Leseprobe, Das süße Geheimnis

Eigentlich ist ist er als Erzähler schon nach dem Prolog Geschichte, tritt erst wieder am Tatort als Leiche in Erscheinung und da spricht er nicht mehr :slightly_smiling_face:‍↔
Was hältst du von der Idee, den Prolog im Präsens, aus auktorialer Sicht zu schreiben, mit genau dem Ende „hätte er nur …“

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Vorweg: Das ist ein interessantes Thema, das viel Stoff für unzählige Geschichten bietet.

Interessant wäre: Ist die Leseprobe nach der Recherche eher in einem spontanen Moment der Inspiration entstanden, oder ist sie bereits gründlich durchdacht und sorgfältig geplant?
Diese Unterscheidung wäre für alle Leser wichtig, beeinflusst sie doch, wie intensiv sich jemand mit dem Text auseinandersetzt. Wenn es „nur“ ein erster Entwurf ist, schließe ich mich den anderen an und warte lieber auf den überarbeiteten Gesamtentwurf. :wink:

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Danke, gründlich durchdacht und geplant ja, während die Ausführung noch keine nennenswerte Überarbeitung erfahren hat. Bis zum Ende der Rohfassung fehlen mir noch runde 150 Seiten, dann beginne ich zu überarbeiten.

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Nach meinem Empfinden brächte dieser Kniff nichts für die Story, außer Verwirrung, denn die Zeitabfolge wäre falsch. Da der Prolog so kurz ist, erkenne ich ohnehin nicht zweifelsfrei den personalen Erzähler. Deshalb kann ein ähnlicher Schlusssatz auch in der Vergangenheit (geschah ja tatsächlich vor den folgenden Ereignissen) in dieser Form (personal wie auktorial in der 3. Person möglich!) geschrieben werden.

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Ich wusste vorher nicht mal, das ich hätte wissen können.
Und doch fand ich es faszinierend, weil es viel geholfen hat, zu verstehen, wie Kunden dort ticken.

Verstehe, meine Intuition war vorab dem Leser einen atmosphärischen Einblick in ein Milieu zu verschaffen, das den meisten fremd sein dürfte. Trotz Recherche vor Ort, ist es das auch mir noch…
Dennoch habe ich jetzt Einblicke in die Organisation und Abläufe so eines Etablissements, die ein gewöhnlicher Gast nicht hat. Und das sind die handlungsrelevanten Punkte für eine klischeefreie und realistische Darstellung, der Berührungspunkte Domina-Studio/Ermittler.

Die Abbildung einer Interaktion zwischen Domina/Kunde ist überflüssig und ich erspare mir holprige Umschreibungen von Dingen, die ich nicht konkret beschreiben will.
Handlungsrelevant sind nur die Infos, dass er bei ihr war und sie gemeinsame Wochenenden am Tegernsee verbrachten. Und die ergeben sich durch die Ermittlungen…

Für mich ein harter Schritt, liebe Heather, das ist wohl das oft zitierte „kill your Darling“ und dieser Prolog war mehr Aufwand als die gesamte Exposition (ca. 100 Seiten) … Aber mal ganz ehrlich, es tut der Story doch nur gut, wenn das Experiment ersatzlos streiche, oder?!?

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Für dieses ‚Tötungsdelikt‘ möchte ich aber nicht zur Rechenschaft gezogen werden! :joy: Ich finde die Prolog-Idee nach wie vor gut. Ich habe für mein derzeitiges Projekt etwas Ähnliches verfasst, weil ich einerseits das darin vorkommende Ereignis erwähnen muss, ohne diesen Handlungsstrang weiter zu verfolgen. Eine Art ‚Mini-Prequel‘ oder ‚Mini-Spin-off‘ sozusagen. Manchmal möchte man eine Nebentreppe nehmen, um in die Geschichte zu treten – so sehe ich das auch in deinem Fall.

Außerdem kannst du Kommentare und Meinungen sammeln und wirken lassen, einiges annehmen oder verändern, aber du solltest dir selbst und deinem Stil unbedingt treu bleiben. Es ist und bleibt deine Story! Sei also mutig.

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Danke, bin noch massiv am hadern …

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So sehe ich das auch. Ich finde, der Prolog schafft es, die Stimmung dieses ungewöhnlichen Settings perfekt einzufangen. Das finde ich wesentlich origineller (und vor allem schwieriger) als diesen klassischen Thrill am Anfang eines Buches. Wenn unbedingt etwas passieren soll/muss, weil du Angst hast, dass dir die Leser abspringen, könntest du ja auch überlegen, ob du den Mord aus dem zweiten Kapitel in den Prolog einwebst. Den Prolog komplett zu streichen fände ich jedenfalls extrem schade.
Im übrigen würde ich den Lesern auch mehr zutrauen. Die Leute, die nach zwei Seiten abspringen, weil nicht sofort jemand in seine Einzelteile zerlegt wurde, wären ohnehin nicht die Zielgruppe, die ich mir für einen solchen Text wünschen würde. Und die Leute, denen die Atmosphäre/der Schreibstil gefällt, bleiben auch noch ein bisschen länger dabei :wink:

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Das meinte ich mit, wenn es „nur“ ein erster Entwurf ist; denn jegliches genaues Durcharbeiten des Textes, wäre möglicherweise überflüssig, wenn die eine oder andere Szene, letztlich gestrichen würde. Denn in einem frühen Stadium des Schreibprozesses kommt es eben vor, dass sich noch viele Änderungen ergeben. :wink:

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Danke! Ich werde definitiv noch daran feilen und @Heather s Input umsetzen.
Sowohl hier, als auch in meinem persönlichen Umfeld, leider meist Drehbuchleute, stößt der Prolog auf Zustimmung bis Neutral … Und du hast recht, wem er nicht gefällt, der kann ihn auch überspringen.

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Nochmals vielen herzlichen Dank an euch alle! Sobald ich in die erste Überarbeitungsrunde starte, wird euer Feedback einfließen! Eine Frage hätte ich noch an
@Klonschaf

Warum glaubst du, dass das erste Komma falsch ist?
Der vorangestellte adverbiale Nebensatz (Graviert in eine polierte Messingplatte) wird mit dem Komma vom Hauptsatz (verriet der geschwungene Schriftzug nichts darüber, was genau sich hinter dem süßen Geheimnis verbarg.) getrennt.

… viel schöner? - diskutabel, wie alle Fragen zu Geschmäckern.

Da hast du recht, ohne Hauptsatzsubjekt und Hauptsatzprädikat ist ein Satz nicht vollständig. Aber ist es wirklich ein Fehler, einen unvollständigen Satz zu schreiben? Manche sehen es sogar als Stilmittel in der (unterhaltenden) Literatur.

Schade, dass ich dich nach diesen drei Sätzen verloren habe. Dich meine Leseprobe sogar abgeschreckt hat. Trotzdem Danke, liebes Klonschaf!

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Meine Zeichensetzung ist nicht One-Wall-Free, respektive not the Yellow from the Egg, aber irgendwie sieht es falsch aus. Wird aber mehr ein Gefühl, als wirkliche Dudenreglungen, sein.

Meine persönliche Kommaregeln empfehlen: Setze ein Komma, wenn es sich gut anfühlt.

Chat GPT sagt übrigens:
Der Satz ist zeichensetzungsmäßig korrekt.
Das Partizipialkonstrukt am Anfang („Graviert in eine polierte Messingplatte“) ist richtig durch ein Komma vom Hauptsatz abgetrennt. Weitere Kommas sind nicht erforderlich.

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Liebe Heidi,

der adverbiale Einschub hat kein Prädikat, ergo ist es kein Satz, muss also nicht abgetrennt werden. „Graviert“ ist eine adverbiale Bestimmung und kein Verb, obwohl es mal eins war. Vielleicht kann man es mit Komma schreiben, schöner ist der Satz allerdings ohne, und man muss ihn als geübter Leser nicht zweimal lesen.
Was den Stil angeht: Wenn man eine Chance hat, etwas mit drei statt mit sieben Silben auszudrücken, ist die Wahl mit drei Silben stilistisch besser, weil schlank und elegant. Das Ungetüm mit der Gegend willst du mir als schöner verkaufen? Wolf Schneider rotiert.

Was den Satz ohne Subjekt und Prädikat angeht: Ja, das kann man machen. Sicher. Aber wenn der Leser es nicht versteht, wenn er darüber stolpert, wenn er es zwei- oder dreimal lesen muss, ist es Maniriertheit. Um sich die leisten zu können, sollte man schon berühmt sein. Wenn du Kunst schaffen willst, bist du frei, alles zu tun, was dir gefällt. Wenn du lesbar und unterhaltend schreiben willst, solltest du dir bei jeder Extravaganz in deinem Text gut überlegen, ob die Leser sie goutieren.

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Ich dachte immer, ich bin hier in einem Forum für Schreibende und nicht für Sprachwissenschafter.
Was bin ich froh über meine große Ösi-Goschen, die jeder versteht, sogar die Erbsenzähler, denen es nicht gefällt. Getroffen habe ich sie auf jeden Fall.
Schreib wiasd wüst, @Heidi86 . A Krimi is ka Masterthesis!

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Das musste ich erst Mal nachgucken, bin also über die Kritik gestolpert.
Die Geschichte habe ich allerdings noch nicht gelesen. Erst ist KaePie dran.

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„Mariniert“ ist lecker und „goutieren“ gehört nicht mal in meinen passiven Wortschatz. Klingt als wenn etwas mit Gouda überbacken wird.

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Ich bin über das Komma auch gestolpert, genauso über den dritten Satz, hätte es aber nicht so gut erklären können wie das Klonschaf.
Klar kann man schreiben wie man will, trotzdem finde ichs gerade in einem Schreibforum nicht schlecht, wenn jemand sagen kann, aus den und den Gründen hakts da etwas.
Verlangt ja niemand, dass solche Hinweise dann auch umgesetzt werden.

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:joy: :sweat_smile: :sunglasses:
Sehr cool!

Bei dem Thema bin ich allerdings nicht dabei. Aber das macht nichts, hast ja schon Einiges an Feedback bekommmen. :slight_smile:

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Liebes Klonschaf,
du hast Recht, modale adverbiale Bestimmung - kein Prädikat - kein (vorangestellter) Nebensatz - kein Komma.
Einen Hang zur Maniriertheit kann ich nicht leugnen und arbeite daran.
Sobald ich die Rohfassung beendet habe und die ersten Überarbeitungsgänge durch sind, würde ich hier gerne eine etwas längere Leseprobe einstellen und mich freuen, wenn Du trotz deiner Abschreckung nochmal ein Auge darauf werfen würdest!

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