Guten Morgen,
spannendes Thema für eine Facharbeit – und ehrlich gesagt eine ziemlich clevere Idee, Schule und Hobby zusammenzulegen. Den Titel finde ich übrigens auch erstaunlich passend für eine Facharbeit.
Zu deinen Fragen, wie andere tatsächlich schreiben: Ich glaube, da gibt es fast so viele Antworten wie Autoren.
Bei mir ist es deutlich unspektakulärer, als viele sich das vorstellen. Kein Rotwein, keine Kerzen, kein französisches Café. Ich schreibe meistens einfach am Schreibtisch, mit Kopfhörern und Musik ohne Gesang. Der Grund ist ziemlich banal: Texte mit Lyrics lenken mich ab, weil mein Gehirn anfängt mitzulesen. Instrumentale Musik funktioniert für mich dagegen gut, um in eine Art Tunnel zu kommen.
Die Uhrzeit ist bei mir relativ konstant: später Abend. Nicht unbedingt mitten in der Nacht, aber meistens dann, wenn der Tag vorbei ist und niemand mehr etwas von mir will. Ich habe gemerkt, dass der Kopf dann freier ist, weil keine Termine mehr anstehen und man sich besser auf eine Szene konzentrieren kann.
Vorbereitung mache ich tatsächlich, aber eher minimalistisch. Ich plane selten ganze Kapitel durch. Stattdessen schreibe ich mir vorher nur drei Dinge auf:
- Was soll in dieser Szene passieren?
- Welche Figur steht emotional im Mittelpunkt?
- Was verändert sich durch die Szene?
Das reicht meistens, um loszulegen. Den Rest entdecke ich während des Schreibens.
Eine Methode, die ich allerdings ziemlich gerne benutze – vor allem beim Worldbuilding – nenne ich für mich selbst die „Regel-Methode“. Die funktioniert ungefähr so:
Am Anfang definiere ich ein paar grundlegende Regeln für die Welt. Das können gesellschaftliche Regeln sein, physikalische Regeln oder auch Dinge wie Magiesysteme. Zum Beispiel:
- Magie kostet körperliche Energie.
- Niemand darf dem König direkt in die Augen schauen.
- In dieser Welt können Erinnerungen gestohlen werden.
Wichtig ist dabei nicht nur die Regel selbst, sondern warum sie existiert. Sobald man eine Begründung hat, wird die Welt automatisch konsistenter.
Der zweite Schritt ist dann der eigentlich interessante:
Ich überlege mir eine Figur, die diese Regel bricht.
Also zum Beispiel:
- Was passiert, wenn jemand zu viel Magie benutzt?
- Was passiert, wenn jemand sich vor dem König nicht verbeugt?
- Was passiert, wenn jemand versucht, gestohlene Erinnerungen zurückzugeben?
Und dann denke ich die Konsequenz konsequent zu Ende. Manchmal ist sie brutal (Tod, Verbannung, Katastrophe), manchmal überraschend klein oder politisch kompliziert.
Das Spannende daran ist, dass man dadurch seine Welt besser kennenlernt. Man definiert nicht nur den „Normalzustand“, sondern auch die Grenzen des Systems. Und selbst wenn diese Regelbrüche nie in der eigentlichen Geschichte vorkommen, helfen sie dabei, dass sich die Welt glaubwürdig anfühlt.
Ich benutze diese Methode oft am Anfang eines Projekts, aber auch später noch, wenn ich merke, dass ein Teil der Welt noch zu vage ist.
Ob das eine „offizielle“ Methode ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich bin irgendwann selbst darauf gekommen, weil mir klassische Worldbuilding-Listen oft zu statisch waren. Mir hilft es mehr, Systeme über ihre Bruchstellen zu verstehen.
Vielleicht hilft dir das ja für deine Sammlung an Schreibmethoden.
Und viel Erfolg mit der Facharbeit – das klingt nach einem ziemlich spannenden Projekt.
(Als Quelle darfst du meinen Beitrag gerne zitieren.)