Ist es für die Geschichte wichtig, dass er 49 oder 55 ist?? Ich kann Dir nicht folgen. Es ist doch sinnvoll, mitzuteilen, in welchem Lebensalter sich ein Protagonist befindet? Ob er ein Kind ist, ein Erwachsener, ein Greis?
Aber es ist nicht nur der „String Of Consciousness“ von Alizea.
Gleichzeitig verbiegt sich das Erdmagnetfeld und Sonnenstürme, in vergleichbarer Stärke des Carrington-Ereignisses, 1859, verwüsten gebietsweise technische Einrichtungen. Polarlichter durchziehen die Thermosphäre und reichen über den Äquator.
Sind Alizeas plötzliche psychische Verwirrtheit und innere Unruhe von den Sonnenstürmen beeinflusst?
—u.s.w.
Das war meine Erfahrung. So in dem Stil, wie hier kritisiert wird, dachte ich dieser Schriftsteller wird es reißen, wenn er so hochgelobt ist.
Heißt ja immer, der erste Satz ist so wichtig.
Ist nur meine bescheidene Meinung.
Es liegt in der Natur des Schreibhandwerks, dass es ein Handwerk ist. Wie jedes andere Handwerk auch benötigt es Übung und die Bereitschaft, sich stetig weiterzubilden. Eine Geschichte erzählen zu wollen, ohne sich vorher in der nötigen Tiefe mit Dramaturgie, Erzähltechniken, Perspektive, Figurenentwicklung, Aufbau und Halten von Spannungsbögen etc. beschäftigt zu haben, killt ein Projekt, bevor es überhaupt eine lesefähige Form gefunden hat. Vor allem aber ignoriert es die Bedürfnisse und Erwartungen der Leserinnen und Leser. Und das ist – sorry, wenn ich da so deutlich werde – eine Todsünde für jede Autorin und jeden Autor.
Deshalb, liebe Maajabu, meine Empfehlung: Versenke dich noch einmal in die schreibhandwerklichen Techniken. Vielleicht wirst du dann das wirkliche Potenzial deiner Geschichte entdecken und etwas schaffen, was deine Leser mitreißt.
Nochmal danke: Drama ist nun wie folgt:
Das Ritual ist die Beschneidung eines Mädchens. Es stirbt. Emma hatte schon eine negative Vorahnung. Das Ritual wurde gestört durch plötzlich auftretende Aurora Borealis. Der Geist des Mädchens teilt sich. Eine Hälfte wird erfolgreich zu den Ahnen geschickt. Die andere Hälfte verschwindet.
Alizea, die einen afrikanischen Vater hat, träumt von dieser Waldlichtung. Der verschwundene Geistanteil besetzt sie. Sie wird irritiert, angespannt. … Ihr Freund beruhigt sie und rät ihr zu einer Analyse.
Nochmal danke.
Gewollt? Schön, aber woher soll der Leser das wissen?
Du bringst da was durcheinander. Die Figuren dürfen sich langweilen, kein Problem, die Beschreibung dieses Zustandes allerdings nicht.
Beim Schreiben kannst du so ziemlich jede Regel brechen, aber diese eine verzeiht die Leserschaft am allerwenigsten: Wenn man sie langweilt!
der allerschlimmste Grusel funktioniert ganz ohne Brutalität, Blut und herumfliegende Körperteile. Wie @michel sehr richtig sagt: Horror ist das, was stattfindet, bevor die Axt geschwungen wird.
Könnte sein. Aber wenn man das Buch nach dem ersten Satz zuklappt (Respekt, das habe selbst ich noch nicht geschafft), wird man nie erfahren, ob es nicht eine wesentliche Rolle spielt.
Es gibt auch viele Krimis ganz ohne Leichen. Genauso wie sehr vieles aus der Fantasy völlig ohne „Elfen, schräge Namen und verrücktem Kram“ auskommt.
So in etwa weiß ich schon ganz gerne vorher, in welche Richtung ein Buch geht. Wenn ich Lust auf ein Mittelaltersetting habe, will ich keinen Thriller, in dem ein thailändischer Mädchenhändlerring ausgehoben wird, wenn mir nach einem englischen Krimi mit komplizierten Verwicklungen ist, brauche ich keinen esoterischen Plot.
Spannung entsteht bei weitem nicht nur dadurch, dass spannende Dinge passieren, sondern mindestens genauso durch die Art und Weise, wie erzählt und beschrieben wird. Umgekehrt kann die spannendste Sache todlangweilig rüberkommen, wenn der Autor nicht weiß, wie er es richtig vermitteln soll.
Wenn du auf den ersten 20 Seiten die Leser langweilst, klappen die das Buch zu, lange bevor sie auf Seite 21 die tolle, spannende Wendung erreichen.
Mit dem Schreibstil kann der Autor so ziemlich jede Stimmung vermitteln, Suspense hochschrauben, Dynamik aufbauen, Tempo herausnehmen und so einiges mehr. Genau das zählt ja zur hohen Kunst des Schreibens, es geht bei Weitem nicht nur darum, was erzählt wird, das Wie ist mindestens genauso wichtig.
Und jede Geschichte setzt sich nun einmal aus lauter einzelnen Sätzen zusammen
Oder auch, wenn überhaupt keine Axt geschwungen wird.
Siehe HAL aus A space Odyssee. Das Ding ist nur ein Lämpchen. In Zusammenhang mit der Stimme, die man nie wieder vergisst, wird Horror erzeugt. Zumindest bei mir. Genial einfach und sehr wirkungsvoll, ergänzt um das, was HAL sagt. Ohne jegliche Aggression in der Stimme.
Ich empfehle zum Thema Spannung gerne das Buch „Vierzehn“ von Tamara Bach (die mein ganz persönlicher Benchmark ist.) Es handelt sich um die Beschreibung eines einzigen Tages im Leben eines Teenagers und dabei passiert - genau nichts! Und dennoch gelingt es Bach eine ständig steigende Spannung reinzubringen, dass man meinen könnte, es fliegen einem gleich die Sicherungen aus dem Schädel. Wow!
Die Welt ist viel grösser, schöner und schrecklicher, als man es sich einsam vorm Bildschirm ausmalen könnte. Und: sie fängt erst jenseits des eigenen Tellerrandes an.
In einem skandinavischen Krimi (weiß leider den Titel nicht mehr) hat das Ermittlerteam über mehrere Seiten ein paar winzige, kaum sichtbare Steinchen analysiert.
Klingt sterbenslangweilig, war aber so toll geschrieben, dass man atemlos an jedem Satz hing.
— das die Welt erst jenseits des eigenen Tellerrandes anfängt, würde ich keinesfalls unterschreiben - das wäre ja tatsächlich echter „Horror“
Im Ernst: was ich mitunter festzustellen glaube: es fehlt (liegt’s am Alter?) in manchen Fällen an einer gewissen „Demut“. Talent spielt sicherlich eine Rolle, aber die Auseinandersetzung mit und die Übung im Schreibhandwerk (ich glaube @Orlando hat es in diesem oder einem anderen Strang gerade sehr schön zusammengefasst) ist doch die Basis allen Gelingens? Ich fühle mich da selbst noch sehr am Anfang, lese daher sehr interessiert hier mit, studiere einschlägige Fachliteratur, schaue beim Lesen meinen Vorbildern über die Schultern und bin noch mit fast keinem Satz, den ich selbst aufs virtuelle Papier bringe, zufrieden. Und: Mitunter beneide ich aufrichtig - aber trotzdem etwas genervt - das Selbstbewusstsein, mit dem andere Schreibanfänger hier auftreten, etwa den ersten Satz eines Andreas Eschbach mal eben in die Tonne klopfen und anderen „die Welt erklären“.
Eigentlich stimme ich dir zu. Hast ja auch ein Herzchen bekommen. Aber Selbstbewusstsein kann nicht schaden und warum sollte man erfolgreiche Autoren nicht kritisieren dürfen? Ob man es selbst besser kann, steht auf einem anderen Blatt.