Happyend für das Böse?

Liebe Community,

ich habe ein reine Interessensfrage nach Euren persönlichen Meinungen. Wie steht Ihr zu Romanen, in denen der oder die Antagonisten mit ihren Missetaten am Ende ohne Konsequenzen durchkommen? Quer durch verschiedene Genres, wie findet Ihr sowas? Ein Happyend für Bösewichte, wenn Ihr so wollt?

Da gibt es ja verschiedene Beispiele:

Im Genre Horror oder in Dramen ist das ja generell recht verbreitet. In Krimis oder Thrillern werden solche Enden seltener gewählt, etwa, weil der Mörder aus moralisch nachvollziehbaren Gründen handelt und der Ermittler ihn am Ende bewusst laufen lässt, oder einfach, weil der Antagonist zu gerissen ist und entkommt… In Fantasyromanen gibt es das sogar noch seltener, da sind dann die dunklen Mächte einfach zu mächtig und siegen über das Gute oder der Held stirbt etc. pp.

Lassen Euch solche Enden als Leser unbefriedigt zurück?

6 „Gefällt mir“

Sofern die Enden logisch gestaltet sind, akzeptiere ich durchaus auch den Sieg des Bösen. Allerdings sollte dann zumindest ein anderer, ein Nebenkonflikt, eine Lösung finden, um nicht wie ein begossener Leserpudel zurückzubleiben. Bei Thriller-/Crime-Reihen ist das sogar oft der rote Faden, der sich durch alle Bände ziehen kann. (Erinnert mich an die uralte TV-Serie „Auf der Flucht“, die ich nicht mochte, da sie so vorhersehbar war.)

Die breite Leserschaft bevorzugt jedoch, so las ich es mal, ein Happyend. Vermutlich, weil das Leben meist die Kehrseite präsentiert.

1 „Gefällt mir“

Hi,
ein sehr interessantes Thema, das du da anschneidest. Mir ist es im Grunde genommen egal, wer als „Held“ aus einer Geschichte hervorgeht. Im Regelfall finde ich happy endings eher doof. Egal, um wen oder was es sich dabei handelt. Das liegt bei mir im Wesentlichen jedoch daran, dass ich offene Enden bevorzuge.
Aus der Literatur fällt mir ad hoc kein passendes Beispiel dazu ein. Es gibt aber einen Film mit Vincent Price, in dem sein Bruder (?), ein gefährlicher Typ, der nicht Herr seiner Sinne ist, eingesperrt wird, damit er nicht morden oder anderes Unheil anrichten kann.
Am Ende steht Vincent Price in des Bruders Zimmer und sagt: „Das ist jetzt mein Zimmer!“
Aus der Handlung geht hervor, dass er im Verlaufe der Geschichte eine Entwicklung durchläuft, die ihn selbst ebenso gefährlich macht wie die Figur, die zuvor das Zimmer bewohnt hat.
Solche Enden liebe ich!

5 „Gefällt mir“

Warum sollte das Böse nicht siegen? Jeder von uns hat seinen Endgegner: Die Zeit.

So what, lasst uns das Böse feiern. EAV sang es ja schon: „Das Böse ist immer und überall“.

Eines meiner Lieblingsfilmzitate kommt aus Star Trek, Treffen der Generationen.

Soran: „Wissen Sie, es gab eine Zeit, da hätte ich keiner Fliege was zuleide getan. Aber dann kamen die Borg, und sie zeigten mir, dass es eine einzige Konstante in diesem Universum gibt: den Tod. Danach begriff ich, dass es eigentlich gar keine Rolle spielt. Wir werden alle irgendwann sterben, es ist nur eine Frage des Wie und Wann. Sie auch, Captain. Spüren Sie nicht auch, wie die Zeit Sie langsam einholt? Sie ist wie ein Raubtier, das sich heimlich ans Opfer ranschleicht! Sie können versuchen, ihr zu entkommen – mit Ärzten, Medizin, neuen Technologien – aber am Ende wird die Zeit Sie unerbittlich einholen. Sie wird Sie erledigen!“

2 „Gefällt mir“

Ich kann mir beides vorstellen: Ein Happy End und einen Bösewicht, der entkommt. Zwar leicht mitgenommen, aber er entkommt. So mache ich das zumindest für meine Reihe. Man hat so viel Zeit und Energie in die Charakterisierung des Bösewichts gesteckt und dann soll er am Ende verschwinden? Arthur Conan Doyle hat seinen Professor Moriarty auch gehegt und gepflegt. Außerdem sind die Bösen doch die interessanteren Figuren, siehe Mephisto und Faust.
Fazit: Happy End: ja (bevorzuge ich auch), Bösewicht „entsorgen“: nein.

3 „Gefällt mir“

Auf keinen Fall! Jedenfalls nicht, wenn man eine Reihe plant. Er könnte immer wieder kommen. Siehe: Dr. Mabuse.

3 „Gefällt mir“

Eben! Eine tolle intensive Figur. Auch nach Fritz Lang funktionierte sie noch.

Ich liebe gute Bösewichte, Unholde oder Masterminds…

3 „Gefällt mir“

Wenn ich zumindest ein klein wenig Sympathie oder zumindest Verständnis für den Schurken aufbringen kann, ist es für mich absolut in Ordnung, wenn er am Ende das Rennen macht.
Wenn der Bösewicht aber ein Fiesling Marke Oberkotzbrocken oder sonst ein in meinen Augen absoluter Unsympath ist, finde ichs nicht so toll, wenn er zum Schluss gewinnt.

5 „Gefällt mir“

Hast Du Greshams “Nightmare Alley” gelesen?

1 „Gefällt mir“

Tim Curry sagte einmal, dass er die Rolle der Bösen gerne annimmt, weil sie besser geschrieben sind. Das hört man von vielen Seiten. Christoph Walz merkte an, dass sein Blofeld die Aufgabe hat Bond als Held zu inszenieren. Beide verdeutlichen meine Meinung dazu.

Das Gute kann siegen, aber das / der Böse muss dabei nicht unbedingt sterben. Bei vielen älteren Filmen wird nach “The End” wabernd und prophezeihend ein “?” dahinter geschoben. So etwas liebe ich (alter Kerl). Nebenbei -und da geht es um literarischen Subtext- ist es eine Parabell zur echten Welt. Das Gute kann das Böse nicht eradizieren, selbst wenn es gewinnt.

Und ich kann mich nur wiederholen: ein guter Bösewicht ist die beste Karte, die Du in Deinem Deck hast. Lieber lasse ich die sympathische Freundin des Helden sterben, als einen guten Bösewicht.

5 „Gefällt mir“

Hm, die Argumente (Spannung, Fortsetzung, interessante Figur usw.) kann ich absolut nachvollziehen.

Aber: Für mich MUSS es am Ende irgendeine Art von Gerechtigkeit geben. Sonst ist es kein Ende. Vielleicht bin ich da zu einfach gestrickt - aber wenn das “Böse” triumphiert- damit kann ich nicht leben. Im realen Leben würde ich das auch nicht akzeptieren. Warum sollte ich es in einer fiktiven Geschichte hinnehmen?

Soll ich mal ganz böse sein? Genau das tust Du. Weil keiner von uns nach der Tagesschau den Koffer packt, um Tyrannen zu entmachten oder in Entwicklungsländern Brunnen zu graben. Aber das ist natürlich ok, auch ich mache das nicht. Wir fangen im Spiegel an, im Kleinen, bei uns vor der Haustür. Jeden Tag. Das macht die große Welt nicht besser, aber die kleine Welt vor unserer Haustür. Jeder so, wie er kann. Ich weiß aber ungefähr, was Du meinst, denke ich.

Kann es ja auch. Muss es mitunter! Da ist ja jeder sein eigener Geschichtenerzähler, und das ist gut so! Manchmal aber ist die Story das Vehikel, um dem Zuschauer zu zeigen, was in der echten Welt nicht ok ist. “Night of the living dead” (um meine triviale Persönlichkeit nicht aufzugeben) funktioniert so. Der schwarze Protagonist, der die Apokalypse überlebt und permanent versucht andere zu retten wird vom Estabishment erschossen. Das ist groß! Im Trivialen…

Auf Fantasy-Ebene: Voldemort verliert in jedem Band gegen ein Kind (!). Aber er stirbt nicht dabei. Dennoch siegen Freundschaft, Loyalität und Zusammenhalt gegen den größten, mächtigsten und irgendwie daher inkompetentesten Zauberer der Welt…

Und wieder ganz anders: manchmal wird der Bösewicht der Sympathieträger des Publikums. Freddy Krüger wurde gefeiert und daher verlor er zwar ständig, kam jedoch immer wieder. Das Publikum liebte ihn und schließlich verlor die Figur ihren Schrecken und wurde sogar in einer Fernsehserie als Geschichtenerzähler eingesetzt.

Ich glaube wir lieben alle den Tanz am Rand des Vulkans. Und der ist nur spannend, wenn manchmal der Lavastrom gewinnt…

3 „Gefällt mir“

Soll Leute geben, die tun sowas (ich gehöre allerdings auch nicht dazu).

Ich glaube per se nicht, dass ich ein Happy End brauche, bei mir scheint das vom Genre abzuhängen.

Gerade bei Horrorromanen mag ich es, wenn die Story einen geradezu katastrophalen Ausgang findet. Das Spukschloss, das alte Asylum und der Wald voller Wendigos sollen bitte unbedingt weiterhin verflucht bleiben und auf ihre nächsten ahnungslosen Opfer warten. Von mir aus kann auch gern alles hoffnungslos zu Grunde gehen und nichts als Asche und Staub von allem zurückbleiben. Ein Happy End im Genre Horror ist nichts für mich.

Bei Fantasyromanen mag ich es hingegen gar nicht, wenn das Böse triumphiert. Vielleicht habe ich auch einfach zu wenige Fantasywerke gelesen, um mir da eine Meinung bilden zu können.

In Kriminalgeschichten und Thrillern bin ich für nahezu jeden Ausgang offen. Voraussetzung: Das Ende ist schlüssig, es bleiben keine Fragen offen und die Lösung wurde nicht auf den letzen zehn Seiten irgendwie an den Haaren herbeigezogen, weil jetzt doch noch irgendein Mörder her musste. Ich habe mal ein Buch gelesen, in dem kurz vor Schluss plötzlich ein Sohn auftauchte, der natürlich ein Genie war und die ganze Zeit versteckt mit im Haus lebte. Er hatte dann sämtliche Morde begangen, die im Roman vorkamen. Es gab im ganzen Buch weder Hinweise auf eine zusätzliche Person im Haus, noch auf einen verschwundenen Sohn oder sonst etwas in dieser Art. Ich war derart enttäuscht von diesem Ende, dass ich mich direkt über die Zeit geärgert habe, die ich beim Lesen in das Buch investiert hatte. Obwohl mir der Roman bis dato echt gut gefallen hatte.

2 „Gefällt mir“

@michel, Ich verstehe, was du meinst. Und ja, esliegt Wahrheit/ Realität darin, wenn Schurken und Bösewichte mit ihren Missetaten “davonkommen”. Ein erfolgreicher Antagonist, der Sieg des Bösen/ der Ungerechtigkeit könnte sogar den Einen oder Anderen aufrütteln. Das zumindest wäre einfach wunderbar.

Im Moment begegne ich so vielen Menschen, die fest davon überzeugt sind, nichts tun zu können und deshalb nichts tun zu müssen. Es zieht mich runter. Darum brauche ich Hoffnung, ein positives Ende und Gerechtigkeit.

1 „Gefällt mir“

Ja, da stimme ich Dir zu. Und es ist großartig, wenn sie erfolgreich sind. Vielleicht bin ich auch einfach nicht der Typ dazu den Ring nach Mordor zu tragen. Aber auch die kleinen Dinge sind Erfolge. Man muss nicht als Fledermaus nachts Verbrecher jagen. Ein “kann ich Ihnen irgendwie helfen?” reicht für mich völlig.

Möglich. Aber nicht, dass ich missverstanden werden: es geht mir nicht darum, dass das Böse unbedingt gewinnen soll. Ich finde nur, dass ein guter Antagonist Gold wert ist. Weil der Charakter funktioniert und oft besser gescriptet ist, als der Held.

Dass wir uns alle im echten Leben wünschen, dass Harmonie, Respekt und Toleranz gewinnen, ist unstrittig.

4 „Gefällt mir“

Absolut, ein bisschen Freundlichkeit macht schon einen großen Unterschied. Es war ganz und gar nicht meine Absicht, die Helden des Alltags kleinzureden. Ich hoffe, das kommt hier nicht so rüber.

Nochmal ja. Den Antagonisten finde ich auch genauso wichtig wie den Protagonisten. Entsprechend sollte er auch ebenso gut geschrieben sein.

2 „Gefällt mir“

Hmm … ich mag das Happyend für das Gute. In mehreren meiner Bücher ist es zwar so, dass es einen Widersacher gibt, der Mächtiger als die Protagonisten ist, in drei meiner Bücher wird auch nicht wirklich besiegt (Purpurlilie, Naavorth, Schwertsünde) trotzdem haben meine Geschichten ein Happyend für die Protagonisten. Dem „Bösen“ wurde ausgewichen, das Ziel wurde trotzdem erreicht, oder durch den Konflikt offenbarte sich ein dritter Weg, der sich für die Protagonisten wie ein Ziel erreichen anfühlt.

Manche Dinge in meinen Geschichten sind so mächtig, sie wirken einfach weiter auf die Welt. (:wink: )

Interessant ist: Japanische Märchen lieben es, wenn der Protagonist verliert. Sie lieben Geschichten, bei dem der Protagonist alles aufgibt, bis zum Rand der Besinnung kämpft und dann … verliert. Das kann sehr frustierend sein, wenn man mit Captain Planet aufgewachsen ist :wink: Erklärt aber dieses „aufopfern“ das auch immer Thema in Animes ist.

2 „Gefällt mir“

Ich denke, eine Mischung gefällt mir am besten.
Einer meiner Lieblings-Antagonisten ist Long John Silver aus Stevensons Schatzinsel.
Das endet so:
Von Silver hörten wir nichts mehr. Der schreckliche Mensch mit dem einen Bein […] lebt vielleicht irgendwo behaglich […]. Das steht zu hoffen, denn ich glaube, seine Aussichten auf ein behagliches Leben in der anderen Welt sind äußerst gering.

Jim Hawking und seine Freunde haben einen reichlichen Anteil vom Schatz bekommen und ihn klug oder töricht verwendet. Silver ist entkommen, aber der Protagonist lebt in Frieden.

4 „Gefällt mir“

Prinz Lir: „Tu doch was! Du hast die Macht dazu! Ich bring dich um, wenn du nicht sofort was tust!“
Schmendrick: „Ich kann nicht! Alle Zauberei der Welt kann ihr jetzt nicht mehr helfen.“
Molly Grue: „Wozu ist die Zauberei denn dann da? Was nützt alle Magie, wenn sie ein Einhorn nicht retten kann?!“
Schmendrick:Dafür sind Helden da.

Für mich einer der berührensten Momente fiktiver Hoffnungslosigkeit in dramatischer Situation. Aber die Stärke in der Story liegt für mich darin, dass es nicht der Held ist, der die Welt ins Gleichgewicht bringt. Es ist der Zusammenhalt. Für mich ist die Heldin der Geschichte die einfache Molly Grue, die ihr Leben lang nicht aufhört auf die Rückkehr des Guten zu warten …

… und damit kleine Dinge bewirkt, die große Veränderung unterstützen.

1 „Gefällt mir“

Nein. Sagt mir überhaupt nichts.