Bezüglich dem Nebencharakter der dem Hauptcharakter die Show stielt, auch da gibt es Theorien dafür und dagegen. Wie schon bei den anderen Theorien man sollte sich überlegen warum es so gemacht wird und ob das zu dem was man vorhat passt oder nicht anstatt blind dem Tipp zu folgen oder abzulehnen.
So das Standardbeispiel dafür ist Ernest Hemingway:
Write drunk, edit sober
Also schreibe betrunken, editiere nüchtern. Der Kontext dieses Tipps ist das Ernest Hemingway im ersten Weltkrieg gekämpft hat und mit dem was er da erlebt hat nur fertig wurde indem er sich betrank. Ernest Hemingway hat damit fast im Alleingang für eine gewisse Zeit das Stereotyp des betrunkenen Autors geschaffen. Nun heute würde man andere Methoden empfehlen um mit solchen Dingen fertig zu werden. Trotzdem habe ich online ein paar interessante Interpretationen des Zitats gefunden, dass man es mehr Sinn gemäß als wortwörtlich verstehen soll und wie es zu interpretieren ist.
Ein anderes Beispiel das auf den ersten Blick mehr Sinn macht aber wenn man den Kontext betrachtet dann auch die Frage aufwirft ob es wirklich so viel Sinn macht. Und das ist Ray Bradbury’s
Don’t Start Out Writing Novels. Write a short story every week not all of them could be bad.
Nun die Idee hier ist das ein Roman seine Zeit braucht zum schreiben. Mit Kurzgeschichten ist man schneller fertig und kann diese schneller fertig stellen und bekommt so mehr Übung. Er empfahl dabei das erste Jahr erst Kurzgeschichten schreibt damit man wenn man mit Romanen beginnt schon Übung hat. Nun klingt erstmal sinnvoll jedoch schrieb Ray Bradbury während der Pulp Fiction Magazin Ära. Zu diesem Zeitpunkt war es also, speziell für Science Fiction und Fantasy Autoren, üblich sich über diese Magazine bekannt zu machen bevor man einen Buchvertrag bekam. So konnte Ray also schon seine Kurzgeschichten zu Geld machen bevor er seinen Buch Vertrag bekam. Dies ist im heutigen Markt wo es keine Pulp Fiction Magazine mehr gibt halt so nicht mehr möglich.
So warum stiehlt der Nebencharakter also dem Hauptcharakter oft die Show? Einerseits die neutrale Maske und eine gewisse Auslegung der Heldenreise. Ich persöhnlich bin kein Fan der neutralen Maske, so wie bei den vorherigen Beispielen wenn ihr anderer Meinung seid lasst euch nicht aufhalten.
Die neutrale Maske besagt, dass damit sich möglichst viele Leute mit der Hauptperson identifizieren soll die Hauptperson möglichst wenig beschrieben werden. Dabei sollen vor allem alles vermieden werden was irgend wie als kontrovers angesehen werden kann. Das Problem ist das dadurch eine ziemlich austauschbare Person raus kommt. Mit das Standard Beispiel für eine neutrale Maske sind Luke Skywalker von Star Wars und Neo von Matrix. Und ja es ist kein Zufall das ich Filme als Beispiel nehme weil besonders Hollywood setzte massiv auf die neutrale Maske. Nehmen wir jetzt als Gegenbeispiel den ikonischen Charakter. Ein ikonischer Charakter soll gerade massiv auffällige Merkmale haben um den Leuten im Gedächtnis zu bleiben. Manchmal soll ein einfacher Satz ausreichen damit jeder weiß wer gemeint ist. Wie zum Beispiel: „Martini, geschüttelt nicht gerührt.“ Jeder Barkeeper bekommt bei dem Spruch Schnappatmung aber genau deshalb ist auch klar wer gemeint ist. Ja es beschweren sich permanent Leute über James Bond das er zu viel trinkt, eine schlechte Ernährung hat und die ganzen Frauen Geschichten… Und hat das der Popularität von James Bond gestört? Aber die beiden Beispiele zeigen den Unterschied zwischen beiden Philosophien. Wie aber das Hollywood Beispiel zeigt manchmal gibt es halt Druck von außen, gerade wenn Political Correctness gerade gepusht wird, das die neutrale Maske gefordert wird ob der Autor damit übereinstimmt oder nicht. Aber gerade die neutrale Maske sorgt dafür das der Hauptcharakter nie besonders auffällt.
Nun die Heldenreise ist etwas schwieriger weil es nicht zwingend dazu führen müsste aber eine gewisse Auslegung der Heldenreise führt halt doch dazu, dass relativ nichts sagende Hauptcharaktere bei raus kommen. Das ist die „Junge von der Farm“ Version der Heldenreise die davon ausgeht das der Hauptcharakter bei Null anfängt und erst durch die Heldenreise zu irgend etwas wird. Ironischerweise trifft dies auch auf Luke Skywalker zu. Jetzt mag einer sagen ist Luke nicht das Beispiel für die neutrale Maske? Luke ist tatsächlich beides damit er definitiv nicht Gefahr läuft interessant zu sein. Um mal ein Gegenbeispiel zu geben Paul Atreides durchläuft in Dune auch die Heldenreise aber beginnt schon mit dem Training und einer etwas größerem Familienkonflikt. Jedoch als seine Familie getötet wird muss er trotzdem zeigen das er bereit ist weil er zwar Training aber noch keine Erfahrung hat. Paul ist dadurch schon deutlich stärker ausgearbeitet als Luke.