Immer kürzen oder auch mal stehen lassen?

Das ist dann freilich persönlicher Geschmack, aber jemand, der so viel Erfolg hat respektive so viele Bücher geschrieben hat, muss sich zumindest mit seinem Handwerk auskennen (oder es gibt einfach viele, die diese seichten Romane mögen und sie Autorin hat nen Nerv getroffen :wink: ).

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Da sieht man mal wieder, wie verschiedenen die Wahrnehmungen sind.
Ich habe so ziemlich alle Krimis von Donna Leon gelesen und die Verfilmungen geschaut. Ist allerdings schon eine ganze Weile her.

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Tja, lieber @Maxe , wenn ich nur auch so schön seicht schreiben könnte … ;):slight_smile:

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Ich will die Leser lieber bei den Eiern haben und ihre Emotionen so durcheinander wirbeln, dass sie nicht mehr wissen, wo sie sind, wie sie heißen und und welchem Geschlecht sie angehören. :slight_smile:

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Auch das stimmt. Neulich gab es einen Nachruf auf Konsalik mit einem Ausschnitt aus einem Interview. Er meinte sinngemäß, wenn seine Kritiker irgendwann aufhören würden, an ihm herumzumäkeln, hätte er etwas falsch gemacht.

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Was ist mit deinen Weibchen-Lesern?

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Die haben in der Regel eh mehr als die Männchen-Leser. :wink:

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:laughing:
Ganz so wild muss es nicht sein, aber du hast recht. Ein Buch sollte Emotionen erzeugen. Da hapert es bei meiner Schreibe noch etwas.

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Apropos: Woher will man wissen, ob ein Buch seicht ist oder nicht, wenn man es nicht gelesen hat? ;):kissing:

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Ich weiß doch auch, dass ein Rennwagen schnell ist, obwohl ich nie einen gefahren habe. Andere sagen es einem oder es wird entsprechende Werbung gemacht oder es gibt Rezensionen oder vielleicht eine Verfilmung oder … Was nicht heißen soll, dass ich es, wenn ich es denn lesen würde, anders empfinden würde.
Ein Gruselroman wird niemals seicht sein, behaupte ich mal, vielleicht langweilig, aber nicht seicht. Oder der Gruselroman erfüllt nicht seinen Zweck. Diese Möglichkeit gäbe es auch noch und dann wäre ich wieder bei dir, liebe @Pferdefrau.

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Wenn man nicht immer dann schreibt, wenn man das Gefühl hat, etwas schreiben zu müssen, (wie um ein selbstgestecktes Ziel zu erreichen), muss man beim Überarbeiten auch nicht so viel kürzen. Schreibt dann, wenn euch etwas einfällt und nicht dann, wenn ihr glaubt, dass euch etwas einfallen muss. Dann hält sich das Kürzen in Grenzen.

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Da bin ich sehr neidisch, wenn das für dich funktioniert. Bei mir geht das nicht. Wenn ich darauf warte, dass mich die Muse küsst, dann schreib ich einfach zu wenig und komme nicht voran.
Da ist es mir lieber, ich habe einen “nicht-musen-geküssten” Text auf dem Blatt stehen, den ich in Form bringen kann, als nichts.
Davon abgesehen finde ich es nicht schlimm, zu kürzen. Ich bin da eher wie ein Bildhauer, der die Statue nach und nach freilegt.
Aber das ist ja das schöne beim Schreiben. Solange man am Ende ans Ziel kommt, ist es egal, wie. Das Ergebnis zählt.

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Selbst wenn die Muse aufs Wildeste mit mir zur Sache geht stelle ich oft fest, dass ich das Ergebnis doch nicht so stehen lassen kann / will.
Ich denke wohl schnell und wirr und schreibe schnell und wirr und brauche eine Yankee Candle und eine Tasse Entspannungs-Tee um das alles dann in der Überarbeitung so einzudampfen (oder aufzupusten), dass auch jemand anderes als ich daran eventuell Freude haben kann.

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Wenn es danach gehen würde, hätte man bei James Joyce’s “Ulysses” auch die letzten 50 Seiten innerer Monolog weglassen können. Hat der werte Herr J. aber nicht und es ist sowohl ein Bestseller als auch Literaturreferenz geworden.

Wie alles im Leben ist die Entscheidung ob gekürzt wird oder nicht lediglich von der subjektiven Wahrnehmung der Leserschaft abhängig.

Ich überblättere beispielsweise regelmäßig bei Herr der Ringe die Kapitel von Tom Bombadil und den Ents. Für mich als Tolkien-Fan totlangweilg, aber beim langatmigen Silmarillion wiederum suchte ich jede einzelne Zeile!

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Dann bilde ich mal an der Stelle den Gegenpol: Tom Bombadil find ich Bombe (huehue!) und die Ents gehören zu meinen Lieblingscharakteren aus dem Buch! Ich verteidige die Baumlinge regelmäßig gegen Hater. :smiley:

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Hm … ich sehe da einen Widerspruch - das zu überblättern und Tolkien-Fan … :slight_smile: Geht in meinen Augen nicht zusammen.

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Eine Biographie ist aber immer nur aus dem Rückblick möglich und darum per se schon perspektivisch verfälscht.
Denn wir konstruieren uns im Nachhinein einen Roten Faden, der im Alltag selbst SO eben NICHT zu sehen ist!

Echte Alltagsschilderung würde zwangsläufig aus näherungsweise 365 Wiederholungen pro Jahr bestehen!
Allein dass wir da einen “Zeitraffer” beim Erinnern an die wesentlichen Dinge im Gedächtnis eingebaut haben läßt unser Leben im Rückblick zielorientierter erscheinen als es das i. d. R. in Wirklichkeit ist!

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Eine Geschichte, die nur aus Wiederholungen des ewig Gleichen besteht, wäre natürlich schrecklich. Ich glaube aber, dass gute Geschichten dann entstehen, wenn die Hauptfiguren umfassend greifbar sind, und nicht nur als Helden in Ausnahmesituationen. Das Dilemma ist dabei die Zeit: Sowohl in Büchern als auch in Filmen hat man als Autor nur wenig Zeit, um die Figuren auch in ihrem Alltag, in ihrer Normalität, in ihrer “Wie-Du-und-Ich”-Beschaffenheit einzuführen. Aus meiner Sicht braucht es das, und es braucht auch die “leisen” Zwischenszenen, in denen nicht viel passiert, außer dass sich beim Lesen ein Gefühl für die Eigenarten, für die Persönlichkeiten, für die Innenwelten der handelnden Personen aufbaut. Und das passiert merkwürdigerweise eher dann, wenn Zeit und Raum gelassen wird, wenn in der Außenwelt wenig passiert.

Mein Kind schaut gerne diese modernen, hyperschnellen Actionfilme, die in ihrem utilitaristischen Perfektionismus vom Anfang bis zum Schluss mit Handlung und handlungsnotwendigen Ereignissen vollgestopft sind. Meine Frau stellt sich dazu und fragt: “Und das findet Ihr spannend?” Und ich habe spontan gesagt: “Keine Ahnung, ich kenne diese Leute ja gar nicht.”

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Fairerweise muss man dazu sagen, dass ein Actionfilm etwas ganz anderes machen will als eine Biografie, da steht die Action im Vordergrund. Auch wenn ich Actionfilme mag, die ein Mindestmaß an Charakterentwicklung oder -hintergrund haben, sollte man hier nicht zu viel erwarten.

Es wurde in diesem Thread ja aber auch schon mehrfach geschrieben, dass Szenen bleiben dürfen, die nicht der Handlung dienen, sondern den Charakteren oder der Welt. Solche Szenen sind ja nicht verboten, aber sie sollten zu etwas dienen. Wenn ich mich am Ende frage, was die Szene jetzt sollte, dann kann sie raus. :slight_smile:

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Das ist grundsätzlich schon richtig …
Natürlich sollen die Kernfiguren mit ihrem typischen (Alltags-) Verhalten charakterisiert werden.
ABER … die sich 365 mal pro Jahr wiederholenden Handlungen werden in der Regel exakt **einmal **geschildert.

Ein Roman muß ja verdichten!
Oder möchtest Du ein ganzes Leben lang lesen?
Nur um eine Biographie zu lesen? :wink:

Denn nur das wäre eine ***wirklich ***realistische Geschichte!

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