Seitenwind Woche 9: Konflikte

Nein!

Er drehte sich um und rammte die viel zu große Schaufel ins Bachbett. Von dem gerundeten Blech lief das Wasser, während er das Häufchen schlammigen Sands zu dem Verhau aus Ästen und Steinen balancierte, den er während der letzten Stunde aufgehäuft hatte. Endlich war es so weit. Das Wasser begann sich zu stauen.

Boah! Kuckt mal.
Los, wir machen auch mit!

Verblüfft sah er auf.
Geht weg da, sagte er, das ist mein Damm!

Das ist aber nicht dein Bach!
Ich war zuerst da, sagte er, und warf die nächste Schaufel Sand hinein.
Fasziniert sah er zu, wie das Wasser durch die verbliebene Lücke schoss und den eben hineingeworfenen Sand in Sekunden wieder wegspülte.
Ingenieur, dachte er, ich werde Ingenieur.
Wir wollen mitspielen!
Er brauchte noch einen Ast. Und zwei große Steine.

Spielt woanders, sagte er.
He! Das ist ganz schön schnell, das Wasser.
Geht weg!
Der Bach gehört dir nicht allein!
Das ist mein Damm! Ich hab’ ihn gebaut.
Jetzt hab’ dich nicht so. Kuck’ mal, der …
Geh’ weg da!
Er hob die Schaufel.
Das nächste, was er mitbekam, war der Gruppenleiter, der ihn ins Gebet nahm.

Setzt euch zu uns, ich schmeiß’ noch ‚ne Runde.
Danke, aber ich muss hier noch aufräumen.
Ach was, ist doch schon spät, das kannst du auch morgen noch …
Gerade, weil’s spät ist. Morgen kann ich endlich mal ausschlafen.
Ach komm‘, ein Bier.
Ich mag kein Bier.
Und ich bin Unteroffizier. Ich befehle Ihnen hiermit, ein Bier mitzutrinken!
Das nächste, was er mitbekam, war der Rest des zersplitterten Glaskrugs in seiner Hand.