Meine Alternative zum Zeitstrahl

Ich gehöre zu denen, die mit dem Zeitstrahl in Papyrus nicht zurechtkommen. Bei meinem jüngsten Roman hatte ich mir vorgenommen, diesmal aber wirklich ernsthaft zu versuchen, die Handlung damit zu planen … aber es hat nicht geklappt, im Nu hatte ich jede Übersicht verloren und musste zu meiner bisherigen Alternative zurückkehren, nämlich, mir in einem extra Dokument einen Kalender in Form einer Tabelle zu basteln und dort in Stichworten einzutragen, was wann passieren soll. Denn tatsächlich brauche ich gar keine minutengenaue Einordnung meiner Szenen (und wer weiß schon, wie lange eine Unterhaltung zweier Figuren dauert?), ich muss nur wissen, an welchen Tagen etwas passiert, ob es vormittags, nachmittags oder abends passiert, welchen Wochentag wir jeweils haben und ob irgendwelche Feiertage die Handlung beeinflussen.

Und dann hatte ich eine Idee. Die ich nun, bei meinem aktuellen Roman, erstmals umsetze und die sich so hervorragend bewährt, dass ich sie unmöglich für mich behalten darf.

In einem Satz gesagt: Ich benutze den Apple Kalender, um meinen Roman zu planen.

Den Kalender kriegt man mit macOS mitgeliefert. (Ob es in Windows ein Pendant gibt, weiß ich nicht; das gälte es zu erforschen.) Ich wollte die Idee erst mit dem Google Kalender umsetzen, aber der ist für das, was ich machen will, umständlich zu benutzen und kann die Einträge nicht als Liste ausgeben. Der Apple Kalender dagegen kann das, und es arbeitet sich sehr intuitiv damit.

Tricky dabei ist, dass ich meine eigenen Termine zwar mit einem anderen Programm verwalte, das aber auf dieselbe Termindatenbank zugreift, und natürlich will ich nicht, dass sich die Abenteuer meiner Romanfiguren mit meinem Privatleben vermischen (obwohl man daraus einen Roman machen könnte).

Das Problem umgehe ich, indem ich neue Kalenderlisten anlege, und zwar für jeden POV eine eigene, die auch jeweils eine andere Farbe erhält. Ich lege sie im Bereich »Lokal« ab, damit sie nicht in der Cloud landen, und schalte alle anderen Kalenderlisten stumm. Das sieht z.B. so aus:

Nun muss ich festlegen, wann die Geschichte spielt. Bei manchen Geschichten ist das vorgegeben, etwa, wenn sie in historische Ereignisse »eingepasst« werden, den meisten Geschichten ist es aber ziemlich egal; ich wähle irgendein Jahr, das mir passend erscheint und darin einen Monat, der zu dem Wetter passt, das mir vorschwebt. Ich habe gar nicht vor, im Text ein konkretes Datum zu nennen; es geht mir nur darum, die Handlung in sich stimmig zu gestalten – also z.B. zu verhindern, dass eine Figur an einem Tag um 12 Uhr in München ist und um 13 Uhr schon in Hamburg: Wenn ich einen Kalender vor mir sehe, kann ich leicht Reisezeiten einplanen, selbst wenn ich sie später nicht ausdrücklich erwähne.

Die Geschichte an sich habe ich in Form eines Exposés oder eines Diagramms schon ausgearbeitet; in dieser Phase des Entwurfs geht es darum, das alles in Szenen zu zerlegen. Das mache ich, indem ich erst einmal nur »Ereignisse« definiere und mit einem Titel versehe, der andeutet, was in der Szene passiert: »Lara beobachtet, wie Tim eine andere küsst«, »Sebastian entdeckt eine Leiche« – so was in der Art. Je nachdem, aus wessen Perspektive die Szene erlebt wird, weise ich ihr die entsprechende Kalenderliste zu und damit auch die Farbe, und erhalte nach und nach ein Bild der Handlung, das in der Übersicht so aussieht:

Das Praktische am Apple Kalender ist, dass, wenn man die Tagesansicht wählt, automatisch eine Seitenleiste eingeblendet wird, in der man Notizen zu einem »Termin« festhalten kann. Mein »Termin« ist natürlich jetzt eine Szene, und das Notizfeld ist angenehm groß, sodass ich stichwortartig schon festhalten kann, wie ich mir die Szene vorstelle. (Meistens ändert sich das dann nochmal, wenn ich sie tatsächlich schreibe, aber das gehört dazu.)

Das sieht dann ungefähr so aus (hier natürlich nur anhand eines Beispiels gezeigt):

Das mache ich für alle Szenen, was eine sehr angenehme kreative Tätigkeit ist, und wenn ich alles so weit geplant habe, dass es mich drängt, mit dem Schreiben anzufangen, habe ich zwei Möglichkeiten, das Geplante zu nutzen:

Zum einen kann ich die Handlung in Form einer Liste ausdrucken. Das sieht dann ungefähr so aus:

Diese Liste kann ich mir neben die Tastatur legen und danach einfach schreiben.

Oder aber – und das mache ich mit wachsender Begeisterung – ich lege mir vorab in Papyrus schon die zu schreibenden Szenen an, zum Beispiel im Organizer, kopiere die Überschrift in den Szenentitel und den Inhalt des zugehörigen Notizfelds in das Feld »Übersicht«. Auf diese Weise habe ich im Manuskript eine Übersicht.

Was ich mir noch überlegen muss, ist, was ich mit den alten Kalenderlisten mache, wenn ich neue Romane plane. Ich kann versuchen, sie für alle Fälle abzuspeichern, ehe ich sie lösche und neue anlege; ich kann die nächste Geschichte einfach in einer anderen Zeit ansiedeln und die Listen umbenennen … mal sehen.

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Vielen Dank für das Teilen der Idee! Das klingt nach einer viel besseren Lösung als meine übliche Excel-Liste.

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Gute Idee… Danke dafür

Vielen Dank, das klingt richtig gut und auch viel besser als meine Excel-Liste.

Danke für den Hinweis. Der Apple Kalender ist wahrscheinlich ideal dafür, allerdings nur auf einem iMac. Auf einem iPad oder gar iPhone ist es zu unübersichtlich.

Ich habe deswegen grade mal nach Dritt-Apps geschaut. Es gibt welche, mit denen man den Kalender auch auf dem iPhone/ iPad sehr gut lesbar drucken kann. Cal Printer macht auf mich da einen guten Eindruck und erzeugt im Prinzip genau so eine Liste wie im Beispiel oben. Sammelt keine Daten, kostet zum unbegrenzten Freischalten einmalig 5,99.

Sieht fast aus wie ein Outlook-Kalender. Das Problem ist, dass er mittlerweile nicht mehr offline zu haben ist oder täusche ich mich da? Ansonsten wäre Outlook eine schöne Alternative für win-user.

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Ich plane mit Aeon Timeline, ist für meine Zwecke ideal.

So ähnlich mache ich das tatsächlich auch, weil ich mit dem Zeitstrahl absolut auf Kriegsfuß stehe. Das ist mir einfach ein bisschen zu viel Spielerei; da bin ich ja mehr mit Papyrus beschäftigt, als mit Schreiben.
@Suse Mit Outlook Classic sollte das noch gehen.

Ich arbeite mit Thunderbird, weil ich damit auch meine Mails abrufe, und hab da auch nur einen Kalender, in dem aber jeder POV seine eigene Farbe hat.

Früher habe ich mir auch alles in Excel notiert - das war dann allerdings manchmal ziemlich mühselig, wenn man nur mal schnell wissen musste, wie viel Tage oder Wochen vergangen sind. Oder man eben sowas wissen musste wie

  • liegen Feiertage dazwischen
  • auf welchen Wochentag fällt der Tag
  • wann sind Schulferien
    etc.
    Papyrus ist schon toll, aber nicht alle Tools sind sinnvoll, finde ich.
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Den Thunderbird-Kalender kenne ich nicht, aber ich habe mir etliche angeschaut, und das Problem bei den meisten ist, dass ich

  1. Handstände machen muss, um außer dem Eintrag selber (die der Szenenüberschrift entsprechen soll) auch noch größere Notizen unterzubringen, falls es überhaupt geht, und
  2. dass die meisten Kalenderprogramme zwar mit allen möglichen anderen Kalendern synchronisieren können, aber das, was ich reingeschrieben habe, auch wieder in einer fortlaufenden Form auszugeben, das sehen die meisten gar nicht vor. Das habe ich so nur beim Apple Kalender gefunden.

Es ist mir aber beim Plotten wichtig, dass ich raschen Zugriff auf die Szenenbeschreibung habe, sonst bin ich die ganze Zeit nur mit Klicken beschäftigt statt mit Nachdenken über die Handlung.

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Bei Win10 gab es einen einfachen Kalender. In der Version 11 ist er leider nicht mehr enthalten.

Ich habe gerade mal schnell nach einem Programm gesucht. Ich bin dabei auf UK-Kalender gestoßen. Opensource und Portable. Anleitung gibt es auch auf deutsch,

https://www.ukrebs-software.de/

Auf dem ersten Blick scheint es seinen Zweck zu erfüllen.

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Super! Das könnten win-user dann ja vielleicht adäquat zu den Vorschlägen von @AndreasE nutzen. Oder gehört das auch zu denen, die du schon ausprobiert hast?

Nein ich bin Windows-Nutzer. Einen Apple-Kalender habe ich nicht.

Aeon Timeline kostet 65 USD. Nur als Schreibhilfe ist mir das zu teuer.

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Was ich bei Tools immer wichtig finde sind Export-Funktionen in gängige Formate. Bei UK-Kalender ist es CSV-Format und HTML

Jetzt mache ich erstmal Schluss und schaue es mir in dieser Woche in Ruhe an.

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Es wäre cool, wenn Papyrus - vielleicht parallel zum Zeitstrahl - einen Kalender einbauen würde, vielleicht mit einer farblichen Codierung des Handlungsstrahls und der Möglichkeit, nur Terminblöcke einzublenden, wo zum Beispiel „Harry“ auftritt - auch wenn es in einem Terminblock vom Handlungsstrahl „Voldemort“ ist. So kann Harry nicht zur selben Zeit an zwei Orten gleichzeitig sein - außer es ist so gewünscht.

Als Bonus dann noch, dass man bestimmen kann, wie viele Tage eine Woche hat und wie viele Monate ein Jahr, und man hat einen individuell einstellbaren Kalender, der den meisten Genres genügt.

Aber ist wohl nicht so einfach umzusetzen, wie ich es mir gerade vorstelle.

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Ich nutze eine Kalenderübersicht in Excel, die ich mir aus der Vorlage „Akademischer Kalender“ angepasst habe. Da ich nicht über Epochen hinweg schreibe, sondern nur die Abfolge innerhalb weniger Monate ordnen will, reicht mir diese Form.

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Wenn ich mir die Kommentare so ansehe, komme ich mir vor wie bei Chefkoch. Da steht auch unter jedem Rezept so was wie: »Ich hab statt Zwiebeln Marzipan genommen, und finde, das macht das Rezept etwas mandeliger.«

Ich werde das Rezept auf jeden Fall ausprobieren und bleibe vorerst beim Originalrezept. (Damit ist nicht der Zeitstrahl gemeint, sondern das Originalrezept von A. E.)

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Warum benutzt du nicht einfach weiterhin den Zeitstrahl, wenn er für dich funktioniert? Ist doch perfekt.

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MicroSoft möchte da am liebsten so, der ist aber weiterhin offline zu bekommen.

Leider nicht ohne den Einwurf einiger Münzen.