Kurzbesprechung "Alchemised" von SenLin Yu

Längst auf dem Reader! :+1::heart:

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Ich glaube es ging gar nicht um Voldemort.
So wie ich es verstanden habe, war es eine Geschichte zwischen Draco und Hermine.

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Ja, wobei es immer noch rechtlich Fragwürdig ist, da sie ihren Erfolg auf der Fanfic Harry Potter Community aufbaut. Die meisten Fanfic Autoren ändern ihren Namen vor der offiziellen Veröffentlichung von Büchern, sie hat ihn bewusst behalten.
Bei Powerless ist es ja im Moment auch fragwürdig ob die Autorin von Red Queen (Powerless ist fast ein 1zu1 Abklatsch) rechtlich gegen das Buch vorgehen wird. Im Moment sind sehr viele erfolgreiche Bücher auf den Geschichten von anderen aufgebaut.
Um so mehr Fanfics veröffentlicht werden auf den Communitys der originalen Bücher um so mehr Probleme wird es geben. Mal schauen wie sich das alles entwickeln wird.

Was ich interessant finde: Leser betiteln das Buch als Romantasy. Es wurde als Dark Fantasy beworben, doch scheinbar regen sich viele darüber auf, weils wohl nicht stimmen soll. Das wiederum führt dazu, dass mich dieser ganze Genre Dschungel nur noch mehr verwirrt.

Das soll wohl daran liegen das im Original (also der FanFic Hermine & Malfoy) das Thema Vergewaltigung eine sehr große Rolle spielt und wohl auch dem ganzen Buch Tiefe und Trauma gibt. Um es breiter veröffentlichen zu können ist dieser Teil nun sehr stark gekürzt worden und wirkt wohl eher unpassend/ hat die Tiefe/das Trauma verloren. Ich habe beide Versionen nicht gelesen, kann vondahr nur das wiedergeben, was ich gehört habe.

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Ich kenne das Buch auch nicht, gehe aber auch davon aus, dass der Erfolg dem FanFiction Aspect geschuldet ist. Vom Potter Universum ist wohl nix übrig geblieben. Aber das spielt vermutlich auch keine Rolle. Aus der FanFic geboostet ist es zum Selbstläufer geworden. Das ist ähnlich, wie bei 50 Shades of Grey. Ein Haufen Müll, der mit der Realität absolut gar nix zu tun hat. Ist wohl aber auch als FanFiction aus den Twilight - Biss zum was weiß ich entstanden. Beides ebenfalls mit einem merkwürdigen Frauenbild verknüpft.

Was das im Thread angesprochene Thema Zensur oder Altersempfehlung angeht. Zensur finde ich nicht nur schwierig, sondern ich lehne sie ab. Da stellt sich mir immer direkt die Frage, wer zensiert und warum?

Altersempfehlungen mag es für verschiedene Bücher geben. Was es aber nicht gibt, ist eine FSK, wie wir sie von Filmen kennen. Außer es handelt sich um eindeutig pornografische Inhalte. Die müssen aber schon sehr eindeutig sein. 50 Shades of Grey kann jede 12 jährige kaufen, soweit ich weiß.

Problemetisch finde ich das teilweise auch. Das härteste und wahrscheinlich grausamste, was ich bisher konsumiert habe, ist die Kira Hallstein Triologie von Andreas Gössling. Die Bücher sind sehr rau und sehr detailliert hart geschrieben. Mir ist es beim hören nicht gelungen, mir einfach zu sagen, sind ja nur Bücher. Alle drei basieren nämlich auf realen Begebenheiten, wenn auch als Fiktionen aufbereitet.

Wie problematisch eine FSK für Bücher ist weiß ich aber nicht wirklich. Denn ich kann mir kaum vorstellen, dass sich wirklich junge Menschen so Zeugs wie 50 Shades of Grey oder Kira Hallstein zulegen. Das ist irgendwie was anderes als bei Filmen glaube ich.

Weiterhin wurde auch schon genannt, ich glaube von @Bommel, das die jüngere Generation anders funktioniert, als die älteren. Ob sie wirklich abgestumpfter sind weiß ich nicht. Ich kennen junge Menschen, die auch sehr emotional reagieren. Es ist der Umgang mit Inhalten. Den extrem frühen Zugang zu harter Pornografie finde ich auch problematisch. Darum geht es mir aber nicht.

Als ich jung war, wurden Lieder von den Ärzten regelmäßig von der Prüfstelle für jugendgefährdete Schriften auf den Index gesetzt. Es wurden auch verschiedene Computerspiele auf den Index gesetzt. Auch Filme. Heute sind die meisten Dinge vom damligen Index freigegeben.

Sei es Claudia hat nen Schäferhund (Die Ärzte machten sich einen Spaß daraus, ich glaube Part 1 bis 3 zu veröffentlichen), Raid over Moscow (ein Spiel für den C64, in dem es um Atomkrieg geht) oder Tanz der Teufel (Horrorfilm). Die Begründug war eben genau die. Jugendliche gehen heutzutage anders mit solchen Inhalten um, als die Generation damals (sinngemäß). Was ich zwar für Blödsinn halte, denn z.B. die Lieder von den Ärzten kannte trotzdem alle und sie haben glaube ich keinem geschadet, aber sei’s drum.

Wenn das stimmt, ist das eine ganz schreckliche Art, die Geschichte zu kürzen.


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Du vertust dich…das war für Cor Diaboli :wink:

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nee die Schlange hat gar nicht auf meinen Fotoapparat gepasst :wink:

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Stimmt, hast du ja erzählt :joy:

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Ich habe in der Grundschule schon adult Fantasy gelesen wo auch vieles dabei war, was ich wohl in dem Alter nicht unbedingt hätte lesen sollen. Das Problem bei Dark Romance und co. sehe ich aber nicht darin, dass es sexuellen Content enthält, sondern eher was dadurch vermittelt wird. In einem adult Fantasy Roman, wo jemand gefoltert wird, oder sexuell missbraucht wird, wird oft deutlich klar gemacht, dass das weder gut noch romantisch ist. Bei Dark Romance ist es das Gegenteil.
Männer die missbrauchen, foltern, mobben, stalken sind auf einmal nicht die Bösen sondern der sexy dark Love Interest, der für sie „die Welt brennen lassen würde“ mit seinem Sixpack. Und ja er hatte auch eine schwere Kindheit.
Wenn eine 40 Jährige Frau das ließt kann sie da gerne ihre Fantasy ausleben. Aber ein 10 Jähriges Mädchen, das noch keine Erfahrung mit Beziehungen hat, kann dadurch ein verdrehtes Weltbild erhalten, weil es selber noch nicht richtig differenzieren kann.
Wenn jemand Missbrauchen, foltern, mobben, stalken usw. in einer aufklärenden, realistischen Weise schreibt ist das natürlich was anderes, aber das gehört dann halt auch nicht zu Dark Romance.

Dementsprechend wäre es schon gut wenn es eine Altersbeschränkung für solche Bücher geben würde.

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Genau das ist auch hier der Punkt.
Ich hab auch kein Problem mit Sex, Gewalt, Blut etc. in einem Buch, sofern es in die Story passt und nicht verherrlicht wird. Wenn es aber als etwas Erstrebenswertes oder Normales dargestellt wird, hörts bei mir auf.

Auch bei den 11 - 18 Jährigen kann es durchaus Schaden anrichten; die Gabe des Differenzierens entwickelt sich bei jedem unterschiedlich schnell (und oft denke ich, bei manchen gar nicht).

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Ja, die Altersangaben waren nur einfach irgendwelche Zahlen. Es gibt auch weit ältere Menschen bei denen es Schaden anrichten kann.
Es gibt zu dem ganzen Thema auch einige Diskussionen auf YouTube. Im Endeffekt reflektieren die meisten Dark Romance Schreiber selber garnicht wie problematisch das ganze sein kann. Zusammen mit Social Media und diesen Tradwifes werden leider im Moment viele schwierige Beziehungsbilder vermittelt.

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Das ist ein wichtiger Punkt.
Ich glaube an und hoffe auf genau diese Fähigkeit. Das Medium Buch ist ja nur ein Einfluß von vielen. Film, Serien, SM, Podcast, Musik. Und realer: Eltern, Großeltern, Geschwister, Freunde, Sport, Schule…
Vielleicht ist diese Art Story ja nur ein Mosaikstein, der irgendein Bedürfnis sehr unglücklich kompensiert.

Die genannten anderen Medien zeigen häufig ein völlig anderes Frauenbild. Zum Glück. Ich baue daher auf diverse Einflüsse und eigene Reflexion. Bewusst oder unbewusst werden diese unterschiedlichen Bilder abgeglichen und verglichen.

Meine Kindheit war medial von einem extrem toxischen Männerbild geprägt. Harte Männer, Frauen meist nur Beiwerk, um anzuhimmeln und sexuell zu begehren und irgendwie so blöd, dass sie ständig gerettet werden müssen… Jeder kennt es zu genüge.
Wenige Ausnahmen. Trotzdem sind wir weitestgehend normal geworden. Ich denke auf Grund vielseitiger Einflüsse, die diese Bilder relativieren.
Von daher: schaffen wir andere Personenbilder, entkräften wir unweigerlich den Einfluss einzelner Quellen.
Ich bin da eigentlich ganz guter Hoffnung, verstehe aber die Wut auf so etwas …

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Das wäre die ideale, wünschenswerte Entwicklung! Leider zeigt der große Einfluss von Social Media auf die jüngeren Generationen häufig einen anderen Verlauf – den einer starken Polarisierung.
Aus einer schwarzen und einer weißen Weltsicht wird nicht mehr gemäßigtes Grau, sondern die Pole stoßen sich noch extremer ab. So entsteht einerseits eine überzogen ‚weichgespülte‘ Fraktion, die achtsam (oft nur für eigene Belange), belehrend, aber oft lebensfremd wirkt und andererseits eine Fraktion, denen Hass, Missgunst und Gewaltbereitschaft näher sind. Ich habe es jetzt selbst absichtlich etwas drastisch und plakativ dargestellt. Die Grauzone dazwischen scheint hingegen immer schmaler zu werden.

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Ich kenne das Buch nicht aus eigener Erfahrung. Ich lese auch in diesem Genre nichts.
Ich urteile daher weder über das eine noch über das andere.

Aber ich weiß, dass auch und gerade Kunst großen Einfluss auf viele Lebensbereiche hat. Denkt man nur an "entartete Kunst ", verbotene Bücher, verbotene Lieder … Warum hat man sich je diese Mühe gemacht, wären sie bedeutungslos?!

Unsere Zeit empfinde ich als düster. In der Politik, im öffentlichen Leben, Schulen, im Job überall nimmt die Tendenz tiefe Gräben zwischen den Menschen zu ziehen zu, anstatt Toleranz und Stärke zu fördern. Ein Buch, das Gewalt romantisiert und das Frauenbild des hilflosen Dummchens fördert, halte ich für zutiefst verstörend. Gerade wenn es „gut“ geschrieben ist, ist die Gefahr, dass jemand sich damit identifiziert groß, besonders wenn er noch jung ist.

Gewalt gegen Frauen, Mädchen und Kindern ist alltäglich. Warum ?

Warum wird eine indische Frau, die ohne männliche Begleitung Bus fährt von 20! Männern vergewaltigt, warum können im brasilianischen Karneval schöne Frauen fast nackt auf der Straße herumlaufen und werden nicht angerührt?

Der Unterschied liegt nur in den Überzeugungen (=Bild) in den Köpfen der Männer. In der KULTUR, zu der auch und gerade Bücher gehören.

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Ich habe mir die Leseprobe angetan und hoffe zutiefst, dass dieses „Werk“ nicht ein Indikator dafür ist, dass ein nicht unerheblicher Teil der anvisierten Zielgruppe nur noch durch Extremstgefühle und
-darstellungen ansprechbar ist. Die soziokulturellen Auswirkungen mag ich mir nicht ausmalen. Besonders heftig wird es, wenn die eine oder andere Leserin Alchemised als grandioses Anti-Kriegs-Buch feiert. Gemessen woran? An der eigenen Erfahrung? In Form von Bildern, die täglich über die Bildschirme flimmern? Immerhin funktioniert die Hype-Maschine BookTok im Zusammenspiel mit der teuersten Marketinkampagne, für die sich einer der großen Publikumsverlage gerade auf die eigenen Schulktern klopft, hervorragend. Das ist schlussendlich die einzige Botschaft, die ich mitnehmen möchte.

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Ich kann es mir auch nur so erklären, dass ein Teil der Lesenden noch nicht soviel Erfahrungen mit Literatur gemacht hat - und ihr dadurch der Vergleich fehlt.

Ich habe als Kind/Jugendlicher sehr viel Fantasy und Scifi gelesen (erwähnte ich das 9 Meter lange Regal meines Vaters?) Mein Vater hat mir Bücher empfohlen mit aufsteigender Tiefe und Schwierigkeit. Da las man zum Einstieg „Die Welt der tausend Ebenen“ von P. Farmer. Unendlich viele Bände von" ZBV" von K.H. Scheer, Waylander, und wechselte langsam Höherwertigen wie „Traumstein“ von Jonathan Wyle, oder Herr der Ringe, oder Belgarath Saga.
Am meisten gefielen mir diverse Hohlbeinbücher (Töchter des Drachen / Thron der Libelle) oder die „Schwerttänzer Saga“ J. Robertson, dass man heute unter Romantasy / bzw. Fantasy mit Slowmance packen würde. Natürlich interessierte mich sowas mit 15 :wink:

Und wenn man dann stattdessen dieses Buch bekommt. Ich hoffe, man hat dann einfach Schneid genug es abzubrechen.

Ich habe Märchenmond von Hohlbein geliebt

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Es gab auch viel Murks von Hohlbein (Die Moorhexe → so schlimm, dass ichs am Urlaubsort vergessen habe) ich glaube, sie haben einfach alles ungefiltert (aber korrigiert) herausgehauen, was er geschrieben hat. Aber doch einiges (Das Druidentor), (Heldenmutter), Enwor Band 1 (Der wanderne Wald), Chroniken der Unsterblichen (zumindest Band 1-3) gefiel mir überdurchschnittlich. Hohlbein hat einen gewissen Stil, den man irgendwann erkennt. Und gewisse Ängste, die immer wieder eine Rolle spielen. Irgendwann wartet man dann schon darauf. Spätestens dann braucht man eine Pause :stuck_out_tongue:
Deshalb verstehe ich, dass @Yoro Enwor nicht überragend fand. Ich war der düsteren Welt nach Band 3 irgendwann müde :P, ähnlich wie Chroniken der Unsterblichen. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr auf die Reihe, obwohl sie so stark begonnen hat.

Die letzten großen Fantasy-Welten die ich (allerdings nur als Hörbuch gehört habe) waren Wedora von Markus Heitz, und die Klinge des Schicksals von Markus Heitz. Beiden Welten haben mir gut gefallen. Ich habe mehrfach etwas von Heitz gelesen, und es gefiel mir gar nicht → sehr seltsam, denn wenn Uve Teschner es vorliest, fand ich es super.
Markus Heitz kann auch selber sehr gut vorlesen.
Zu Hause unangetastet rumgammeln tun noch „die Elfen“ von Bernard Hennen, die mich durch ihren Umfang einschüchtern, auch noch eine geerbte Reihe von meinem Vater, die dann noch weitergeführt wurde :stuck_out_tongue:
Daher erstmal Richard Schwartz. Okay … ich sehe, ich bin total abgeschweift. :innocent:

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Vielen Dank, Yoro, dass du bereit warst, Alchemised anzusprechen.
Zuerst wollte ich einen Forumsbeitrag ungefähr in dieser Art formulieren:

Ich freue mich immer, wenn ein neues Fantasy‑Werk den Weg in die Regale findet – gerade dann, wenn es so umfangreich daherkommt wie Alchemised. Über 1000 Seiten, ein stolzes Gewicht, und ein Preis, der im Verhältnis zur Seitenzahl wirklich attraktiv wirkt. Das ist doch erst einmal ein schönes Signal: Literatur hat noch Masse und Präsenz.

Doch sobald man den Prolog liest, wird klar: hier ist kein eigenständiges Werk entstanden, sondern ein kultureller Flickenfetzen. Ein Amalgam aus Matrix, Saw, Marathon Man, He‑Man, Shades of Grey und Ghost in the Shell, dazu ein bisschen Magie und ein Glossar, das Tiefe simulieren soll. Die Sprache ist uninspiriert, voller Klischees und falscher Beschreibungen – Behauptungen statt Szenen, Konstrukte statt Resonanz. Es ist ein Horrormovie für Infantile, die sich bei Filmen die Hände vors Gesicht halten, nun in Buchform konsumierbar gemacht: Gewalt und Ekel ohne Berührung, Distanz statt Entsetzen. Kurz: ein Produkt, das mangelnde Qualität durch schiere Menge kompensiert und sich dank seiner Materialität verkauft, nicht wegen literarischer Kraft.

Aber immerhin – das Buch ist dick, glänzt schön im Regal und macht sich bestimmt prima als Türstopper oder als Stapel für den nächsten Lego‑Turm. Und wer weiß: vielleicht findet ja jemand darin sein persönliches Lieblingsmonster. Oder sein Lieblingspony. Oder beides gleichzeitig, was irgendwie romantisch wäre, wenn man so drüber nachdenkt…

Und dann dachte ich: vielleicht bin ich einfach nur neidisch, weil ich nie 1040 Seiten über Dunkelheit und elektrische Impulse geschrieben habe. Also lasse ich es lieber, Alchemised zu kommentieren, bevor ich noch anfange, Fanfiction über Pferde und Türstopper zu schreiben.

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