Hast du es auch bequem? Ganz entspannt liegst du auf dem Sofa, ein betagter Herr, der voller Zufriedenheit sein Reich überblickt. Du blinzelst mir zu, hast noch immer dieses verschmitzte Funkeln in den Augen, und du hoffst, dass man sich mit dir beschäftigt. Oder soll es doch lieber etwas Essbares sein?
Du kannst es mir nicht sagen, aber ich kenne diesen ich – möchte – den – Geschäftsführer – sprechen – Blick sehr gut. Das Kaninchenragout von vorhin hat demnach nicht deinen Geschmack getroffen, kein Wunder, du warst schon immer ein äußerst anspruchsvoller Esser.
Dein silbriger Schnurrbart zeigt mit seinem Schwung, ob du lächelst oder uns auslachst, ob du zufrieden bist oder ob dir etwas missfällt.
Wenn du mich so anschaust, fühle ich ein warmes Flattern in der Brust, eine überbordende Liebe, die du auf deine Art von Anfang an erwidert hast.
Du maunzt ganz leise, ja, du bist eine Katze. Hatte ich das noch nicht erwähnt?
Dann stupst du mich an, vorsichtig und ohne Krallen. Welche Dolche sich in diesen Samtpfoten verbergen, wissen wir alle sehr gut, ganz besonders deine Tierärztin. Außerdem lassen sich damit problemlos Verpackungen aller Art öffnen. Ich weiß noch, wie du einmal die Schachtel mit meinen Tampons aufgefleddert und mit dem Inhalt über den gesamten Fußboden hinweg Minigolf gespielt hast.
Du stupst erneut, diesmal möchtest du hinausgelassen werden. Die Katzenklappe wird dabei konsequent ignoriert, wofür hat man schließlich Personal?
Früher hast du lange Streifzüge unternommen und uns oft etwas mitgebracht. Natürlich haben wir uns immer sehr über die toten, halbtoten und lebendigen Mäuse gefreut, aber ganz ehrlich, solche Geschenke wären nicht nötig gewesen.
Mittlerweile lässt du es ruhiger angehen und hältst dich auch aus allen Revierkämpfen vornehm heraus. Diese leidige Diskussion, wer denn nun wann auf welchem Gartenzaun sitzen darf, ist eine Frage für die Jugend.
Es lässt sich nicht leugnen, das Alter sieht man dir an, auch wenn du den Katzenbuckel noch immer zehnmal besser hinbekommst als ich bei meinen Yogaübungen.
Jetzt, im Herbst, steht der Fellwechsel an und dein dreifarbiger Pelz beginnt zu haaren. Interessanterweise finden sich immer auf hellen Sachen die dunklen und auf dunklen Untergründen die weißen Härchen. Wie machst du das nur? Egal, dein Fell ist nach wie vor wunderbar weich und lädt zum Kuscheln ein. Kuscheln ist in Ordnung, aber wehe, wenn ich mit der Bürste komme, das magst du gar nicht. Als selbständiger Kater vertrittst du die Ansicht, Fellpflege fällt unter Privatangelegenheiten. Deine Pfoten sind auch immer sehr gepflegt, vorne trägst du, absolut modebewusst, weiße Socken und hinten weiße Kniestrümpfe. Ein Glück, dass es in deiner Größe keine Sandalen gibt.
Du bist ‚nur‘ eine Katze, aber wir staunen immer wieder, wie viel Persönlichkeit in solch einem kleinen Geschöpf stecken kann.
Beinahe dein ganzes Leben hast du mit uns geteilt und wir alle hoffen, dass uns noch ein wenig mehr Zeit miteinander bleiben wird.