Schreibblockade: Die richtigen Figuren zur Geschichte finden

Hm, was ich mit Berufen meinte, sind reale „primäre“ Charaktereigenschaften, die zur Berufswahl führen und eine erfolgreiche Karriere nötig sind.
Ein sensibler Träumer wird wahrscheinlich nicht der König der Unfallchirurgie. Aber wenn, erzähle mir eine glaubhafte Geschichte, wie es dazu kommt.

Was Berufsalltag aus Menschen „sekundär“ macht, ist mE offen für jede literarische, auch klischeereiche Interpretation. Aber auch da gehe ich von dem aus, was die Leute zunächst in diese Laufbahn brachte.
Der Palliativmediziner, der Leiden lindern möchte und dann todkranke Patienten tötet. Passt.
Der Serienkiller, der aufhört, weil er im Lotto gewonnen hat. Passt nicht.

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Eine andere Idee wäre, sich am Anfang Vorlagen zu suchen. Am besten öffentliche Personen oder Bekannte/Freunde/Familie. Die nimmt man dann und sagt sich „mein Weltraum-Pirat ist ein Typ, wie mein Cousin, der seit 15 Jahren auf Teneriffa als Aussteiger lebt. Und der Schiffsarzt ist ein Typ wie Fritze März.“

Den ersten kennt man und vom zweiten kann man sich 20 Minuten lang Interviews angucken. Wenn man das durchgehalten hat, weiß man, wie er redet.

Dann lässt man die beiden mal aufeinander los und schreibt eigenen Dialog. Nicht unbedingt für die Story, sondern erstmal als Trockenübung. Dann sieht man schon, ob das funktioniert.

Wichtig ist, denke ich, dass man irgendwie anfängt. Möglichst ohne den Druck, gleich etwas Brauchbares zu produzieren. Daher finde ich es auch nicht verwerflich, am Anfang verschiedene Klischees zu verwursten. Etwas abgewandelt vielleicht. Nach ein paar Seiten Dialog zur Übung wird man sich sowieso von den Vorbildern entfernen.

Das Setting tut ein übriges. Wenn ich z. B. Börne und Thiel aus dem Tatort als wissenschaftliches Team in ein Raumschiff versetzte, wird sie kaum jemand erkennen.

Eine Sache noch: Wenn es geht, sollte man zu Beginn einen Namen haben. Nach meiner Erfahrung ist der Name oft die halbe Miete für den ganzen Charakter.

In diesem Sinne: viel Spaß beim ausprobieren.

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Wenn das dein Genre ist, wird die Star Trek nicht fremd sein - oder Star Gate.

Bau dir am besten daraus Leute zusammen.

  • Leute mit natürlicher Autorität wie Picard
  • Spinner wie Reginald
  • Kämpfer wie Worf
  • Techniker wie La Forge oder Torres
  • Unbedarfte wie Harry Kim
  • Wundersame Sondercharaktere wie Seven of Nine
  • Machtgeile Leute wie Kai Winn

Es gibt da sicher einige Lieblingecharaktere. Mix dir daraus etwas zusammen. Überleg dir auch mal, wie die miteinander interagieren. Zum Beispiel Tovok und Neelix. Oder die unvergesslichen Klingonen :wink:

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Ich fange mit einem (groben) Plot an. Damit habe ich die Handlung und die Hauptfiguren (Progonist, Antagonis etc.) die ständig im Roman vorkommen. Schon der Plot bedingt Eigenschaften der Charaktere. Ein 80 Jähriger am Rollator wird sicherlich nicht der Protagonist in einem Aktionroman.

Nach und nach werden neue Figuren (Wer wird den Protagonisten irgenwo hinschubsen) hinzukommen und alte Charaktere neue Eigenschaften (Warum läßt er sich schubsen) gewinnen.

Auch muss nicht jede Figur ein spezielles psychologisches Profil haben. Ich unterscheide zwischen vier Typen.
Hauptfiguren: Die sollten gut durchdacht und ausgearbeitet sein.
Nebenfiguren I (Figuren die immer wieder mal auftauchen): Sie sollten eine eigene Stimme haben und ein Ziel. Was sie zum Früstück gegessen haben ist egal.
Nebenfiguren II (Haben nur einmal einen Auftritt). Hier ist nur ein Merkmal notwendig für den Leser.
Der Mob: Hier ist die Beschreibung einer Einzelpersonen überflüssig. Der Anblick und das Verhalten der Masse ist hier wichtig. Wieviele Mistgabeln und Fakeln sieht der POV

Am Ende denke daran: Die bist der Gott dieser Welt. Du kannst die große Liebe erschaffen oder Meteroiten vom Himmel fallen lassen. Du kannst deine Charaktere erschaffen nach deinen Willen. Du must sie nicht lieben, Du kannst sie hassen. Du kannst dich vor ihnen ekeln. Hauptsache sie erzeugen ein Gefühl.

Ich würde es nicht so poetisch ausdrücken. Aber die Charaktere gewinnen beim Schreiben Eigenleben. In einen Roman den ich zu 80% fertig habe wurde eine Figur die ich als einen Nebenfigur I angelegt habe zum Oberbösewicht und eigentlichen Antagonisten. Das heißt ich muss beim Überarbeiten am Anfang neu anfangen.

Gute Idee. Ich bevorzuge allerdings, sie den Balkon runterzuschmeißen (Ich Quäle gern und oft meine Protagonisten :smiling_imp:) um zu sehen wie sie überleben.

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Das ist ja interessant. Ihr seid ja beide, Annabell & nolimit, so wie ich euch lese sehr gegensätzlicher Ansicht.

Ich glaube da du neu bist und wir nicht wissen wie weit du dich schon mit Schreibtheorie beschäftigt hast, wäre eventuell mal hier zu etwas zu sagen.

Selbst wen du Schreibratgeber von Bestsellerautoren liest wirst du Widersprüche finden. Es gibt nicht „einen“ Weg zu schreiben. Wir können dir sagen was wir machen, wir können dir aber nicht sagen was davon das für dich richtige ist. Das kannst im Endeffekt nur du heraus finden.

Generell gibt es aber gewisse Klassifizierungsmerkmale wonach man Autoren einteilen kann. Wenn du herausgefunden hast welcher du bist hilft dir das zu filtern welche Tipps für dich funktionieren und welche nicht. Nämlich indem du die Autoren suchst die dir ähnlich sind.

Um mal dies mal etwas zu verdeutlichen habe ich mir mal Gschichtldrucker raus gepickt weil sein Vorgehen, basierend auf dem was er hier geschrieben hat, am weitesten von meinem Vorgehen entfernt zu sein scheint um mal ein paar Beispiele durch zu gehen. Und nein ich Versuche keinen Streit anzufangen, das einzige worauf ich hinaus will ich denke nicht das Gschichtldrucker und ich uns auf ein gemeinsames Vorgehen einigen könnten und er damit als Beispiel für unterschiedliches Vorgehen herhalten muss. Wenn sein Methode für ihn funktioniert und meine für mich besteht kein Grund dafür denn anderen mit Gewalt vom eigenen Vorgehen überzeugen zu müssen. Nur wenn du, buechermorphose, dich dann fragst warum kommen die zu so unterschiedlichen Ergebnissen und welches ist für dich Übertragbar ist dann halt die Frage warum kamen wir zu den Methoden die wir benutzen und welches ist für dich näher an dem was du machst.

Die erste Frage ist bist du ein Plotter oder ein Gärtner, für den Gärtner gibt es auch andere Bezeichnungen was zu zusätzlicher Verwirrung beitragen kann? Ein Plotter plant seine Geschichte im voraus, während ein Gärtner eher seine Geschichte beim schreiben improvisiert. Es gibt aus beiden Kategorien Bestsellerautoren, Brandon Sanderson ist definitiv ein Plotter wenn man seine Schreibtheorie Kurse gesehen hat, während Stephen King eher ein Plotter ist wenn man seinen
Schreibratgeber kennt. Damit sieht man schon beides ist möglich, nur meistens neigt ein Autor halt eher zu einem von beidem als beides gleich gut zu beherrschen. Bist du ein Plotter, und basierend auf deinem Ausgangspost das du die Handlung deines Romans skizziert hattest bevor du angefangen hast zu schreiben liegt der Verdacht nahe das du einer bist, werden dir die Ratschläge anderer Plotter höchstwahrscheinlich eher helfen als die von Gärtnern. Und basierend auf seiner Aussage das er seine Geschichte ändert je nach dem was seine Charaktere ihm beim Biertrinken erzählen liegt die Vermutung nahe das Gschichtldrucker ein Gärtner ist. Da dies zugegeben eine Ferndiagnose basierend auf sehr begrenzten Informationen ist kann diese Einschätzung auch falsch sein, nur wenn sie korrekt ist könnte es halt bedeuten das Gschichtldrucker`s Methode dir genau so wenig hilft wie mir, ich bin definitiv Plotter, weil ihr unterschiedliche Autorentypen seid.

Die zweite in dieser Hinsicht nicht unwichtige Frage bist du ein Handlung basierter Autor oder ein Charakter basierter Autor? In dieser Hinsicht ist einfach gemeint baust du deine Geschichte auf der Handlung auf oder um den Charakter? Da jede Geschichte Handlung und Charaktere braucht klingt das Erstmal komisch aber gerade wenn du jetzt an so eine Situation kommst wo du merkst Charakter und Handlung passen nicht zusammen, änderst du dann den Charakter damit er zur Handlung passt oder änderst du dann die Handlung damit er zum Charakter passt? Hier kann es natürlich auch etwas fließende Übergänge geben, je nachdem was genau nicht funktioniert und wie leicht das Problem zu beheben ist aber ich spreche jetzt von eher großflächigen Problemen wo du merkst der Plan funktioniert nicht.

Um mal ein Beispiel zu geben sagen wir mal ein gewisser J.R.R. Tolkien hätte sich hier im Forum angemeldet und hätte geschrieben er hätte gerade ein Problem mit seinem Buch „Herr der Ringe“, sein Charakter Bodo Beutelin soll einen magischen Ring nach Mordor bringen um ihn zu vernichten aber Bodo Beutelin will einfach nicht den Ring nach Mordor bringen, was soll er tun. Basierend auf seiner einmal mit dem Charakter ein Bier trinken und schauen was er will Methode halte ich es für durchaus Möglich das Gschichtldrucker’s Vorschlag gewesen wäre dann schreib halt was passiert wenn jemand einen Ring vernichten soll aber nicht will mit Bodo Beutelin in der Hauptrolle, was der Charakter basierte Ansatz wäre. Ich hingegen hätte Vorgeschlagen wenn Bodo Beutelin nicht den Ring nach Modor bringen will, aber die Handlung erfordert das der Ring nach Modor kommt, ersetze Bodo Beutelin doch durch Frodo Beutelin und die Handlung geht weiter wie geplant, dass ist der Handlung basierte Ansatz. Und ja nachdem J.R.R. Tolkien eher Handlung basiert geschrieben hatte, habe ich hier ein Beispiel genommen wo ich als Handlung basierte Schreiber den Vorschlag gemacht hätte der zu dem Buch führte dass wir kennen. Hätte hingegen Jane Austen, dass Paradebeispiel für eine Charakter basierte Autorin, hier um Hilfe für Stolz und Vorurteil nachgefragt wahrscheinlich hätte sie mehr mit dem was Gschichtldrucker gesagt hatte anfangen können als mit dem was ich sage. So gesehen erneut es gibt keine generell richtige oder falsche Methode es gibt eine Richtige Methode für dich.

Und generell da mit dem Schreiben des Buches die Arbeit noch nicht zu Ende ist sondern noch das Nacharbeiten ansteht wo Fehler beseitigt werden müssen, kannst du eigentlich sicher sein das je nachdem wo gegen du dich bei der Bodo Beutelin Situation entschieden hast du mehr Arbeit in die Nacharbeit stecken musst. Also wenn du die Charakter angepasst hast damit die Handlung passieren kann, brauchen die Charaktere wahrscheinlich mehr Nacharbeit als die Handlung um stimmig zu sein und umgekehrt. Also wenn du weißt wie du schreibst hilft dir das dann auch später zu sehen wo deine Schwächen liegen und diese zu beheben.

Nachdem du geschrieben hattest du hättest eine Handlung aber keine Charaktere dazu, ließ mich vermuten das du eher Handlung basiert arbeitest. Was meiner Einschätzung nach dich zu einem Handlung basierten Plotter machen würde, wie ich mich auch selbst einschätzen würde.

In diesem Fall würde ich wie hier ja auch schon generell vorgeschlagen auch die Charaktere um die Handlung aufbauen. In dem du dir überlegst welche Rolle hat der Charakter in deiner Geschichte und was für eine Person müsste sie sein um diese Rolle auch wirklich durchzuführen?

Etwas was in diesem Zusammenhang noch nicht erwähnt wurde, sind die Meyer Bricks Persönlichkeitstypen. Meyer und Bricks versuchten basierend auf den Theorien des Psychologen Carl Jung Menschen anhand 4 Persönlichkeisachsen in 16 Persönlichkeitstypen zu unterteilen. So ist eine Achse agiert die Person eher Introvertiert oder Extrovertiert, und eine andere Achse agiert die Person eher Vernunft gesteuert oder eher Emotionsgesteuert. Für jede Achse bekommst du dann einen Buchstaben auf welchem Ende der Achse du liegst was dann in einem vierstelligen Buchstabencode endet. So ist ein INTJ, Introvertiert, Intuitiv, Vernunft gesteuert und Beurteilend, während ein ESFP Extrovertiert, Observierend, Gefühls gesteuert und Erkundend.

Mit den Typen lassen sich verschiedene Sachen anstellen. Hast du wie in dem Beispiel zwei Persönlichkeitstypen wo alle vier Buchstaben unterschiedlich sind ist praktisch garantiert das die beiden Charaktere in mindestens einer Hinsicht inkompatible Charaktere sind. So wäre in der Schule ein INTJ höchstwahrscheinlich der Klassenstreber und Stolz drauf, während der ESFP der ist der jeden Morgen verschlafen in der Schule auftaucht weil er die ganze Nacht Party gemacht hat. So kannst du wenn du den Typ eines Charakters hast immer einen Charaktertyp finden der sich mit ihm reibt in dem du einfach den Typ suchst wo alle Buchstaben unterschiedlich sind.

Leider ist die meiste Literatur zu Meyer Bricks in Englisch geschrieben. Jedoch wenn das kein Problem ist gibt es in der Literatur Empfehlungen welche Karriere jemand mit dem Persönlichkeitstyp einschlagen soll, nachdem Meyer Bricks zur Berufsberatung in denn USA genutzt wird. So wenn du wie auch schon hier vorgeschlagen den Beruf wählst um den Charakter abzuleiten kannst du schauen für welchen Persönlichkeitstyp wird der Beruf empfohlen und welches Verhalten wird dem Persönlichkeitstyp zu geschrieben. Es gibt auch Beispiele realer und fiktionaler Charakter welchem Meyer Bricks Typ sie entsprechen wenn du lieber so rum anfangen möchtest. Eine Webseite über Meyer Bricks ist:

16 Persönlichkeitstypen

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Vielen Dank, dass du dir so viel Zeit genommen hast, auf meine Fragen zu antworten. Schon im Vorfeld, aber insbesondere durch deinen Beitrag, ist mir für mich klar geworden, dass ich gerne Plotte und Charaktere an die Handlung anpasse; mir ist dabei aber aufgefallen, dass es immer wieder ein Mix-Ding wird. Wenn mir nicht einfällt, warum jemand auf diese oder jene Weise handeln sollte, passe ich auch den Plot an den Charakter an, dadurch hat die Geschichte vielfach an Glaubwürdigkeit gewonnen. Herzlichen Dank für die Idee mit den Persönlichkeitstypen. Die Theorie ist mir bekannt, aber ich hätte sie nie zur Charaktererstellung genutzt.

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Interessante Idee, vom Beruf rückwirkend auf Charaktereigenschaften zu schließen. Danke dafür.

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Ich habe jetzt nur mal die Antworten überflogen, daher falls meine Antwort sich irgendwie wiederholt, tut mir Leid.

Bei einer Antwort habe ich gelesen: man kann Bekannte, Freunde oder Familienmitglieder als Vorlage nehmen. Das wäre ein super Einstieg oder auch eine super Übung.

Ich habe vielleicht einen komplizierten Weg genommen: Ich habe meine Figuren nur gefühlt und sie so erst mal geschrieben. Mit der Zeit gewann ich dann Präzision und ein gutes Gespür, wie die Figur handeln würde. (So schätze ich mich gerade ein. Ein kleines Selbstlob, darf auch mal sein :sweat_smile:) Dazu kommt, dass ich mich für Psychologie interessiere und dadurch mehr Verständnis für Handlungen bekommen habe.

Hinterfrage immer, wieso, weshalb, warum jemand handelt, suche die Gründe, entwickle eine Hintergrundgeschichte, die die Figur geprägt hat z.b…
Emotionen sind da ganz wichtig, auch wie sich das körperlich zeigt.
Wut ist nicht gleich Wut. Nicht jeder, der wütend ist, würde dich anschreien und schlagen wollen oder so.
Jemand, der traurig ist, könnte dir einfach ins Gesicht lächeln und sagen: „Es ist alles gut.“
Jemand, der glücklich ist, muss nicht vor Freude durch die Luft springen, der kann dir einfach an die Wange fassen (wenn es z.b. dein Partner ist) und fragen: „Möchtest du was? Soll ich dir einen Kaffee machen?“ mit einem Grinsen im Gesicht, dass einfach nur ansteckt.
Um es mal kurzzufassen.

Oder mal als Übung:
Wenn du mit einer Person sprichst, wie fühlt es sich an? Fühlst du dich wohl, gereizt, traurig, entspannt? Und dann frage dich, warum ist das so? Ist es die Körperhaltung? Der Blick? Der Ton? Der Geruch? Alles fließt mit ein.
Vieles nimmt man unbewusst wahr. Versuche es bewusster wahrzunehmen.
Man muss da nur aufpassen, dass man nicht anfängt zu starren. :sweat_smile:

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Meine Figuren sind immer an die Geschichte gekoppelt. Nicht im Sinn einer Plot- Charakter Beziehung, sondern Thema- Charakter. Also: Was will ich mitteilen und wie/ wohin entwickeln sich die Charaktere.
Es sind 2 Ebenen, die untrennbar miteinander verbunden sind.

Dadurch ergeben sich bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, die zu einem Teil ( wie bei realen Menschen auch) angeboren und zum anderen durch Erfahrung/ Lebensumstände erworben sind.
Daraus ergibt sich die Hintergrundgeschichte eines Charakters, die es möglich macht, glaubwürdig seine Haltung/ Handlung/ Entwicklung zu zeigen. (Auch wenn der Hintergrund nie thematisiert wird und nur du ihn kennst.)

Wenn du „trainieren“ willst, dann beobachte Menschen und ihre Beziehungen.
Frage dich wie wird er/ sie reagieren. Warum genau so und nicht anders.

Für mich sind interessante Charaktere immer die, die überraschen und gelegentlich „unangenehme“ Züge zeigen; die mit Ecken und Kanten, an denen man sich stoßen kann, die starke Gefühle wecken.

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Im Sommer nehme ich mir manchmal (nein, eher selten) die Zeit und setze mich eine Weile in die Fußgängerzone in unserer Kreisstadt und beobachte einfach nur die Leute, die anderswo sitzen, vorbeigehen oder sonstwas machen. Dabei kann man durchaus Inspirationen gewinnen, die man eigenen Figuren zuweisen kann.

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Da bist du nicht alleine. Etliche Filme, etliche Geschichten sind so angelegt, dass die Nebenrolle zur Hauptfigur (Partner oder Widersacher) ihm die Show stielt. Ich bin als Leser oder Zuschauer häufig ‚Team Sam‘ (nicht Frodo), ‚Team Ron‘ (nicht Harry), Team ‚Ferkel und Ia‘ (nicht Pu) … :wink:

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Team Ferkel … :rofl:

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War man in der Jungend natürlich. Heute eher Team Ibuprofen.

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Alles richtig, aber wenn man eine oder auch zwei HF in ein Schema presst, sind sie vorhersehbar. Ich lasse meinen Protas alle erdenklichen Freiheiten, sie sollen tun und lassen, was sie wollen. Wenn sich mal wieder ein neuer Charakterzug offenbart - warum nicht?

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Bei mir ist es meistens umgekehrt - nämlich die richtige Geschichte zu den Figuren zu finden.
Da ist zum Beispiel Heinrich, 21, der nach zehn Jahren als Holzarbeiter nach Hause kommt. Da ist Christine, 20, sein Mädchen, schwanger auf irgendeiner Alm im Dienst als Magd. Da ist Karl, Heinrichs Bruder, 19, strammer Deutschnationaler und Rosa, die 17-jährige Schwester, die mit den Roten liebäugelt. Da ist der Prälat Bernard, der Ministranten etwas zu sehr mag, tot in der Sakristei seiner Kirche. Da ist ein Verdacht und ein Verdächtiger. Gesetze, die nicht niedergeschrieben sind, Recht, das nur auf dem Papier existiert, Interessen die sich widersprechen, die kleinen Leute und die großen Entscheider. Und Hinnerk, ein norddeutscher Kriegszitterer, der Jahre zuvor aus der deutschen Armee desertiert ist und nun als Fuhrwerker in den Ostalpen lebt. Es ist das Jahr 1925.
Ich habe keine Ahnung, was diese Figuren mir die nächsten Monate erzählen werden, aber heute Nacht haben sie zu reden begonnen. Und ich schreibe auf.

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Oh, ein norddeutscher Hinnerk steht auch auf meiner Besetzungsliste. Allerdings 90 Jahre später. Er muss allerdings erst noch unter Beweis stellen, dass er mehr als nur Statist ist.

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Mit 11 Jahren ins Holz gegangen?

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Ja, als "Schwabenkind "verkauft. Sowas kam vor. Häufiger als man noch wissen will. Nicht nur in Tirol und Vorarlberg.

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Man lernt nie aus. :wink:

Ein Tipp könnte sein: Führe Interviews mit deinen Handelnden. Du könntest es so angehen, z.B. bei deinem Prota: „Schön, dass Sie hier sind und gerade nicht weit draußen im Universum. Wie fühlen sie sich so ganz normal unter Menschen?“ Dann wird schon eine Antwort kommen. „Menschen nerven mich“, vielleicht. Dann fragst Du: „Oh, warum das denn?“ na, u.s.w. und du kommst deinem Prota nahe, zu Leidenschaften, Abneigungen bis hin zu seiner ungewöhnlichen Frisur…

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