Eine Lanze für die Bauchschreiber:innen

Liebe Papyrus-Community,

mit Interesse habe ich in den letzten Jahren im Netz Diskussionen verfolgt, in denen die meisten Kommentatoren sich bei der Frage „Bauchschreiber oder Plotter“ für das Plotten aussprachen, wobei viele einräumten, die Wahrheit würde oft in der Mitte liegen.

Ich habe einiges über Plotmuster gelernt: Die Heldenreise, das 3-Akt-Modell, die Schneeflockenmethode und einige andere Varianten. Bei mancher Kurzgeschichte, die ich geschrieben habe, habe ich mich am 3-Akt-Modell orientiert, andere habe ich aus dem Bauch heraus geschrieben.

Vor einigen Wochen las ich „Das Leben und das Schreiben“ von Stephen King und erinnerte mich an Stimmen im Netz zu dem Buch, die sagten, dass Stephen King nur deswegen gute Bücher schreiben könne, ohne zu plotten, weil er schon im Studium die Stufen der Dramaturgie erlernt und als Englischlehrer über bedeutende Werke gelehrt hatte. Stephen King habe deswegen die Gesetzesmäßigkeiten funktionierender Handlungsverläufe im Blut. Nur deswegen könne er spontan erfolgreich schreiben (In „Das Leben und das Schreiben“ habe ich gelesen, dass er zwischen situationsbasierten und handlungsbasierten Büchern unterscheidet. Aus dem Bauch könne man gut schreiben, wenn man in einer erdachten Ausgangssituation startet und drauf losschreibt - z. B. nach der Frage: Was wäre wenn … -um langsam und sorgfältig das Skelett der Geschichte auszugraben, die schon immer existiert und darauf gewartet hat, entdeckt zu werden.)

Ich glaube, dass bei der Frage, nach welchem System wir schreiben, die eigene Persönlichkeit eine bedeutende Rolle spielt.
Was ich in den letzten Jahren vermisst habe, war der Bericht von erfolgreichen Autoren, die voller Überzeugung á la Stephen King aufs Plotten verzichten.
Heute habe ich den Podcast „Erfolgreich schreiben!“ von Anja Niekerken entdeckt und in das Interview mit Sabine Thiesler reingehört. Sie schreibt Krimis. Ich habe mich gefreut, von einer begeisterten Bauchschreiberin zu hören, die natürlich nachher viel überarbeiten muss, aber hundertprozentig davon überzeugt ist, dass ihr bester Weg zu schreiben darin besteht, mit dem Schreiben zu beginnen, ohne etwas über das Ende, den Anfang, die Mitte oder die Figuren zu wissen.

Ihr Argument, dass sie ihre Bücher gerne als Leserin entdecken möchte und sich immer wieder beim Schreiben überraschen lassen will, kann ich gut nachempfinden. Ich genieße es auch, mich überraschen zu lassen. Das ist wie Kino, nur viel besser.
Ich habe Teile mehrer Romanmanuskripte in der Schublade, bei denen ich irgendwann nicht weiterkam.
Das Interview hat mich ermutigt, es noch mal mit dem Bauchschreiben zu versuchen - einfach, weil es mir am meisten Spaß macht.

Auf der Webseite von Richard Norden ( http://blog.richardnorden.de/ ) habe ich schon vor einigen Jahren von spannenden Methoden gelesen, die helfen, sich als Bauchschreiber zu organisieren. Manchmal funktionieren auch Hybridlösungen.

In Papyrus lassen sich die Pitches, Charakterbeschreibungen, Notizen und die Timeline ja auch prima während des Schreibprozesses erstellen, z. B. nach dem Schreiben einer Szene, sodass sich logische Fehler, die sich beim Schreiben aus dem Bauch schnell einstellen, vermeiden lassen.

Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Bauchschreiben?

Es freut mich, dass hier ein so reger Austausch staffindet. Das gibt mir das Gefühl, mit den Gedanken aus der Schreibwelt nicht alleine dazustehen.

Ganz liebe Grüße und ein schreibrauschiges Wochenende wünsche ich euch!

Sebastian Domke

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Guten Abend Sebastian,
dass finde ich ein überaus spannendes Thema, dass du hier zur Diskussion anregst.

Meine ersten Minigeschichten entstanden in einer Schreibwerkstatt, wo ich auch einfach drauflos schrieb. Schreibanregung waren dort oft Postkarten.

Bei den Kurzgeschichten fange ich auch mal an zu schreiben, sobald ich eine Idee habe. Wenn der erste Schreibfluss abebbt erstelle ich dann ein Gerüst wo ich mit der Geschichte hin will. Es kann durchaus passiere, vor allem bei SF oder Fantasy, dass ich so in der Geschichte eintauche, dass ich gar nicht mehr an einen Plot denke.

In letzter Zeit habe ich einige historische Kurzgeschichten geschrieben. Bei diesen war dann der Plot vorgegeben durch die Ergebnisse der Recherche, die ich vor dem Schreiben über dass tatsächliche Leben der Personen in Erfahrung gebracht hatte.

Ich habe festgestellt, dass es bei mir wohl darauf ankommt welche Art von Geschichte ich gerade erzählen möchte.

Viele Grüße Mia

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Hallo @Mia A. ,

mit Postkarten als Inspiration zu arbeiten, klingt spannend und inspirierend :slight_smile: Solche Karten lassen sich vielleicht auch selbsttsändig kreieren, vielleicht mit eigenen Zeichnungen und Assoziation, z. b. in Form von Sketchnotes. Wie wir Menschen vielfältig sind, so ist es auch beim Schreiben. Schön, dass jeder seinen eigenen Weg entdecken kann.

Wichtig bei all den Tipps und Befürwortern von Methode A, B oder C ist glaube ich, nichts als allgemeingültig zu betrachten und verschiedene Varianten auszuprobieren. Ich denke, ein Richtig oder Falsch gibt es da nicht. Je nach Lebensphase und Persönlichkeit ist die Suche nach der geeigneten Methode eine sehr indiduelle Angelegenheit.

Ich schreibe seit einigen Jahren, wage mich aber nicht so weit aus dem Fenster, dass ich sagen würde, die ultimative Methode für mich aus dem Stein gehauen zu haben.
Vielleicht ist der Weg ja auch das Ziel :wink:

Freut mich für dich, dass du so eine flexible Herangehensweise gefunden hast.

Viele Grüße

Sebastian

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Ich glaube nicht, dass es die ultimative Methode zum Schreiben gibt. Wenn ich ans Musik machen denke und wie ich Songs geschrieben habe, gab es drei Ideen-Kategorien, aus denen gute Songs entstanden.

  1. Ich hatte eine Melodie im Kopf (die bei mir seltenste Methode).
  2. Ich hatte einen guten Groove. Auf dessen Grundlage ist dann der Song und die Melodie entstanden.
  3. Ich hatte eine interessante Textzeile. Wir alle kennen sicher melodisch mittelmäßige Songs, die durch eine gute Textzeile zu guten Songs wurden.

Ich persönlich würde gern mehr plotten. Aber auf dem grünen Tisch fallen mir nur mittelmäßige Dinge ein. Gehe ich dann mit dem Ziel, eine zu diesem Plot passende Szene zu schreiben in den Wald, komme ich häufig mit etwas Abweichendem wieder nach Hause. Und häufig ist das viel besser als der vorgesehene Plot und bietet ganz andere Spannungsbögen und Möglichkeiten.

Der Nachteil davon ist, dass man sich schneller verzetteln kann. Ich habe für mich definiert, dass der Weg das Ziel ist. Beim Musik machen hätte ich ja auch meinen Stil gespielt.

Wenn ich allerdings irgendwann berühmt bin und ihr alle meine Bücher lest und mir ständig E-Mails schreibt, dass ich das nächste Buch rausbringen soll, werde ich meine Vorgehensweise gern nochmal überdenken. Solange ich aber ohnehin kein Geld damit verdiene - warum soll ich mich auf eine Vorgehensweise einlassen, die sicher ihre Vorteile hat, aber nicht zu mir zu passen scheint. Und was bringt mir ein Plot, wenn ich diesem folgend langweilige Szenen schreibe, um einer übergeordneten Handlung zu folgen, die wichtig, aber nicht alles ist. Bei mir ist jede Szene irgendwie ein eigenes Abenteuer. Und so will ich es auch gern weiter halten.

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Deine Einstellung ist mir sehr sympathisch.

Ein Kompromiss könnte das Clustering sein. Dabei geht es um eine Art Brianstorming, das der Arbeitsweise unseres Gehirns entspricht. Wörter werden in Elipsen wie in einem Netz miteinander verbunden. Oftmals entstehen dabei bildhafte Asssoziationen, Metaphern und Gedankenwelten, die beim “gewönlichen” Schreibprozess nicht aufploppen würden.
Auf dem Papyrus-Denkbrett hat mich das schon oft unterstützt.

Das Buch “Garantiert schreiben lernen” von Gabriele L. Rico, das mit vielen Übungen gespickt ist, hat mich motiviert, diese Technik immer mal wieder anzuwenden. So ein Cluster vor einer Szene sorgt für eine Ideensammlung, ohne dass sich Autor:innen auf einen Plan festlegen müssen.

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Ich habe das Buch über Clustering für Autoren gelesen (wie es auch immer hieß). Und irgendwie sind wir ja alle immer auf der Suche nach der Patentlösung. Damals hatte ich mir auch Scapple angeschafft, was ja die Vorlage für das Papyrus-Denkbrett war. Es gibt auch noch jede Menge Scapple-Dateien aus den Anfangstagen meiner Fantasygeschichte.

In meinem Leben hat sich gezeigt, dass diese ganze Schreibtisch- und Computer-Spielchen nett und schön bunt sind. Nichts löst meine Schreibprobleme aber besser, als ein Spaziergang oder eine Wanderung in einer schönen Gegend. Dort entstehen meine Bilder vor dem Kopf, dort entstehen neue Gedankenwelten und dort ordnet sich auch meist das, was ich sonst nicht geordnet kriege.

Aber sicher sind wir alle unterschiedliche Typen von Denkern. Die Kunst besteht darin, unterschiedliche Wege durchzuprobieren, um den für uns funktionierenden herauszukriegen.

Wenn dir allerdings (wie mir bei meiner Fantasygeschichte) deine Bösen wegfliegen, weil sie zu nett sind, hilft manchmal auch keine Methode, sondern einfach nur Zeit. Irgendwann kommt plötzlich die Idee und aus der vermeintlichen Schwäche erwächst etwas Gutes. Wir setzen uns aber vor so ein Tool und glauben, dass es uns auf magische Weise unsere fehlende Idee ersetzt. Ich saß leider zu lange vor solchen Methoden, um daran noch zu glauben.

Deswegen finde ich es wichtig, offen für alles zu sein. Es macht auch Sinn, sie auszuprobieren, um zu sehen, ob sie funktionieren. Aber die Magie dahinter sollte man nicht erwarten.

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Ich stimme dir zu. Offen zu sein und nicht rechhaberisch und starr an „der“ ultimativen Methode festzuhalten, hat sich für mich auch als der richtige Weg entpuppt.
Wie gesagt: ich glaube, dass dabei auch die Persönlichkeit eine Rolle spielt. Für manche Menschen gibt es vielleicht zu recht nur die eine Methode, die immer funktioniert.
Ich nehme gerne verschiedene Perspektiven ein und liebe es, unterschiedliche Erfahrungen zu machen (was den Nachteil bewirkt, nicht immer so fokussiert sein zu können, wie ich es manchmal gerne wäre), und diese Vielseitigkeit macht mir Spaß und schenkt mir Motivation.
Danke für das Teilen deiner Erfahrungen :slight_smile:

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Patentlösung gibts da keine, vielmehr muss jeder Autor für sich die Methode finden, die für ihn funktioniert, und vom reinen Plotter bis zum reinen Pantser dürfte da so ziemlich alles vertreten sein.
Die Methode, mit der ich am besten arbeiten kann, kann für dich absolut kontraproduktiv sein und umgekehrt, ich würde mich also gar nicht weiter dran festklammern, wie andere Leute schreiben.

Wichtig finde ich:

  • dass man erstmal in Erfahrung bringt, was für verschiedene Methoden es überhaupt gibt,
  • dass man dann fröhlich rum- und ausprobiert, womit aus dieser reichhaltigen Auswahl man etwas anfangen kann und
  • dass man bei der ganzen Sache Spaß hat. Denn wenn der fehlt, schreibt man keine guten Sachen.

Irgendwie stellt man sich dann mit der Zeit und wachsender Erfahrung seine eigenen, ganz persönlichen Werkzeuge zusammen, mit denen nur ein einziger Mensch fantastisch arbeiten kann: Man selbst.

Und um auf die Eingangsfrage einzugehen: Ich bin mehr Bauchschreiber als Plotter, es kommt aber auch drauf an, in welchem Genre man sich bewegt. Einen Krimi ohne vorher zu plotten? Ist imho nur was für Masochisten ;), da hätte ich keine Chance. Kurzgeschichten mit begrenzter Zeichenzahl? Kann ich nicht ohne zumindest einen groben Plot. Fantasy? Herrlich zum Rumspinnen und gespannt beobachten, wohin sich alles entwickelt, Da schreibe ich gerne drauflos und setze erst hinterher das Messer an.
Unterm Strich ist für mich das aus-dem-Bauch-schreiben kreativer, es macht dafür aber wesentlich mehr Arbeit, weil man hinterher jede Menge passend aufeinander abstimmen muss.

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Du schreibst, wie du bist … Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich über die Jahre eine eigene Methodik entwickelt, wie man Schreibprojekte angeht und mit möglichst großer Befriedigung auch zu Ende bringt. Ich selbst - der ich meinen Lebensunterhalt ein paar Jahrzehnte als Texter bestritten habe - fühle mich am wohlsten, wenn ich im Vorfeld meine Figuren ausarbeite und sie in einen grob skizzierten Plot „entlasse“. Dort beginnen sie recht schnell ein Eigenleben zu entwickeln und mitunter Entscheidungen zu treffen, die ich garnicht geplant hatte. Bei einem Öko-Thriller wie dem, an dem ich gerade arbeite, ist allerdings im Vorfeld sehr viel intensivere Recherche und Plotten nötig als bspw. im Krimi-Genre. Von Fantasy garnicht zu reden.

Soll heißen: Es ist gut, die verschiedenen Methoden zu kennen und für sich selbst auszutesten. Es ist nicht gut, sich an eine zu klammern, die nicht mit der eigenen Persönlichkeit korrespondiert. Und es ist erst recht nicht gut, sich in vermeintlich perfekten Tools zu verlieren, die einem scheinbar das Denken abnehmen. Das tun sie nämlich nicht. Nicht einmal, wenn sie Papyrus heißen :kissing:

Und ja, manchmal hilft auch ein Waldspaziergang …

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Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich das Verhältnis Plan zu Chaos auch von Projekt zu Projekt sehr unterscheidet. Insgesamt arbeite ich lieber mit etwas mehr Struktur - ein Werk, dass ich rein aus dem Bauch heraus geschrieben habe und das über ca. 70 Normseiten hinausgeht finde ich einfach schwer zu überarbeiten. Aber die Struktur ist bei mir nur für die groben Züge vorhanden. Manchmal ergeben sich daraus auch kleinere Einheiten, bis hin zu Szenenlevel, meistens ist es aber mehr ein grober Fahrplan, damit ich weiß, wo ich am Ende herauskommen will.
Wobei eine Ahnung vom Ende hatte ich auch bei all den „bauchgeschriebenen“ Büchern früher. Plotten hilft mir nur, die Ideen nicht zu vergessen.

Was ich allerdings nie wieder machen werde ist tiefgehende Charakter-Arbeit. Das kann ich nicht. Figuren müssen selbstständig auftauchen und selbstständig wachsen. Sicherlich bringt die Plot-Idee ein paar Leute mit (Protagonist wäre ganz schön, wenigstens), aber der Rest klopft meistens nebenbei an die Tür, schmeißt seinen Namen in den Raum und grätscht mir dann in die Geschichte lacht

Und manchmal kommen diese Typen dann auch noch wieder und verlangen mehr Auftritte, wenn man eigentlich mit ihnen abgeschlossen haben soll. Dann bringen sie unplanbare Geschichten mit. Womit wir wieder bei meiner Ausgangsbeobachtung sind: Bei mir ist der Prozess sehr vom Projekt abhängig, weniger von meinen Vorlieben. Was einmal hervorragend funktioniert, kann mich das nächste Mal in eine zu enge Sackgasse befördern, aus der ich nur noch rückwärts wieder herauskomme.

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Was mir am „Aus-dem-Bauch-Schreiben“ gefällt, ist, dass ich mich beim Schreiben selbst überrasche. Zuletzt habe ich eine Kurzgeschichte geschrieben, in der ich die Figuren, Akte und Wendepuntke vorher geplant hatte. Ich war ganz erstaunt, dass ich trotz der Planung im Schreibflow versinken konnte. Beim Schreiben hat sich die Geschichte dann doch etwas anders entwickelt als geplant, sodass ich mich dennoch beim Schreiben überraschen konnte.
@RocketJo, was du betreffend der Charakterarbeit ansprichst, kann ich gut verstehen. Stephen King riet in „Das Leben und das Schreiben“ auch dazu, Figuren mit der Handlung wachsen zu lassen. Du bist da in guter Gesellschaft;-)
Es ist schön, dass wir Autoren so vielfältig sind und unsere Erfahrungen vergleichen können, um voneinander zu lernen.

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Hallo zusammen,

ich bin als Bauchschreiber zur Passion gekommen.
Eine Idee spukte im Kopf, ich setzte mich an die Tastatur und begann zu schreiben. Ohne Plan, ohne Ziel - eine echte Entdeckungsreise.
Ist es für mich die richtige Herangehensweise? Unbedingt. Und auch: auf keinen Fall.

Unbedingt, weil ich darüber die Liebe zum Schreiben gefunden habe und sehr glücklich damit bin.

Auf keinen Fall, weil dieses erste Werk zum Opus Magnum geworden ist. Über 1000 Manuskriptseiten stecken da drin (inzwischen wieder auf 600 eingekürzt). Auch, weil es nach über drei Jahren noch nicht fertig ist, vielleicht nie fertig wird. Ich kämpfe mit der Struktur, ich suche noch immer das Ende. Ein immer wiederkehrender Quell der Frustration. Das passiert mir sicher nie wieder.
Ich liebe das Buch auch, immer noch, trotz aller Mühen. Ich kehre immer wieder dahin zurück. Mein Ehrgeiz will und wird es irgendwann zum Abschluss bringen.

Mein aktuelles Romanprojekt ist zu 60-70 Prozent geplottet und das hat mir viel Ärger erspart. Ich wusste vorher, wo die Reise hinging. Aber nicht genau, wie sie verlaufen würde. Es hat sich im Schreibprozess sogar ein ganz wunderbarer Charakter gefunden, der im Plot nicht sichtbar war.
Ich bin mir jetzt sicher, dass das mein Weg ist: eine Struktur erarbeiten, dass Gerippe der Geschichte. Ein Anfang und ein Ende. Mindestens. Und dann erforschen, im kreativen Schreibprozess.

@RocketJo
Tatsächlich hat mir das Erarbeiten der Charaktere dabei geholfen Plot-Holes zu füllen und Spins zu entwickeln. Ich habe den wichtigsten Figuren einen Background geschenkt und daraus haben sich Ideen und Konfliktansätze ergeben. Ich denke, ich werde beim nächsten Roman genau darauf hin arbeiten.

Liebe Grüße - Frank

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Ich bin leider ein Lanzenbrecher, was das Bauchschreiben angeht.
Bisher sind spätestens nach 20 k Worten alle Ideen in sich zusammen gebrochen. Da ich kein Ende, keine Konflikte oder sonst was wusste, sind meine Charaktere wie Lemminge im Kreis gelaufen und wussten nicht, wohin sie gehen sollten. Sie entwickelten sich einfach nicht, weil ich für sie kein Ziel gesetzt haben. Und ohne Charakterentwicklung steht und fällt - meiner Meinung nach - die ganze Geschichte.

Ich habe in den letzten sieben Jahren, in denen ich schreibe, so gut wie alle Plotmethoden durchgetestet und keine hat genau zu mir und meinen Geschichten gepasst. Deshalb habe ich für mich eine eigene Struktur entwickelt. Zuerst das Ende wissen, dann den Anfang formulieren, der komplett im Gegenteil zum Ende ist und drei Konflikte überlegen, die auf dem Weg zum Ziel liegen. Und dann wird Szene für Szene detailliert aufgeschrieben. Dabei wird hauptsächlich auf die Charakterentwicklung gesehen. Denn ohne beschriebene Blätter, kann man niemandem etwas erzählen. Wären meine Figuren nur weiß und leer, haben sie keine Ziele und Emotionen.

Deshalb „schwöre“ ich auf das plotten.
Das hat außerdem den Vorteil, dass ich auch mal zwischen drin an anderen Projekten arbeiten kann, oder ohne schlechtes Gewissen krank sein kann und weiß, dass ich problemlos wieder in meinen Text finde, weil ich genau weiß, wo ich stehe und wo ich hin will. Meine Plots sind in der Regel 4 bis 5 Seiten lang.

LG Minnie

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Hm. Wenn sie später überarbeitet, dann plottet oder plant sie ja doch.
Ich verstehe die ganze Diskussion nicht. Nirgendwo steht geschrieben, wie man plotten oder planen muss oder soll. Die einen planen mit Stichwörtern, andere schreiben Szenenideen auf Karteikärtchen und pinnen sie an ihren Kleiderschrank, wieder andere schreiben Szenenüberblicke oder auch gleich Szenen, von denen sie später die Hälfte wieder streichen müssen.
Aus meiner Sicht ist alles, was man vor der Veröffentlichung macht, Planung.
Nur wenn ich noch nicht weiß, ob das alles logisch wird, was ich da mache, hüte ich mich davor, zu früh ganze Sätze zu schreiben.
An anderer Stelle schreibe ich dafür recht ausführlich, z.B. bei den Figurendatenblättern der wichtigsten Figuren und beim Weltenbau.
Aber ob man nun gleich zu Anfang szenisch schreibt und später sehr viel überarbeitet, oder ob man anfangs nur Stichwörter notiert, um diese dann auszuformulieren - beides ist doch Planung!

Wow! Ich plotte nicht in Form von Seiten, sondern im Szenenüberblick im Organizer. Und wenn man das alles zusammenrechnet und ausdruckt (im Papyrus-Organizer-Format), kommen für einen Band schon so zwischen 60 und 100 Seiten zusammen …

Ich mach meine Plots in Schriftgröße 11 in Word. Mir reichen die 4 bis 5 Seiten. Kommt halt auch auf den Inhalt der Geschichte an. Ich schreibe alles wichtige auf, dass ich nicht vergessen darf und auch mal bestimmte Bilder, wie ich mir die Szene vorstelle. Ich weiß nicht, wie das im Papyrus Organizer gehandhabt wird. Aber ich denke, dass jeder da seinen individuellen Weg hat. hihi

Ja, so ungefähr mache ich das auch. Nur, dass es sehr vieles gibt, das ich nicht vergessen darf … Liegt wahrscheinlich auch daran, dass Band 2 5 Perspektivträger hat … Da muss ich genau schauen, wer was sagt und wie ich Informationen aus Geisterszenen unterbringe …
Und Fantasy ist schon wegen des Weltenbaus immer ein wenig länger. Ich denke, über Figuren und Weltenbau habe ich schon locker über 1000 Seiten zusammen. Und davon wird der Leser nur einen Bruchteil zu sehen bekommen …

Es tut gut zu lesen, dass ich mit meiner chaotischen Herangehensweise nicht allein bin.
Voriges Jahr habe ich am NaNoWriMo teilgenommen und hatte vorher zu dem Near-Future-Thriller allein die Grundidee im Kopf. Da die Zeit bis zum Start am 1. November noch überbrückt werden musste, habe ich begonnen, die Handlung zu strukturieren, Timelines zu erstellen, Charaktere auszuarbeiten … und fühlte mich gut gewappnet.
Am späten Abend des 1. November war klar, dass ich mir einen großen Teil der Vorarbeit hätte sparen können: Nicht nur die Charaktere entwickelten ein beachtliches Eigenleben, auch die Handlung nahm hier und da überraschende Wendungen. Am Ende ist der Roman fertig geworden, jedoch anders als erwartet. Und für meine Begriffe besser.
Aber wie andere hier schon geschrieben haben: Jeder muss für sich entscheiden, welche Herangehensweise sich besser anfühlt, denn das ist das Wichtigste.

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Ich hab meinen Prozess über die letzten vier Jahre erarbeitet und eine Menge ausprobiert. Im Moment denke ich nur über die Protagonisten im Groben nach und hab vielleicht noch ein bestimmtes Setting oder eines der großen Ereignisse im Kopf, die die Handlung in eine andere Richtung treiben, bevor ich anfange. Die Details entstehen fast immer on-the-fly. Allerdings hab ich einen Haufen Theorie im Kopf, der es mir erlaubt, den Überblick zu behalten. Ergo muss ich fast nie massiv zurück arbeiten.

Hab vor paar Monaten versucht, das Ganze niederzuschreiben, bin aber noch nicht ganz fertig geworden. Wer Lust hat, kann sich die Artikel gerne durchlesen.

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Das klingt spannend. Ich habe mir deine Webseigte als Favorit gespeichert und werde in den nächsten Tagen reinlesen. Ich glaube auch, dass „Theroie im Kopf“ sehr hiflreich ist. Ich kann mir vorstellen, dass das Unterbesusstsein mit dem Zugriff auf die Kenntnisse von Erzählstrukturen unbemerkt dafür sorgt, dass sich die Geschichte, die man erzählt, auf einem stabilen Fundament aufbaut.

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