Aw: HILFE!!! Ich brauche wieder Zeit zum Schreiben!
[QUOTE=Blackbard]
Bisher habe ich immer abends oder am Wochenende geschrieben. Allerdings ist es jetzt seit über einem Jahr so, dass unsere kleine Tochter abends große Probleme macht und teilweise vor 22:00 nicht ins Bett zu bekommen ist. Meine Frau hat wieder zu arbeiten begonnen und da sie im Hotel beschäftigt ist, ist sie jetzt natürlich hauptsächlich am Wochenende außer Haus. Daher ist nun auch an diesen Tagen nicht mehr die Zeit da, da unser kleiner Wildfang volle Aufmerksamkeit erfordert.
Jetzt steht allerdings auch mein „Hirn“ nicht still:
Der aktuelle Roman wächst weiter, die Fortsetzung nimmt Gestalt an, viele viele Ideen für weitere Romane und Kurzgeschichten kommen immer wieder.
Das wird alles in meinen Notizbüchern festgehalten.
Die Ideen sind da und auch mehr oder weniger detailliert festgehalten worden. Allerdings krieg ich es nicht mehr geregelt, diese zu Papier zu bringen.
Wenn die Kleine dann im Bett ist, bin ich meist schlicht zu fertig, mich noch geistig soweit zu sammeln, dass ich weiter schreiben kann.
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Zwei Anmerkungen:
Erstens das geht vorüber. Kinder werden sehr, sehr, sehr schnell groß. Wenn man später mal zurückschaut, kommt einem diese Phase, in der sie „klein und anstrengend“ sind, vor wie ein Wimpernschlag. Und meistens fragt man sich, ob man sie nicht mehr hätte genießen sollen, anstatt sie schwer zu finden. Das hilft einem zwar nicht unbedingt viel, wenn man mitten drin steckt (die ersten drei Monate, wenn sie NUR quengeln und schreien und nur Sekundenschlaf auf dem Arm machen, kommen einem eher vor wie 300 Jahre), aber es ist ein Gesichtspunkt, den man hier nicht unberücksichtigt lassen sollte.
Zweitens die Bedeutung der zur Verfügung stehenden Zeit (in Stunden oder Minuten gemessen) wird in der Regel überschätzt. John Grisham z.B. hatte einen Rund-um-die-Uhr-Job als Anwalt und sagte sich, „wenn ich morgens statt um fünf Uhr dreißig schon um fünf Uhr im Büro bin, schaffe ich es vielleicht, eine halbe Stunde an meinem Roman zu arbeiten“. Und so hat er gemacht, drei Jahre lang. Dann war der erste Roman fertig und - floppte. Also machte er es noch einmal drei Jahre lang. Der zweite Roman floppte, wie wir wissen, dann nicht mehr …
Ich meine, der beste Rat, den man in dieser Situation geben kann, besteht aus drei Teilen:
Teil eins - relaxen. Nächstes Jahr um diese Zeit wird das mit dem schwierigen Zubettgehen längst kein Thema mehr sein.
Teil zwei genießen. So klein wird Deine Tochter nie wieder sein.
Teil drei Messlatte niedrig hängen. Nicht nach den „ungestörten freien, nur dem Schreiben gewidmeten Abenden“ streben, sondern nach, sagen wir, 30 Minuten pro Tag. Und lieber versuchen, das Beste aus dieser Zeit zu machen. Und wenn es nur zehn Zeilen werden: das sind immerhin zehn Zeilen, die es sonst nicht geben würde.
Und da muss man auch ein bisschen an seinen Gewohnheiten und Impulsen arbeiten. Es ist ein verständlicher Impuls, sich spät abends zu sagen, „boah, bin ich fertig“, und sich dann einfach nur noch mit 'nem wohlverdienten Bier vor die Glotze zu werfen. Aber man kann auch lernen, so einem Impuls zu widerstehen und sich erst noch mal eine halbe Stunde an den Schreibtisch zu setzen. Es ist eine Frage der Gewohnheit - und der Entschlossenheit, vor allem. Als ich damals (lange her) meine Firma gegründet habe: Das war, wie mein Partner und ich zu witzeln pflegten, ein „Halbtagsjob“, weil wir nämlich mindestens von morgens neun bis abends neun im Büro waren, meistens länger. Die erste Zeit bin ich auch heimgekommen und hab mich nur noch abgelegt. Aber dann begann mir das Schreiben zu fehlen, und so ging ich dazu über, abends, wenn ich um zehn, halb elf nach Hause kam, mich erst (noch im Anzug, nur die Krawatte wurde ausgezogen) eine Weile an den Computer zu setzen und zu schreiben. Und das ging nach einer Weile erstaunlich gut, ja, es war sogar eine viel bessere Möglichkeit, die kribbelige Hektik des Tages zu ventilieren, als es die Glotze gewesen war (damals hatte ich noch so ein Ding) ab in die Finger, in die Tastatur, in den Text mit der Energie! So entstand mein zweiter Roman „Solarstation“. Der einzige Roman, den ich im Anzug geschrieben habe 