniert auch, solange der Erzähler nichts behauptet, was er nicht wissen kann. Zeigen und vermuten darf er alles!

Nicht, dass ich nicht diesen Fehler mache würde, aber dies ist kein Argument gegen die Theorie.

Du hast hier nur ein Kriterium, was einen guten Autor von einem schlechten unterscheidet.

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Welche Theorie jetzt?

wie auch oben schon gesagt: m.E. ist das der Punkt. Siehe das oft dem Dalai Lama zugeschriebene Zitat, wonach man die Regeln kennen muss, bevor man sie brechen darf.

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„Drei Tage später kam er in Berlin an.“

Hier kann man ein ganzes Buch draus machen, denn eigentlich wollte er in HH in den ICE steigen, aber … Das wäre dann ein Spinn Off für den eigentlichen Roman … Mit jeder Menge Show von Verzweiflung, Ärger, Schicksalsergebenheit usw. …

Es verlangt ja niemand, dass man jede Gefühlsregung umschreibt. Im Umkehrschluss fehlt einer Story, bei der es immer nur lapidar heißt, er hatte Angst, sie war gelangweilt, er war nervös u.s.w. irgendwann die Tiefe.
Die Kunst ist es halt, da den perfekten Mittelweg zu finden.

Und wenn eine Figur schwitzt wie nochwas und man als Leser nicht weiß, ist das jetzt Angst, Anstrengung oder einfach nur die Sommerhitze, läuft was verkehrt.
Auch hier gilt: Es ist eine Kunst, Beschreibung und Dialog so zu kombinieren, dass die Situation klar ist.

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