Drehbuch umschreiben auf Prosa

Momentan bin ich dabei mein Drehbuch Denkzettel, das ich ursprünglich für einen Bullen von Tölz geschrieben habe, in Prosa umzuschreiben.


Denkzettel veröffentlicht.pdf (74,4 KB)

Danke erst mal für deine Sachlichkeit.
Bayrisch, Bairisch oder auch Bayerisch, was ist richtig? Die Dialekte in Bayern ändern sich fast alle 20 km und sind abhängig davon, in was für eine Richtung man geht, oder fährt. München – Augsburg sind rund 80 Kilometer auseinander und dort wird bereits Schwäbisch gesprochen. Dort, wo sich die Sprachgrenzen überlappen, entsteht ein Kauderwelsch, den fast keiner mehr versteht. Einem Dialekt-Duden würde ich da nicht vertrauen. Ludwig Ganghofer wird auch keinen Duden gehabt haben und geschrieben haben, wie ihm der Schnabel gewachsen war. Er ist in Süddeutschland aufgewachsen, seine Mundart dürfte dort von Österreich beeinflusst gewesen sein, was einen besonders schönen Dialekt hervorbringt. Auch die Mischung Fränkisch- Bayrisch hat denselben Effekt.
zB. Wir sind heimgegangen, mia san Hoam (Ham) ganga. Mia genga Hoam (Ham). Mia san Hoamglafa (glofa) (glofn) Eine Deutsch-Bayerisch-Übersetzung bietet nur eine Möglichkeit an. Also werde ich weiterhin so bayrisch schreiben, wie mir der Schnabel gewachsen ist.
Mehr darauf achten muss ich, dass ich keine Buchstaben weglasse. Auch habe ich Probleme bei harten und weichen Konsonanten, da hier in Franken fast alles weich ausgesprochen wird.

Was den Drehbuch-Charakter angeht, habe ich schon mehrere positive Rückmeldungen erhalten, was soll ich deiner Meinung nach tun? Meine Geschichte „Das Gemälde” zB. hat in der Rangliste bei Genre Roman bei wattpad Platz 28 von 7,16K Geschichten erreicht, was mach ich deiner Meinung nach Falsch?

Im Genre Krimi hat die Geschichte „Denkzettel”, in kürzester Zeit, am 22.01 eingestellt, Platz 9 von 4,26K Geschichten erreicht.

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Ich möchte dir weder die Motivation rauben, noch Wattpad Übles, aber nachdem ich gerade einen Blick darauf warf, fiel mir auf, dass nach Genre ausgesuchte Geschichten nur nach ‚Angesagt‘ oder ‚Neueste‘ sortiert werden. Das finde ich ausgesprochen positiv, denn so erhalten deutlich mehr Geschichten Aufmerksamkeit. Ein Qualitäts-Ranking fand ich (ohne Account dort) zum Glück nicht. Das Auge bedeutet ‚aufgerufen/gelesen‘.

Wenn du für deine Storys sogar hilfreiches Feedback generieren konntest, so ist das sicherlich die wertvollste Anerkennung, um sich weiter zu entwickeln und einen eigenen Stil zu finden. Allerdings wäre ich vorsichtig mit der Einschätzung, ein Platz ganz vorne bei Wattpad bedeutete, am Ziel zu sein. Ehrlicheres und damit tatsächlich auch weiterführendes Feedback (auch wenn es manchmal weh tut) findest du eher hier im Forum, weil es hier nicht um ein allgemeines Ranking geht, sondern um Inhalte und den Weg zu einem befriedigenden Ergebnis – für Leser UND Schreiber.

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Sorry Rudolf, aber das ist kein Prosa, du beschreibst nach wie vor eine Szene wie in einem Drehbuch.

Sigi und Sebastian sind zwei junge Männer aus Plech in der Fränkischen Schweiz, sie streiften an diesem Morgen durch das Unterholz in der Nähe des Einödhofes vom Holbeck-Bauern, Sigis Vater.

Nur mal auf die Schnelle eine Alternative von mir:

Der Zweig brach mit einem lauten Knacken, als Sigi darauf trat. Ein Reh, das friedlich in der Nähe graste, erschrak und rannte panisch davon. Die Sonne stand noch tief am Himmel und er und sein Freund Sebastian schlichen durch das Unterholz, auf dem Weg zum Einödhof.

Erkennst du den Unterschied?

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Das sagt leider überhaupt nichts aus. Wattpad ist von seiner Zielgruppe her nicht dazu geeignet eine Geschichte wirklich zu beurteilen. Freu dich darüber das deine Geschichten auf Wattpad gelesen werden, aber interpretiere nicht zu viel hinein.
Versuche beim schreiben eine lebendige Szene zu erschaffen. Hauche zum Beispiel dem Wald leben ein und berichte nicht nur, dass da ein Wald ist.

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Im vergangenen Jahr, lieber @RudolfH, fragte ich schon einmal, warum du überhaupt so versessen darauf bist, Drehbücher in Prosa zu wandeln, habe aber leider keine Antwort erhalten. Drehbuchschreiben ist ein ganz eigenständiges Genre, eine besondere Kunstform, für die spezifisches Talent und Fertigkeiten vonnöten sind. Ich selbst hatte mal die naive Illusion, eines zu schreiben, aber schnell gemerkt, dass das absolut nicht meinen Fähigkeiten entspricht.

Genauso kann ich technische Dinge recht gut erfassen und bildhaft darstellen, habe für einen Medizinbedarfhersteller bspw. Buch-Illustrationen erstellt für bestimmte OP-Szenen (damals noch mit Airbrush-Technik :joy:), habe aber kein Talent für freies figürliches Zeichnen. Ja, man kann üben und kleine Ziele erreichen, aber es fällt ungleich schwer.

Warum, so meine Frage, baust du nicht dein (viel selteneres) Talent und deine Kenntnisse zum Drehbuchschreiben, um das dich hier sicherlich viele beneiden, aus? Stattdessen mühst du dich sichtlich mit jeder Faser (auch schon inklusive KI-Support) in einem Genre, das inzwischen „mehr Patronen als Wildschweine“ hat und womöglich höchstens Handwerk, aber nicht Herzblut werden kann. Das würde mich ehrlich interessieren, weil die wahre Motivation der Motor ist, der uns antreibt.

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Ich bin da ganz bei @Heather. Ich habe eine Ausbildung zum technischen Zeichner gemacht . Ich kann dir eine technische Skizze eines Hauses erstellen, mit genauen Angaben über Maße der Wände, Fenster und Türen, wo Leitungen verlaufen und so weiter. Ich bin aber nicht in der Lage, ein Bild von einem Haus zu malen. Wenn ich das versuche, kommt immer wieder eine technische Zeichnung dabei heraus.

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Aber eine Explosionszeichnung davon könnte sehr hilfreich sein, wenn man erzählerisch im Genre Thriller oder Crime unterwegs ist :joy:.

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Klar, ich habe aber bewusst etwas übertrieben, um den Unterschied deutlich zu machen.

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Hier mal ein Drehbuchbeispiel.
Öffendlich .pdf (71,3 KB)

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Erkenne ich. Mit der malerischen Umschreibung hab ich noch meine Probleme.

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Das war sehr spannend zu lesen, danke fürs teilen. Einen Drehbuchtext habe ich bisher tatsächlich noch nie gelesen.
Ich frage mich, ob „umschreiben“ in Prosa die einfachste Methode ist, da es im Drehbuch ja schon einen anderen Fokus gibt. Vielleicht wäre es tatsächlich einfacher, den Text auf Grundlage des Plots komplett neu zu schreiben. Das Gerüst steht ja schon. War zumindest mein erster Gedanke, aber Erfahrung habe ich damit nicht.

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Deutscher Filmpreis 2025 - 2008 nominierte Drehbücher 57 Stück online zum Lesen.
https://www.deutscher-filmpreis.de/drehbuecher/

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Da ich auch Drehbücher schreibe und früher jahrzehntelang lektoriert habe: Rechtschreibfehler und „bayrisch ausgeschriebener“ Text waren für mich immer rote Tücher. Einmal beim ersten Auftritt eines Charakters darauf hinweisen, dass die Figur „mit einem starken (nieder-/ober-/Münchner)bayrischen Dialekt“ spricht, und dann die Takes auf hochdeutsch lediglich mit bayrischem „Sprachgefühl“ ausstatten; das wäre meine Empfehlung. Auch wenn das bei einem Buch von 2009 wahrscheinlich als Tipp zu spät kommt.

Das Umwandeln von Drehbuch zu Prosa ist mMn schwerer als andersherum. Ich würde davon abraten, den Drehbuchtext als Fließtext in Papyrus reinzukopieren und nur epische Teile dazwischen zu drücken, denn das liest sich oft sehr mühsam. Das ganze Ding neu denken und komplett neu aufsetzen ergibt mMn mehr Sinn.

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Das Drehbuch habe ich damals für den Bullen von Tölz geschrieben. Ich fühlte mich einfach wohler dabei, es bayerisch einzufärben, den Text direkt auf die Schauspieler zuzuschneiden, fand ich einfach authentischer.

Der Produzent hat mich mehrmals darauf hingewiesen, dass ich Ottfried Fischer (Benno) darauf aufmerksam machen sollte, wenn er zu sehr ins Bayerische abgleitet. Ich habe es bleiben lassen, weil es einfach nicht passte. Ruth Drexel (Resi) konnte das perfekt, das Bayerische „eindeutschen“.

Ich finde es einfach gut, es so zu machen, wenn mir danach ist.

In meinem Buch (Das Gemälde) habe ich ebenfalls Passagen im fränkischen Dialekt eingefärbt.

Als Erster traf der Hausarzt ein.

„Sie is friedli eigschlafn“, flüsterte Emmi ihm zu, während er sich über die Verstorbene beugte. Die Tränen bahnten sich ihren Weg durch die tiefen Falten ihres Gesichts. „Der liebe Gott hat ihr den Wunsch erfüllt, im Schlaf geh’n zu dürf’n. I dank ihm dafür vom ganzen Herz’n, des könnens mir fei glaum, Herr Dockter, werggli.“

Ihre Stimme brach. Der Arzt, ein gebürtiger Westfale, der sich über die Jahre den weichen fränkischen Dialekt angeeignet hatte, legte ihr tröstend den Arm auf die Schulter. „Kommens, setzen’s erna do in den Sessel nei“, sagte er sanft. „I geb erna jetzt a kleins Schpritzerl, dann wirds scho wieder.“

Während Emmi unter der Wirkung der Injektion teilnahmslos in den Sessel sank, schallten Schritte durch das Treppenhaus und kündigten den Notarzt und die Polizei an. Die Wohnung füllte sich.

Annemarie war tot. Dass ihr Ableben ein tragisches Nachspiel haben würde, konnte sie nun nicht mehr verhindern.

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Als echter Norddeutscher kann ich dazu sagen, dass ich die Sätze in Mundart durchaus verstehe und mit einiger Gewöhnung wahrscheinlich recht flüssig lesen können werde. Es bleiben aber einzelne Wörter übrig, die mich dann stutzen lassen. Hier diese Stelle:

Was ist das? Ich kann mir einfach keinen Reim drauf machen. :thinking::man_shrugging:t2:

Ob die Frage, welcher bayerische Dialekt hier benutzt wird, eine Rolle spielt, kann ich natürlich nicht beurteilen, weil mir die Unterschiede nicht geläufig sind. Das dürfte aber einem großen Teil der Leser so gehen. (Also eben allen Nichtbayern). Daher denke ich, wichtiger als eine genaue Wiedergabe ist eine, auch für Nichtbayern lesbare Variante.

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@Don_Diego
Aus dem Zusammenhang würde ich „Wirklich“ vermuten.

Das ist fränkisch, nicht bairisch, und ich gebe dir recht: Diese Dialektpassage geht wirklich (werggli) zu weit. Das wird kaum ein Leser goutieren, nicht einmal ein Frangge.

Ja, klingt so. Wenn man es erst weiß, ist es klar. :+1:
Aber so im lesen sah es für mich irgendwie schweizerisch aus und damit war ich dann gedanklich auf der falschen Spur.

Wobei mir solche Sätze keine Schwierigkeiten bereiten. Ich würde aber „Spritzerl“ besser finden, weil näher an der hochdeutschen Schreibweise und deshalb leichter zu erfassen.

Insgesamt würde ich für Lesbarkeit vor Authentizität plädieren. Könnte nur sein, das die echten Bayern das dann blöd finden. :man_shrugging:t2:

Das Wort werggli bedeutet Wirklich. Dazu ist noch zu sagen, dass die Franken harte Konsonanten weich aussprechen. Das Wort ist fränkischer Dialekt. Jetzt könnte man noch fragen warum 2 mal „gg“ weil es so ausgesprochen wird. werg-gli. :slightly_smiling_face: