Seiten füllen

Die Frage ist nicht einfach zu beantworten.
Die Wahrheit liegt vermutlich, wie so oft, in der Mitte.
Aus der Sicht des Lesers betrachtet, denn für ihn schreiben wir, stellt sich die Frage: Wann beginnt ein Text für ihn, langweilig zu werden? Wenn ein Schriftsteller am Beginn einer Szene den Protagonisten in ein Zimmer gehen lässt und dieses so beschreibt, dass beim Leser das Kopfkino startet und er sich das beschriebene Zimmer vorstellen kann, bevor er sich sein eigenes Bild von dem Zimmer konstruiert, dann hat der Schriftsteller weder zu viel noch zu wenig beschrieben. Der Leser hat somit die Vorstellung des Schriftstellers im Kopf und liest den Roman hoffentlich weiter.
Beschreibt der Schriftsteller für den Leser zu wenig, dann beginnt er sich sein eigenes Bild zu konstruieren. Wenn sich in weiterer Folge das Bild im Kopf des Lesers nicht mehr zu der Geschichte passt, entsteht Irritation, dann Langeweile; der Leser legt das Buch weg.
Erfordert es die Geschichte, dass das Zimmer erneut beschrieben wird, ist es beim Protagonisten vermutlich nicht mehr erforderlich, alles noch einmal zu beschreiben.
Kommt eine andere Figur in das Zimmer, werden mit Sicherheit andere Dinge in dem Zimmer in den Vorder- oder Hintergrund rücken.
Und dann kommen noch die vielen anderen Aspekte wie Zielpublikum, Handlung, Tempo, Dialog etc. dazu, die ebenso Einfluss auf die Beschreibung einer Szene nehmen.

Vieles andere wurde schon beschrieben und noch viel mehr könnte man schreiben.
Eines ist sicher: Wenn der Schriftsteller so schreibt, dass der Leser kaum aufhören kann, den Roman/Geschichte zu lesen, dann stimmt alles.

Das sollte das Ziel jedes Schriftstellers sein! :wink:

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@Carlo-Valentino

Nachdem alle Beiträge auch öffentlich zu lesen sind, erlaube ich mir zu deinem Text Stellung zu nehmen. Ich bin immer bemüht, meine Beiträge sachlich zu schreiben und für niemanden Partei zu ergreifen.

Wir alle haben in den letzten fünf Jahren wiederholt feststellen müssen, dass es Ereignisse zwischen Himmel und Erde gibt, die man sich nicht ausdenken oder vorstellen kann und vor allem nicht will. Lass mich zum besseren Verständnis ein Zitat des griechischen Philosophen Heraklit von Ephesos anbringen:

„Durch ihre Unglaubhaftigkeit entzieht sich die Wahrheit dem Erkanntwerden.“

Will sagen: Nur weil man sich etwas nicht vorstellen kann, kann es trotzdem wahr sein.
Und wenn jemand schreibt, dass ein Text soundso viele Seiten haben soll oder muss, dann kann man das anzweifeln, eine Meinung dazu haben, die konträr zu dieser Aussage steht; was aber nicht heißt, dass die Aussage deshalb falsch ist.

Unser demokratisches Forum lebt doch gerade durch unterschiedliche Ansichten. Es wäre geradezu grotesk, hätten wir alle die gleiche Meinung; dann gäbe es bei einem neuen Thema keine Kommentare, dafür zweihundertneunundfünfzig (259) „Gefällt mir“, sprich „Herzerln“.
Demokratie lebt von Vielfalt.

Ich nehme an, dass du das Forum tatsächlich verlässt oder bereits verlassen hast.
Dann wünsche ich dir auf deinem weiteren Schriftstellerweg alles Gute.

PS.: Konnte leider nicht früher antworten, musste schreiben! :wink:

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Mein Leseverhalten ist anders. Ich bin nur dann irritiert und lege ggf. das Buch weg, wenn der Autor sich selbst widerspricht.
Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn ein Autor einfach nur „sie gingen ins Wohnzimmer“ schreibt. Lese ich zwei Seiten später, dass die Protagonisten vom Sofa aus aus dem Fenster aufs stürmische Meer gucken, füge ich die neuen Infos einfach in das innere „Bild“, das ich mir von der Szene gemacht habe, ein.

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Du hast recht, würde ich auch weglegen.

Wenn „… sie gingen ins Wohnzimmer“ für die Szene und das Kopfkino ausreicht, dann ist es nicht zu viel und nicht zuwenig. Und wenn die Protagonisten dann später von dort ins Meer gucken, passt auch alles; und Dein Bild wird mit Blick auf das stürmische Meer ergänzt.
Also alles bestens! :wink:

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Hallo@Bommel,
Ich kann das (leider) manchmal zu gut. Mein Zugang zum Geschehen ist entweder das Setting oder ein Dialog. Denn in beides kann ich mich am Besten „einfühlen“ und komme rasch in Schreibfluss.
Das bedeutet jedoch auch, dass ich im Nachgang viel streichen muss. Denn die Handlung muss im Vordergrund stehen. „Ausufernde“ Beschreibungen müssen einen Zweck erfüllen, also zB Tatort- Beschreibungen bei einem Krimi oder um Gefühle zu transportieren und um Nähe zu handelnden Figuren herzustellen/ etwas über sie zu erfahren.
Eine Umschreibung, die überhaupt keinen Nutzen hat, ist auf allen Seiten Verschwendung.

Wenn also deine Kapitel gefühlt zu kurz sind, dann ist es eben so. Das muss kein Makel sein.

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Ein Stück weit ist das natürlich abhängig vom eigenen Stil, vielleicht auch noch Genre, und dem Geschmack der Leserschaft. Wenn man die mehr oder weniger goldene Mitte sucht, gibt es sicherlich diejenigen, die eher (zu) ausschweifend schreiben und diejenigen, die eher (zu) verknappt sind, und alles dazwischen. Ich gehöre zu denjenigen, die recht nüchtern schreiben. In der Überarbeitung sehe ich dann zu, dass ich die zu „nackten“ Stellen identifiziere und dort, wo es vom Erzähltempo her passt, etwas mehr Atmosphäre und Beschreibung einbaue. Mittlerweile habe ich mich da, würde ich sagen, schon so weiterentwickelt, dass die erste Fassung etwas besser balanciert ist. Ich würde aber niemals absichtlich „Belanglosigkeiten“ einbauen, sondern versuche, das rechte Maß zu finden. „Atmosphäre erzeugen“ ist ja auch eine Funktion.

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Das erinnert mich an einen Nesbo-Krimi, in dem über mehrere Seiten ein paar winzige Kieselsteine vom Ermittlerteam analysiert wurden - und es war mörderisch spannend. Fand ich zumindest und war damit nicht die einzige. Es gab aber auch viele Leser, die das sterbenslangweilig fanden → du kannst es eh niemals allen recht machen.

Ich meine, dass das Gesamtpaket stimmen und überzeugen muss.
Das Genre ist dabei sehr wichtig, ein abgehackter Stil mit kaum Informationen ist im Liebesroman wohl eher suboptimal, während ein Actionthriller sehr gut ohne die ausufernde Beschreibung der Blümchenwiese auskommt, auf der sich dann der Sportwagen von Agent Nullkommasieben fünfmal überschlägt.

Ich versuche es immer so zu halten, dass jedes Element (egal ob Beschreibung, Dialog oder sonstwas) in der Story einen Sinn haben, eine Aufgabe erfüllen muss.
Entweder bringt es die Handlung voran oder es vermittelt Informationen oder es erschafft eine bestimmte Stimmung.
Erfüllt eine Textpassage mindestens einen dieser drei Punkte, ist sie wichtig und darf bleiben. Erst wenn sie nichts davon erfüllt, ist sie belanglos und kann weg.

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Als Liebesromanleser möchte ich dazu anmerken, dass ich Handlung voller Gefühle, Dialoge voller Gefühle und gerne auch innere Monologe voller Gefühle lesen möchte - aber keine seitenlangen Beschreibungen von Zimmereinrichtung oder Blümchenwiesen. :roll_eyes:

stimmt schon, aber die Handlungen und Dialoge voller Gefühle finden ja nicht im luftleeren Raum statt, gerade in diesem Genre spielt das Ambiente durchaus eine Rolle.
Ein bei Kerzenlicht am wunderschön gedeckten Tisch mit schimmerndem Wein in Kristallgläsern, passender Musik im Hintergrund, dem Duft der Rosenbeete, der durch die Fenster hineinströmt und so weiter (hab sicher noch jede Menge vergessen) hingehauchtes „Du bist die Frau, von der ich immer geträumt habe“ liest sich da vermutlich besser, als wenn das irgendwo kurz und trocken im Nirgendwo passiert.

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Ja, da hast du recht, wenn der Autor es versteht, da Gefühl hineinzubringen. Eine meiner absoluten Lieblingsszenen in der Liebesgeschichten-Krimi-Thriller-Reihe von J.D. Robb ist die, in der die knallharte Mordermittlerin sich damit abquält, ein romantisches Kerzenscheindinner für ihren Liebsten vorzubereiten. :laughing:

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Gefühl sollte man in jedem Genre händeln können, von Panik über Angst über Langeweile bis hin zu Freude, Lust und Liebe, und Spannung brauchts eh überall. Ohne Gefühle kommt kein Roman aus - es ist eine ganz wichtige Aufgabe des Autors, genau und vor allem glaubhaft rüberzubringen, was die Figur gerade fühlt.

Klingt gut, das könnte man so richtig schön fies ausarbeiten. :laughing: :innocent:

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Jaaa - das mit den Gefühlen. Ist nicht einfach und - jedenfalls IMHO - kann immer nur die Gefühle des Autors widerspiegeln. Niemand kann eine Szene mit Gefühlen füllen, die ihm selbst fremd sind.

Da halte ich dagegen: Wie schreibt man dann z.B. einenThriller aus der Sicht eines brutalen Serienkillers?

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Ich bin kein Mörder, aber habe eine Schwiegermutter.
Erleben und vorstellen sind zwei paar Schuhe und doch kann beides verwendet werden um etwas zu entwerfen.

Einen Raum beschreiben, obwohl er mit der Handlung nichts zu tun hat …
Da fallen mir einige Gründe ein.
Nummero Uno. Dem Leser ein bestimmtes Gefühl vermitteln. Eine heimelige Atmosphäre verstärkt zum Beispiel den Schreck in der näschsten Szene.
Unsere Leser in Sicherheit wiegen und dann … Buhhh!

Bei genretypischen Dingen verlangt es das Publikum oft.
Eine Bibliothek bei einer Fantasy kann sich jeder sofort vorstellen. Trotzdem entführt der Autor hier bewusst in riesige Dimensionen. Regale so lang, dass man das Ende nur erahnen konnte, selbst das Echo der leisen Schritte schienen nicht zu verhallen.

Und natürlich, um den Leser zum Beispiel in einem Krimi auf ein Indiz hinzuweisen. Aber halt nicht direkt. Da liegt der brieföffner halt nicht als einziger Gegenstand auf dem teppichfreien Fußboden.

Guten Abend,
zum Thema Seiten füllen versuche ich mich mit einem kleinen Beitrag. In einer Szene (aus meinem Krimi; Kommissarin hört eine Zeugin an) kommt es nur auf eine einzige entscheidende Aussage an, die durch den Gesundheitszustand und eine Sehschwäche der Zeugin untermauert werden soll. Zu wenig Handlung, also Seiten füllen …
Ansatz A: Ein gestreckter Dialog Ermittlerin – Zeugin, gefiel mir für diese Szene nicht
Ansatz B: Die Figur „Zeugin“ unnötig ausbauen – gefiel mir auch nicht, weil es sich nur um eine Statistin handelt.
Ansatz C: Die Räumlichkeiten ausführlicher zu beschreiben als notwendig. Auch kein Hit.

Entschieden habe ich mich für eine Kombination aus Ansatz B und C. und in den Räumlichkeiten die relevanten Eigenschaften der Zeugin versteckt. Hier ein paar Originaltextfetzen aus dem Skript dazu:

… Frau Zangl führte sie in die Küche und bot ihr einen Platz am Esstisch an. Am liebsten hätte sie sich gar nicht erst hingesetzt, denn allein der muffige Geruch, eine Mischung aus Kochdünnsten und abgestandenem Fett, drängte sie, diesen Ort schnell wieder zu verlassen …

… Die Tischplatte bedeckte ein Wachstuch mit ausgefransten Rändern, Rissen und Flecken. Darauf lag ein bunt gemischter Stapel aus Tageszeitungen und Rätselheften, den eine Lupe krönte …

… Ein schwerer Büffetschrank, zu groß für den ohnehin schon erdrückenden Raum, schloss direkt an die Zarge der Küchentüre an. Die freie Fläche des Möbelstücks bot Platz für das Radio, aus dem volkstümliche Töne erklangen – Stubenmusik aus dem Bayerischen Wald …

… daneben unzählige Medikamente, die still bezeugten, dass es um den Gesundheitszustand der Bewohnerin nicht zum Besten bestellt war. Tuben, Fläschchen, Dosen, Röhrchen und Schachteln mit Pillen und Zäpfchen standen dicht gedrängt nebeneinander. Die wenigsten Verpackungen waren ordentlich verschlossen. Aus den meisten ragten zerknitterte Beipackzettel und ein Teil des Inhalts …

Überflüssiger Text für kaum Handlung. Trotzdem wird Atmosphäre geschaffen und die entscheidenden Eigenschaften der Zeugin (Alter, Sehschwäche, Gesundheitszustand) versteckt vermittelt.

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