In der Form finde ich es ungewöhnlich. Ich kenne bereits Songtexte oder Zitate … aber wenns passt würde es mich nicht stören.
Im Sexgedicht (sorry, aber du musst dem Kind einen Namen geben) irritiert mich “man” ungemein.
Abgesehen davon, was hindert dich, die Szene so zu schreiben, wie in deinem Gedicht? Sex kann, muss man aber nicht explizit schreiben. Ich tu mich auch damit schwer - aber das kannst du üben.
Was die Gruselsequenz angeht … damit kann ich persönlich nichts anfangen.
Ich will dich vielleicht noch auf ein Problem aufmerksam machen, das du sowohl mit deiner Meinung wie auch mit der Meinung von anderen hier haben kannst. Dieses Problem heißt: Gefühle. Und damit meine ich nicht die Gefühle eines Liebesromans, sondern deine gegenüber deinem Text oder des Feedbacks hier.
Zu deinen Gedichten hab ich den stärksten Eindruck von Herr der Ringe. Die Bücher hab ich mehrfach gelesen. Die Gedichte, Lieder und Reime darin hab ich allerdings alle überblättert. Das ist ein ehrliches Statement zu deiner Frage. Mag aber sein, dass die Leser(innen?) deines Genres da ganz anders drauf sind. Ich war in den Achtigern mit einer Gruppe in Urlaub und eine Freundin von mir las am Wasser “impressionistische Gedichte”. Ich dachte, die hat sie nicht mehr alle, als sie mir daraus vorgelesen hat. Aber es gibt ja offenbar Leute, die sich für Gedichte interessieren. Mich nun zu Gedichten zu befragen - möglicherweise in einem Genre, das vorwiegend Frauen lesen, mag kein hilfreiches Ergebnis bringen. Denn natürlich verarbeitet ihr Frauen mehr über Emotionen und vielleicht ist ein Gedicht für mich als Mann zu wenig logisch.
Nun kann es aber auch sein, dass die Gedichte trotzdem eine schlechte Idee sind, und DU selbst eben nur Gefühle dafür hast. Denn du hast sie mit einem bestimmten Gedanken geschrieben. Du hast eine emotionale Verbindung dazu. Diese emotionale Verbindung fehlt allerdings den anderen.
Ich habe zum Beispiel einen Krimi geschrieben, bei dem ich abendelang auf irgendwelchen Sprücheseiten nach Eröffnungssprüchen gesucht habe. Das jeweilige Kapitel hatte zwar schon eine grob vorgeplottete Handlung, wurde aber durch diesen Spruch erst in meinem Kopf zum Leben erweckt. Und die Handlung wurde davon stark beeinflusst - ja, manchmal sogar umgelenkt.
Da gab es unproblematische Sprüche wie:
Wenn ein Feind dir Böses angetan hat, schenke jedem seiner Kinder eine Trompete. (Aus China)
oder
Im Krieg verlieren alle – auch die Sieger. (Aus Schweden)
Das Blöde ist, einige Sprüche konnten oder waren copyright-geschützt. Wie ist es damit?
Rache ist die beste Rache. (Klingonisches Sprichwort)
So hatte ich dann auch Fragmente von Liedtexten und Zitate von Leuten, die noch leben. Karl Valentin ist ein Problem, weil seine Sprüche einem wie allgemeines Gut vorkommen. Du kannst aber sehr schnell Probleme bekommen, wenn du etwas aus seinen uralten Gags verwendest.
Zähneknirschend hab ich diese Kapitelsprüche irgendwann alle rausgenommen. Du kannst dir kaum vorstellen, welche emotionale Hürde ich dabei zu überwinden hatte. Die unproblematischen hab ich dann im Text einer Figur in den Mund gelegt, die halt charakterlich so aufgebohrt wurde, dass sie gern mal nen Spruch zitiert.
Für mich ist das mit den Gedichten ein Irrweg. Aber ich kann voll verstehen, dass du emotional daran hängst.
Weiteres Beispiel sind Coverbilder und Landkarten im Buchtext. Dazu hab ich hier Fragen gestellt. Aufgrund der Antworten in diesem Forum hab ich Entscheidungen getroffen. Hier hab ich allerdings später bemerkt, dass ich vorschnell gehandelt habe. Ich habe mich von den Kommentaren hier zu sehr emotional leiten lassen. Denn einige äußern ihre Kritik relativ deutlich.
Die Kartenausschnitte, die ich unter viel Aufwand in das Buch aufgenommen hatte, hatte ich aufgrund der Kommentare wieder alle rausgenommen – um sie ein halbes Jahr später wieder unter viel Aufwand aufzunehmen. Hier bilde ich mir ein, dass ich mich gegen einige Meinungen durchsetzen musste. Und ein Coverbild, das nicht so ankam, verwende ich jetzt doch. Warum? Weil es eben einfach passt - nachdem ich ein paar kleine generelle stilistische Änderungen am Coverstil gemacht habe.
Emotionen können dich also sowohl auf der einen wie auch auf der anderen Seite in die Irre führen. Sei darauf gefasst und hör in dich rein. Wenn dir diese Gedichte wirklich wichtig sind, bau sie ein. Ist ja auch nichts Dramatisches, wenn sie jemand überblättert.
Als ich diesen Beitrag gerade abschicken wollte, hab ich mich erinnert, dass ich selbst ein Gedicht in meinem Fantasyroman habe. Siehst du, so unlogisch denkt man
Ich bin eine Frau, die selten Gedichte liest. Wenn, dann um die reine Schönheit von Rhythmus und deutscher Sprache zu genießen, nicht um Emotionen zu verarbeiten. (Und wehe, irgendwo holpert das Versmaß!)
Mir ist es immer wichtig, vor dem Buchkauf zu wissen, was mich erwartet. Wenn ich einen Roman gekauft hätte und Prosa erwarten würde, würden mich Gedichte darin stören. Wenn der Klappentext aber auch schon in Gedichtform wäre, würde der Autor zum richtigen Zeitpunkt (vor dem Kauf) die richtige Zielgruppe ansprechen.
(Ist Horror ein Genre, das vorwiegend Frauen lesen? Das hätte ich nicht gedacht.)
Ich würde nicht mal sagen, dass mich Gedichte darin stören. Bei Herr der Ringe stören die Lieder nicht - ich lese sie halt nur nicht. Ich lese gerade ein anderes Fantasybuch, das zu Kapitelbeginn relativ sinnfreie Sprüche zeigt. Ich merke bei mir halt, dass sie an mir vorbeigehen und dass ich nicht mal diese Zweizeiler lese.
Darum würde ich, zumindest was mich betrifft, nicht von stören sprechen. Aber einem Autor würde ich sagen wollen: Du machst dir hier Arbeit und fühlst etwas, wenn du dein Zeug liest, das an mir vorbeigeht. Das bedeutet: Das, was dir etwas gibt, überspringe ich. Ob das alle machen, weiß ich nicht. Aber es ist möglich, dass ein Anker, der dich in deiner Geschichte hält, das bei mir nicht tut. Das muss nicht schaden, wenn der Rest davon gut - und gut verständlich ist.
Ich bin auch jemand, der beim Lesen Passagen überspringt. Bei Karl May überblättere ich die Landschaftsbeschreibungen, bei Tom Clancy die ganzen technischen Details von U-Booten, Panzern, Waffen usw, bei Nora Roberts die Sexbeschreibungen…
Ich kann mich aber tatsächlich nicht erinnern, je Gedichte überblättert zu haben. In der Sams-Reihe von Paul Maar habe ich die Gedichte sogar geliebt. Die Sams-Gedichte haben ein schönes Versmaß und sprachlichen Witz und fallen deshalb in mein Beuteschema.
Ich mag Gedichte, aber es ist gar nicht so leicht, sie wirklich gut zu schreiben.
In Bücher überblätter ich sie nur, sofern das Buch übersetzt ist. Bei einem deutschen Autor gebe ich ihm eine Chance.
Gedichte um Szenen zu ersetzen? Neue Idee. Ich glaube ich würde deine Beispiele oben in ersten Moment gar nicht als Gedicht lesen, sondern als Fragmente eines wahnhaften Geistes, oder als Traumsequenz .
D.h ich würde sie als Teil des Textes lesen, je nachdem wie du den Übergang gestaltest und mich dann vielleicht wundern, was mit der Sprache passiert ist.
In Büchern überfliege ich eigentlich keine Inhalte, außer es liegt außerhalb des Textes. Wie „Lore“ d.h drei Seiten Weltentstehung und Götterkunde.
Nein, es zeigt ja nur, wie unterschiedlich Textrezeption ist. TomP hat nicht Unrecht mit seiner Wahrnehmung und Bewertung. Du ebenso wenig.
Ich persönlich mag Bruch mit dem Medium mitunter. Zeitungsausschnitte, Gedichte, vielleicht sogar ein Kapitel aus nur einem Wort - kann alles stimmig sein. Für mich - anderen gefällt das nicht.
Entscheidend (da kann ich meine Meinung ändern) fand ich, was TomP gesagt hat: man sollte als Autor aufpassen, ob es dem Text dient und nicht nur für einen selbst wichtig ist. Zumindest sollte das reflektiert werden.
Ich finds ja schon faszinierend, wie man gerne Tom Clancy lesen kann und die ganzen technischen Details lieber überspringt, oder Nora Roberts die Sexbeschreibungen … eben all diese Dinge, die man beinahe schon als Markenzeichen eines Autors sehen kann.
Egal, die Lesegeschmäcker sind so unterschiedlich wie nur irgendwas.
Aber das hier:
… ist imho ein wesentlicher Knackpunkt bei dem Problem.
Für alle Stilmittel (und darunter fällt auch die Verwendung von Gedichten mitten in einem Prosatext) gilt das ganz besonders.
Nicht nur, dass man sie möglichst sparsam verwenden sollte, damit sie ihre Wirkung entfalten können, sie müssen auch dem Text auf eine nachvollziehbare Weise dienen.
Werden sie ‚als Krücke‘ verwendet, weil dem Autor keine bessere Lösung eingefallen ist oder, noch schlimmer, weil der Autor endlich mal zeigen will, wie eloquent er Texte verschnörkeln kann (und nein, ich unterstelle hier für den Thread beides nicht!), ist die Sache gelaufen. Beides merken die Leser sehr schnell und reagieren entsprechend ungehalten.
Ja, das ist mein Dilemma.
Wenn ich es weglasse, fehlt etwas, wenn ich es schreibe, besteht die Gefahr, dass das in Romance (in dem Fall jetzt) abdriftet.
Ich muss einen Mittelweg finden. Ob das über Sprache oder Stil gehen soll, werde ich testen müssen. (Auch mal als einheitlichen Text und nicht einzeln, wie hier)
Ich nutze das “man” in meinem normalen Sprachgebrauch. Es ist für mich eine Art zu zeigen, was ich meine oder womit ich etwas ähnlich sehe.
Würde ich es mit einem Ich-Pronomen ersetzen, klingt es und fühlt es sich für mich sehr seltsam an, fast falsch.
Das tu ich. Und “sich cringe fühlen” ist da sehr oft der Fall
Aber Übung macht den Meister…
Horror womöglich nicht, aber bei Truecrime sind tatsächlich vorwiegend Frauen, die das hören/sehen/lesen.
Ich fände es besser, die Szene zu lesen, muss ja nicht ausufern, selbst intime Szenen kann man über die emotionale Schiene entschärfen. Aber das hier würde mich komplett aus dem Leesfluss reißen.