Ich-Perspektive? 3. Person?

Hallo an alle! :slight_smile:

Wie handhabt ihr das mit euren Geschichten? Schreibt ihr aus der Ich-Perspektive oder aus der dritten Person? Was ist eurer Meinung nach für Anfänger die bessere Wahl?

Ich bin nach so vielen Jahren endlich kurz davor mit dem Schreiben zu beginnen und kann mich immer noch nicht entscheiden. Einerseits reizt mich die Ich-Perspektive, bei der jedes Kapitel aus der Sicht einer anderen Figur erzählt wird. Andererseits überlege ich, die Geschichte einfach in der dritten Person zu schreiben.

Wie steht ihr grundsätzlich zu der Idee, dass jedes Kapitel mit dem Namen der Figur beginnt, die gerade im Mittelpunkt steht? Findet ihr das hilfreich oder eher störend? Die Hauptfiguren sind 3 Personen und ich kann mir gut vorstellen, dass ich das ganze Buch über die Geschichte aus den Augen dieser 3 Personen erzählen kann - oder vielleicht hin und wieder ein Kapitel einfließen lasse, wo ein Nebencharakter aus der Ich-Perspektive die Story erlebt.

Präsens und Ich-Erzähler, meistens.

Ich bin da nicht repräsentativ, der Erzählstil ist selten und deutlich schwieriger, als andere.
Mache einfach, was dir am besten gefällt und am ehesten liegt.
Du kannst ja auch im Buch die Perspektive wechseln.

Ich finde, es kommt auf die Geschichte an. Das kann man pauschal nicht beantworten.

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Hey,

ich schreibe in der Ich-Perspektive.

so mache ich es, ja

mal ein Ausschnitt als Beispiel aus meiner Beginner-Szene. Vielleicht hilft dir das zu entscheiden, was du lieber möchtest:

Meine Schritte erschwerten sich durch den Matsch. Der Regen in den letzten Tagen hatte den Boden komplett aufgeweicht. Die Pfützen bildeten kleinere Seen, die bergab flossen. Ebenso umhüllte mich der erdige Geruch. Einzelne Tropfen fielen von den Baumkronen auf meinen Helm. Bis auf die Grillen und vereinzelte Eulen war es absolut still. Der Wind blies sanft durch die Bäume, sodass die Blätter raschelten.
Es hatte etwas Beruhigendes an sich, was ich lange nicht mehr empfunden hatte. Trotz der Tatsache, weswegen wir hier waren.
Die anderen aus meinem Team marschierten weiter, während ich mich zurückfallen ließ.
Nur ein wenig.
„Warum suchen wir ihn überhaupt noch?“, brummte ich über Funk.
„Der Befehl lautet, ihn tot oder lebendig in die Zentrale zu bringen“, antwortete Alex und setzte einen drauf: „Tot wäre sowieso für alle besser.“
Ich schnaubte und ignorierte die folgenden Kommentare der anderen.
Allmählich wurde es stiller. Die Grillen hatten aufgehört zu zirpen. Immer näher kam ich an eine kleine Lichtung und war froh, den härteren Boden unter den Füßen zu spüren. Ebenso brachte es mir ein Lächeln über die Lippen, als ich den Schein des Mondes erblicken konnte.
Die Stimmen der anderen brachen ab. Sie waren außerhalb meiner Funkreichweite. Ich blickte in die Richtung, wo ich sie zuletzt gesehen hatte, und setzte an ihnen nachzulaufen, doch ich blieb stehen.

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Präsens dachte ich auch immer, dass das Pflicht ist. Präteritum gefällt mir aber eigentlich schon fast besser - oder ist das ein absolutes NoGo?

Hier ein Beispiel von mir:

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Klasse, danke! Mir fällt auf, dass du in der Vergangenheit schreibst - hast du es schon einmal in der Gegenwartsform probiert? Ich glaube nämlich, dass mir die Vergangenheitsform auch wesentlich leichter fallen würde. ^^

Pflicht sicher nicht. Ich finde es nur besser. Der Leser ist gefühlt Live dabei, statt im Präteritum nur der Erzählung zu lauschen.

Mischform geht auch? Also sorry für die möglicherweise dümmlichen Fragen, aber gibts da irgendeine Regel, die man beachten muss? Einmal Gegenwart, einmal Vergangenheit - ich glaube, mit dem könnte ich mich durchaus anfreunden. Rein nur im Präsens schreiben ist mir, glaube ich, zu mühsam.

Nein. Ich-Erzähler und Präsenz ist, zumindest bei einigen hier im Forum, verpönt.
Mir ist es egal. Es muss eben zur Geschichte passen.

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Also ich schreibe in der Gegenwartsform, wenn ich die Szene sketche. (Meistens schreibe ich es analog auf und gehe es durch wie ein Regisseur).

Dabei rutsche ich immer versehentlich in die Vergangenheitsform. Daher … es fällt mir leichter in der Vergangenheitsform zu schreiben​:sweat_smile:

P.S. hab vergessen zu erwähnen: Wenn die Figur gerade denkt, schreibe ich es in der Gegenwartsform in Kursiv. Quasi wie beim Dialog.

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In der Regel nicht. Da müsstest du schon einen triftigen Grund finden und eine ausgefeilte Erzähltechnik haben, um einen ansprechenden Text zu verfassen. Für einen Anfänger eher nicht empfehlenswert!

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Hey,
Zum einen: einfach starten. :smiley: Viel Ausprobieren. Schreibe doch Mal eine Szene in Ich Perspektive und einmal dieselbe Szene als personaler Erzähler (3te Person, im Kopf des Protagonisten)

Genau genommen ist alles erlaubt. Aber es ist „üblich“ dass ein Ich Erzähler im Buch nicht mehr wechselt. D.h die ganze Story müsste aus Sicht einer Person stattfinden.

Daher Empfehlung: 3te Person Personaler Erzähler. Da bist du nah genug an den Protagonisten dran (Im Kopf, nicht allwissend) kannst aber zwischen deinen drei Protagonisten hin und her wechseln.

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Ich denke, bei der Entscheidung geht es darum wie nah du an die Personen heranzoomen willst bzw. welche Bedeutung das für deinen Stoff hat:

  • Ich-Perspektive: Ganz nah dran (Wahrnehmung von Gedanken, Gefühlen). Hinzu kommt, dass die Erzählerstimme die deiner Hauptfigur ist.
  • Personalperspektive (3.Person): Baut etwas mehr Distanz auf als bei der Ich-Perspektive (Erzähler ist ungleich Hauptfigur). Prinzipiell kannst du aber auch hier Gedanken und Gefühle der Hauptperson einflechten. Mir persönlich fällt das in der Ich-Perspektive einfacher. Weil alles aus der Sicht der Hauptperson beschrieben ist, kann die nicht plötzlich die Gedanken und Gefühle der anderen kennen (nur durch Zeigen deutlich machen).
  • Multi-Personalperspektive: Wie Personalperspektive, aber der Fokus wechselt. Bei Romanzen beliebt: Die to-be-together-Figuren wechseln sich pro Kapitel ab. Ich persönlich finde es schwer zu folgen, wenn innerhalb eines Kapitels die Perspektive von Person zu Person wechselt, aber es gibt hochgelobte berühmte Autor:innen, die dies tun.
  • Auktorial: Der Erzähler is Gott, weiß alles, und erzählt auch so (“Was Ludmilla Ehrlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen konnte …”). Etwas altbacken.

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Agenturen und Verlage heutzutage die Personal-/Multiperspektive bevorzugen. Woanders habe ich gelesen, dass für Anfänger die Ich-Perspektive einfacher wäre. Woanders wiederum, dass die Ich-Perspektive schwerer wäre, weil man dann eine Erzählstimme finden muss, die zum Prota passt. Such dir was aus. :smiley:

Präsenz versus Präteritum:

Solange du den LeserInnen Orientierung bietest und es logisch vom Zeitablauf ist, kannst du beides benutzen. Ich habe viel damit experimentiert und war verwundert, wie viel da geht. Und bei einem Gespräch mit einem Testleser habe ich festgestellt, dass er überhaupt nicht wahrgenommen hat, dass ich bei der Backstory ins Präteritum gewechselt bin.

Präsenz wirkt unmittelbarer. Aber: Ich finde es schwieriger, im Präsenz erlebtes ‘zu raffen’ (kürzer zusammenzufassen). Es kam mir vor, als liefe alles in Zeitlupe ab und hat für mich mehr Mut erfodert, Sprünge einzubauen. Und es ist eher schwer, durch Vorausdeutungen LeserInnen neugierig über den Fortgang der Geschichte zu machen (Präteritum: “In dem Moment wusste ich, dass das nicht gut ausgehen würde.” Im Päsenz klingt das schräg).

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Auch hier kommt es darauf an. Ich habe mal das Problem mit einer Verfolgungsjagd gehabt. Die Protagonistin war an der Verfolgungsjagd nicht beteiligt, musste dem Leser aber nun mal davon erzählen …

Ja genau. Bestimmte Sachen gehen dann einfach nicht. Ich hätte gerne wie im Film ein einziges Mal vom Ort des Geschehens kurz einen Schwenk woandershin gemacht, an dem sich der Prota nicht aufhält, an dem aber etwas Essentielles parallel abläuft. Musste ich anders einbauen. Und das Gefühl, Shit - muss ich das hier schon erzählen? Kommt der Prota nochmal dorthin? hatte ich auch des öfteren.

Bei einer Textwerkstatt hat einmal eine Krimiautorin kurz zwischen Multi-Personal zu Auktorial gewechselt. Sie zoomte raus und es war wie im Fernsehen, wenn man zur gleichen Zeit sieht, wie alle zu Bett gehen. Das war ziemlich cool und funktioniert bestimmt auch, wenn man es dosiert einsetzt (z.B. nach jedem größeren Teil so eine Rauszoom-Szene, in der Beleuchtet wird, was die Personen unbeobachtet tun).

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Hängt schon einmal vom Genre ab. Bei Fantasy wehren sich viele gegen die Ich-Perspektive, im Romance-Bereich ist sie häufig.
Bei mir stehen die Namen oft über den Kapiteln, damit der Leser sind orientieren kann. Aber ich habe auch Bücher, die komplett nur aus einer Sicht einer Person geschrieben sind.
Es kommt auch auf den Stoff an, was du bezweckst. Soll sich der Leser mit einer Figur identifizieren, mit mehreren? Einmal durfte sich auch die Antagonistin zu Wort melden.
Warum schreibst du nicht ein Kapitel einmal in 1. und zum Vergleich in der 3. Person? Dann siehst du auch, was sich natürlicher anfühlt.
Leichter oder schwerer gibt es nicht, nur unterschiedliche Regeln.

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Da ich für dich schon mal alle Fehler gemacht habe, kann ich dir dazu schreiben, wie es mir ergangen ist.

Ich habe eine Geschichte geschrieben, in der sehr unterschiedliche Charaktere vorkommen. Dazu bin ich seit 2015 an einer Fortsetzung. Diese Fortsetzung begann mit einer einzelnen Figur, die dann aus Ich-Perspektive erzählt. Damit kam ich aber zwangsläufig irgendwann an Grenzen. Und so habe ich mich nach ca. 50 Seiten dazu entschieden, nun auch aus den Perspektiven der anderen Figuren zu erzhählen.

Jedes Kapitel wird mit einem Namen eingeleitet. Und jede Figur hat ihre eigenen Sprachmuster, die ich auch sehr gut getroffen habe. Trotzdem kämpfe ich seit über zehn Jahren mit dem Gefühl, dass nicht mal ich als Autor diesem ständigen Figurenwechsel folgen kann. Und das obwohl ich die Story kenne und die Figuren ihre Eigenheiten in der Sprache haben.

Ich will dieses Projekt nicht aufgeben und habe mich dazu entschieden, es umzuschreiben. Das fällt schwer, weil natürlich jede Figur in sich auch originell ist und es Gründe gab, die Perspektiven zu wechseln. Ich werde mich sehr bemühen müssen, den jeweiligen Drive zu erhalten, den die Figuren dem Kapitel aus Ich-Perspektive gaben. Aber ich denke momentan über eine extra Erzählstimme nach.

Etwa 2015 begann ich auch mit meiner Fantasyserie. Damals war ich noch auf dem Trip, die Story aus Sicht meines Noch-Nicht-Helden zu erzählen. Damit scheiterte ich, als ich in mein Mordor-Derivat kam. Denn das war so böse, dass es niemals dort überlebt hätte. Selbst mit Perspektivwechsel hätte es damals niemanden gegeben, der von dort hätte erzählen können.

So entschied ich mich damals, zu den Ich-Berichten meines Protas eine Erzählstimme zu ergänzen. Und das war eine ausgesprochen gute Entscheidung. Die beiden Erzählstile per Ich oder vom Erzähler lassen immer klar erkennen, wer gerade spricht. Der Erzähler kann immer das erklären, was niemand sonst wissen kann. Und mein Ich-Erzähler kann seine Geschichte mit seinen Augen erzählen.

Ich hab das zu Beginn als Krücke empfunden. Inzwischen hab ich 5 Bände damit geschrieben. In Band 4 konnte ich dann sogar erzählen, wie es dazu kam, dass der Prota so genau schriftlich über die Ereignisse berichten kann. Selbst das konnte ich also sogar verwursten. Und in so eine Richtung würde auch meine Empfehlung gehen, wenn du mehrere Stimmen haben möchtest.

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Es ist (so denke ich) deutlich geworden, wie vielseitig die Möglichkeiten sind. Die anderen haben das ja gut und richtig ausgearbeitet. Da kann ich nichts neues hinzufügen.
Daher: schreib doch so, wie Du es selber gerne liest! Wie handhaben es Deine Lieblingsautoren?

Den von mir oben zitierten Teil Deiner Frage würde ich jedoch verwerfen, denn:
a) es widerspricht der Norm
b) als Anfänger die Norm zu brechen ist … gewagt (und vermutlich frustrierend).

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