Aber das ist es doch gar nicht, worum es hier geht, denke ich. Es geht nicht um „Wasch mich, aber mach mich nicht nass.“
Es geht um Kritik (inhaltlich) und deren Umsetzung (Umgang).
Ich finde es paradox, dass ich als Autor einen Text schriftlich kritisiere und gleichzeitig dabei einen Text verfasse, der gegen jede Konversationsmaxime verstößt. Auch dafür gibt es Standards. Es geht nicht um das Gespräch auf dem Flur, das schnelle Telefonat, usw. Ich nehme ja sogar „dahingeschriebenen“ Kurzkommentare davon aus.
Ich verfasse eine Kritik, die gleichzeitig selber textlich schlecht kritisiert. Nur, wenn der Umstand aufgegriffen wird, ist es die „ach das muss man aushalten können“-Schiene.
Ich finde das gar nicht verkehrt zu schauen, wen ich da kritisiere und in welcher Art und Weise. Und wenn hier ein totaler Neuling die Gutenachtgeschichte für seine Enkelin einstellen will, darf er das auch. Den völlig niederzuknüppeln ist wieder so, als wenn ich die Rentnerin im Anfängerkurs Judo umkloppe.
Allmählich frage ich mich, ob es überhaupt noch jemandem zu empfehlen ist hier Texte zur Kritik zu stellen oder man gleich in den PM Modus geht.
Und das können wir hier mit absoluter Sicherheit beurteilen?
Dazu kommt die überwältigende Mehrheit, die sich irgendwo zwischen diesen beiden Punkten befindet.
Und zu sagen, jemand schreibt wie ein Pennäler, bringt dem Adressaten letztendlich nichts. Wie soll er da wissen, woran genau es krankt?
Ich bin auch für ehrliche Kritik, aber dann auch so, dass der Empfänger etwas davon hat und damit arbeiten kann.
Für dich scheint es in diesem Punkt nur schwarz oder weiß zu geben, entweder schreibt jemand totalen Mist oder er steht kurz vor etwas Großem.
Sehr viele sind schon zufrieden, wenn sie sich von ihrem totalen Mist ein Stückchen weit verbessern. Niemand hier würde eine handwerklich schlechte Arbeit als nobelpreiswürdig titulieren, aber jemandem den Spaß völlig zu vermiesen, indem man ihn als unfähigen Deppen hinstellt (wie es hier gewisse ‚kompetente Kritiker‘ auch schon gemacht haben), ist imho auch der verkehrte Weg.
Beweise! Und jede Wette, dass sich da auch Leser finden würden, die es todlangweilig gefunden hätten.
Geschmack ist nunmal verschieden.
Selbstreflexion: dieser Beitrag und die Schlussfolgerung ist nicht explizit oder implizit gegen @Ralfs Posting gerichtet, sondern auf den Gesamttenor der Diskussion.
Das kann ich nachvollziehen, da hier der Sachverhalt vieler Adjektive und vieler kurzer Hauptsätze nicht nur angesprochen, sondern zugleich auch bewertet wird („strotzt“).
Wenn man das in einzelne Schritte zerlegt, kann man das Thema deutlich „freundlicher“ abarbeiten.
Nur den Sachverhalt ansprechen: „Der Text enthält viele Adjektive und kurze Hauptsätze.“
Das ist neutral und enthält keine Bewertung.
Danach kann ich diesen Sachverhalt bewerten: „Im Vergleich zu anderen Texten ist die Anzahl der Adjektive und der kurzen Hauptsätze (sehr) hoch.“
So verzichte ich auf die Be- oder gar als solche empfundene Verurteilung durch das Verb strotzen.
Und anschließend bleibt es jedem selbst überlassen, wie sie/er damit umgeht, beispielsweise in der Form
„Ich schlage vor, dass Du …
… alle Adjektive prüfst und auf die verzichtest, die für den Text nicht (zwingend) nötig sind.“
… prüfst, welche Hauptsätze zu einem Nebensatz geändert werden können.“
…“
Die Entscheidung „Das ist mein Stil, das lasse ich so.“ ist legitim und daher muss ich diese akzeptieren. Denn ich kann mich ja auch dazu entscheiden, einen solchen Text dann nicht zu lesen.
Das kann ich „freundlich ignorieren“.
Natürlich könnte man solche „Nebenkriegsschauplätze“, die mit dem eigentlichen Thema nichts mehr zu tun haben, auch im Rahmen einer Moderation als „nicht zur Sache gehörend“ kennzeichnen oder sie „freundlich eliminieren“.
Aber eigentlich sollte „freundlich ignorieren“ ausreichen.
Natürlich ist es wichtig, angemessen mit einem Text und der Bitte um Kritik umzugehen. Aber was ist „Kritik“?
Das veränderte Verständnis von „Kritik“ wird sehr deutlich in Form von Begriffen wie „konstruktiver Kritik“, „destruktiver Kritik“ oder „negativer Kritik“. Damit wird unter „Kritik“ etwas anderes und mehr verstanden als nur die angemessene und sorgfältige Auseinandersetzung mit der Sache verstanden – bis hin zum „Niedermachen“.
Deswegen habe ich in meinem anderen Beitrag angeregt, schrittweise vorzugehen.
Es ist hilfreich zu wissen, wenn jemand noch nicht so viele Erfahrungen mit dem Schreiben hat oder noch wenige bis keine Erfolgserlebnisse damit hatte. Das ändert nichts am Inhalt der Kritik, sollte aber Auswirkungen auf die Form haben. Daher sollte sie oder er das mit dem Text gerne mitteilen. Dann muss ich mich auch nicht auf die Suche nach einem entsprechenden Status im jeweiligen Profil machen.
Ich gebe dir recht mit deinen Ausführungen. Aber noch einmal. Da muss man nichts suchen. Es steht direkt am Avatar.
Genau so wie hier „Stammgast“ steht, steht dort dann, welche Art von Kritik man in seinem Profil hinterlegt hatte.
Es stünde dann also nicht neben meinem Bild „Stammgast“, sondern unter meinem Bild
„Kritisiert, wie ihr meint“ (oder was man sich eben sonst innerhalb des Profils ausgesucht hatte).
Da gibt es kein Rätselraten und kein Nachgucken. Es steht immer am eigenen Bildchen, also bei jedem Beitrag neu.
Edit: Mal auf die Schnelle zusammengedengelt:
Wieso meinst du denn, du müsstest da irgendwas suchen? Ist doch alles auf einen Blick. Und das finde ich eine gute Idee.
Das gefällt mir – gerade weil ich die Bilder bisher nicht bewusst genutzt habe. Man muss halt wissen, was mit der Implementierung dieses Forums und der verwendeten Forumssoftware alles möglich ist.
Zum „Aber“:
Mit der Angabe, welche Schreib- und/oder Papyrus-Erfahrung jemand (selbst eingeschätzt) hat, kann ich wohl umgehen. Mit dem erwarteten Kritiklevel wird es schon deutlich schwieriger: Was für den einen schon zu viel ist, verursacht beim nächsten Nutzer noch nicht einmal ein Stirnrunzeln.
Wie unterschiedlich das Verständnis ausfallen kann, kann jeder selbst ausprobieren beim Test der „Zeit“: Wie unterschiedlich werden Emojis in den unterschiedlichen Generationen genutzt und verstanden?
Oder wie Goethe es sagte: „Dass niemand den andern versteht, dass keiner bei denselben Worten, dasselbe denkt wie der andere, hatte ich schon allzu deutlich eingeseh’n.“
Was mir hier auffällt, ist, dass Feedback geben immer nur Kritik an schlechten Texten sein soll. Kein Text, auch von Anfängern, ist grundsätzlich schlecht. Deshalb sollte man am Anfang zunächst loben, was gut ist. Dann kritisieren, was nachweislich falsch ist, wie Rechtschreibung etc. . Und am Ende nachfragen, ob dies und jenes, was einem negativ auffällt, nicht gewollt eingebaut wurde.
Der Holzhammer ist nie gut angekommen und hat auch nie geholfen.
Leider doch, ich halte es mittlerweile für einen Irrglauben, dass grundsätzlich jeder Text automatisch auch etwas Gutes enthält.
Und ich lobe wirklich nur dann, wenn ich auch etwas zum Loben finde, denn lügen oder etwas schönreden möchte ich nicht.
Trotzdem kann (und sollte) man Kritik, auch wenn sie heftig ist, so formulieren, dass sie nicht als Holzhammer rüberkommt.
Wenn ich hier lese, wieviele Leute doch hier intensiv über Textkritik diskutieren und dann auf die Teilnahme an meinem letzten Text anschaue …
Das selbe stelle ich fest, wenn es um »animierte Texte gegenüber händisch geschriebenen geht.
M. E. kann niemand wirklich entscheiden, ob ein Text schlecht ist oder nicht. Texte oder andere nicht-physische „Erzeugnisse“ sind immer subjektiv, Kritiker oder wie-immer-man die nennt, können gar nicht objektiv sein, weil es keine hundertprozentig gültige Matrix gibt, anhand derer man einen Text in eine Form gießen kann und am Ende sieht man - aha, gut/schlecht/miserabel oder was auch immer.
Es gibt wohl schon diverse Kriterien, die einen schlechten Text auszeichnen (von Adverb- und Adjektivschwemme über mangelnde Spannungsbögen und Infodump bis hin zu farblosen Figuren), aber ich denke auch, dass da der persönliche Geschmack eine große Rolle spielt.
Tut mir leid, aber da muss ich widersprechen. Soweit ich weiß, ist es Stand der Wissenschaft, dass wir Menschen durch positive Verstärkung schneller und nachhaltiger lernen, als durch negative Kritik.
Ich erinnere mich in dem Zusammenhang an die Schreibtips, die Andreas Eschbach auf seiner Website veröffentlicht hat und in denen er sinngemäß sagt: für einen Autor ist es nicht nur wichtig, zu wissen, wo seine Texte schlecht sind, sondern auch, wo sie gut sind und keinesfalls verändert werden sollten.
Insofern denke ich, auch positive Stellen zu erwähnen, gehört durchaus zu guter Textarbeit.
Ich nehme dieses Zitat mal als Beleg dafür, wie wichtig es ist, auch bei Kritik sachlich zu bleiben und nicht persönlich zu werden.
Hier stimme ich zu. Allerdings mit einer deutlichen Betonung von „oberflächlichen“. Denn der Satz gilt sowohl für „Streicheleinheiten“, als auch für Verbesserungsvorschläge.
Das wiederum sehe ich anders. Kompetenz als solche hat erst einmal nichts mit Freundlichkeit oder Unfreundlichkeit zu tun. Gerade kompetente Kritik kann ja eigentlich auf jede Abwertung verzichten und durch die Argumente wirken.
Als Forum sind alle Beiträge absolut öffentlich und jeder Nutzer kann seine Kommentare abgeben. Da ist sicher kaum detaillierte Textarbeit zu erwarten. Es gibt aber immer die Möglichkeit, detailliertere Informationen per PN zu senden. Da könnte man dann schon sehr intensiv arbeiten.
Zum eigentlichen Thema denke ich, dies hier ist der entscheidende Hinweis:
Immerhin hat sie offenbar eine gewisse Erfahrung darin, wie man schlechte Bücher per KI schreibt. Das sollte doch reichen, um als Experte anerkannt zu werden.