Ich habe mich heute gefragt, warum wir als Autoren (speziell im Fantasy- und SciFi-Bereich) immer darauf achten müssen, dass alles logisch ist. Bei meinem Debütroman wurde z.B. bemängelt, dass die Kugelsonden am Ende mit einem LKW transportiert werden statt mit einem Helikopter.
Schaue ich mir die typischen Blockbuster an, dann strotzen erfolgreiche Filme nur so von unlogischen Handlungen. Raumschiffschlachten werden mit bombastischen Geräuschen untermalt, um Lichtjahre zu überwinden erfindet man mal eben den Warpantrieb, beim zweiten Independence Day fliegen ganze Häuser in die Luft, weil einzelne Raumschiffe eine höhere Gravitation haben als die ganze Erde und ein Computervirus wird mal eben in ein fremdes, hochentwickeltes Alienmutterschiff übertragen.
In fast allen Sci-Fi-Reihen laufen Menschen auf Raumschiffen normal herum, obwohl keine Rotation oder andere Methode zur Gravitationserzeugung sichtbar ist. Eine bekannte physikalische Lösung dafür existiert bislang nicht.
Indiana Jones überlebte eine Atomexplosion in einem Kühlschrank und schwamm schneller als ein Schiff.
Man könnte über all diese Logikfehler ein eigenes Buch schreiben.
lach oh ja, die Sache mit Sci Fi und der Logik, kann ich ein Lied von singen. Mit meinem Mann (Physiker und Ingenieur) einen solchen Film zu gucken (oder auch, wenn er ein solches Buch liest), endet sehr häufig in einem längeren Vortrag, warum das und das so UNMÖGLICH funktionieren kann …
Ich meine, solange die Story gut unterhält und einigermaßen nachvollziehbar bleibt, kann ich damit leben. Schon alleine der Überlichtantrieb, wenn man den abschaffen würde, wäre fast die gesamte Science Fiction erledigt - was total schade wäre!
Aber beim Herr der Ringe zum Schluss, wo Frodo und Sam von den Riesenadlern am Schicksalsberg abgeholt werden, hab ich mich auch gefragt, Mensch, warum sind sie nicht gleich ‚per Flugtaxi‘ dorthin geflogen?
ok, das wäre dann logischer gewesen, dafür wäre uns eine wundervolle Story entgangen.
Möchte ich Realismus oder Unterhaltung? Oder beides? Wo setze ich den Rahmen?
Und wie weit kann ich den Bogen überspannen ohne, dass es die Illusion meiner Story platzen lässt?
Mein Anspruch: es soll unterhaltsam sein und innerhalb der Story funktionieren. Realismus ist bei den Settings, die ich mit meinem begrenzten Talent ausarbeite primär Nebensache.
Auch als Leser habe ich nie die Logik meiner Lieblingsromane oder auch Filme in Frage gestellt, wenn ich mich unterhalten fühle. Und das fängt ja in klassischer Literatur an. Auch Romeo&Julia sind echt dämlich, wenn man das auseinander klamüsert. Oder Emilia Galotti. Oder Andersens Meerjungfrau …
Die Illusion muss funktionieren. Jedem Leser ist klar, dass die gezeigten Karten ohnehin vorher im Ärmel versteckt waren…
man akzeptiert die großen Logiklöcher oft, weil ohne sie die Geschichte nicht funktionieren würde oder der Autor keine andere Möglichkeit gehabt hat. Bei kleinen Sachen, die falsch dargestellt werden, obwohl sie durchaus hätten stimmig beschrieben werden können, reagieren viele Leser unleidlich. Da heißt es dann gerne, der Autor wäre zu faul gewesen, vernünftig zu recherchieren, oder ihm ist nichts Besseres eingefallen.
Eine sehr gute Frage.
Ich glaube, dass die Gemeinschaft der Leser sehr heterogen ist. Es gibt keine einheitliche Bewertungsregel.
Ich fand Timothy Zahns Star Wars Fortsetzung (von Disney rausgeschmissen) in den 90ern mega. Tolle Weiterentwicklung der Figuren, tolle Ideen … unglaublich unterhaltsamer Blödsinn!
Harry Potter ziehe ich meinen (talking) Hut vor, weil es in sich ein schlüssiges Universum bildet. Trotz Logikfehlern wollte ich wissen: wie geht es mit der Bande weiter?
Und jetzt das für mich Schwierige: wann ist die Realität unwahrscheinlicher, als die Fiktion? Wann lehnen wir Dinge in Fiktion ab, die wir in der Realität hinnehmen?
Tom Clancy wurde (angeblich) nach dem 11.September zusammen mit anderen Schriftstellern als Regierungsberater hinzugezogen, weil das Unmögliche passiert war. Wer ist da der beste Experte, wenn nicht die Person, die das Unmögliche täglich ausdenkt?
Der aktuelle Präsident ist eine Person, die in jedem Roman als „zu überzogen“ weggekürzt würde. William Gibson hat nach der Wahl der ersten Amtszeit angeblich seinen Roman über eine manipulierte Regierung der USA zurückgezogen. Weil die Realität die Fiktion überholte.
World War Z (Buch) funktionierte bei mir komplett, weil es als eine Sammlung von Berichten und Artikeln ein Gesamtbild formte, dass die Zombieapolalypse realistisch darstelle. (Lange bevor wir ja quasi einen Zombie-Hype im Film und Buch hatten.)
Wer hätte bei allen Pandemie-Thrillern einen Punkt bedacht, dass es vielleicht Leute gibt, die schlicht auf die Straße gehen und die Existenz eines Virus leugnen? Oder mit Chip Implantaten, eingebauten Sterbecodes, usw ankommen, wenn es in der Story die Rettung durch eine Impfung gibt?
Ich will die einzelnen Punkte gar nicht inhaltlich diskutieren - es zeigt mir nur: Realität und Fiktion sind immer die Grenze von „Was bin ich bereit werk- oder tatsächlich lebensimmanent zu aktzeptieren?“
Ich glaube es muss nur die Illusion der Logic existieren. Ich schreibe ja auch Scifi (Paladinsöldner), dort erkläre ich manche Dinge oder mache vage Andeutungen, dass Treibstoff und neue Reifen, oder auch Nahrung und Wasser irgendwo herkommen.
Durch die modernen und auch allgemeinen Kenntnisse der Physik, gibt’s ein bisschen Erwartungsdruck.
Ich habe früher K.H Scheer Z.B.V gelesen. Da flogen nukleare Düsenjäger Mach 9 un die Welt.
Heute würden sofort Leute mit der Hand wedeln (Wieso verglüht das Teil nicht!!!einseinself)
Jetzt eine vage Erklärung (oh, da gibt es ein Plekpaetikel Eindämmungsfeld, dass die Wärme direkt ableitet) , aber nach einer halben Stunde bricht die Maschine trotzdem auseinander! Und der geneigte Leser ist vielleicht zufrieden, weil man sagt: „Ja, ich kenne den Fakt, aber er ist hier unbedeutend, weil …“
Bei Herr der Ringe hätte Sauron als Leuchtturm ein eindringen der Adler nicht geduldet
Ich liebe ja Akte X. Ich weiß zu schätzen, wie sehr da versucht wird, die innere Logik aufrechtzuerhalten, aber es ist mir im Grunde total egal, weil ich mich köstlich amüsiere - weil ich weiß, dass allein die Prämisse jede Logik abschaltet. Werwölfe, Neandertaler, der Große Mutato, Aliens, die einfach nur böse sind oder Baseball spielen wollen. Großes Kino. Dem kann ich alles nachsehen. Bedingung: der Rest muss stimmen. Wenn dann „reale“ Dinge falsch sind, beschäftigen die mich (und meine Tochter) so sehr, dass wir zwanzig Minuten vor Lachen auf dem Bett liegen. Wir haben uns manche Szenen fünfmal angeschaut und jedes Mal gewiehert vor Lachen. Immersion geht anders. (Nur steckt ein Meisterwerk wie Akte X das locker weg ) (Ich liebe es übrigens vor allem wegen der Very slow burn romance).
Es ist alles irgendwie ein Abkommen mit dem Leser/Konsumenten. Arztserien (außer Scrubs) und Romances mit dummen „Missverständnissen“ gehen für mich halt gar nicht, das juckt aber andere überhaupt nicht. Physiker bekommen bei Katastrophenfilmen und Independence Day Beklemmungen. Juckt mich wiederum nicht. Juristisch fragwürdige Vorgehensweisen bei Juristen, die einen Krimi genießen wollen …
Manchmal muss man dem Spaß an einer Story einfach ein Opfer bringen.
Vielleicht besteht die Kunst darin, Leser dazu zu bringen, Geschichten glauben zu wollen. Sie nicht mit Fakten, sondern dem Gefühl des Co-Erlebens erreichen.
So sehe ich es auch. Wenn das Genre klar ist, fresse ich fast jede Prämisse. Schon als Kind wusste ich, dass kleine, adipöse Männer mit Rückenpropeller nicht über Stockholms Dächer fliegen können. In der Geschichte von Astrid Lindgren war mir das schnuppe! (Obwohl ich Karlsson trotzdem nie mochte.)
Ich glaube, bei Filmen, gerade Blockbustern, läuft es anders, weil es vor allem gut aussehen soll. Die Menschen wollen nicht viel nachdenken, wenn sie einen Film schauen. Es soll krachen. (Vermutlich wissen die meisten, dass es das im Weltall nicht tut.)
Bei Büchern ist es anders, da liest man langsamer, kann sich mehr Gedanken machen, steht vielleicht auch tiefer im Stoff. Und manchmal hat man einfach Leute, deren eigene Logik nicht mit unserer kompatibel ist.
Bei mir hat sich mal jemand über Unlogik im ersten Band von “Übersinnliche Gefährten” beschwert, ohne sich zu äußern, was unlogisch war. Mir war schon klar, dass niemand einen 200 Jahre dauernden Schlaf überlebt, aber das ist Urban Fantasy und Teil eines Fluchs. Vielleicht war es auch was anderes, das die Person störte.
Bei Büchern schwingen sich eben viele auf und lassen den Reich-Ranicki raus.
Was die Logik im Roman betrifft: Es kommt darauf an.
Bei der Logik zur realen Welt ist es entscheidend, was die Story ist. Zum Beispiel hard Sci-Fi und soft Sci-Fi
Beim Marsianer wären technische Fehler unverzeihbar. Denn die Story lebt davon, wie ein Mensch auf dem Mars überlebt. Bei Star Trek und meinen Roman kann man nicht bei der aktuellen Physik bleiben. Dann gäbe es keine Außerirdischen.
Die Logik im Roman ist viel wichtiger. Ob Magie oder Technik, sie müssen (fiktiven) Gesetzten gehorchen. Dann akzeptiert der Leser es auch. Bricht man diese Gesetzte, dann hat man den Leser verloren. Aktuelles Beispiel ist Star Wars. In Acrolyte wird plötzlich ein Lichtschwert, das so heiß ist, dass es Wunden in Bruchteilen von Sekunden kauterisiert, zum Haareschneiden benutzt. Da flippen alle aus. Ich auch.
Jede fortschrittliche Technologie ist nicht von Magie zu unterscheiden.
Captain Kirks Kommunikator haben wir alle in der Tasche nur schmaler und schicker. Selbst der Warp-Antrieb wird von ernsthaften Wissenschaftler erforscht.
· Miguel Alcubierre: „The warp drive: hyper-fast travel within general relativity“ (1994), die klassische Ursprungspublikation zum Alcubierre-Warp-Drive in Classical and Quantum Gravity.spiegel
· Erik Lentz: „Breaking the warp barrier: hyper-fast solitons in Einstein-Maxwell-plasma theory“ (2021), ein vielbeachteter Ansatz mit positiver Energie statt exotischer Materie.stern
· Jared Fuchs et al.: „Constant velocity physical warp drive solution“ (2024), veröffentlicht in Classical and Quantum Gravity und laut Berichten ein Modell ohne exotische negative Energie.
Für mich ist die Logik innerhalb der Geschichte wichtiger als die Realität. Das heißt aber nicht das ich alles einfach schlucke. Wenn sich in einer Apokalypse Tote aus ihren Gräbern erheben ist das eine Sache. Das gibt es in der Realität nicht, aber im Universum der Geschichte kann es funktionieren. Es hängt davon ab wie die Story geschrieben ist und auch vom Genre. Das heißt aber nicht, dass ich alles glauben würde. Man muss hier auch zwischen Buch und Film unterscheiden. In Filmen werden manche Übertreibungen eher toleriert als in Büchern und in so manchem Genre gehört es dazu, dass die Logik sich verkrümmelt. Würden Autos genauso leicht explodieren wie in Actionfilmen würde niemand Autofahren und umgekehrt währen diese Filme langweilig wenn man sich an die Realität halten würden.
Abgesehen davon hat jeder individuelle Trickerpunkte, manches Verzeit man, anderes geht gar nicht. Mir zum Beispiel rollen sich die Zehennägel hoch wenn ein Profikoch Petersilie mit einem kleinen Messer schnibbelt, werden Tomaten ein Jahrhundert zu früh importiert ist mir das egal.
Die innere Logik einer Geschichte und ihre konsequente Kohärenz ist entscheidend für die Akzeptanz durch die Leser, respektive Zuschauer.
Wir alle akzeptieren, dass James Bond, ein Mensch aus Fleisch und Blut, mit einem Motorrad in ein fliegendes Flugzeug hineinspringt, mit einem Panzer durch St. Petersbrug fährt, Schläge ohne nachhaltige Wirkung wegsteckt, aber wir würden es nicht akzeptieren, wenn er erschossen und drei Tage später wieder auferstehen würde, ohne dass man ihm seinen Jenseits-Aufenthalt anmerkt. Das mag der Zuschauer dann doch nicht.
Der zweite Punkt ist der Unterhaltungswert: Wir wollen, dass James Bond die oben genannten Fähigkeiten besitzt und noch viele mehr. Es ist der unausgesprochene Vertrag zwischen Rezipient (Zuschauer, Leser) und Autor, dass manche Dinge eben nicht real sein können.
Oder wollen wir, dass sich James Bond künftig bei einer Verfolgungsjagd auf einem Lastenfahrrad abstrampelt und nach fünf Kilometer mit einem Herzinfarkt über dem Lenker zusammenbricht und sich nicht selbst reanimieren kann? Nope.
(Wird aber so wohl in irgendeiner Form kommen, ist dann aber nichts mehr für mich.)
Kritisch wird es, wenn reale Fakten als Grundlage eines Films/Buches dienen und von den Lesern empört als „Quatsch“ abgetan werden. (So bei meinem Element 126, das von Kernphysikern seriös diskutiert und auch vorhergesagt wird.)
Das soll heißen, dass man den Erwartungshorizont und auch die Vorkenntnisse des Lesers kennen muss. Dann ist vieles möglich. Auch Lastenfahrräder mit Warp-Antrieb.
Bei Dan Brown kommt ja hinzu, dass sein „USP“ ja der unfassbar logische Logiker Langdon mit seinen exorbitanten logischen Fähigkeiten sein soll. Haut nicht hin. - Obwohl ich da auch den Kopf abschalten kann. Aber nur, weil Tom Hanks so sympathisch ist. (Ja, den seh ich dann auch beim Lesen vor mir, dabei hab ich die Filme nicht gesehen).
Bei den Ballerfilmen bestimmt. Aber Akte X oder Breaking Bad oder Better Call Saul sind erzählerische Meisterwerke, die zusätzlich noch Bilder vorgeben. Ich wüsste nicht, ob ich zehn Bände Better Call Saul begeistert lesen könnte - allein die Anfangsszene, wo die Hauptfigur für zehn Minuten nicht auftaucht und deshalb nichts passiert. Das müsste man sich in einem Buch einmal trauen, das primär zur Unterhaltung geschrieben wurde. Für die Charakterisierung aber wichtig. (Aber nicht unlogisch. Sorry, bin abgedriftet). Aber Logik: Bei Akte X haben die Produzenten ja schon in Staffel 4 oder 5 eine Reißleine gezogen, weil die Story zur logischen Lösung geführt hätte - und kurzerhand alle umgelegt, die die Lösung herbeiführen würden. Schöner Move. Nicht ganz logisch, aber nötig. So wie GRRM auch gern eine Killerspree veranstaltet …
Sollte es nicht so sein, dass in Science-Fiction-Romanen auch wirklich Science Fiction steckt – also Dinge, die sich nicht logisch oder mit unserem heutigen Wissen erklären lassen?
Ich habe in meinem Roman „Die Zeitmaschine – Die Peter-Wheller-Serie, Teil 1“ beispielsweise bei einer fliegenden, unsichtbaren Kamera bewusst auf Antigravitation verzichtet und stattdessen eine für mich logischere Erklärung gewählt. Schließlich kann man nach heutigem Stand keine Antigravitation erzeugen. Ich hätte aber genauso gut Antigravitation verwenden können – dann wäre es eben klassische Science Fiction gewesen.
Dafür gibt es in meinem Roman „Alles begann mit Flug UA93“ eine Tachyonenkanone. Tachyonen existieren bislang nur theoretisch und sind damit reine Science Fiction.
Letztlich ist es eben Science Fiction. Da muss nicht immer alles logisch oder mit dem heutigen Stand der Wissenschaft erklärbar sein.