Kurzbesprechung "Alchemised" von SenLin Yu

Ich habe denn tatsächlich mal in die Leseprobe hineingelesen. So etwa die ersten 10-12 Seiten denke ich.

Meine Gedanken waren am Anfang: Aha, sehr wie Matrix, na gut. Die Grundidee fand ich dennoch erst einmal tragfähig. Die Sache mit dem General, der als Wiederbelebter seine Frau verspeisen muss, war für mich eine wenig inspirierte „Weiterdrehe“ der Totenbeschwörer als Gegner. Nur dass ich gedacht habe, wiederbelebte Tote werden doch normalerweise zu Zombies oder ähnlichen Untoten. Meist mit deutlicher Wesensveränderung (vorsichtig ausgedrückt). Für mich läuft damit die Idee einer besonders brutalen Folter irgendwie ins Leere. Jedenfalls für den General. Für seine Frau …, nun ja, mag man nicht dran denken. Insgesamt hat mich die Szene eher mit einem Fragezeichen über dem Kopf zurückgelassen, als dass mich die Story da gepackt hätte.

Vor allem ist für mich die Protagonistin aber nicht glaubwürdig. Die ganze Erzählung der Vergangenheit zündet einfach nicht. Ich meine, die Frau hat das verloren. wofür sie gekämpft hat. Sie wurde besiegt. Alle ihre Freunde und Weggefährten wurden getötet oder verhaftet. Sie wurde irgendwie eingekerkert (in eine Nährlösung oder so, ich hab die Einzelheiten doch glatt schon wieder vergessen). Jedenfalls war sie über Monate (oder sogar Jahre?) gefangen, aber bei Bewusstsein. Und dann holt man sie da raus und sie ist eigentlich ganz cool drauf. Das passt doch nicht. Das ist einfach schlecht erzählt, finde ich.

Andererseits ermöglicht mir diese Erzählweise, einen recht großen Abstand zur fiktiven Handlung zu behalten. Was mich die Abscheulichkeiten leichter ertragen lässt. Vielleicht geht das ja auch der Zielgruppe so.

Für mich ist der Abstand zur Erzählung allerdings so groß, dass ich nach den erwähnten 10 oder 12 Seiten keine Lust mehr hatte, noch weiterzulesen. Es hat mich einfach zu sehr gelangweilt.

@michel : Ich muss sagen, nach meinem Eindruck steht bei den kontroversen Szenen sicher eher die Effekthascherei im Vordergrund, als fundierte Gesellschaftskritik. Aber fairerweise muss ich eben zugestehen, dass ich nach (in etwa) 10 von 1000 Seiten sicher kein abschließendes Urteil fällen kann.

Zur gesellschaftlichen Relevanz fällt mir ein, dass die jungen Menschen, die es schaffen 1000 Seiten sinnerfassend zu lesen, wahrscheinlich auch zwischen Fiktion und Realität - zumindest grob - unterscheiden können. Mehr Angst machen mir tatsächlich junge Menschen, die praktisch nicht mehr lesen und die Insta-Videos sofort weiterklicken, wenn mal 2 Sek. kein schneller Schnitt erfolgt.

12 „Gefällt mir“

Dein Kommentar holt mich komplett ab.
Er ist wertend, ohne den Raum für Interessierte zu nehmen.

6 „Gefällt mir“

Wenn du dich auf meinen Posting beziehst, sage ich vielen Dank.

Wenn nicht: :disappointed:

1 „Gefällt mir“

Ja, du hast für mich alles gut auf den Punkt gebracht. Zu 100%.

3 „Gefällt mir“