Experten für den fränkischen Dialekt gesucht!

Mir wurde hier neulich schon einmal sehr gut in Sachen Fränkisch geholfen, insofern hoffe ich, auch ein zweites Mal unterstützt zu werden … Vielen Dank im Voraus! Zu meinem Hintergrund: Ein bisschen kenne ich mich aus, da ich fünf Jahre in Nürnberg gelebt habe. Aber ich bin natürlich bei weitem kein „Muttersprachler“, daher dieser Post.

Ursprünglich hatte ich vor, in meinem aktuellen Roman(-Projekt) komplette Dialogzeilen ins Fränkische „zu übersetzen“, habe diese Idee aber mittlerweile verworfen (zu schwer verständlich für Nicht-Franken bzw. Gefahr zu großer Fehlerhaftigkeit). Stattdessen werde ich auch die im Roman vorkommenden (eigentlich dialektsprechenden) Franken Hochdeutsch sprechen lassen, ihre wörtlichen Reden aber mit einigen dialektalen Ausdrücken „würzen“. Ich versuche dabei, Wörter bzw. Ausdrücke zu finden, die im Hochdeutschen untypisch wären (statt Wörter, die in beiden „Sprachen“ existieren, so zu schreiben, wie Franken sie aussprechen) – eben um die jeweilige Figur als Dialektsprecher zu kennzeichnen.

Nun zu den Fragen:

  1. Ist es möglich, „Gwerch“ zu veranstalten (im Sinne von: Durcheinander anrichten / sich chaotisch verhalten)? Ergibt diese Kombination einen Sinn? Wenn nein, welches andere Verb könnte ich hier wählen?
  2. Gaudi [haben/ham]“ klingt für mich eher bayrisch als fränkisch. Falls ich da den richtigen Instinkt haben sollte: Was wäre eventuell eine Alternative? (Mit „Spasss“ o. Ä. wäre mir nicht geholfen – siehe oben …)
  3. Ist die Anrede „Boum“ – alternativ: „Burschn“ – denkbar (im Sinne von: „[Hey,] Jungs …“)?
  4. Kann die Äußerung „A ganz schöner Hund bist du!“ in etwa die Bedeutung von „Du bist ein echter Teufelskerl / ein krasser Typ!“ (beides im positiven Sinne) haben?
  5. Wäre es wahrscheinlich, dass ein etwa fünfzigjähriger Sprecher das Wort „saugut/sauguad“ verwendet? Hierzu ist noch zu sagen, dass der Roman im Jahr 2001 spielt (also dass der damals Fünfzigjährige heute über siebzig wäre). Die Frage wäre also eher, ob das Wort jugendsprachlich klingt oder nach deftiger, altersunabhängiger Umgangssprache.

Generell möchte ich noch anmerken, dass es um die Region Nürnberg geht (Franken ist ja relativ groß).
Vielen Dank!

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Nachtrag: Mir würde es auch schon helfen, wenn EINE der Fragen beantwortet würde …

Gebürtige Fränkin hier … allerdings Dialektniete (zu viel Berlin und Nordsee in der Familie) und richtig fränkisches Gebabbel versteh ich auch nicht :smiley:
Wenn sich kein anderer findet, kann ich den Mann mal fragen, der kann das etwas besser.

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(Beitrag vom Verfasser gelöscht)

Jedenfalls vielen Dank für deine Rückmeldung! Bin ebenfalls eine Dialektniete in Bezug auf mein Heimat-Bundesland Hessen …

Du solltest ganze Sätze schreiben, weil alleine die Satzstellung für einzelne Wörter eine andre Einfärbung bedeuten könnte. Übrigens Bayrisch und Fränkisch ähneln sich sehr. Deutlich Fränkisch ist, wenn Konsonanten weich ausgesprochen werden. Manche Wörter können auch Ortsbezogen verschiedene Bedeutungen haben. Es gibt ein online Wörterbuch für Bayrisch aber ein fränkisches habe ich Online noch nicht gefunden. Bayerisch-Übersetzer — von Deutsch auf Bayrisch und zurück | Polytranslator

Du könntest aber auch fränkischen Dialekt in deinem Buch eindeutschen, insbesondere bei Wörtern, die ein norddeutscher schwer interpretieren könnte.

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(Beitrag vom Verfasser gelöscht)

Vielen Dank für deine Rückmeldung. Ich höre schon einen deutlichen Unterschied zwischen Fränkisch und Bayrisch, aber eine Grundähnlichkeit gibt es sicherlich, allein aus geografischen Gründen … Ob Sätze oder Wörter - das werde ich im Einzelfall abwägen müssen …

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Ein kleiner Ausschnit aus meinem Buch “Das Vermächtnis der Vase”

„Sie is friedli eigschlafn“, flüsterte Emmi ihm zu, während er sich über die Leiche beugte. Die Tränen bahnten sich ihren Weg durch die tiefen Falten ihres Gesichts. „Der liebe Gott hat ihr den Wunsch erfüllt, im Schlaf gehn zu dürfn. I dank ihm dafür vom ganzen Herzn, des könnens mir fei glaum, Herr Dockter.“ Ihre Stimme brach

Der Arzt, ein gebürtiger Westfale, der sich über die Jahre den weichen fränkischen Dialekt angeeignet hatte, legte ihr tröstend den Arm auf die Schulter. „Kommens, setzens erna do in den Sessel nei“, sagte er sanft. „I geb erna jetzt a kleins Schpritzerl, dann wirts scho wieder.“

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(Beitrag vom Verfasser gelöscht)

Liest sich gut, vielen Dank … Beantwortet allerdings meine Fragen nicht eigentlich :wink:

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Ich wollte dir nur zeigen wie ich das gelöst habe und es dadurch lesbar geworden ist.

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  1. Ja passt - auf fränkisch: bassd. Wobei der fränkische Konsonant nicht rein weich ist, sondern eine Mischung aus hart und weich.
  2. Muss ich erst überlegen oder jemanden fragen. Aber du hast recht. Gaudi sagen die Franken eher nicht. Eher „Fez“, aber das ist out.
  3. Boum passt.
  4. Würde ich kürzen: „Bist a Hund!“
  5. Vielleicht „supergut“? Ich frag mal jemanden.
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Hi,
Als nicht Mutterdialektler würde ich mir das auf keinen Fall antun. Bei den Eingeborenen ziehst du dir da schnell einen Schiefer ein. Auch wenn Fränkisch dem Bayerischen ähnlich ist, gibt es feine Unterschiede mit gravierender Wirkung.

Beim Dialekt, egal welchem, kommt es auf die Feinheiten an. So wie bei @RudolfH

Das “fei” ist so ein winziges Detail, das den Profi ausmacht.

Deine Fragen kann ich dir nur bedingt helfen, da kein Franke:

  1. Gwerch und veranstalten lässt sich nicht kombinieren.
  2. Gaudi halte ich auch eher für Oberbayerisch
  3. Boum passt
  4. A ganz schöner Hund bist du - liest sich bei mir erzwungen und gestelzt, wie gewollt und nicht gekonnt. Als Beispiel ein Zitat aus einer bayerischen Fernsehserie: “A Hund bist fei scho Franze …” liest sich ganz anders - da habe ich sofort den Klang im Ohr.
  5. Im Bayerischen wäre zum Alter passend pfundig oder bärig. So was gibt´s in die Richtung gibt’s bestimmt auch im Fränkischen
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Da hast mir geholfen, fei wergli :wink: … Vielen Dank! Falls du eventuell noch zu Punkt 2 und 5 etwas “recherchieren” könntest, wäre das natürlich super …

Wie ich schon geschrieben habe, kommt es auf den Satz an

Du konnst ned so a Gwerch anrichten, heist in dem Moment „Unordnung“, oder mach ned so a Gwerch drum, heißt in diesem Moment „Aufsehen“

Kennt ma a rechte Gaudi hom.

Boum passt nicht, Buam ist Bayrisch und Mehrzahl, Bua auch Bayrisch / Fränkisch wenn es auf eine Person bezogen ist. Bübla wenn es auf ein Kind bezogen ist oder man jemanden erniedrigen will.

A ganz schöner Hund bist du, passt nicht. A Hund bist a ausgfuxter oder A Hund bist scho.

Sauguad ist eher Bayrisch, würde aber ein Franke ähnlich aussprechen.

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Weich ist weich und hart ist hart, aber ollerweil weich ist auch hart.:blush:

Vielen Dank für die Rückmeldung. Dass ich’s mir antue ist schon nicht mehr die Frage, eher wie:wink: Aber - um das für etwaige weitere Kommentatoren nochmal deutlicher zu machen - ich will ja auch keinen Dialekttext schreiben (Derartiges finde ich persönlich extrem anstrengend zu lesen, unabhängig davon, ob es ein Dialekt aus der eigenen Region ist oder nicht), sondern nur hie und da ein wenig sprachliches Lokalkolorit einbauen. Es ist ja auch im realen Leben so, dass nicht jeder durchgängig Dialekt spricht. Viele verwenden eher nur bestimmte Wörter oder Wendungen. Beispielsweise würde ich als gebürtiger Frankfurter durchaus “Ebbelwoi” sagen, obwohl ich ansonsten Hochdeutsch spreche.

Deswegen auch meinen kurzen Abschnitt aus meinem Buch, wie ich es gehandhabt habe.

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Danke. Lebst du denn in Franken oder kommst du von dort? Das wäre ja das Entscheidende. Ich habe wie gesagt eine Zeitlang in Nürnberg gelebt, das liegt jetzt aber einige Jahre zurück.