Gedichte im Roman als Zwischenszene nutzen?

Ich hätte mal eine Frage an euch.

Was haltet ihr davon, wenn man Gedichte als Zwischenszenen hinzufügt?
Szenen, die man nicht ausschreiben möchte, weil sie den Fokus weglenken (z.b. vom Genre) oder Szenen, wo es besser wäre sie kurz und knapp zu halten.
In beiden Fällen würden sie Informationen weitergeben. Sie wären also nicht unnötig, sodass man sie auch gleich weglassen könnte.

Zwei Beispiele:

  1. Nach einer gewissen Szene, würde eine intime Szene kommen. Die möchte ich aber nicht ausschreiben, da sie sonst den Fokus der Story weglenken würde. In dieser intimen Szene soll etwas wichtiges über eine Figur erzählt werden.
    Also dachte ich an ein Gedicht, was genügend Interpretationsspielraum gibt, ohne es ausführlich ausschreiben zu müssen (seit bitte Nachsichtig, das ist mein erstes Gedicht :joy:) :

Die Wärme auf der Haut.
Das Umschlingen und Vibrieren auf dem Brustkorb.
Als würde man fallen und gleichzeitig gehalten werden.
Der Schmerz,
der nicht brannte, sondern süchtig machte.
Das Erfüllen,
was etwas in mir auflodern ließ,
mich beinahe in Raserei versetzte.
Statt Angst reagierte man mit Freude und Gier,
als würde man mehr sehen wollen,
mehr spüren,
mehr hören,
mehr schmecken …
Rot floss es über die Haut,
über meine und seine.
Im Mund zergehend und kraftspendend,
wiederholend und wiederholend,
setzte es aus,
das Herz,
für wenige Sekunden,
dann schlug es wieder,
langsam,
mit langen Pausen dazwischen.
Hitze stieß empor,
ein Prickeln durchfuhr meinen Körper,
ebenso ein Zucken.

  1. Das hier wäre eine Hybridlösung, lyrische Kurzzeilen und volle Prosasätze im Wechsel.
    Die Szene wäre eine Traumszene der Figur:

Ich fiel,
immer tiefer in die Schwärze.
Kein Gefühl und kein Klang.
Nur Druck.
Dann Rauch,
weich, aber kalt.
Er hob mich nicht,
er hielt mich fest.
Alles um mich herum war pechschwarz,
bis auf den weißen Fleck weit über mir,
aber es war nicht der Mond.
Es war kalt und ohrenbetäubend still.
Selbst als ich mich aufrichtete, war nichts zu sehen. Ich spürte nur, wie sich etwas näherte. Es kroch über meine Beine und fühlte sich nicht fest an.
Als hätte es keinen eigenen Körper,
und doch spürte ich Hände, die sich sachte an mir hochzogen.
Wie die Schattengestalt sich über mich stemmte,
hörte ich die Worte: „Wir sind jetzt ein Wir.“
Wie ein kalter Atem kam es mir näher und es verschwand,
in mir.
Panisch tastete ich meinen Brustkorb ab. Doch ich spürte nichts.
Zumindest für einige Sekunden.
Dann vibrieren,
wie ein stiller Bass.
Ich bekam immer weniger Luft, bis sie mir komplett genommen wurde. Verzweifelt fasste ich mir an den Hals.
Da war keine Schnur oder gar Hände, die mich erwürgten. Meine Muskeln verkrampften und ich konnte mich nicht mehr halten.
Ich fiel erneut,
diesmal schneller.
Und das Licht entfernte sich immer mehr,
bis es kaum sichtbar war.

Was haltet ihr davon?
Ist das eine interessante Lösung oder völliger Blödsinn?
Ich experimentiere gerne rum und teste, was geht und was nicht.

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Prinzipiell hätte ich wohl kein Problem mit lyrischen “Zwischenszenen”. Kurzen.

Allerdings … beide sind mir zu lang und reißen mich genau deshalb aus dem Fokus/Lesefluss. Auch kann ich nicht erkennen, welche Informationen sie weitergeben sollen, oder über welche Figur … das kann aber an mir liegen, ich habe bei “Interpretationsspielräumen”, also unkonkreten, angedeuteten, verklausulierten, umschreibenden Formulierungen, die vielleicht auch noch viele Metaphern enthalten - öfter mal eine ziemlich lange Leitung.

“kurz” ist relativ, stimmt schon.

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Ganz ehrlich? Schrecklich.

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Und was findest du schrecklich?
Die Idee mit den Gedichten als Zwischenszene oder die Textbeispiele? (Ist im Genrebereich Horror und ist nicht jedem sein Geschmack, das ist ja okay)

Ich lese morgen mal genauer, aber die Idee als verfremdendes Moment finde ich (aus dem Bauch heraus) nicht ganz schlecht.

Wenn es nicht überfrachtet wird…

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Nein, das möchte ich natürlich nicht .

Sie sollen auch eher selten genutzt werden. Nur wenn es passt.

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puh - schwierig. Gerade bei Horror solch lyrisch angehauchte Zwischensequenzen, das erfordert verdammt viel Fingerspitzengefühl, um eben einerseits nicht zu überfrachten, zum anderen muss es auch dazu passen und Sinn ergeben.
Für mich müssten dafür sehr gute und auch für den Leser nachvollziehbare Gründe erkennbar sein, anderenfalls würde es sehr schnell aufs Effekthascherei-Gleis abgeschoben.
Dein erstes Beispiel hier fände ich definitiv zu lang und - sorry - auch nicht besonders gut ausgedrückt, Nr. 2 finde ich besser, mehr horror-mäßig. Wie sich das dann im Erzähltext macht, müsste man ausprobieren.

Ansonsten ist sowas sehr mit Vorsicht zu genießen, schon der Herr der Ringe mit seinen vielen Liedern und Gedichten kommt heute bei einem Großteil der Leserschaft nicht mehr sonderlich gut an.

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Ich meine die Gedichte.

edit: siehe meine näheren Ausführungen von heute (ich bin manchmal ebenso verpeilt wie unsere liebe Kick).

Okay, danke!
Ich hatte es so nicht auf’m Schirm.

Das war für mich ein Test, um Intimität zu schreiben, ohne es großartig aufzublasen oder einen größeren Textblock zu schreiben. (Ist für mich echt schwierig) Tut mir leid, wenn das nicht gut ankam :sweat_smile:

Da wäre mein Ziel, dass es einen flüssigen Übergang macht. Hier bei Nr.2 wäre es nachdem die Figur einschläft. Man erlebt dann den Traum.

Ich wollte damit jetzt kein Fass aufmachen. :sweat_smile:

Ah okay, danke!

Generell würde ich denken ‘Erlaubt ist, was gefällt’, also warum nicht ein (dann aber konsequent eingehaltener und kurzer) Break. Am Kapitelbeginn wird das schon häufiger gemacht, auch als zitierte Version. Aber auf den Inhalt kommt es an. Dient es nur einem Experiment? Will man nur ‘anders’ sein und sich innovativ zeigen? Oder ist es ein Gedicht, dass wirklich überrascht und dem Text einen echten Kick verleiht. Ich könnte nur Letzteres akzeptieren.

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Witzige, frische Idee. Ich denke, Du hast gar nicht den Anspruch, Goethe oder Fried Konkurrenz zu machen. Wenn es in Deine Story passt, find ich das klasse. Wenn ein Fremdkörpergefühl aufkäme, kann auch das im Horror ein passender Effekt ein. Nur eins darf es nicht: Den Leser rausreißen. Ich hatte hier jetzt für mich nicht den Eindruck, dass ich mich mit Versmaß etc auseinandersetzen muss, um den Inhalt zu verstehen. Für mich käme es jetzt auf die Einbindung an; aber ich habe nicht den Eindruck, dass es stört oder stören müsste. Gibt schlimmere Songtexte.

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Guten Morgen (8:03),

ich habe noch einmal sinniert. Und: die Idee ist nicht schlechter geworden in meinen Augen. Gerade für eine intensive Emotion (Sex (darf ich das schreiben?)) ist das poetische Verfremdung, die ich stilistisch interessant finde. Ich persönlich mag solche Brüche mit konventioneller Erzählkunst, wie sie ja auch Tim Burton nutzt oder die Farbe rot in einer s/w Szene in Schindlers Liste. Das kann sehr intensiv wirken. Tolkien überdreht die Schraube völlig (alter-Henry-James-Witz).

a) weniger ist mehr

b) gezielter Einsatz

c) der Text ist dazu verurteilt extrem gut zu sein, weil der Leser durch den Bruch mit dem Stil mit der Nase im Essen landet.

Fazit: ausprobieren und nicht gleich verwerfen.

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Mag sein, dass du in einem anderen Genre unterwegs bist als ich. Ich würde sowas ganz grob querlesen, entscheiden, dass es mich nicht interessiert und vorblättern.

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Ich versuche es mal mit meiner Kunst/Gemälden zu beschreiben, warum ich es in Betracht ziehe:

Als Jugendlicher (13-17 rum) wollte ich Hyperrealismus mit meiner Kunst erschaffen. Ich war bei (Bleistift) Portraits pingelig und versuchte ein hohes Niveau zu halten.
Das wandelte sich dann. Je mehr ich impressionistische Kunst sah und dazu lernte, desto mehr hatte ich Lust dazu.
Aber gleichzeitig wollte ich auch die Details reinbringen, das Perfektionistische.
Also habe ich beides kombiniert und meine eigene Art erschaffen, mal ist es mehr impressionistisch, mal mehr realistisch und perfektionistisch. Aber es bleibt alles irgendwie konsistent und gleichzeitig lebt das Bild für sich.

Für mich ist Schreiben, wie ein Gemälde malen.
Mal tritt man ins Fettnäppchen, mal funktioniert es auf anhieb und mal muss man nachbessern. Ob das mit Pinsel, Stift oder Tastatur passiert, ist eigentlich egal, es ist das selbe.
Gedichte schreiben ist für mich einfach ein anderer Kunststil, den man für sich selbst nutzen kann. Ich mein, warum nicht?
Niemand verlangt von einem das man die selben Regeln einhalten muss. Man kann ja daraus eigene entwerfen und nutzen.

Dadurch, empfinde ich, entsteht neue Kunst, neue Ideen, neue Inspiration.

Deswegen: ich würde das nicht einsetzen, weil ich anders sein will oder mich innovativ zeigen möchte (und dann nie wieder).
Ich möchte es nutzen, um meinen Stil zu bereichern, um meine eigene Kunst zu erschaffen.

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Du hast nach meiner Meinung gefragt. Die ändert sich dadurch nicht.

Du bestimmst deine Regeln selbst.

Wie schon geschrieben: Ich lese wahrscheinlich nicht dein Genre. Aber ich würde es nicht lesen.

Ich glaube aber für viele zu sprechen: Jeder hat sowas, das ihm wichtig ist. Von einigen Dingen habe ich Jahre gebraucht, um mich davon zu lösen. Eine Sache diskutiere ich gerade mit Claude, der kein Einsehen hat, dass ich einfach genial bin und redet mir meinen Vorschlag schlecht.

Letzten Endes musst du entscheiden, ob dir etwas so wichtig ist, dass du mit Regeln brechen willst. Nur weil alle irgendwas machen, musst du es ja nicht genauso machen. Und auch vor einem Meinungsbild in diesem Forum muss ich dich warnen. Du kriegst hier nur ein paar Ansichten. Das muss keinesfalls der Leserdurchschnitt sein, den du im Auge hast.

Ich würde vielleicht mal ein paar Kapitel an echte Menschen als Testleser geben, die auch das Lesen, was du schreibst.

Hab ich etwas übersehen?

Die Meinung aller war gefragt. :thinking:

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Mein Kommentar hatte auch keine negative Absicht. (Das war mehr zum Verstehen da, was für eine Intention dahinter liegt)
Ich mag es zu diskutieren und möchte auch andere Seiten verstehen/sehen wollen. Dadurch sehe ich erst, wie es ankommt, wo es Probleme gibt oder worauf ich wirklich achten sollte.
Deswegen: ich bedanke mich für deine Meinung, weil sie eine Reaktion zeigt, die andere ja auch teilen.

Das tu ich, ja.
Und bekam auch vor kurzem eine gute Kritik, die mir weiterhilft.

Das stimmt, ja.
Jedes Genre hat ja sein eigenes Publikum, mal kommen neue dazu, mal gehen welche weg.
Normal.

Ich merke es nur immer wieder (z.b.):
Wenn ich mal aus der Automobilbubble weggehe, dass dann ganz andere Ansichten kommen.
Die mir aber weiterhelfen können.

Deswegen habe ich hier mal in die Runde gefragt.
Und ganz verschiedene Meinungen und Ansichten erhalten, und das freut mich.

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Schon richtig. Aber meine Meinung ist doch die wichtigste :slight_smile:

Ich mag es nicht, auch wenn ich den Ansatz dahinter verstehe. Aber wenn du die Szenen, die sich anbahnen nicht ausschreiben willst, dann tu es nicht. Überlass die Intimität der Vorstellungskraft der lesenden Person, statt so mit dem Text zu brechen.

Noch dazu sind die Gedichte für meinen Geschmack viel zu lang, das würde ich vermutlich dann erst recht überblättern, weil ich weder den Stil, noch die Länge mag. Nimm noch den Bruch hinzu und ich lege das Buch spätestens beim zweiten Auftauchen weg.

Wäre das ganze Buch in dem Stil, wäre das anders. Aber entweder ich lese Gedichte oder aber ein Buch. Aber nicht die Mischung aus beidem, was hier total überfrachtet ist für meinen Geschmack.

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