Ich dachte, hier könnte jeder, der will, seine persönlichen Schreibtipps posten. Und zwar schön einzeln, damit der Thread lange lebt
Ich fange an mit …
Eine Idee, die ich beim Schreiben erfahren habe, ist eine Schule der Aufmerksamkeit. Statt besonders originell, oder poetisch zu klingen, oder mehr Adjektive zu finden, um Sätze zu schmücken, ging ich dazu über mich zu fragen „Was ist hier eigentlich wirklich wahrnehmbar?“. Also mit wie wenigen, aber ausgewählten Beschreibungen, kann ich die Szene in ihrer Einmaligkeit zeigen.
Ein sehr schöner Ansatz. Quasi streichen und wegnehmen, um die Essenz freizulegen.
Ich visualisiere das gerade in etwa so, wie ein Schnitzer, der von einem rohen Holzklotz so lange mit feinen Messern und gut überlegt Material wegnimmt, bis am Ende eine ansprechende Figur aus dem Holzklotz geworden ist.
Michelangelo hat in dem Marmorblock für seinen David schon die fertige Skulptur gesehen und „nur“ alles Überflüssige weggemeißelt, so ähnlich wie es @Carlo-Valentino mit dem Holzklotz beschreibt.
Lass also ruhig erst einmal alles stehen und dann entfernst Du die Dinge, die Dich stören. Wenn noch einige „Grate“ übrig geblieben sind, dann wird es die Lektorin gnadenlos entfernen. Ich mache das gerade mit meinem Werk durch. Es tut zwar weh, wenn so viel wegfällt, aber es ist so wunderbar, wenn der Schmerz nachlässt und der literarische David einen hellweiß anstrahlt.
(Ich entschuldige mich für die schräge Metaphorik.)
Ich versuche, mir die Szenen wie in einer Verfilmung vorzustellen. Wie würde Prota A jetzt reagieren? Wie würde B gucken? Welche Geräusche wären im Hintergrund zu hören? Was würde ich in einem Film als nächstes erwarten?
Hab zwar keinen Schreibtipp, bräuchte aber mal einen. Wie handhabt ihr das mit der Einleitung von Relativsätzen?
Ich mag zum Beispiel keine Sätze, in denen es durch die Gleichheit von Artikel und Relativpronomen zu einer Wortwiederholung kommt. Zum Beispiel: Der Mann, der …
Daher verwende ich lieber welcher, welche, welches, also der Mann, welcher … klingt doch viel besser, oder? Nur das fliegt mir jedesmal im Lektorat, Korrektorat um die Ohren, weil diese Form der Relativpronomen angeblich veraltet sei … wie seht ihr das?
Der Mann, der durch die Tür kam. …
Ist eine sehr wohlgefällige Doppelung. Jeder Versuch es zu umschiffen klingt dann komplizierter oder veraltet
Eine Möglichkeit wäre den Satz umzustellen und auf das Komma verzichten.
Danke, damit liegst du auf gleicher Wellenlänge mit meiner Lektorin und wohl mit vielen anderen auch. Keine Ahnung warum ich da immer drüber stolpere und dann die veraltete Variante wähle. Vielleicht bin ich selbst schon zu alt, oder leide inzwischen am Dubletten-Wahn …
Mhm … ich nutze »welcher« auch gerne mal. Bin halt schon über 40.
In manchen Szenarien macht das auch Sinn. Ansonsten fallen mir nur Partizipialkonstruktionen ein. »Der dort stehenende Mann … «
Ich bin auch über 40 und empfinde Relativsätze mit welche/r/s als holprig und sogar richtig unangenehm. Da ist mir das doppelte der/die/das tausend Mal lieber! Möchte man die Wiederholung vermeiden, könnte man den Satz umstellen oder zwei Sätze daraus machen, oder?
Ich, geboren irgendwann in der späten Kreidezeit, habe die Benutzung von „welcher“, „welche“, „welches“ et al. durchaus wertzuschätzen gewusst.
Damit es mir aber nicht so geht wie den Dinos und ich mit meinen Sprachgefühl aussterbe, bin ich opportunistisch auf Konstruktionen wie „Der Mann, der…“ umgeschwenkt.
Das klingt zeitgemäß und gut und ist keineswegs ein Anstoß des Ärgers für die Lesenden.
Wie heißt es so schön „Regeln sind da, um gebrochen zu werden!“
Daher höre ich lieber eher auf mein Bauchgefühl, wie blind auf die Regeln pochen. Denn die können ein ganz schön in die Irre leiten - vor allem, wen man sie falsch versteht.