En-Route to Cuba
Haben sie jemals eine Flugzeugentführung erlebt? Ich meine, eine Flugzeug-Entführung, nicht die Entführung der Menschen darin? Wie sollte man mich schon entführen? Einsperren? Bei Kerosin und Öl? Lösegeld fordern? Ha!
Von daher sind mir diese Entführungen eigentlich egal. Man kommt auf die Weise wenigstens rum. Nicht immer dieses öde BER-JFK, JFK-BER. Mal Kuba sehen. Das Wetter genießen oder den anderen Geschmack des Flugbenzins dort, der einen an die Geschichten von Fliegerhorsten mit All-Inklusive Service erinnert … hach, herrlich!
Aber jetzt? Seit einer halben Stunde klebt da doch diese Militär-Zecke an meinem rechten Flügel. Der bildet sich offenbar ordentlich was ein auf seine großen … hmm … Raketen. Dabei ist er im Vergleich zu mir ein Wicht. Wenn wir uns mal auf dem Rollfeld gegenüberstünden - ich könnte ihn zerquetschen. Nun ja, wenn. Im Moment sieht die Sache anders aus. Wissen sie, ich höre gewohnheitsmäßig den Funkverkehr mit. Belangloses Gebrabbel der Menschen normalerweise. Aber jetzt hat der da drüber doch ernsthalft gesagt, er würde mich notfalls abschießen. Mich! Was kann ich denn dafür?
Auf jeden Fall ist die Sache damit persönlich. Ich könnte ihn rammen. Vermutlich eine schlechte Idee. Ich muss das Problem anders beseitigen. Mal sehen … vier Entführer an Bord. Machen wir uns an die Arbeit …
Huups, war das ein Luftloch? Nein, ich war’s. Weiß aber keiner. Allen zieht es den Magen nach oben, ich werfe meine Sauerstoffmasken aus. So, wer von den regulären Passagieren sich jetzt immer noch nicht angeschnallt hat, ist selber schuld. Phase 2 kann beginnen. Lassen wir es mal im Frachtraum etwas rumpeln. Gerade laut genug, dass jemand mit Paranoia …
„Hat sich da unten jemand versteckt?“ Der Kerl mit der Kalaschnikov im billigen Abteil hinten hat zu niemand bestimmtem gesprochen und dreht sich nervös um. Wie hat er das Ding eigentlich an Bord gebracht? Darum kümmere ich mich später. Noch ein Rumpler. Ich habe ihn am Haken! Er läuft zu der kleinen Luke im Heck. Offenbar kennt er sich gut aus und weiß wo’s lang geht. Jetzt zieht er sie auf und klettert hinab. Wie gut, dass ich heute eine Schlange transportiere. Noch drei Entführer.
Sagte ich schon, dass ich dem Funkverkehr zuhöre? Naja .. wer sagt denn, dass ich nur zuhören kann?
„Hier, die wollen sie persönlich sprechen.“ Mein Fahrer, ja Fahrer - glauben sie etwa er ist mein Kapitän? – dreht sich um und reicht dem Kerl ganz vorne das Handstück des Funkgeräts. Ein wenig Selbstverletzung tut not. Zwölf Volt? Glauben sie, die Bordnetze sind so getrennt, dass ich da nicht drankäme? Machen wir Zweihundertzwanzig draus. Das zwickt! Ok, Erledigt. Die beiden Fahrer machen große Augen, rühren sich aber nicht. Könnte mich ruhig mal unterstützen, das faule Pack. Noch zwei Entführer.
Man beobachtet ja so einiges in der Passagierkabine auf langen Flügel. Man wird vollgekrümelt, vollgesabbert und in dem kleinen Raum hinten vollge … na, egal. Man lernt aber auch einiges, wollte ich sagen. Da sitzt zum Beispiel jetzt in Reihe 27B dieses Mädchen. Es hat geweint. Seine Mutter hat ihr zur Ablenkung dieses kleine Spiel mit den winzigen Murmeln in die Hand gedrückt, die man offenbar durch geschicktes Schwenken in die beiden Löcher bugsieren muss, ohne, dass eine wieder rauskommt … Interessantes Konzept. Ich werfe die Kabinentür hinten und vorne gleichzeitig ab. Soviel zu den zwei Löchern. Gierachse! Längsachse! Querachse!, Huii! Die Fahrer ziehen erschrocken ihre Hände von den Steuerhörnern. Stören sie mich wenigstens nicht. Die Kugeln rollen. Ich bin so gut. Beide gleichzeitig im Loch.
Wieder nichts mit Kuba.