Show, don't tell mal kurz erklärt

Hi zusammen,

da ich hier immer mal wieder die Frage „Was ist eigentlich Show, don’t tell?“ lese, hier ein paar Worte dazu, die euch ggf. helfen:

Gemeint ist: Statt etwas einfach nur zu behaupten oder den Leserinnen und Lesern vorzusetzen, stellst du die Szene so dar, als wären sie selbst mittendrin. Du benennst Emotionen oder Eigenschaften von Charakteren nicht einfach nur, du machst sie durch konkrete Handlungen und Details sichtbar.

Ein Beispiel:
Tell: „Markus war sehr nervös.“
Show: „Markus trommelte ununterbrochen mit den Fingern auf die Tischplatte, während sein Blick immer wieder zur Tür wanderte. Ein einzelner Schweißtropfen rann ihm die Schläfe hinunter.“

Warum ist das so wichtig?
„Show, don’t tell“ sorgt dafür, dass dein Text lebendig wird und deine Leserinnen und Leser emotional eingebunden werden. Es erzeugt Atmosphäre und Tiefe. Wenn du behauptest, ein Charakter sei mutig, glauben wir dir das vielleicht. Wenn wir aber lesen, wie er trotz zitternder Knie die dunkle Höhle betritt, wissen wir, dass er mutig ist.

Wenn du nur erklärst, was passiert oder wie sich deine Figuren fühlen, bleibt die Geschichte auf Distanz. Durch das Zeigen entsteht Nähe. Man kann beim Lesen eigene Schlüsse ziehen; es bleibt Spielraum für Interpretationen und vor allem für das „Kopfkino“. So stellst du sicher, dass das Leseerlebnis für jede*n zu etwas Individuellem wird.

Wie setzt du „Show, don’t tell“ konkret um?
Beim Überarbeiten deines Manuskripts kannst du gezielt auf folgende Punkte achten:

Emotionen sichtbar machen: Statt Gefühle nur zu benennen (traurig, glücklich, wütend), zeigst du sie über Körpersprache, Dialoge oder Verhalten.

Konkrete Details nutzen: Sinneseindrücke machen Szenen greifbar. Wie riecht der Raum? Wie fühlt sich der kalte Wind auf der Haut an? Was hört der Charakter im Hintergrund?

Handlung einbauen statt zu erklären: Lass deine Figuren etwas tun, anstatt nur über sie zu berichten.

Dialoge einsetzen: Gespräche können oft mehr transportieren als erklärende Absätze.

Und vor allem: Hab Vertrauen in deine Leserinnen und Leser! Du musst nicht alles ausformulieren. Vieles wirkt zwischen den Zeilen deutlich stärker.

Worauf solltest du achten?
Ein häufiger Fehler ist, dieses Prinzip zu streng anzuwenden. Es gibt Momente, in denen „Tell“ absolut sinnvoll ist, zum Beispiel, um unwichtige Zeitspannen zu überbrücken oder einfache Informationen schnell zu vermitteln: „Drei Tage später kam er in Berlin an.“

Entscheidend ist die Balance. Du „zeigst“ dort, wo es emotional oder dramaturgisch wichtig ist, und „erzählst“ dort, wo es den Lesefluss unterstützt. Wenn du unsicher bist, hilft dir eine einfache Frage:

Ist das ein Moment, den man fühlen soll? Dann zeigst du ihn.
Ist es eine Information, die man einfach verstehen muss? Dann darfst du sie erzählen.

Fazit: „Show, don’t tell“ ist kein starres Gesetz, sondern ein Werkzeug. Wenn du es bewusst einsetzt, wird dein Text definitiv davon profitieren.

Hilft das?

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… das kommt davon, wenn man mit der deutschen Bahn fährt :wink:

Ansonsten: schön zusammengefasst - v.a. den Hinweis auf „fühlen“ versus „verstehen“ finde ich hilfreich :+1:

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:rofl: :rofl: :rofl: „sänk ju foa trewelling wis Deutsche Bahn“

Schön, freut mich sehr, wenn du dir davon was mitnehmen konntest.

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Richtig. Wie etliche andere Tools aber auch eine Frage der Ausgewogenheit. Manchmal muss gefühlt, manchmal verstanden werden. Übertreibt man es (Häufigkeit und/oder Umfang), wirkt ein Text schnell künstlich aufgebläht und aufgedunsen. Die richtige Mischung ist letztlich wieder Stilelement.

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Sehr gut und leicht verständlich zusammengefasst! Damit kann man, respektive ich gut arbeiten!

Nachfolgend eine Textpassage aus meinem nächsten Werk, wo ich Show und Tell kombiniert habe. Tell („Sie sah fürchterlich aus.“) war aber überflüssig, deshalb hat es mir die Lektorin auch gestrichen. Dass die Frau in dem beschriebenen Zustand nicht gerade für den Wiener Opernball optimal gekleidet ist, ergibt sich aus der Beschreibung.
Wer Ideen hat, über Show die arme Frau noch fürchterlicher aussehen zu lassen – ich bin offen für Vorschläge. Hier kommt der Text:

Vor ihr stand eine schlanke blonde Frau. Sie sah fürchterlich aus. Die verfilzten Haare hingen ihr in das von blutigen Kratzern übersäte Gesicht, ihre Trekkingkleidung war zerrissen und von Schlamm überzogen, der Gummistiefel an ihrem rechten Fuß war aufgerissen, blutige Socken lugten hervor.

P.S.
Sie kommt gerade von einer Trekkingtour in Afrika

Ich bin kein Experte, aber Gummistiefeln würde ich nach einer Tour auf einem Krabbenkutter in der Nordsee erwarten, nicht beim Trekking in Afrika. Dort doch eher veritable Wanderstiefel. :hiking_boot:

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Aus Leder. Sonst bekommt man null-komma-nichts Schwimmfüße!

Mir fällt zu Füßen in Gummistiefeln eher eine anderes Wort, das auch auch „schw …“ beginnt ein.
:sweat_smile:

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Mein Rekord Hamburg - Berlin: 17 Stunden. Über Hannover und Magdeburg. Teilweise mit 50 km/h. Zeitweise irgendwo einfach für ne halbe Stunde oder länger stehengeblieben. Weil der Lokführer keine „Kenntniss dieser Strecke in Sachsen-Anhalt hat“ und einer mit der „Streckenkenntnis“ war nicht verfügbar.
Irgendwo lag ein baum auf der Strecke und auch Oberleitungen waren wohl von einem Sturm beschädigt.
Klimaanlage ausgefallen (36 Grad im Schatten). Keine Getränke mehr an Bord.

War eine … interessante Erfahrung. Mit einem ICE fast im Schritttempo durch die blühenden Landschaften zu bummeln.

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Da schließe ich mich an. Da dieser nicht aufreißen, kann auch keine blutige Socke hervorlugen (wenn doch, wäre es auch nur eine :face_with_hand_over_mouth:).

Wetten, dass ich Dir einen Storykontext basteln kann, der erklärt, warum es zwei Socken sind? :joy: :socks:

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Weil die Dame nur unpassende Gummistiefel im Gepäck mitführte und ihr ein hilfsbereiter Jemand Trekkingstiefel lieh, die aber eine Idee zu weit für ihre Füße waren, weshalb sie zwei Socken übereinander zog??? :sweat_smile:

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Oh Leute, ich fürchte, ihr wart noch nicht in demGebiet, wo die Geschichte spielt: im Ruwenzori-Gebirge in Uganda. Da muss man sich vor allem durch Moore, Sümpfe und andere Feuchtgebiete quälen. Und durch Regen, Regen, Regen.
Wer da Wanderstiefel oder Trekkingschuhe trägt, ist hoffnungslos verloren.
@Suse: Die Schwimmfüße bekommst du da ruckzuck in Schuhen aus Leder.

Ich war selbst mehrfach in Costa Rica in den REGENwäldern auf Trekkingtour, und was haben da alle getragen? Richtig: Gummistiefel.
Die Socken in EINEM Stiefel haben natürlich einen Hintergrund – den wird uns Michel erklären. :sunglasses:

P.S.
Die angehängten Fotos sind aus dem Internet und zeigen Teilnehmer unterschiedlicher Trekkingtouren im Ruwenzori. Und was tragen die Damen und Herren an den Füßen …? (Sic!)

bamboo-zone
Freshfield Pass 02
mutinda-i-forget-to-mention

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Aber durch Außeneinwirkung und nicht von innen heraus. :heart_eyes:

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kein Wunder:

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:laughing: :rofl: :joy:

Richtig! Deshalb hat die Frau auch noch Schwimmflossen dabei. :wink:

Okay, die Info fehlte uns natürlich! Bei Afrika, denkt so´ ne Heather immer gleich an Staub und Hitze. :face_with_open_eyes_and_hand_over_mouth:

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OPERNBALL

Vor ihr stand eine schlanke blonde Frau. Sie sah fürchterlich aus. Die verfilzten Haare hingen ihr in das von blutigen Kratzern übersäte Gesicht, ihre Trekkingkleidung war zerrissen und von Schlamm überzogen, der Gummistiefel an ihrem rechten Fuß war aufgerissen, blutige Socken lugten hervor.
»Nicht gerade gerade vorteilhaft gekleidet für den Wiener Opernball«, flüsterte Jean.
»Das kommt darauf an«, sagte Heidi hinter ihm. »Die Attitude der Performance ist georgeos!« Sie klatschte in die Hände und die aneinanderklackenden Fingernägel machten ein Geräusch, das ihn an Tequila-Gläser erinnerte, die auf einen schartigen Tresen knallten. »Die Stiefel sind ein wenig edgy, aber die Socken … ich liebe sie!«
»Warum trägt sie zwei Socken am Fuß?« Jean stellte fest, dass es entscheidend zu wenig Alkohol an diesem Ort gab, um die ganzen Promis zu ertragen.
Heidis Augen wanderten von seinem Haaransatz bis zu den Füßen. Das eingefrorene breite Lächeln war gnadenlos emotionslos. »Es sind Paarsocken«, sagte sie nur und wedelte nach Jean, als versuche sie, seine Fliege weg zu wedeln. Hätte er doch eine Krawatte gewählt. »Tom? Toooom. Ich brauche mehr Champagner!«
»Sie hat Blut im Schuh«, sagte Jean. »Hoffentlich hat sie sich nicht am Fuß verletzt.«
»Ich lieeebe es! Eine Cinderella-auf-dem-Ball-Anspielung! Tooooom! Cham-pang-ner! JETZT!«
»Ich denke dem Fuß geht es gut«, sagte Tom. »Das ist nur von der Stirn in die Stiefel gelaufen. Sie hat einen Nagel in der Stirn.«
»Oh«, sagte Jean. »Ich bin ja nur Neurologe, aber ich glaube das ist nicht gesund. Andererseits …« Er schielte zu Heidi. »Muss ein Nagel nicht unbedingt funktionelles Nervengewebe vorfinden…«

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Aus meiner Sicht ist das genau das perfekte, treffende, typische Beispiel für das, was ich überhaupt nicht leiden kann.
Als Leser möchte ich hineingenommen werden in die Gefühls- und Gedankenwelt der Personen.
Was diese Art von „Show“ macht, ist das Gegenteil davon: Es bringt mich auf Abstand und macht mich zum Zuschauer. Wie bei einem Fernsehfilm erfahre ich nur von außen, was ein Zuschauer der Szene sehen (Körpersprache) und hören (Dialog) würde.
Mal ehrlich, wenn ich das haben wollte, würde ich direkt fernsehen, statt ein Buch zu lesen. Körpersprache zeigen kann ein Film viel besser. Von einem Buch erwarte ich anderes.

In dem Beispiel „sehe“ ich sozusagen von außen, wie Markus schwitzt, und kann dann aus der Distanz interpretieren bzw. raten, ob er wohl Angst hat, die Umgebungstemperatur hoch ist oder er vielleicht krank ist und fiebert. Was ich statt dessen interessant fände, wären seine Gedanken und Beweggründe und die inneren Konflikte, die gerade ablaufen.

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