In meinem Roman gibt es Schauplätze außerhalb Europas. Dann und wann muss ich zwangsläufig Dialoge in englischer Sprache schreiben. Und davon gibt es einige. Was meint ihr? Ist es zumutbar, ein paar Sätze in Englisch zu lesen?
Ich finde, das geht, wenn der Sinn ohnehin aus dem Zusammenhang klar wird. Es kommt auch ein wenig auf die Zielgruppe an. Heutzutage sprechen viele Englisch, gehen teilweise auch auf internationale Schulen.
Aber was ist mit der Generation 70+?
Wenn es gut verpackt ist, kann man jede Sprache nutzen, finde ich.
Allerdings: Ich hatte es schon an anderer Stelle erwähnt, habe ich kürzlich Der Glöckner von Notre Dame gelesen. Dort waren reichlich größere und kleinere Passagen in Latein verfasst. Schrecklich. Ich kann kein Latein, konnte also auch mit diesen Textstellen nichts anfangen. Um alles in einen Übersetzer zu knallen, war ich zu faul. Also habe ich die Stellen überlesen. Ist mir dadurch etwas entgangen? Keine Ahnung, denn ich weiß ja nicht, was da stand.
Es kommt also darauf an, wie eigentlich immer.
Im Zweifelsfall setzt du die deutsche Übersetzung direkt daneben…Machen ja viele Autoren.
Ich würde das lieber umgehen.
Man kann statt eines Dialogs zusammenfassen : „Sie sprachen auf Englisch über…“
oder man erwähnt anfangs, dass der Dialog auf Englisch stattfand, und schreibt den Dialog dann einfach auf Deutsch.
So hat das Karl May gemacht, wenn es Persisch oder Arabisch wurde. ![]()
Das finde ich ganz grauenvoll. Ebenso wie Fußnoten. Ist natürlich nur mein persönliches Empfinden, aber mich stört das enorm.
Ein paar Sätze müssten gehen, finde ich.
Häufig ist es auch möglich das Original (englisch) zu schreiben und en-passant die deutsche Erklärung irgendwie mitzuliefern:
„You can’t do that,“ sagte Sarah und verschränkte die Arme.
Manuela blinzelte. Sie hatte den Satz langsam ausgesprochen, als rede sie mit einem Kind.
Was denn nicht, dachte sie und spürte, wie ihr das Blut in den Kopf schoss. Das bisschen Englisch im Text?
„Sorry,“ murmelte sie. „But yes - I can very well use some English!“
Gib doch mal eine Beispielpassage, dann können wir was vorschlagen.
Genauso meinte ich das mit der vernünftigen Verpackung oder vielleicht präziser ausgedrückt Einbettung. Dann klappt das sehr gut und verleiht dem Text Authentizität.
Hm, ich sehe keine Notwendigkeit, ganze Dialoge in einer Fremdsprache zun verfassen. Zumindest nicht bei einem deutschsprachigen Zielpublikum. Das lässt sich, denke ich, eleganter lösen, indem man beispielsweise einen Gruß, einen Fluch, einen Ausruf oder ähnliches, in den Dialog einbaut. So halte ich es zumindest in meinen Thrillern, um dänische, grönländische, englische oder russische Dialoge zu vermeiden. Funktioniert bestens. ![]()
Dazu fällt mir der Dialog in einem Krimi ein. Die Reinigungskraft in einem Hotel (aus Tschechien) diskutierte mit jemanden. Als Zeichen ihrer Erregung, ließ sie die Autorin in ihre Muttersprache zurückfallen. Es folgten zwei drei Zeilen auf Tschechisch in der wörtlichen Rede. Leser die nicht der Tschechischen Sprache mächtig sind (so wie ich) würden kein Wort verstehen. Die Antwort der Diskussionspartnerin „Rosi - ich verstehe kein Wort, bitte sprich Deutsch mit mir“. Nach einem Absatz wiederholte Rosi ihr Anliegen in gebrochenem Deutsch.
Ich fand diese Methode der Darstellung einer Fremdsprache elegant gelöst.
Hängt natürlich von der Szene ab und funktioniert nicht überall - nur als Beispiel einer Lösung gedacht …
@Manuela_K Habe gerade gemerkt, dass mein Beispiel deine Frage nicht korrekt beantwortet. Also ein paar Sätze sollten vertretbar sein. Vielleicht kannst du einfachere Wörter wählen, oder welche, die dem Deutschen ähnlich sind, so dass auch nicht Englisch sprechende den Sinn verstehen.
Im Zweifelsfalle hat heute beinah jeder die Möglichkeit, eins zwei Sätze per Translator auf seinem Smartphone übersetzten zu lassen. Der Einzige Mensch, den ich kenne, der darüber nicht verfügt, ist mein 85jähriger Vater, aber der spricht perfekt Englisch ![]()
Ich halte ein paar Sätze definitiv für zumutbar - besser als irgendwelche erzwungene Kunstgriffe und Fußnoten, die den Lesefluss stören könnten.
Ich verstehe gut Englisch, aber für mich stören fremdsprachige Sätze auf jeden Fall den Lesefluss. Man muss innerlich umschalten, dadurch bin ich erstmal aus dem Fluss der Geschichte raus.
Also ich habe keine Lust, das Lesen eines Romans zu unterbrechen, mir etwas übersetzen zu lassen und dann weiterzulesen. Englisch können mittlerweile ja die meisten, aber was ist mit anderen Sprachen, die zum Einsatz kommen?
Spannende Frage - habe ich noch nie darüber nachgedacht.
Englisch ist meine Firmensprache, aber ich würde es nicht in einen deutschen Roman erwarten oder wollen.
Man stelle sich das einfach mit spanisch vor.
Was ich okay fände „Begrüßungsfloskeln.“
Also im Café ein „Hola! Was kann ich für dich tun?“
und ein „Adios!“ am Ende.
Beziehungsweise Ausrufe „Merde!“ (jaja französisch
)
Aber schon ein „Hasta luego!“ als Verabschiedung, wäre schon ein Fragezeichen, obwohl man weiß „ist wohl irgendwas mit tschüss“
Gerade die Generation unserer Eltern kann manchmal garkein englisch, für die ist es so, als würden sie irgendwas lesen, dass wir nie gelernt haben. Griechisch ![]()
Für jemanden der Englisch kann ist es sicher machbar, dennoch reisen einen Sätze in einer anderen Sprache aus dem Lesefluss. Auch für Englisch gilt, es gibt eine menge Leute die es nicht oder nicht gut können. Textstellen in einer Übersetzter zu tippen, auch wenn es nur einzelne Sätze sind, ist für mich nichts was ich machen will. Das hat nichts mit dem aufwand zu tun, es hat ganz einfach damit zu tun, dass es mich dermaßen aus dem Lesefluss reist, dass ich die Lust verliere überhaupt lesen. Eine Übersetzung gleich hintendran wäre ok, aber eine Fußnote geht höchstens in einem Printbuch, in einem E-Book ist es schon wieder zu aufwendig.
Die englischen Dialoge sind dem Schreibfluss geschuldet, zumal ich sie in einem Land geschrieben habe, in dem ich nahezu ausschließlich Englisch spreche. Ich habe mir schon beim Schreiben gedacht, damit später etwas machen zu müssen, auch wenn mir dann irgendwie die szenische Authentizität fehlt.
… die Burschen quatschen uns weiterhin den Kopf voll. Als sie merkten, dass wir darauf nicht reagierten, begannen sie, uns zu beschimpfen. „This ist not your fucking Germany. This is Afrika. It’s our Continent. Not yours. Go home.“
Als wir endlich aus dem Hafengelände draußen waren, begannen sie auch noch an unserer Kleidung zu zupfen. Da platzte mir der Kragen. „Fuck off!“, schrie ich den vordersten von ihnen an. „Leave us alone. We don’t wanna talk with you and we don’t bye anything.“
„Why did you come to Marokko?“, entgegnete er wütend und sah mich mit wildem Blick an. „Why are you so grumpy? We are no animals, but it seems you are a fucking white rassist. A Nazi!“
Wir ignorierten seine Beschimpfung und folgten der Rue de la Plage, die sich ab der Fährstation entlang der weitläufigen Strandpromenade dahinzieht …
… plötzlich betrat ein kräftig gebauter, junger Marokkaner den Bus und kam direkt auf uns zu. „Show me your Tickets“, sagte er schroff und blickte mich streng an.
„Yes, we have tickets“, entgegnete ich ihm, nahm unsere Fahrkarten aus der Tasche, hielt sie hoch, gab sie aber nicht aus der Hand.
„This is just a ticket“, sagte er. „You need an extra seat reservation.“
Das war eine glatte Lüge, denn wir hatten uns beim Kauf der Fahrkarten danach erkundigt. Zudem standen auf den Tickets die Nummern unserer Sitzplätze. Ich wies ihn darauf hin, was ihn nicht beeindruckte. *
„You have to pay 100 Dirham to me. Now! For both seats.“
Entschlossen lehnte ich ab, was ihn furchtbar zornig machte. „If you dont pay, you have to leave the bus!“, schrie er mir ins Gesicht. Dann wandte er sich in arabischer Sprache durch ein geöffnetes Fenster an zwei Burschen, die neben dem Bus standen. Es machte den Eindruck, als stritten sie sich. Offenbar waren wir beide der Mittelpunkt dieser Auseinandersetzung, denn er wies mehrere Male mit der Hand auf uns. Margit bekam Angst und wollte zahlen, was ich ihr sofort ausredete. *
Eine Reihe vor uns saß ein altes marokkanisches Ehepaar. Der Mann drehte sich zu mir um, während der Typ mit seinen Komplizen außerhalb des Busses beschäftigt war und flüsterte: „Keep still and don‘t worry. This boys are no officials. They are criminals.“
Ich zeigte ihm unsere Tickets.
*„Your tickets are alright“, sagte er. „There is no extra fee for seat reservation.“ *
Der aggressive Marokkaner kam erneut zu unseren Sitzplätzen. Zuerst schrie er den hilfsbereiten Passagier vor mir an, der sofort den Kopf einzog und schwieg. Dann ging es mit uns beiden weiter. „If you don‘t pay for the seats, my friends will kick you out of the bus. Immediately or later on the way.“
Ohne Übersetzung wäre mir das schon zu viel.
Stay calm and don’t worry oder be quiet and don’t worry wäre mehr umgangssprachlich…
Abgesehen davon hast du da natürlich einiges an Englisch drin… Ich denke, dann wäre es besser, den Dialog vielleicht so zu schreiben, dass es definitiv für alle verständlich wäre… Wenn es nur ein, zwei Sätze wären, wäre es, denke ich, verkraftbar… Aber das ist eine ganze Unterhaltung. Mmmhh…schwierig
Ein guter Teil der Handlung spielt in Indien und Marokko. Dort spricht kaum jemand Deutsch, von den Touristen mal abgesehen, aber die spielen in meiner Geschichte keine Rolle. Ich müsste also bei jeder neuen Unterhaltung zuvor darauf hinweisen, dass die Figuren Englisch miteinander reden. Es wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben. Mal sehen.
Danke jedenfalls für euer Interesse und die Tipps. ![]()