Wunder gibt es immer wieder
Endlich bin ich wieder allein. Mit der Gurkenmaske im Gesicht, Lockenwicklern im Haar und einem Glas Weißwein schlurfe ich ins Wohnzimmer.
Der Verwandtschaftsbesuch ist überstanden, die Wohnung wieder in ihrem Ursprungszustand. Erschöpft sinke ich auf das Sofa und genieße die Ruhe vor dem Kaminfeuer.
Es rumpelt. Rußwolken stieben aus dem Kamin.
Als die Sicht wieder klar wird, sehe ich den Weihnachtsmann zu meinem geschmückten Tannenbaum schleichen und zwei Päckchen ablegen.
Gutes Stöffchen, denke ich und nehme noch einen großen Schluck Wein.
Der Weihnachtsmann macht sich auf den Rückweg zum Kamin, sieht mich und erstarrt. „Ich bin doch auf der Erde, oder?“
Peinlich berührt, stelle ich mein Glas ab und entferne mit einer Serviette den Großteil der Gurkenmaske. „Ja, bei Luna Wonder.“
Sichtlich erleichtert, geht der Weihnachtsmann weiter. „Na dann: Frohe Weihnachten! Und nicht traurig sein, den einen Wunsch konnte ich leider nicht erfüllen.“
„Welchen? Die extrem flauschigen Winterstiefel oder den großen Rucksack für die aktive Frau?“
„Nein, die liegen dort.“ Er holt eine Liste hervor. „Hier steht, ihr sehnlichster Wunsch sei einen netten Mann kennenzulernen.“
Ich bin irritiert. „Liefern sie auch Männer in Weihnachtspaketen aus?“
„Nein. Ich verschenke keine Menschen.“ Auch der Weihnachtsmann scheint mittlerweile verwirrt zu sein. „Aber ich muss immer alle Wünsche erfüllen, die auf der Liste stehen.“
„Und auf der steht, dass ich einen Mann bekomme?“
„Ja, einen geselligen, reisefreudigen, der gerne jeden Wunsch erfüllt.“
Hm. Ich sehe mir den Weihnachtsmann an. Das Bäuchlein ist ja ganz gemütlich und gegen den Bart kann man was unternehmen. „Möchten sie vielleicht einen Schluck Weißwein?“, frage ich.