Fremdsprachliche Abschnitte

Vielen Dank für deine guten Hinweise, die ich gerne im Feinschliff übernehme!
Ich habe das Marokkokapitel, aus dem die Leseprobe stammt, noch nicht überarbeitet, bin grade dabei. Noch ist es ein Erstentwurf, flott hingeschrieben. Leider ist es mir ein wenig zu lang geraten, es umfasst 38 Seiten. :stuck_out_tongue_winking_eye: Da muss wohl noch die Schere ran.

Die Sternchen die du bemängelst, sind eine Folge von verschiedenen Versuchen, den Text kursiv zu kriegen. Irgendwas hat da nicht funktioniert. :laughing:

Jetzt meine Meinung zur fremdsprachlichen Umsetzung:

→ funktioniert. Mit „Beschimpfen“ erklärst du es selbst für jemanden, der nichts versteht, aber „fucking“ und „go home“ dürfte sowieso jeder verstehen.

genauso.

Könntest du z.B. schreiben als: "Leave us alone. We don’t wanna talk with you and we don’t buy anything.“ Etwas zu kaufen kam nach diesem Verhalten sowieso nicht in Frage und ich wollte nur noch, dass sie sich verzogen.

Ist mit "Beschimpfung ausreichend Erklärt. „Nazi“ versteht sowieso auch jeder.

könntest du schreiben als: "„Show me your Tickets“, verlangte er schroff, unsere Fahrscheine zu sehen.

könntest du schreiben als „…Das war eine glatte Lüge, denn wir hatten uns beim Kauf der Fahrkarten erkundigt und es gab definitv keinen Aufpreis für eine Sitzreservierung…“ (statt nur „danach“)

→ „You have to pay 100 Dirham to me. Now! For both seats.“, verlangte er stur Geld von uns.

→ und flüsterte: „Keep calm and don‘t worry. This boys are no officials. They are criminals.“, bestärkte er mich in der Auffassung, dass die beiden uns nur ausnehmen wollten und gar keine Schaffner waren.

→ Dann ging es mit uns beiden weiter. „If you don‘t pay for the seats, my friends will kick you out of the bus. Immediately or later on the way", drohte er, uns hinauszuwerfen, wenn er das geforderte Geld nicht bekam.

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Mein Fazit ist, dass für mich als Leser bei deinem Textauszug Aufwand und „Ertrag“ in keinem guten Verhältnis stehen. Er ist durch die Mischung von Englisch und Deutsch definitiv anstrengender zu lesen als ein deutscher Text, der Inhalt erscheint mir aber nicht so wichtig für die Geschichte, dass er mich für die Anstrengung ausreichend belohnen würde.

Auch stilistisch erkenne ich in den englischen Sätzen keinerlei Notwendigkeit dafür, sie genau so wiedergeben zu müssen (beispielsweise keinen besonderen Krimihinweis auf den Mörder oder dergleichen, der in irgendeiner Nuance liegen könnte). Den Inhalt könnte der Ich-Erzähler einfach ohne wörtliche Rede wiedergeben, dabei ginge m. E. nichts Wichtiges verloren.

… plötzlich stieg ein kräftig gebauter, junger Marokkaner in den Bus und kam direkt auf uns zu. Mit strengem Blick verlangte er schroff auf Englisch, dass wir ihm unsere Fahrkarten zeigen sollten. Ich nahm unsere Fahrkarten aus der Tasche und hielt sie hoch, gab sie aber nicht aus der Hand. Daraufhin behauptete er, dass wir zusätzlich eine Sitzplatzreservierung bräuchten.

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Mir gefällt die Idee, weil sie die Szene glaubhaft macht. Ich denke auch, dass sie auf deutsch nicht so funktionieren würde. Trotzdem würde ich es straffen. Für gebrochenes Englisch sind die Sätze teilweise zu komplex - auch wenn sie beabsichtigt verkürzt sind. Man merkt an machen Stellen aber, dass ihnen das gebrochene Englisch in den Mund gelegt wird. Am Anfang funktioniert es dafür super.
Für ein bisschen Abwechslung könnte man sowas hier stellenweise anders lösen:

Der Mann drehte sich zu mir um, während der Typ mit seinen Komplizen außerhalb des Busses beschäftigt war und flüsterte: „Keep still and don‘t worry. This boys are no officials. They are criminals.“

—> in gebrochenem Englisch erklärte er uns, dass…
geht natürlich eleganter, aber so kann man das Englisch stellenweise vermeiden.

Edit: Ich habe es wieder nicht geschafft, den Beitrag richtig zu zitieren. Entschuldige.

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Hinsichtlich Aufwand und Ertrag hast du recht. Ob man das viel zitierte show don´t tell hier anwenden kann? Bitte klärt mich gerne hierzu auf, aber ist es nicht irgendwie sehr tell zu schreiben „verlangte er schroff auf Englisch“?
Ihn dagegen direkt auf englisch Sprechen zu lassen, saugt mich direkt in die Szene hinein, als würd ich selbst in dem Bus sitzen.
Die Umsetzung von @writers_headroom ist echt gelungen. Hut ab - sehr elegant gelöst!
Dieses Thema und die Diskussion finde ich im übrigen angenehm und lehrreich. Über diese Fremdsprachenthematik stolpert doch bestimmt jeder Autor irgendwann.

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Mich würde es stören. Aber ich bin auch ein alter weißer Mann. Zumal ich mich fragen würde, warum ein Nordafrikaner in seiner Heimat in englischer Zunge beleidigt. Ich denke er würde laut und in Landessprache rüpeln. Damit seine Landsmänner und -Frauen ihn als Held und Verteidiger der Heimat feiern können. Wenn ich in Frankreich in eine Pfütze latsche, dann entfährt mir nicht unbedingt »merde!«
Als Provokation Gegenüber den Fremden? Ja aber dann wohl nicht in perfektem Englisch, eher als Mischform arabisch- englisch. Und das ist eher schwierig zu vermitteln.

Ich habe in meinem aktuellen Manuskript ein paar kurze Begriffe verwendet, um Charaktere ein wenig authentischer zu gestalten. Eine Chinesin sagt zum Beispiel: „Xie xie, danke.“
Ganze Sätze würde ich nicht in fremder Sprache schreiben.

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Ich schreibe dann in einer Fremdsprache, wenn der Angesprochene die Sprache nicht oder kaum versteht. Dann ist es legitim, in meinen Augen. Sonst verwende ich eher sehr kurze Sätze oder auch nur ein paar Brocken. Hier ein Beispiel, Finn kann kein Dänisch, verhört aber zwei Dänen.

»Also in Ordnung, Sie sind dorthin gerudert, weil Sie ungestört unter freiem Himmel ein Schäferstündchen verbringen wollten.«
»Genau.« Der Mann nickte, die Frau fragte: »Hvad sagde han?«
»Han ville vide, om vi knepper der.«
Anhand der Röte ihres Gesichts, die auf die Antwort folgte, konnte Finn sich denken, was er übersetzt hatte.

Jetzt kann sich auch derjenige, der die Sprache nicht kennt, zusammenreimen, was die beiden gesagt haben. Hier finde ich die beiden Sätze legitim. Sonst halte ich es wie @_Corinna.

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Ich hatte vor ein paar Jahren eine Frage, die in eine ähnliche Richtung ging (siehe Personen mit verschiedenen Sprachen), und hatte sehr hilfreiche Antworten und Anregungen bekommen. Vielleicht helfen dir da auch welche weiter.

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Würde der Rüpel das auf Arabisch tun, würde ihn mein Ich-Erzähler nicht verstehen. Er könnte es nicht mal dem Leser übersetzen. Und Frauen sind abgesehen von Margit in dieser Szene keine dabei. Man sieht generell wenig Frauen in der Öffentlichkeit der meisten arabischen Länder. Wenn, dann huschen sie meist als stumme, schwarze Schatten durch die engen Gassen. Jedenfalls war das in den frühen 80er Jahren so, in denen die Story spielt.

Das ist jetzt witzig, Corinna. Genauso geht es meiner aktuellen Protagonistin. Sie meint gut Englisch zu verstehen, ist aber bald aus einem Gespräch zwischen Amerikanern raus, weil sie nicht mitkommt. Das mache ich mit ‚…‘ deutlich. Sie achtet dann auf das, was um ihr herum geschieht.

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Ich sehe keine Veranlassung, jedesmal darauf hinzuweisen, dass Englisch gesprochen wird. Den Leserinnen und Lesern ist das eh egal. Sie lesen und denken in ihrer Muttersprache. Der Dialog ist als solcher ist wichtiger als jede fremdsprachliche Authentizität.

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Meine Meinung: Die Verwendung von Fremdsprachen schließt bestimmte Leser aus oder erschwert ihnen den Zugang zum Text, ähnlich wie Fachjargon und Fremdwörter. Ich vermeide das, genauso wie Anglizismen und ähnlichen „Neusprech“.

Der Punkt ist der, dass du einen „Sprachbruch“ (zwei Menschen mit verschiedenen Sprachen treffen aufeinander) im Plot schon beachten musst, es sei denn deine Protagonisten sprechen alle Sprachen komplett fließend. Aber wenn ein Alien auf der Erde landet und dein Prota einfach auf Deutsch mit ihm redet ohne jeden Hinweis dazu (und wenn nur den, dass er sich wundert, dass das geht), dann hast du ein Logikloch.

Für die Hauptstory aber hast du natürlich recht. Nur weil ein Buch in England spielt und Engländer die handelnden Personen sind, wird man das deutsche Buch dennoch einfach komplett auf Deutsch schreiben, klar.
Meinen historischen Roman, der 1275 v.Chr. spielt, hätte ich sonst in Keilschrift verfassen müssen. Die meiste Zeit sprechen die Protas Hethitisch aber das gebe ich natürlich auf Deutsch wieder. Es gibt aber Stellen, an denen es Kontakt zu anderssprachigen Menschen kommt und das kann ich ja nicht einfach so ignorieren und so tun, als hätten Hethiter, Ägypter und Assyrer einfach eine globale Sprache gehabt.
Ich bin damit so umgegangen, dass entweder tatsächlich nichts verstanden wird und sich das Gesagte nur konkludent ergibt (Beispiel 1) oder dass jemand da ist, der übersetzt (Beispiel 2). Das sind m.E. auch die beiden Möglichkeiten in der Realität.

Beispiel 1 („Eben kein Verstehen“)
Die Berge wurden niedriger und nach einigen Tagen kam sie in ein grünes Tal, durch das sich ein kleiner Fluss schlängelte, dem der Weg folgte. Hier gab es Bauernhöfe. Iyalanda sah Felder und Menschen, die sie bestellten. Sie sprach eine ältere Frau an, die Getreide aussäte. Iyalanda begriff kein Wort von der Antwort und das war für sich schon Auskunft genug. Sie hatte Hatti verlassen und befand sich in Assur! Sie versuchte, sich mit Akkadisch verständlich zu machen, aber die Frau zuckte nur mit den Schultern. Überall würde man Akkadisch verstehen, hatte Hafti gemeint, als er ihr die Keilschrift erklärte. Das stimmte wohl nicht. Andererseits hatte er sich ja auch gewundert, dass Iyalanda es von ihrer Mutter gelernt hatte. Überall heißt eben nicht jeder, vermutete sie. Natürlich waren Sklaven oder Bauern nicht gemeint.

Lauter kleine rote fleischige Kerne, die angenehm dufteten, kamen zum Vorschein.
Sie schaute den Händler an und der sagte etwas wie »Essen« in diesem ungewohnten Dialekt.
Iyalanda schüttelte den Kopf. Der Mann machte mit den Händen eine löffelnde Geste und führte sie dann zum Mund. Sie verstand und pulte die roten Kerne aus der geöffneten Frucht

Beispiel 2 („Übersetzer“):
Nagib deutete in die Richtung, in der die toten Räuber und Pferde lagen, und sprach wieder mit Malliva, wobei er zwischendurch auf Iyalandas Bogen zeigte, der noch am Baum lehnte. Als er zum Ende kam, zog Malliva die Stirn in Falten.
»Was? Was sagt er?« Iyalanda wurde ungeduldig.
»Er meint, wir können uns bei den Räubern bedienen und ihr Wasser und ihre Vorräte an uns nehmen. Aber es wird trotzdem ein langer Weg. Oder …« Sie brach ab.

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Auch hier nochmal vielen Dank für die reichlichen Kommentare und guten Hinweise. Ich denke, die englischen Dialoge in Deutsch ablaufen zu lassen und nur zuvor (sachte) auf die englische Sprache hinweisen. Bloß wenn es um simple kurze Sätze, Flüche, Schimpfworte geht, werde ich sie belassen. Die versteht ohnehin so gut wie jeder und sie wirken zudem authentisch.

Danke für eure Hilfe,
Manuela :slight_smile:

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Ich habe mir deine Passage angesehen und finde die Szene grundsätzlich sehr stark. Man spürt sofort, dass die Situation echt ist und nicht einfach erfunden. Diese Spannung zwischen euch und den Burschen kommt gut rüber.

Die englischen Dialoge kann ich auch nachvollziehen. Wenn man unterwegs ist und sich hauptsächlich auf Englisch verständigt, passiert das ganz automatisch. Das wirkt authentisch.

Im Buch gibt es dabei nur eine kleine Sache, über die man nachdenken kann, nämlich den Lesefluss. Wenn längere Dialoge komplett auf Englisch stehen, kann das manche Leser kurz aus der Szene holen. Nicht dramatisch, aber es gibt ein paar einfache Lösungen, die viele Autoren verwenden.

1. Englisch im Original lassen, aber sparsam
Kurze Sätze können ruhig auf Englisch bleiben. Das erhält die Atmosphäre. Längere Passagen kann man dann im Text zusammenfassen oder auf Deutsch wiedergeben.

2. Dialog auf Deutsch schreiben und einmal erwähnen, dass Englisch gesprochen wird
Das ist für viele Leser am angenehmsten. Man schreibt den Dialog auf Deutsch und sagt einmal dazu, dass er auf Englisch gesprochen wurde.
Zum Beispiel:
„Das hier ist nicht euer verdammtes Deutschland“, beschimpfte er uns auf Englisch.

3. Eine Mischung aus beidem
Das sieht man auch oft in Büchern. Ein paar markante Sätze bleiben auf Englisch, der Rest wird auf Deutsch erzählt. So bleibt die Stimmung erhalten, ohne dass der Text ständig zwischen zwei Sprachen springt.

Am Ende sind alle drei Varianten völlig legitim. Es ist eher eine Stilfrage und hängt davon ab, was für deine Szene am besten funktioniert.

Inhaltlich funktioniert die Passage auf jeden Fall. Sie hat Spannung, Konflikt und eine klare Situation. Es geht hier also weniger darum, ob es kompliziert ist, sondern nur um eine kleine Entscheidung für den Lesefluss.

PS: Es gibt übrigens noch eine vierte Variante, die viele Autoren verwenden. Man beschreibt die Szene auf Deutsch und lässt nur einzelne markante Sätze im Original stehen. Zum Beispiel:

Die Burschen quatschten uns weiterhin den Kopf voll. Als sie merkten, dass wir nicht reagierten, wurden sie aggressiver. Einer von ihnen stellte sich vor uns hin und begann auf Englisch zu schimpfen.

Das hier sei nicht unser Deutschland, brüllte er. Das hier sei Afrika. Ihr Kontinent. Wir sollten verschwinden.

Als sie dann auch noch an unserer Kleidung zu zupfen begannen, riss mir endgültig der Geduldsfaden.

„Fuck off!“, fuhr ich ihn an. „Leave us alone.“

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Ich baue in meinem nächsten Roman einen Barbaren ein, der nur von einem Mitglied der Heldengruppe verstanden wird. Und dann hängt es von der jeweiligen Perspektivfigur ab: Ist die Perspektivfigur nicht der „Dolmetscher“, lasse ich die (frei erfundene) Barbarensprache so stehen. Die Perspektivfigur versteht ja nichts.
Ist die Perspektivfigur der Übersetzer, spricht der Barbar auf Deutsch. Um zu kennzeichnen, dass er eigentlich seine eigene Sprache spricht, verwende ich am Ende eine andere Schriftart (wie in Asterix-Comics :slight_smile: ).

Merci Angelus!

Danke auch dir für deine Stellungnahme. Ich habe sämtliche englischen Dialoge des Marokkokapitels bereits vorige Woche eingedeutscht und nur 3-Wort-Sätze und Schimpfworte in Englisch belassen. Das fördert den Lesefluss und ließ sich relativ elegant lösen. :pray:

P.S. > Diese Spannung zwischen euch und den Burschen kommt gut rüber.

Der Text muss sich ja sehr authentisch lesen, wenn du von „euch“ sprichst. Die Geschichte ist zu 80 Prozent Fiktion. :wink:

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Überlege dir nochmal richtig, ob du das wirklich machen willst. Besser würde ich es finden, wenn da steht das der Barbar etwas in seiner Sprache sagt und dann den Übersetzer sprechen lassen.

Ich hatte die gleiche Herausforderung mit einer französisch sprechenden Figur und habe dieser auch zahlreiche französische Sätze untergeschoben. Die Rückmeldung der Testleser, die nicht Französisch verstehen, war eindeutig: sie haben herumgerätselt, was der Mann gesagt haben könnte und verstanden letztendlich den Text nicht . Das hat für sie den Lesefluss natürlich gebremst.
Die Lösung war, dass die Figur nur gelegentlich Einwürfe in französischer Sprache macht, deren Bedeutung sich aus dem nachfolgenden deutschen Teil ergibt: „Alors, wir sind schon spät dran.“ „Mais oui, das kann ich bestätigen.“
Mit meiner Korrektorin habe ich vereinbart, die fremdsprachlichen Wörter kursiv hervorzuheben, das erleichter auch noch einmal das Verständnis.
Ansonsten finde ich Angelus Ausführungen großartig und zielführend! :+1: :grinning:

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