Ich bin auch ein Anfänger

Ich habe das Anrecht auf Selbstzweifel

Du hast jedes Anrecht, Ifrah! Du, Deine Mitschüler, die jungen Erwachsenen Deines Alters. Wer, wenn nicht ihr? Und ich habe Angst. Angst deswegen, dass irgendwer Euch diese Anrechte streitig machen möchte. Darum geht es. Und darum sind Deine kleinen Geschichten so wertvoll!

Ein paar Punkt fallen dennoch auf.

Mehr als nur ein paar, Carlo-Valentino! Für mich ist alles okay!
Ich wünsche Dir ein sonniges Pfingstfest!
Viele Grüße!

Nicht nur die Adjektive. Auch Verben, Substantive, diesen ganzen faulen Zauber.
Lass Dich von mir umarmen, lieber Phlox!
Und liebe Freunde, ich denke wir wenden uns wieder den wichtigen Dingen zu: Euren Werken, die ich hier so gerne lese.
Aber vorher möchte ich doch noch einmal die Nachfrage hier aufgreifen: was war mein Anliegen?
Ich musste lange darüber nachdenken, habe den Grund vergessen.
Letzten Endes war es glaube ich das: Ich wollte Euch eine Geschichte schenken. So, wie Ihr mir Eure geschenkt habt.
Ich wollte sie in Eure Obhut geben, damit sie dort in fachkundigen Händen einen vernünftigen Anstrich, ein sicheres Fundament und ein regenfestes Dach bekommt. Und zum Schluss einen Namen Eurer Wahl und einen Autor: Papyrus Community oder so. Aber das geht wohl aus Copyright-Gründen nicht.
Egal. Würdet Ihr dies als mein Anliegen akzeptieren?
Ich wurde von Euch mit offenen Armen empfangen, ohne den „offiziellen Weg“ gegangen zu sein. Seht mir das bitte nach. Auf jeden Fall waren Eure Reaktionen schlicht überwältigend. Und jetzt versuche ich bis Dienstag die Vibrationen aus dem Frack zu schütteln.
Mir geht es gut, wenn es Euch gut geht.
Viele liebe Grüße!

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Hallo Carlo-Valentino,
Du hattest ein paar Hinweise versprochen - und ein Meisterwerk geliefert!
Da sind wir schon am springenden Punkt: ich habe so lachs zugestimmt, ja gesagt.
Und dann sitze ich hier, ein leeres Dialogfeld, und habe eine Ewigkeit damit zu tun, die Bilder aus dem Kopf zu bekommen. Du, allein vor dem Computer, stundenlang damit beschäftigt, mir zu helfen. Das ist ein riesiger Berg für mich.
Carlo-Valentino, was soll ich sagen? Auf jeden Fall Dank!
Das, was Du mit akribischer Sorgfalt herausgearbeitet hast ist für mich auf jeden Fall keine Laienmeinung! Jedes Argument sticht! Und wird mir erst jetzt peinlich bewusst.
Ich möchte Dir meine Situation, das Stadium, in dem ich mich befinde, am Beispiel des Schlachtschiffes erläutern. Das soll keine Rechtfertigung sein! Aber es trifft es glaube ich ganz gut.
Ich stelle mir also Eleonora vor, wie sie im Aufzug das Lokal ansteuert. Innerlich bereitet sie sich darauf vor, in Kürze diesem Ekel entgegenzutreten.
Sie aktiviert also vorausschauend alle Schutzmechanismen, schaltet in den Alarmmodus, flaggt über die Toppen. Jedes verfügbare Signal. Und unweigerlich habe ich das Schiff vor Augen, ich kanns nicht verhindern. Spüre den Diesel unter mir arbeiten, die Kanone sich richten. Und Bums, der Nebel kommt dazu, lassen wir das.
Eleonora ist kein Schlachtschiff, niemals, sie ist eine kluge, wunderschöne Frau! Mit mir gingen die Pferde durch, entschuldige bitte!
Und so werde ich Punkt für Punkt abarbeiten, auch darüberhinausgehende Dinge. Ich versprechs! Aber, es wird etwas dauern. Ich bin hier seit über einer Woche im emotionalen Ausnahmezustand.
Ich werde mich zwingen, zukünftig wenigstens die einfachsten Schreibregeln einzuhalten. Das Handwerk werde ich wohl nicht mehr erlernen, aber ich arbeite daran, es zu verbessern.
Lieber Carlo-Valentino, ich danke Dir, für alles, Du weißt schon. Und damit möchte ich auch endlich aufhören, über mich zu reden. Wir haben hier besseres zu tun!
Und bitte: wenn Deine Worte dummes Geschwätz sein sollen, was sind meine dann?
In diesem Sinne: Herzlichen Dank! Einen friedvollen Feiertag! Herzliche Grüße!

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Hervorragend analysiert und konstruktive Alternativvorschäge gemacht. Der Tip mit dem Weglassen der Adjektive, um deren Sinnhaftigkeit zu überprüfen, ist Gold wert. Ich habe früher auch zu rezidierender Adjektivitis gelitten und neige gelegentlich zu Rückfällen. Ich werde das bei meinen nächsten Texten einsetzen.
An Dir ist ein guter Lektor verloren gegangen!

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Ich muss gleich dazu noch etwas sagen, wenn du noch zwei Minuten Zeit hast. weil Du die Musik ansprichst.
Als Bon Scott verstarb, brach für mich eine Welt zusammen. Auch bei anderen Musikern.
Für mich ist die Musik die Ausdrucksform schlechthin. Ich versuche nur deshalb zu schreiben, weil ich kein Musiker bin. Und hier überlege ich schon ewig daran, wie es gelingen könnte, den cremigen Sound einer 59 Gibson les Paul in Worte zu fassen. Hör Dir an, was Billy Gibson damit macht. Und träume! Alles andere spielt überhaupt keine Rolle!
Alles Gute! Und danke vielmals!

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Das ist es. Aber ich glaube, bin fest der Meinung, dass wir das gemeinsam schaffen können!

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Kapitel 8

Die Luft schwappte an diesem Morgen im Atelier herum wie das Wasser in einer Badewanne.
Kian stand vor dem halb fertigen Lehmklumpen, der die grobe Form einer sitzenden Frau darstellte. Aber seine Hände blieben unbeweglich. Er konnte nicht arbeiten und wartete. Lauschte reglos auf die Töne, das er zu hassen gelernt hatte und trotzdem so dringend benötigte: die verlässliche Hypnose ihrer Absätze auf dem Beton draußen vor der Tür.
In der Nacht hatte er kaum Schlaf gefunden. Die Erinnerung an ihre letzte Sitzung, an die Geschichte ihres Rings, rumorte in seinem Schädel. Er hatte eine Wahrheit gefordert und eine Wunde bekommen. Eine heilige, schmerzhafte Reliquie, ihm aufgehalst unter komplizierten Tränen. Die ganze Zeit überlegte er, was er damit anfangen sollte. Er war Bildhauer und kein Priester.
Pünktlich um zehn hörte er das leise Surren eines teuren Motors vor der Halle. Das Geräusch einer sich schließenden Autotür. Die Schritte. Langsamer als sonst. Zögerlicher.
Als sie eintrat, sah er es sofort.
Die Frau, die gestern den Raum mit der stillen Entschlossenheit einer Partisanin verließ, war verschwunden. Ihr Tarnanzug in Anthrazit trug Pulverrauch, penetrant und rissig.
Sie stellte ihre Tasche ab, legte ihren Mantel auf den Stuhl. Alles mit fast schon aggressiver Präzision.
»Guten Morgen, Dr. Vance«, sagte er beiläufig.
»McBride«, erwiderte sie forsch.
Er wartete und ließ die Stille ihre Arbeit tun.
»Sie bringen etwas mit. Etwas von außen. Es macht Lärm. Was ist es?«
Sie hob erstaunt den Kopf.
»Nichts.«
Ein Wort, das vorher sorgsam in den Gewehrlauf eingelegt worden war. Die Lüge hing zwischen ihnen wie ein schlecht gespanntes Leinentuch.
»Sollen wir?«, fragte sie schließlich mit vermittelndem Unterton.
»In einer Minute«, sagte er. »Nehmen Sie Platz. Angezogen.«
Überraschung blitzte in ihren Augen auf. Sie hatte mit sofortiger Entblößung gerechnet. Stattdessen ging er langsam zu seinem Arbeitstisch, nahm zwei schmutzige Tassen und füllte sie mit schwarzem Kaffee aus einer alten Thermoskanne. Eine davon schob er ihr über den staubigen Tisch.
Sie setzte sich misstrauisch auf den Hocker ihm gegenüber.
»Was ist passiert?«, fragte er ohne Umschweife.
»Nichts ist passiert«, log sie. Anlegen, zielen, abdrücken in einer fließenden Bewegung.
»Sie riechen nach Angst«, sagte er leise.
»Eine Mischung aus teurer Deckung und billigem Adrenalin. Sie waren im Krieg, und Sie haben ihn verloren.«
Angestrengt presste sie die Lippen aufeinander.
»Meine Emotionen sind nicht Teil unseres Vertrags.«
»Doch, Eleonora«, erwiderte er, und sein Blick wurde tiefgrün. »Sie sind das Einzige, was mich interessiert. Ihre Haut ist nur die Landschaft, um sie auszustellen.«
Er lehnte sich vor.
»Wer war es? Ihr Chef? Ihr Ex-Mann? Wer hat diese neue Narbe auf Ihrer Seele hinterlassen?«
Schweigend trommelten ihre Finger nervös auf den Rand der Kaffeetasse.
»Gut«, sagte er und lehnte sich zurück. »Dann finden wir es auf die harte Tour heraus.«
Die Sitzung begann. Mit der gleichen Routine aber in völlig veränderter Atmosphäre. Ihre Gegenwehr war heute nicht nur provokant, sondern verzweifelt. Er spürte, wie sie sich ihm mit jeder Faser ihres Willens entgegenstemmte. Gegen seinen Blick, die Erinnerungen, die er an das Licht zerren wollte.
Die Arbeit ging nicht voran. Der Lehm klebte tot an seinen Händen. Erkennbar saß die Form vor ihm, aber er konnte die Energie nicht greifen, überlegte fieberhaft, was zu tun sei. Die Wahrheit lag hinter einer neuen Mauer aus frischem Schmerz begraben.
»Es ist Gessner, nicht wahr?«, sagte er unverhofft in die Ruhe hinein.
Sie zuckte zusammen, als hätte er sie mit einem Eispickel berührt.
»Er traf sie gestern Abend zum Essen«, fuhr er unbarmherzig fort, die Puzzleteile fügten sich zu einem Bild. »Er hat den Vertrag gefeiert. Seinen Triumph. Und er hat versucht, sich auch den Rest zu holen.«
»Hören Sie auf«, flüsterte sie, ihre Stimme brüchig.
»Nein«, sagte er. Er legte sein Werkzeug weg und trat hinter dem Tisch hervor.
»Ich höre nicht auf. Ich will es sehen. Ich will es verstehen. Was hat er getan, Eleonora?«
»Nichts.«
»Lügen Sie mich nicht an!« Ein Donner prallte von den großen Fenstern zurück.
»Sein Geruch klebt an ihnen wie widerliches Zelluloid. Ich will wissen, was er gesagt hat. Was seine speckigen Hände wieder angestellt haben.«
»Er hat nichts getan!«, schrie sie ihn an, und mit diesem Schrei brach die Mauer. Tränen, heiß und wütend, schossen ihr aus den Augen.
»Er hat nichts getan, weil ich es nicht zugelassen habe! Weil ich die ganze Zeit lang über Renditen und Auktionswerte geredet habe, bis er fast erstickt ist an seiner eigenen Gier! Weil ich seine schmierigen Komplimente in eine Diskussion über Versicherungssummen verwandelt habe! Weil ich ihn mit Worten kastriert habe, bevor seine Hände auch nur in die Nähe von etwas kamen, das ihm nicht gehört!«
Eleonora atmete schwer, ihre nackte Brust bebte. Sie hatte sie ihm vor seine Füße erbrochen. Die ganze hässliche, widerwärtige Wahrheit.
Kian stand reglos da. Er hatte keinen Kampf erwartet. Er hatte Verletzlichkeit gesucht, Lücken, Makel. Und fand diese unbezwingbare Stärke. Die schärfsten Waffen einer Frau in einer Welt, in der Überleben im Grunde illusorisch war.
Ein Geräusch riss ihn aus seiner Betrachtung. Der leise Tritt von Pfoten auf Beton.
Aus dem Halbdunkel unter einem Regal glitt die struppige Katze hervor. Das Fell von der Farbe rostiger Nägel.
Anmutig setzte sie sich in respektvollem Abstand auf den Boden, außerhalb von Kians direktem Arbeitsbereich.
Sie saß nur da und starrte Eleonora mit einem Auge an. Das linke fehlte, war geschlossen.
Ihr Blick war nicht feindselig. Nur eine unvoreingenommene Beobachtung, um die neue Frau dem Umfeld zuzuordnen.
Die Stille wurde unerträglich.
»Ihre Katze?«, fragte Eleonora, und die Stimme klang dünn.
Kian formte Ton.
»Sie gehört niemandem. Schon gar nicht mir.«
Er machte eine Pause, seine Finger drückten eine tiefe Kerbe in den Lehm.
»Ihr Name ist Inna.«
Eleonora schwieg.
Dann fragte sie: »Warum heißt sie Inna?«
Seine Hände hielten für einen Moment in der Bewegung inne. Er zuckte mit den Schultern.
»Weil sie immer hereinkommt, ohne anzuklopfen. Was weiß ich. Warum heißen Sie Eleonora?«
Kaum spürbar nickte sie mit dem Kopf und ließ der Frage genug Zeit, sich im Raum zu verteilen.
»Sie wollen mir etwas über Wahrheiten erzählen, ja? In ihrem Revier gibt es nichts, von dem sie nicht Bescheid wüssten.«
Kian fuhr zusammen. Ignorierte die Spitzfindigkeit.
»Ihr Auge verlor sie, als sie den Katern klarmachte, wo ihre Reviere enden.«
Er sah hinüber zu der Katze.
»Es waren zwei. Den einen habe ich hinter dem alten Speicher begraben. Der andere durfte gehen, um seinen Kumpels Bescheid zu sagen.«
Die beiläufige Brutalität dieser Aussage presste ihr die Luft aus den Lungen.
Sie betrachtete ehrfürchtig die Katze und sah eine Kämpferin. Eine Überlebende.
Und mit eiskalter Klarheit ahnte sie allmählich, wonach dieser Mann vor ihr suchte.
Es war die Wahrheit, die sich Leben nannte.
Kian ging langsam auf Eleonora zu. Die Katze fauchte ihn bissig an.
Inna hat noch nie für jemanden gefaucht, wunderte er sich.
»Alles gut, Streunerin. Es passiert ihr nichts.« Mit den Handflächen nach unten versuchte er, sie zu beruhigen.
Vorsichtig hockte er sich vor Eleonora hin, ihre Knie jetzt auf Höhe seiner Augen. Er nahm ihre rechte Hand. Hielt sie nur fest.
Eine Geste, so überraschend, so voll rauer Zärtlichkeit, dass sie zurückzuckte und ihn erschüttert anstarrte.
Warum berühre ich sie? Das war nicht der Plan.
Kian sah ihr nicht in die Augen, blickte nur auf ihre zitternden Finger.
»Okay, Eleonora«, sagte er leise.
Er stand auf.
»Für heute ist es genug. Nehmen Sie sich einen Tag frei.«

Ich kann kein Handwerk. Das könnt Ihr.
Es ist noch keine Besserung in Sicht. Vielleicht gefällt Euchs trotzdem.

Wow, da steckt soviel drin in diesem Text.
Weiter so!

Ich glaube Dir aufs Wort, denn Deine Analyse von Styx’ Text war à point! :+1:
Hättest Du Lust für mein nächstes Buch als Testleser mizumachen? Ich schreibe Wissenschaftsthriller, aber auch da gilt solides Hndwerk als Basis. Im Sommer erstelle ich erst einmal das Exposé.
Herzlichen Dank für Deine Rückmeldung im Voraus!

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Na, das klingt doch sehr gut! Besten Dank für Deine Bereitschaft!
Rechtschreibung und Grammatik prüft später sowieso das Korrektorat, mir geht es eher um Stil, Logik, Figuren, „Show, don’t tell“ und ähnliches.
Ich melde mich wieder, wenn es so weit ist.

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