Um so länger ich am Rohentwurf meines Buches herumwerke, ums länger wird die Liste der handelnden Personen (derzeit über 100 und es ist kein Ende in Sicht). Ich verwende die Figurendatenbank, um die Übersicht zu behalten, aber diese Vielzahl an Personen kann für Leser nur völlig verwirrend sein. Wie bekomme ich zu einer überschaubaren Besetzung, ohne die Handlung bis zur Unkenntlichkeit zusammen zu stutzen? Wann kann ich eine Person anonymisieren . Hat jemand hilfreiche tricks? Falls es überhaupt allgemein gültige Lösungen für so ein problem gibt.
Ich hab dazu mal eine schöne Regel gelesen, die ich seitdem zu beherzigen versuche: Jede Figur, die keine bleibende Rolle hat, ist ein Statist. Und Statisten brauchen keine Namen.
Das klappt nicht immer, weil manche Passagen zu komplex sind und noch komplexer werden, wenn man immer mit anonymisierten Sätzen arbeiten will. Aber grundsätzlich funktioniert es ganz gut.
Manchmal hat man auch Handlungen mit Figuren, die man zusammenführen kann. Sind sich Figuren so ähnlich, dass man sie verwechseln könnte. Hat eine Figur nur eine kurze Rolle, die jemand anders übernehmen könnte. Sowas macht einem manchmal Kopfzerbrechen, weil man dann doch an einer Kleinigkeit hängt. Man muss sich dann manchmal sagen, dass verminderte Komplexität der Geschichte es möglicherweise manchmal (nicht immer) wert ist, auf eine „schöne“ Stelle zu verzichten.
Und schließlich gibt es auch Handlungen, die ganz rausfliegen können. Wenn du 100+ Figuren hast, könnte es sein, dass du irgendwo einen losgelösten Handlungsstrang hast, den du einfach rauswerfen kannst. Tom Bombadil wird ja immer mal als sowas diskutiert und ist tatsächlich genau aus diesen Gründen in den Filmen nicht vorhanden. Und - siehe mein Absatz vorher - einige seiner Texte hat Baumbart übernommen. Meiner Erinnerung nach das „Grabt tief, fresst Erde“ oder sowas.
Über 100 Figuren? Was schreibst du denn für einen Roman? Welches Genre?
mein größter Schmerz an den LOTR Verfilmungen - dass man Tom Bombadil rausgeschmissen hat !
U N V E R Z E I H L I C H !!! ![]()
Sport - mit autobiografischen Zügen …
Und das es mannschaftssport war/ist, kommen da schnell haufenweise Figuren zusammen. Allein im eigenen Team komme ich mit Staff auf 61 Personen …
Das ist sehr gut formuliert.
Ich neige aktuell dazu bei einigen Passagen diese Regel zu brechen, weil ich z. B. das Kleinstadtfeeling atmosphärisch betonen möchte. Quasi Implikationen ohne Inhalt. (Hubers alter Hof, entlang Krusemarks Feldern, das Haus, wo der alte Wilhelm sich erhänkte…).
Aber die Grundregel ist perfekt getroffen!
Manchmal muss man es brechen. Es stellt sich dann nur auch die Frage, ob ich diese Figur dann überhaupt in die DB mit aufnehmen muss. Sie hat ja dann nur einen Namen, aber sonst keine besondere Identität.
Meine Bücher haben so zwischen 70 000 und 100 000 Wörtern. Wenn es ein Krimi ist und 70 000 Wörter hat, reichen mir zwölf bis fünfzehn Personen. Ich habe zwei Ermittler und einen Gehilfen. Dann die Leiche, das macht vier Leute.
Jetzt bleiben nur noch zehn für die Angehörigen, die Verdächtigen, und eine Person muss der Mörder sein. Du kannst dir vorstellen, dass ich an der untersten Grenze operiere, es soll ja kein Kammerspiel werden. Aber so wenig Leute und dann soll der Krimi noch spannend sein? Ja, es geht. Pro hundert Seiten fünf (neue) Leute, ist vielleicht eine Faustregel. Historische Romane haben oft mehr, Liebesgeschichten eher weniger. Merke: Je weniger Leute, desto besser für den Leser und das Verständnis.
Du kannst dir aus deinem Team drei bis sechs Leute raussuchen, die Namen bekommen, der Rest ist Staffage. Jeder von denen muss einzigartig sein und einen einzigartigen Namen oder Spitznamen bekommen. Es gibt kaum was Schlimmeres als Jim, Bob, Steve, Ben und Dave. Der Trainer heißt schlicht Trainer oder Coach, der Goalie kann Goalie heißen, etc.
Erinnerst du dich an »Lost«? In den Totalen wuseln immer mehr Piepels herum, als letztlich mitspielen und Sprechrollen haben. Sie füllen nur visuelle Lücken auf, treten aber kaum je in Erscheinung, außer für Einzeiler oder Schockmomente. Statisten, die nur selten gebraucht werden. Andernfalls würden die Zuschauer keinen zweiten oder dritten Teil ertragen wollen.
Frauen kommen mit mehr Namen zurecht als männliche Leser, sie lernen von klein auf und selbständig soziale Interaktionen. Wer wann mit wem und warum, das können sie sich oft besser merken als Männer. Achtung, das war Küchenpsychologie, wir haben einen unter uns, der achtet genau darauf. Das ist alles meine Meinung! Für diejenigen, die immer einen Haken suchen, an dem sie mich aufhängen wollen.
„Der Stürmer“ - „Der Verteidiger“ - „Linksaußen“ … ![]()