Über den Sinn und Unsinn des Farbschnittes zu reden lasse ich mal lieber, die Bücher gehen wie geschnitten Brot.
Ich habe auf der Buch Berlin eine Diskussion über das Thema mitbekommen, habe mich an einem Kaffeetisch gerade etwas erholt.
Zwei junge Frauen, im Alterschätzen bin ich ne Niete, aber sicher kaum aus der Schule raus, haben das ausführlich durchgehechelt.
Tenor: Ich kaufe die Farbschnittbücher fürs Regal, zum Lesen kaufe ich ein zweites Exemplar ohne.
Ich sehe da Umsatzpotenzial.
In den letzen Wochen habe ich Google, YouTube und KI bemüht, aber es gibt keine praktikable oder bezahlbare Lösung im Selfpublishing …
… bis ich auf die indirekten Farbschnitt gestoßen bin. Bei BoD oder sicher anderen Anbietern kann man sein Buch auch mit Beschnittrand einreichen, damit randfüllenden Bilder nöglich sind.
Diese Randbilder lassen sich nun so gestalten, dass man die Farbe, i. d. R. nur schwarz, erkennen kann, wenn das Buch geschlossen ist. Et Voilà, der Farb-, ich meine SW-Schnitt, ist da.
Hat das jemand von euch schon mal gemacht? Es gibt sogar Software, die ein Bild in entsprechende Scheiben zerlegt. Dann nur noch einen Zierrand für jede Seite machen und dem Doppelverkauf steht nichts im Weg.
Ist Aufwand, aber sogar in Papyrus möglich.
So sieht´s aus. Und es gibt nicht wenige Käufer, denen es tatsächlich nur um den optischen Aspekt beim Buch geht: das Buch als reines Sammelobjekt. Es gibt schon DIY-Influencer, die tatsächlich sehr gute Artworks mit aufwändig und gekonnt gemalten Schnitten zeigen. Den Buchauftritt aufzupeppen ist auch mit Präge-/Reliefdruck oder Metall-/Spotlack möglich, doch auch ihr sind die Mehrkosten nur von Verlagen zu stemmen, die eine hohe Auflage produzieren, weil auch die zu erwartenden Verkäufe stimmen. Achtung – nur meine persönliche Meinung: Viele der letzten Fitzeks sind deshalb so beliebt, weil die Cover z.T. wirklich originell sind, wohingegen der Inhalt immer bescheidener wird. Ich erinnere mich an die nachtleuchtende Hand von „Noah“ (?), die mich, da ich es zuvor nicht wusste, zu Tode erschreckt hat, als ich im Dunkeln pieseln ging und sie auf dem Nachttisch grellgrün leuchtete.
Natürlich sind es nur Äußerlichkeiten, aber es wäre wünschenswert, könnten einige Druckdienstleister zumindest bspw. Effektlack gegen angemessenen Aufpreis anbieten. Prägedruck und Farb-Schnitt sind natürlich für On-demand-Produkte definitiv zu teuer, weil der Herstellungsprozess nur Sinn macht, wenn die Abnahme groß genug ist. Ansonsten stimme ich @Carlo-Valentino zu:
Hätte ich das Budget, würde ich es ebenfalls primär in den Inhalt investieren und in ein schlichtes ‚normales‘ Cover.
Früher gab es das auch schon. Vornehmlich wurden Farbschnitte an Schulbüchern vorgenommen. Allerdings mit blauem Kugelschreiber. Etwas anderes gab es ja nicht.
Ich bin froh, wenn junge Menschen sich für Bücher interessieren. Und sei es nur, um damit das Zimmer für Insta und Co zu dekorieren. Für den SP Bereich sehe ich da keinen Sinn. Wie soll man damit seine Reichweite erhöhen? Man will doch erstmal gefunden und gelesen werden, um dann irgendwann, vielleicht , gehypt in einem Sammelregal eines Teenies zu stehen.
Auch wenn wir es nicht immer gerne zugeben, wir lassen uns optisch verführen. „Der Mensch ist ein Augenwesen“, meinte schon daVinci und das stimmt, oder tritt irgendjemand im Arbeitsoverall vor den Traualtar oder geht in der Badehose und Asiletten zum Bewerbungsgespräch? Also, gönnen wir unseren Büchern doch auch einen adretten Auftritt.
Nein, zum Glück nicht. Meine zwei Chefinnen waren sprachlos.
Wenn ich aber an meinen alten Chef denke, den alten Lustmolch, der hätte sie bestimmt genommen.
Ja. Ich. So geschehen 2011. Zwar nicht im Arbeitsoverall, aber in Jeans, Pulli und abgegrabbelter Kunstlederjacke, wenn ich mich richtig erinnere. Ich hatte das an, was ich eben immer so anhabe. Gut, es war kein Altar sondern das Standesamt, doch eine kirchliche Trauung gab es eh nicht.
Das hört sich immer so an (nicht von dir sondern ganz allgemein hier im Forum), als ob das jeder bezahlen könnte und bloß nicht wollte. (Stichwort: Lektorat).
Ich kann weder das „müsste/sollte“ bezahlen, noch das „schön wäre“. Mein Schreiben verstehe ich als Hobby mit einer Prise Sucht. Für andere gelten sicherlich andere Fakten.
Aber ich weiß auch, dass etliche SP-Dienstleister (sie sprießen ebenso flott aus der Erde wie neue Schreibwütige) sich ein Loch in den Rücken freuen, wenn enthusiastische und ein wenig blauäugige Neulinge in die Eigenbestellfalle tappen. Die verständliche Freude „selbst ein eigenes Buch in den Händen zu halten“ macht sie blind und die Dienstleister freut´s.
Nach diesem Prinzip arbeitet bspw. auch ein Anbieter (der mit dem roten Baum) in Kooperation mit einer Buchhandelskette und generiert über zweifelhafte Wettbewerbe immer neue Autoren und Autorinnen. Ich selbst habe dort einmal mitgemacht (ohne Eigenbestellung) und werde aber demnächst mein Buch dort zurückziehen, weil ich die Firmenphilosophie fragwürdig finde.
Ich weiß, das war im allerengsten Sinne off-topic, aber es ging zumindest um SP-Dienstleistungen.
Das gilt für nahezu jede Druckleistung. Ich kreiere aus Lust und Laune zu jedem meiner Bücher als werbliche Unterstützung Lesezeichen als Give-away, bzw. als Kaufversion und auch dort kosten sie auf das Stück gerechnet immer weniger, je höher die Stückzahl ist. Logisch, denn die Vorbereitung und das Einrichten der Druckmaschinen mit allem Drum und Dran ist das teuerste, egal wie viele die Maschine nachher ausspuckt (da zählt fast nur noch der Papierpreis).
Da habe ich wohl eine Grundsatzdiskussion losgetreten.
Ich stimme dem überwiegenden Anteil der Meinungen zu, was Inhalt und Form angeht.
Eines taugt nicht nur durch das andere. Wäre doch geil, wenn ich beides haben könnte. Super Inhalt, den haben wir eh schon fast alle, und dann noch einen Augenschmeichler.
Achtung, Laienmeinung, keine Rechtsberatung:
Ich fürchte, wenn man sich um die Druckerei und dann um den Vertrieb dieser gedruckten Exemplare selber kümmern würde, könnte man rechtlich aus der freiberuflichen Autorentätigkeit in die gewerbliche Verlagstätigkeit rutschen, mit Konsequenzen wie Gewerbeanmeldung etc.