Seitenwind 2024 beginnt! 1. Teil

Berger starrte aus dem Fenster. Der Mann mit dem Handy entfernte sich schnellen Schrittes, während seine Frau, Dorothea, zum Hörer griff und mit kurzen, abgehackten Sätzen erklärte, was passiert war.

»Die Polizei ist auf dem Weg.«

»Gut«, war alles, was er herausbrachte. Noch immer geschockt von der Szene, die sich gerade vor seinen Augen abgespielt hatte, setzte er sich auf die alte Schuhtruhe, die hinter der Haustür stand. Der metallische Geruch des Blutes hatte sich in seiner Nase festgesetzt, genauso wie das Bild des explodierenden Schädels. Richard hatte kurz das Gefühl, sich übergeben zu müssen.

Berger hatte schon vieles erlebt. Frankfurt war ein gefährliches und oft auch sonderbares Pflaster, aber das…? Innerlich war er aufgewühlt, nach außen hin versuchte er jedoch, gefasst zu wirken. Er sog tief die Luft ein, atmete zweimal, dreimal tief ein und aus. Zählte in Gedanken bis fünfzig, ehe er sich seiner Frau zuwandte, die ein Nervenbündel war. Dorothea weinte. Ihre blauen Augen schwammen in Tränen. Blass und zitternd saß sie da, in ihrem mausgrauen Chanel-Kostüm.

»Ich habe dir gesagt, es wird etwas Schlimmes passieren. Mein Traum… erinnerst du dich? Du hättest dich nie auf diesen Handel einlassen dürfen… niemals. Es war unrecht.« Sie bekreuzigte sich und murmelte ein leises Gebet.

»Jetzt beruhige dich. Das hat nichts mit mir zu tun. Was immer gerade auch passiert ist, hat keinen Bezug zu meiner Person. Das waren zwei Wahnsinnige…«

In diesem Moment hasste er seine Frau. Ihre Frömmigkeit, das ewiges Geplapper über Karma, böse Omen und Träume hing ihm gewaltig zum Hals heraus.

»Das Blut, ich habe es gesehen… es quoll aus unserem Haus. Überall waren Krähen und Dunkelheit…«

»Verflucht, Dorothea, halt den Mund! Es ist wohl kaum der richtige Zeitpunkt für deine esoterischen Spinnereien!« Berger wurde lauter und schlug mit der Hand gegen den Türrahmen.

»Du hättest ihm das Geld geben sollen, als Ausgleich für das, was du getan hast. Es holt uns ein. Möge Gott uns helfen.«

»Reiß dich zusammen!«, brüllte er. »Die Polizei wird jeden Moment hier sein. Also tue mir einen Gefallen und verhalte dich einmal wie ein normaler Mensch und nicht wie eine hysterische Gans.«

Er lockerte seine Krawatte und goss zwei Fingerbreit Whiskey in ein Glas. Seine Hände zitterten. Er stellte das Glas für einen kurzen Moment ab und starrte in den antiken, goldgerahmten Spiegel, der über der Bar hing, nur um festzustellen, dass sich winzige Blutspritzer auf seinem Gesicht befanden.
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