Hallo Manuela,
ich betrachte meine Englischkenntnisse als unterdurchschnittlich. Trotzdem empfand ich deinen Text als flüssig und verständlich. Darüber hinaus sorgt das Englisch der Marokkaner für die richtige Atmosphäre. Ich finde Suses Aspekt der Zielgruppe bei deiner Entscheidung noch beachtenswert. Kommst du zu dem Entschluss, dass man in dieser von Englischkenntnissen (Schule) ausgehen kann, tendiere ich fast dazu, dir zu empfehlen, daran nicht viel zu ändern.
Zum Thema Fremdsprache generell: Kürzlich gab es hier eine Leseprobe, die ich leider nicht mehr finde.
Die Autorin begann direkt mit „Il Dolce Segreto“. Mein erster Gedanke dazu: Warum in Herrgotts Namen beginnt sie ihr Buch mit einem fremdsprachlichen Zitat?
Im Kontext zu dieser Diskussion, habe ich nochmal darüber nachgedacht. Was hat sie gemacht?
Trick 1: Sehr einfache Wörter verwendet, die fast allgemein verständlich sind.
Trick 2: Im nächsten Satz hat sie die Übersetzung versteckt geliefert (sinngemäß aus dem Gedächtnis):
… der Schriftzug verriet nicht, was genau sich hinter dem süßen Geheimnis verbarg …
Im Nachhinein betrachtet, genial! Alleine das Wort Geheimnis hookt doch jeden.
Das nur als weiteres Beispiel, wie man mit Fremdsprache im Roman gut umgehen kann. Nur vermutlich in deinem Text kaum umsetzbar.
Erstmal ein paar kleine Hinweise (es sei denn du lässt die Personen extra teils unsauberes Englisch sprechen, was natürlich sein kann):
→ buy
→ Wozu das „*“? Und „sofort“ sticht sich mit „ausredete“, was einen längeren Dialog assoziert. Eher: „was ich umgehend ablehnte“ oder wenn du „ausreden“ willst: „Was ich ihr aber ausreden konnte.“
→ keep calm
→ these boys
Wirkt wegen des „*“ wie eine Fußnote zu oben.
Vielen Dank für deine guten Hinweise, die ich gerne im Feinschliff übernehme!
Ich habe das Marokkokapitel, aus dem die Leseprobe stammt, noch nicht überarbeitet, bin grade dabei. Noch ist es ein Erstentwurf, flott hingeschrieben. Leider ist es mir ein wenig zu lang geraten, es umfasst 38 Seiten.
Da muss wohl noch die Schere ran.
Die Sternchen die du bemängelst, sind eine Folge von verschiedenen Versuchen, den Text kursiv zu kriegen. Irgendwas hat da nicht funktioniert. ![]()
Jetzt meine Meinung zur fremdsprachlichen Umsetzung:
→ funktioniert. Mit „Beschimpfen“ erklärst du es selbst für jemanden, der nichts versteht, aber „fucking“ und „go home“ dürfte sowieso jeder verstehen.
genauso.
Könntest du z.B. schreiben als: "Leave us alone. We don’t wanna talk with you and we don’t buy anything.“ Etwas zu kaufen kam nach diesem Verhalten sowieso nicht in Frage und ich wollte nur noch, dass sie sich verzogen.
Ist mit "Beschimpfung ausreichend Erklärt. „Nazi“ versteht sowieso auch jeder.
könntest du schreiben als: "„Show me your Tickets“, verlangte er schroff, unsere Fahrscheine zu sehen.
könntest du schreiben als „…Das war eine glatte Lüge, denn wir hatten uns beim Kauf der Fahrkarten erkundigt und es gab definitv keinen Aufpreis für eine Sitzreservierung…“ (statt nur „danach“)
→ „You have to pay 100 Dirham to me. Now! For both seats.“, verlangte er stur Geld von uns.
→ und flüsterte: „Keep calm and don‘t worry. This boys are no officials. They are criminals.“, bestärkte er mich in der Auffassung, dass die beiden uns nur ausnehmen wollten und gar keine Schaffner waren.
→ Dann ging es mit uns beiden weiter. „If you don‘t pay for the seats, my friends will kick you out of the bus. Immediately or later on the way", drohte er, uns hinauszuwerfen, wenn er das geforderte Geld nicht bekam.
Mein Fazit ist, dass für mich als Leser bei deinem Textauszug Aufwand und „Ertrag“ in keinem guten Verhältnis stehen. Er ist durch die Mischung von Englisch und Deutsch definitiv anstrengender zu lesen als ein deutscher Text, der Inhalt erscheint mir aber nicht so wichtig für die Geschichte, dass er mich für die Anstrengung ausreichend belohnen würde.
Auch stilistisch erkenne ich in den englischen Sätzen keinerlei Notwendigkeit dafür, sie genau so wiedergeben zu müssen (beispielsweise keinen besonderen Krimihinweis auf den Mörder oder dergleichen, der in irgendeiner Nuance liegen könnte). Den Inhalt könnte der Ich-Erzähler einfach ohne wörtliche Rede wiedergeben, dabei ginge m. E. nichts Wichtiges verloren.
… plötzlich stieg ein kräftig gebauter, junger Marokkaner in den Bus und kam direkt auf uns zu. Mit strengem Blick verlangte er schroff auf Englisch, dass wir ihm unsere Fahrkarten zeigen sollten. Ich nahm unsere Fahrkarten aus der Tasche und hielt sie hoch, gab sie aber nicht aus der Hand. Daraufhin behauptete er, dass wir zusätzlich eine Sitzplatzreservierung bräuchten.
Mir gefällt die Idee, weil sie die Szene glaubhaft macht. Ich denke auch, dass sie auf deutsch nicht so funktionieren würde. Trotzdem würde ich es straffen. Für gebrochenes Englisch sind die Sätze teilweise zu komplex - auch wenn sie beabsichtigt verkürzt sind. Man merkt an machen Stellen aber, dass ihnen das gebrochene Englisch in den Mund gelegt wird. Am Anfang funktioniert es dafür super.
Für ein bisschen Abwechslung könnte man sowas hier stellenweise anders lösen:
Der Mann drehte sich zu mir um, während der Typ mit seinen Komplizen außerhalb des Busses beschäftigt war und flüsterte: „Keep still and don‘t worry. This boys are no officials. They are criminals.“
—> in gebrochenem Englisch erklärte er uns, dass…
geht natürlich eleganter, aber so kann man das Englisch stellenweise vermeiden.
Edit: Ich habe es wieder nicht geschafft, den Beitrag richtig zu zitieren. Entschuldige.
Hinsichtlich Aufwand und Ertrag hast du recht. Ob man das viel zitierte show don´t tell hier anwenden kann? Bitte klärt mich gerne hierzu auf, aber ist es nicht irgendwie sehr tell zu schreiben „verlangte er schroff auf Englisch“?
Ihn dagegen direkt auf englisch Sprechen zu lassen, saugt mich direkt in die Szene hinein, als würd ich selbst in dem Bus sitzen.
Die Umsetzung von @writers_headroom ist echt gelungen. Hut ab - sehr elegant gelöst!
Dieses Thema und die Diskussion finde ich im übrigen angenehm und lehrreich. Über diese Fremdsprachenthematik stolpert doch bestimmt jeder Autor irgendwann.
Mich würde es stören. Aber ich bin auch ein alter weißer Mann. Zumal ich mich fragen würde, warum ein Nordafrikaner in seiner Heimat in englischer Zunge beleidigt. Ich denke er würde laut und in Landessprache rüpeln. Damit seine Landsmänner und -Frauen ihn als Held und Verteidiger der Heimat feiern können. Wenn ich in Frankreich in eine Pfütze latsche, dann entfährt mir nicht unbedingt »merde!«
Als Provokation Gegenüber den Fremden? Ja aber dann wohl nicht in perfektem Englisch, eher als Mischform arabisch- englisch. Und das ist eher schwierig zu vermitteln.
Ich habe in meinem aktuellen Manuskript ein paar kurze Begriffe verwendet, um Charaktere ein wenig authentischer zu gestalten. Eine Chinesin sagt zum Beispiel: „Xie xie, danke.“
Ganze Sätze würde ich nicht in fremder Sprache schreiben.
Ich schreibe dann in einer Fremdsprache, wenn der Angesprochene die Sprache nicht oder kaum versteht. Dann ist es legitim, in meinen Augen. Sonst verwende ich eher sehr kurze Sätze oder auch nur ein paar Brocken. Hier ein Beispiel, Finn kann kein Dänisch, verhört aber zwei Dänen.
»Also in Ordnung, Sie sind dorthin gerudert, weil Sie ungestört unter freiem Himmel ein Schäferstündchen verbringen wollten.«
»Genau.« Der Mann nickte, die Frau fragte: »Hvad sagde han?«
»Han ville vide, om vi knepper der.«
Anhand der Röte ihres Gesichts, die auf die Antwort folgte, konnte Finn sich denken, was er übersetzt hatte.
Jetzt kann sich auch derjenige, der die Sprache nicht kennt, zusammenreimen, was die beiden gesagt haben. Hier finde ich die beiden Sätze legitim. Sonst halte ich es wie @_Corinna.