Die Tram zu dir - mein erstes Kapitel

Hallo, ich schreibe schon recht lange. Gedichte und Geschichten. Meist jedoch Fanfictions. Jetzt sitze ich allerdings an meiner „eigenen“ Geschichte. Mit schreiben verdiene ich, immerhin schon ein wenig Geld, da ich für die örtliche Tageszeitung im Lokalteil Artikel schreibe. Den Beginn dieser Geschichte, die jetzt kommt, habe ich bereits 2004 angefangen. Es soll eine Liebesgeschichte werden, die in München und Starnberg spielt. Angelegt ist die Geschichte in den Jahren 2005 - bis ca. 2017 und Mitte der 60ger. Ich stelle hier jetzt einfach mal das erste Kapitel rein. Ich habe inzwischen etwa schon 140 Buchseiten geschrieben, es sollen natürlich noch mehr werden.

Ich bin gespannt auf eure Rückmeldungen.

Kapitel 1
Hannes 2005
Ich starre in den Spiegel. Wie viele Jahre habe ich auf diesen Tag gewartet, die Monate, Tage und Stunden gezählt. Ich mustere die Falten meiner Stirn. Zeichen gelebten Lebens. Und Sie? Wird sie so ausschauen, wie ich sie in Erinnerung habe? Wie damals? Wie heute? Wie morgen?

Ich bin verwirrt und glücklich zugleich. Niemand hat je erfahren, was damals geschah. Die Presse war in Aufregung geraten, hatte mir aufgelauert und gefragt, wo sie denn hin sei. Ich blieb ihnen immer eine Antwort schuldig.

Mein Blick wandert zur Uhr. Viertel vor acht. Viertel vor endlich. Endlich wird sie wieder ein Teil von mir sein, und weiß doch gar nichts von ihrem Glück. Wird es denn ein Glück sein? War unsere Begegnung nicht eher ein un-glück? Was wird sie sagen, wenn sie mich wiedersieht?

Ich bin alt. Viel älter als sie und doch spüre ich ein kleines Gefühl in mir, was zum aufregenden Kribbeln wird. Mir sagt, dass ich noch jung bin. Ich mustere mich, überlege, wie andere mich sehen. Ich finde nicht, dass ich aussehe wie 75. Natürlich sind da mehr Falten als früher und die Figur hat auch etwas gelitten, doch wenn ich mich mit anderen Kollegen vergleiche… Meine Haare sind heller als früher, aber richtig grau sind sie nicht. Sie sind dicht, keine kahle Stelle ist zu sehen.

Meine Mutter hatte bis ins hohe Alter dunkles Haar. Mir wurde oft unterstellt, ich würde sie mir färben, aber es stimmt nicht. In meinem Beruf ist das Aussehen eben das Salz in der Suppe. Man muss darauf achten, dass die Dosis stimmt. Die Fans verlangen es. Ich habe es aber immer nur für sie getan. Habe mich gut ernährt, war sportlich. Bloß nicht schwächen.
Ich lächle mein Spiegelbild aufmunternd an. „Du hast es geschafft, alter Junge, heute hat dein Warten ein Ende!“ Ich verstumme, als hinter mir die Tür aufgeht.
„Herr Petersen, es ist soweit!“ „Danke, Marie, ich komme gleich!“ Höre ich ein Zittern in meiner Stimme? Heute muss sie klar und fest klingen. Heute Abend, so habe ich mir vor vielen Jahren geschworen, werde ich meinen besten Auftritt abliefern. Ich straffe meine Schultern, kehre meinem Spiegelbild den Rücken zu und laufe mit festem Schritt Richtung Bühne.
Während der Vorstellung jagt mein Blick verstohlen durch die Reihen. Wie oft habe ich schon auf den einen Platz gestarrt. Reihe 3 Sitz 28. ziemlich genau in der Mitte. Heute weiß ich, ich werde nicht umsonst starren, werde nicht enttäuscht wegschauen. Keine andere Frau, kein fremder Mann. Sie wird heute dort sitzen. Anna. Ohne zu wissen, welch Freude mich erfüllt, sie endlich wiederzusehen. Anna, die Ahnungslose, für die Morgen, wie sie mir selbst immer bestätigt hat, das Leben erst anfängt.

Der Applaus erfüllt das Theater wie das Klatschen eines heftigen Platzregens. Ich verbeuge mich tief. Höre laute „Bravo, Bravo“ rufe. Höre Annas Stimme durch den Regenschauer klatschender Hände. Nur noch sie. Als ich mich aufrichte, sehe ich das erste Mal seit über drei Jahrzehnten wieder in ihre Augen. Rasch schaue ich weg, sie darf nichts merken. So ahnungslos, so jung. Mein Herz schlägt schneller. Sie ist immer noch schön.

Ich frage mich, was sie an mir findet. Erst recht jetzt, wo ich doch so viele Jahre älter bin? Noch einmal verbeuge ich mich, küsse galant die Hand meiner Partnerin, reiche ihr einen Blumenstrauß und verlasse die Bühne.
In einer viertel Stunde habe ich es geschafft, mich abzuschminken und umzuziehen. Das alte, zerknitterte Foto zittert in meiner Hand. Ich bin wohl der einzige Mensch, der mit 35 schon wusste, wie er mit über 70 ausschaut. Eine Autogrammkarte. Anna gab sie mir, kurz bevor sie mich verließ. „Ich weiß ja, dass ich sie wieder von dir bekomme. Behalte Sie als Erinnerung. Damit du weißt, dass alles kein Traum war!“

Es war seltsam, diese Karte zu sehen, zeigte es doch eine Gegenwart, in der ich noch lange nicht angekommen war. Ich wische diese Gedanken weg, denn gleich wird sie sie genau dieses Bild wieder von mir bekommen, nur neu, nicht das alte, zerknitterte. Mit dem mysteriösen Fleck neben meinem rechten Ärmel. Mir wird wieder einmal das Paradox dieser ganzen Geschichte bewusst. Ich mustere den Stapel Autogrammkarten, der vor mir liegt. Denn eine davon ist genau diese, die ich gerade in den Händen halte.
Ich bete, dass sie es sich nicht anders überlegt hat. Nein, dafür kenne ich sie zu gut, werde sie so gut kennen lernen. Sie wird warten. Natürlich wird sie das. Das Autogramm ist Beweis genug.
Meine Knie zittern leicht, als ich Richtung Künstlerausgang gehe. Dort stehen jeden Abend Fans, meist Damen, mittleren Alters, die mir sagen, dass sie mit mir großgeworden sind. Immer das übliche Blabla.
So viele Jahre dasselbe Ritual, doch diesmal wird es anders sein. Diesmal bin ich aufgeregter als all die Fans, die je hinter dieser Tür auf mich gewartet haben.
Als ich nach draußen trete, bläst mir der Januarwind einen Schwall Schnee ins Gesicht. Ich schließe die Augen und wische die Kälte weg. Als ich sie wieder öffne, sehe ich hoffnungsvolle Gesichter. Gerötete Wangen, die versuchen, der Kälte zu trotzen. Ich erblicke Anna etwas abseits. Nervös tritt sie von einen auf den anderen Fuß, hat mich fixiert und lächelt dennoch. Und ab diesen Moment habe ich keinen Blick mehr für die anderen, für mich gibt es ab jetzt nur noch sie.

Mein Hals ist trocken und doch versuche ich, souverän aufzutreten. Am liebsten möchte ich alle unwichtigen Menschen beiseiteschieben, zu ihr laufen, und sie endlich in meine Arme ziehen.
Ich bin nicht umsonst Schauspieler. Versuche, meine Unsicherheit zu überspielen, ziehe den schwarzen Edding aus der Tasche, frage nach dem Namen und verteile die Autogramme. Anna ist als Letztes dran. Ich habe mir Zeit gelassen, will die Minuten, die ich mit ihr habe, genießen. Bin ich etwa ein Masochist? Bin ich es nicht schon die ganzen Jahre? Ich hätte sie schon viel früher kennen lernen können. Einmal hatte ich den Mut und bin in ihre Heimat gefahren. Sie hatte mir genau aufgeschrieben, wo sie wann lebt.

Zu der Zeit war sie neunzehn. Ich war zu ihrer Arbeitsstelle gefahren und hatte mich entfernt auf einem Parkplatz hingestellt. Den Ausgang gut im Blick. Irgendwann kam sie raus. Ich brauchte einen Moment, bis ich sie erkannte. Damals trug sie ihr Haar nur Kinn lang und hatte eine Dauerwelle. Sie unterhielt sich angeregt mit einer Kollegin und als sie auf einmal lachte, brachte ihr umwerfendes Lächeln mein Herz in Rhythmus Schwierigkeiten. Sie nur eine Minute sehen. Trotz des wissen, dass es noch so lange dauern würde bis zu diesem Abend, in einer gemeinsamen Gegenwart.

Ich muss mich zusammenreißen, um sie nicht beim Namen zu nennen. „Wie heißen Sie?“ Ich muss mich räuspern.
„Anna. Anna Siebert.“ Ihre sanfte Stimme jagt mir längst vergessene Schauer über den Rücken. Sie klingt so schön und klar, wie ich sie all die Jahre in Erinnerung hatte. Ich suche ihren Blick und versuche zu ergründen, ob sie mich erkennt. Versuche, ihre Augen hypnotisch in meinen Bann zu ziehen. ‚Hier bin ich wieder, Anna, und ich habe gewartet!‘, versuche ich ihr mitzuteilen. Sicher, sie kennt mich, aber sie erkennt mich nicht. Erkennt nicht meine Freude, meine Sehnsucht nach ihr. Noch nicht.

„Anna! Schöner Name!“ „Danke!“ „Möchten Sie eine Widmung dazu?“…‘In tiefer Sehnsucht, dein Hannes!‘, nein, so etwas kann ich nicht schreiben. Sie weiß noch nichts.
Ich denke daran, was auf dem alten, vergilbten Autogramm steht, welches sich in meiner Hosentasche versteckt hält. Bloß nicht herauskommen, wo ich doch gerade sein jüngeres ich beschreibe.
„Für Anna, vielen Dank für den Applaus, Hannes Petersen“ schreibe ich schwungvoll und reiche es ihr. Kurz berühren sich unsere Hände. Ihre sind eiskalt, viel kälter als meine. Ich schlucke den Klos in meinem Hals hinunter, und greife automatisch nach ihrer Hand, um sie zu wärmen. Sie endlich berühren. Das um uns herum noch andere Autogrammjäger stehen, ist mir egal.
Sie sieht mich erschrocken an. „Entschuldigen Sie, aber Ihnen ist offensichtlich kalt…“ Was für eine Ausrede! Ich sehe, wie sie auf unsere Hände hinab starrt, so als ob sie nicht fassen kann, dass ich nach ihrer Hand gegriffen habe. „Dass, das fühlt sich angenehm an.“, flüstert sie und lächelt ihr umwerfendes Lächeln. Fängt mich wieder ein, wie sie es früher getan hat.

„Vielen Dank, Herr Petersen, für, für den schönen Abend! Sie - sie waren einfach fantastisch, ich – ich wollte sie schon immer einmal auf der Bühne sehen. Aber sicherlich hören sie diese Sprüche ständig!“
„Ja“, gebe ich lächelnd zurück, „Aber ich habe mich noch nie so sehr darüber gefreut!“ Überrascht und fragend sieht sie mich an. Versteht meine Anspielung nicht, kann sie nicht begreifen. Ihre Hand – immer noch in meiner. Zarte Haut in alten Schwielen. Wir bemerken es beide gleichzeitig und lassen einander abrupt los.

„Können wir vielleicht noch ein gemeinsames Foto machen?“, fragt sie, nun mutiger. Ich nicke. „Sehr gerne!“ Ein anderer Fan, der etwas abseitssteht, kommt und greift nach der Kamera… Ich lege einen Arm um ihre Schultern, bin wie berauscht davon, sie so nah bei mir zu fühlen. Ich frage mich, wer hier der Fan ist. Ich kann nicht anders, als mich zu ihr zu drehen, um sie anzuschauen.

Nach meinem Geschmack sind die Fotos viel zu schnell geschossen und ich tue mir schwer, meinen Arm von ihren Schultern zu nehmen. Sie greift nach der Kamera und geht auf die Vorschaubilder. Wir blicken gemeinsam darauf. Das erste Bild ist noch normal, beide blicken wir in die Kamera. Doch das Zweite entlarvt mich. Ich werde rot, als sie von dem Bild zu mir hinsieht.

Auch sie hat es gesehen, die unausgesprochene Sehnsucht nach ihr, nach all den Jahren des Wartens. Ich räuspere mich. Auf einmal kommt mir eine verrückte Idee. „Wie wäre es, wollen sie noch etwas mit mir trinken gehen, Anna?“ Ich sehe sie gebannt an. Während sie mich verdattert anschaut. Sie hatte mir erzählt, dass sie in dem Moment kurz vor einer Ohnmacht gestanden hatte, nachdem ich sie bat, noch einen Absacker trinken zu gehen. Ich möchte sie nicht schon wieder gehen lassen.

Die paar Minuten reichten mir einfach nicht, können die vielen Jahre des Wartens nicht aufwiegen. Doch dann, nachdem sie den Schock über meine Einladung verdaut hat, lächelt sie mich doch wieder an. „Wirklich?“, fragt sie nun verdattert. „Sie möchten mit mir… etwas trinken gehen?“ „Ja, wie wäre es hier, mit der Bar?“, ich rieb meine Hände nun aneinander, allmählich wurde es doch kalt. „Nun, ja, warum denn auch nicht!“, sagt sie unsicher, kann nicht fassen, was da gerade passiert.

Ich greife nach ihrem Arm und wir betreten den breiten Aufgang zum Theater, biegen in einen anderen Gang ab und gehen die Treppen nach unten in die angesagte Hotelbar. Dort ist es schwummerig. Leise Musik klingt aus den Boxen. Zum Glück sind bei diesem Wetter heute Abend nicht allzu viel Leute da. Ich führe sie in eine Ecke, wo die hohen Korbsessel neugierige Blicke aussperren.

„Nun, was möchten Sie gerne trinken?“, frage ich sie und setzte mein stahlenstes Lächeln auf. Nein, ich muss es nicht aufsetzten, es ist so echt, wie es sonst kaum war. Ich fühle mich wieder so jung wie damals und bedauere zutiefst, dass ich die alternde Hülle nicht abstreifen kann. Anna hat die Karte studiert und nennt dem Kellner den gewünschten Cocktail. „Herr Petersen, das übliche?“ Ich nicke und einen Moment herrscht Stille.

Anna sieht mich nun offen an. „Tun sie das oft? Mit „Fans“ etwas trinken gehen?“ Ich schüttle den Kopf. „Nein, eigentlich nicht, aber ihnen war offensichtlich kalt und außerdem, würde ich sie gerne ein wenig kennen lernen!“ ,antworte ich leise. Bei ihr fehlen mir, dem Wortakrobaten doch tatsächlich die Worte, weil ich das, was ich gerne sagen würde, nicht aussprechen darf. Als die Cocktails da sind, prosten wir uns zu.

„Dass ich hier mit ihnen sitze….“, sie lehnt sich zurück und mustert mich scheu. „Ich kann das gar nicht glauben. Ich habe all ihre Filme und Shows gesehen!“, erklärt sie mir begeistert. „Sind sie nicht zu jung für all die alten Schinken?“, frage ich. Sie schüttelt den Kopf. „Ich mag diese Heile-Welt-Filme. Wann könnte man sie besser gebrauchen als heutzutage?“ Ich gebe ihr recht. Manchmal braucht man diese Fluchten. „Zudem höre ich sie in den Filmen gerne singen!“, gibt sie zu und ergänzt: „Oh je, sie halten mich sicher für einen durchgeknallten Groupie, aber glauben Sie mir, dass bin ich nicht, ich musste mich sogar überwinden, mich dort zu den anderen Damen dazuzustellen um um ein Autogramm zu bitten! Normalerweise tue ich das nie, ich denke immer, sie wollen doch auch ihre Ruhe haben vor den Fans!“

„Nun, in dem Fall habe ich ja Sie gefragt, ob Sie mit mir etwas trinken gehen! Und es gehört ja zu meiner Arbeit als Schauspieler, Autogramme zu geben, aber, soll ich ihnen etwas verraten?“, ich beuge mich verschwörerisch über den Tisch nach vorn und bin ihr auf einmal sehr nah. „Es sind nicht mehr allzu viele.“ Sie lächelt. „Dass kann ich mir zwar kaum vorstellen, aber wenn dem so ist, hatte ich ja wirklich Glück! Sonst wäre ich ihnen nie so nah gekommen!“

Sie strahlt mich an. Ich freue mich, dass sie nicht das verschüchterte Mädchen ist, das ich fast erwartet hätte. Es macht mich sprachlos, dass die anfängliche Anziehung von früher selbst heute noch wirkt. Auch damals herrschte eine direkte Vertrautheit zwischen uns.
„Warum haben Sie mich auf dem Foto – SO – angeschaut? Es wirkt auf mich, als ob sie mir etwas sagen wollen!“ Sie sieht mich herausfordernd an. Ich greife nach ihren Händen, die auf der Tischplatte liegen. Es ist ein natürlicher Reflex, den ich nicht zurückhalten kann. „Sie erinnern mich an eine Frau, die ich einmal – sehr gut - kannte.“ „Oh, ok, damit hätte ich jetzt nicht gerechnet! Haben Sie denn keinen Kontakt mehr zu dieser geheimnisvollen Frau?“ Ich schüttle den Kopf. „Der ging leider vor vielen Jahren verloren!“ „Das ist nicht sehr schön! War sie auch berühmt?“
„Sie hätte es werden können, aber dann – ist etwas passiert und – und wir wurden getrennt!“ Ich sehe, dass sie den Schmerz in meinen Augen erkennt.

„Aber sie haben trotzdem geheiratet?“, fragt sie mich nun. Ich nicke. „Ja, nachdem ich begriffen habe, dass sie tatsächlich nicht mehr zu mir zurück kommt habe ich dies getan. Aber, ganz ehrlich, die große Liebe war es doch nicht. Meine Frau hätte etwas besseres verdient – nun, sie ist vor ein paar Jahren gestorben, aber das werden Sie sicher wissen?“ Anna nickt. „Es tut mir leid für Sie – und - ja, ich habe es in den diversen Klatschblättern gelesen. Und danach gab es niemanden mehr?“, fragt sie vorsichtig. Ich schüttle den Kopf.
„Ich habe dann beschlossen, einfach zu warten!“, füge ich geheimnisvoll hinzu. Und Anna sieht mich fragend an. „Zu warten auf was?“ „Vielleicht dass ein Wunder geschieht!?“, frage ich leise und füge noch hinzu: „Und vielleicht hat mein Warten ja bald ein Ende!“

Sie mustert mich schweigend und beinahe wissend. „Ich kenne sie zwar erst ein paar Minuten, aber ich muss schon sagen, dass sie der rätselhafteste Mann sind, der mir je untergekommen ist.“ „Dieses Prädikat habe ich auch noch nie erhalten!“ Wir lächeln uns schweigend an und wieder ist die Spannung von damals zwischen uns und ich sehe, selbst in dem schwummerigen Licht der Bar, dass Anna unter meinem intensiven Blick errötet. Ich muss mich selbst ermahnen, mich zurückzuhalten, Anna SO zu studieren. Es ist ihr gegenüber nicht fair. Sie ist es, die die Stille und Spannung zwischen uns durchbricht, als sie zu ihrer Armbanduhr schaut. „Oh, jee… Herr Petersen, es tut mir wirklich leid, aber ich sollte besser gehen! Um die Zeit fahren die Trams nicht mehr so oft und bei diesem Wetter kann ich froh sein, wenn überhaupt noch eine Bahn fährt, zudem wohne ich etwas außerhalb!“

„Soll ich sie fahren?“ ,frage ich rasch. Sie schüttelt den Kopf. „Nein, hier fährt in 5 Minuten eine Bahn ab und ich muss ziemlich früh aufstehen.
Zudem wohnen Sie, wenn ich mich recht entsinne, genau in der entgegengesetzten Richtung. Sie wohnen doch in Starnberg? Oder?“
„Erwischt, ich erfülle das Klischee des alternden Stars von vorne bis hinten!“ Sie lacht. „Das mit dem alternden Star habe ich jetzt mal überhört. Und so oder so ist es am Starnberger See ja sehr schön!“
Nachdem ich den Kellner gerufen und schnell bezahlt habe, erheben wir uns und ich helfe Anna in die Winterjacke und ich muss mich zusammen reißen, weil ich sie eigentlich nur in meine Arme ziehen möchte. Wir verlassen gemeinsam die Bar und als wir wieder vor dem Theater stehen, dreht sie sich zu mir hin, um sich zu verabschieden.
„Ich habe hier noch etwas für Sie.“ Meine Hände zittern, als ich ihr zwei VIP-Karten für das Theaterstück reiche. „Kommen Sie einfach wann sie wollen. Bitte!“, füge ich eindringlich – und fast flehentlich hinzu.
„Ich würde – unser Gespräch – von gerade eben gerne fortsetzten!“ Wir blicken einander an und ich habe eine Deja Vu. So standen wir hier schon einmal, vor langer Zeit. Ihre braunen Augen, die hier, im schwummerigen Licht ganz dunkel wirken, sehen mich erfreut an. Sie versteht sie noch nicht, die Verbindung, die zwischen uns sein wird. „Das wäre sehr schön!“

Annas Blick lässt meinen los, geht zu den Karten und sie greift wie in Zeitlupe danach. „Ich komme sehr gerne wieder, Herr Petersen! Vielen Dank für die Karten – ich weiß gar nicht, womit ich die verdient habe!“ Sie sieht mich fragend an. „Und auch vielen Dank für diesen schönen Abend! Im Theater – und hier!“ Ihre Hand wieder in meiner. Wir halten einander fest, vielleicht einen Moment zu lang, doch es wird Zeit loszulassen. Bald wird sie alles wissen. Und wir haben die Gegenwart endlich für uns, und ich muss nicht mehr allein in der Vergangenheit schwelgen.

3 „Gefällt mir“

Hi,

herzlich willkommen! Ich bin dafür bekannt, dass ich gleich loslege … . Nicht böse sein. Ich schreib immer alles hin, was mir auffällt.

Muss zusammengeschrieben werden und groß. Selbst wenn du den Bindestrich zur Betonung des Un stehen lässt, muss das Wort groß geschrieben werden.

Was ist ein kleines Gefühl? Gefühle sind großartig oder einfach nur da oder … in meinen Augen jedoch nie klein. Klein sind für mich Ameisen, groß sind Bagger, in meinen Augen zumindest. Kleine Gefühle kenne ich hingegen nicht.

Ich würde die beiden Sätze mit einem Komma verbinden. Ansonsten verwirrt es im ersten Moment.

Heißt das Wort nicht schwächeln?

Das würde ich eher auseinander schreiben, bin mir aber nicht ganz sicher.

Nach einem Punkt geht es groß weiter oder du verbindest die beiden Sätze durch ein Komma.

Diese Satzkonstruktion hört sich für mich an wie aus alten Zeiten (Goethe oder so. :slight_smile: )

morgen oder übermorgen ist etwas Anderes als der Morgen und müsste meiner Ansicht nach klein geschrieben werden.

Ich meine, das müsste groß geschrieben werden. Danach würde ich mit einem Komma weitermachen.

Sie muss nur dann groß geschrieben werden, wenn es eine Anrede ist. In deinem Fall handelt es sich aber um die Karte und muss daher klein geschrieben werden.

Hier ist ein sie zu viel.

??? → Was will er uns damit sagen?

diesem

Auch hier würde ich die Sätze mit einem Komma verbinden.

kinnlang, müsste es heißen, meine ich.

Muss zusammen geschrieben werden. Allerdings finde ich das Vokabular etwas ungünstig, viel zu distanziert für die starken Gefühle, die er für sie empfindet.

Du deutsch? Entschuldige bitte, aber hier fehlt etwas. :slight_smile:

Nun bin ich ganz raus. Was sind das für Sätze? Oder anders ausgedrückt: Was ist Bedeutung von dies? Kleiner Scherz. Das müsste für meinen Geschmack doch deutlich anders formuliert werden.

Das verstehe ich inhaltlich nicht. Wenn ich doch weiß, wie jemand heißt, warum sollte ich denjenigen oder diejenige denn nicht beim Namen nennen? Und dann fragt er wie sie heißt? Ich stehe auf dem Schlauch. Ach so. Wenn man weiterliest, kommt man dahinter. Die Zeiten sind wohl etwas wirr, oder?

+++

Habe leider keine Zeit mehr, weiterzulesen. Muss zum Training - Radfahren zuhause, muss also nicht wirklich irgendwo hin. Aber das gehört für mich zur Selbstdisziplin. Wenn sich zwischenzeitlich kein anderer Forianer meldet mache ich nacher oder morgen weiter. Bis zu der Stelle, an der ich steckengeblieben bin, fehlt mir der Pep, etwas das mich neugierig macht.

Bis später oder demnächst.

Liebe Grüße
Suse

1 „Gefällt mir“

Hallo Suse, ja, ich bin deutsch, und ich weiß, dieses erste Kapitel ist etwas Kryptisch, es ist extra so geschrieben. Ich warte jetzt mal noch ab, was andere noch dazu sagen, dann werde ich es wohl doch noch anpassen müssen.

1 „Gefällt mir“

Wenn man Leser/Buchkäufer ansprechen möchte, ist das meiner Meinung nach nicht die beste Strategie.
Ein Leser braucht schon recht hohe Motivation, um sich in deine Geschichte einzulesen.
(So mancher Leser wird - so wie ich - spätestens nach sechs Absätzen die Lust verlieren.)

1 „Gefällt mir“

Dann werde ich es wohl doch noch überarbeiten. Danke fürs Feedback.

Der Text zieht mich sofort in seinen Bann, sensationell gut, du hat etwas zu erzählen, du hast eine Geschichte, was den meisten anderen abgeht. Da ist Spannung, da sind Gefühle, da ist Hoffnung und da ist Wissen. Du spielst virtuos mit den Mitteln, die dir zur Verfügung stehen. Ich würde sofort alle deine Bücher kaufen, nur wegen des ersten Drittels deines ersten Kapitels. Gleich erst lese ich den Rest.

All deine kleinen Makel oder Fehlerchen sind nichts, denn du kannst lebendig und packend erzählen, was den meisten anderen abgeht. Du bist die dritte Person hier, mit der ich gerne ein Bierchen tränke. Verrate mir unbedingt, wo ich deine Bücher finde. Grandiose Erzählkunst. Natürliche Spannung. Packende Szenen. Schön, dass es dich gibt!

1 „Gefällt mir“

Mein Ratschlag wäre, eine Geschichte zuerst bis zum Ende fertig zu schreiben und danach einmal zu überarbeiten, bevor man sie hier der Kritik aussetzt.
Bei der ersten Fassung ist es sinnvoll, so zu schreiben, wie man selbst gut in die Geschichte hineinkommt, danach überarbeitet man das Buch so, dass der Leser möglichst gut in die Geschichte hineinkommt.

Nö. Das finde ich nun wiederum gar nicht. Ich meine, es ist hilfreich gleich zu Beginn zu prüfen, ob man aus der Sicht anderer auf dem richtigen Pfad ist oder in eine Sackgasse läuft.

1 „Gefällt mir“

Wenn die Sicht anderer aber zu 90 % auf Rechtschreibung, Grammatik und Sprachstil und zu 10% auf den Schreibstil ausgerichtet ist, dann blockiert einen das meiner Meinung nach total beim kreativen Schreiben des Inhalts, der eigentlichen Geschichte, die man doch noch bis zum Ende entwickeln muss.

1 „Gefällt mir“

Zum Inhalt bin ich persönlich ja aus Zeitgründen noch gar nicht gekommen und warum sollte man Grammatikfehler, etc. nicht gleich mit ausmerzen? Ich umschiffe beim Rasenmähen ja auch nicht das Unkraut nur weil ich nächste Woche wieder mähe.

Du hat genau das richtige Maß zwischen zu wenig und zu viel zu verraten, das ist deine wahre Begabung, das ist Intuition, wie sie wirklich begabte Schriftsteller brauchen. Du brauchst ein Lektorat, das ist wahrlich keine Schande, denn wie du die Figuren lebendig machst, das kann dir keiner nehmen! Ich bin ein Fan von Zeitreisegeschichten und dein erster Fan, wenn ich darf. Meine Freundin neben mir sagt gerade, dass es noch andere Götter neben mir gibt. Ich muss neidlos anerkennen, dass du dazugehörst. Lass dich nicht entmutigen, denn du hast die Gabe.

1 „Gefällt mir“

Finde ich auch. Mich packt die Geschichte im Gegensatz zu @Frafür1Freu gar nicht.

Ich kann über den Giersch erstmal einfach nur drübermähen, und mir später die Zeit nehmen, auf Knien die einzelne Gierschpflanze mitsamt Wurzeln aus dem Rasen zu entfernen.

1 „Gefällt mir“

Jau. Es funktioniert so oder so, je nach Vorliebe.

1 „Gefällt mir“

Hallo @StellaMaris1112,

hier mal meine höchst subjektive Sicht:

  • für ein erstes Kapitel eignet sich dies m. E. nicht. Vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt, aber zu Anfang hat man noch keinen Bezug zu den Protas und diese helpless reflections of what might have been ermüden. Ich wurde nicht neugierig auf die Geschichte, sondern ertappte mich bei dem Gedanken „Mein Gott, nu mach mal!“
  • Ich fand es seltsam, dass erst lange mit Innenschau und Retrospektive verdeutlicht werden soll, wie groß die Vorfreude ist, aber dass der Moment des tatsächlichen ersten Wiedersehens und die Wirkung auf sein Innenleben komplett fehlt. Vorfreude - Cut - Applaus, Aufführung vorbei. Das hat was von einem literarischen Coitus Interruptus.
  • In diesem Zusammenhang: Während der Vorstellung jagt sein Blick durch die Reihen. Drei Sätze weiter: Sie wird dort sitzen. Ist das so richtig? Ist sie keine Zuschauerin oder verspätet sie sich?
  • Die Fans nach dem Auftritt sind erstaunlich diszipliniert. Scheinen nach dem Autogramm sich brav zu trollen, statt bei der Unterhaltung mit Anna dazwischenzuquatschen oder die beiden beim Drink zu stalken. Kommt bei mir etwas als Staffage ex machina rüber.
  • Du schriebst, dass das erste Kapitel mit Absicht kryptisch ist. Durch die mehrfachen Hinweise liegt aber die Vermutung nahe, dass es um irgendeine Zeitreisegeschichte geht. Abgesehen davon würde bei einem späteren Buch der Klappentext bzw. Genre schon gewisse Informationen preisgeben. Ich weiß nicht, ob das dann so sinnvoll ist.
  • Im Moment muss ich leider sagen, dass ich nicht weiterlesen würde, weil mir die Geschichte zu sehr „dahinplätschert“ und mir auch die achte gefühlige Botschaft, dass er sie früher toll fand, too much sind.

My 2 cents. Nimm dir, was du brauchst davon und ignoriere was nicht passt.

3 „Gefällt mir“

Suse hat recht.
In dem Satz „Herr Petersen, es ist soweit!“ muss so weit tatsächlich auseinandergeschrieben werden.
Man schreibt soweit nur dann zusammen, wenn es sich um eine Konjunktion handelt. Konjunktionen leiten Nebensätze ein.
Beispiel:
Soweit ich weiß, ist er letzte Woche nach Frankreich gefahren.

Als Hilfe kannst du dir merken, dass man so weit auseinanderschreibt, wenn man … bis ergänzen kann.
„Herr Petersen, es ist so weit …, (bis das und das passiert)!“

Und zu Suses Satz „Das würde ich eher auseinander schreiben, bin mir aber nicht ganz sicher.“ könnte man den Duden zitieren:
Man schreibt »auseinander« mit dem folgenden Verb in der Regel zusammen, wenn es den gemeinsamen Hauptakzent trägt.
Also heißt es: Das würde ich eher auseinanderschreiben, bin mir aber nicht ganz sicher. (Funktioniert hier analog zu „zusammen“, zusammenschreiben, zusammensuchen, zusammenkommen.)

1 „Gefällt mir“

Stimmt.

Hier muss es Kloß heißen, Singular von Klöße.
Das, was du geschrieben hast, ist der Plural von Klo …

Das um uns herum noch andere Autogrammjäger stehen, ist mir egal.
Hier muss „dass“ am Anfang mit ss geschrieben werden, weil es eine Konjunktion ist.

Ich sehe, wie sie auf unsere Hände hinab starrt,
Zusammenschreibung: hinabstarrt (analog zu hinabgehen, hinabrennen etc.)

„Dass, das fühlt sich angenehm an.“
Ich nehme an, dass sie hier vor Verlegenheit stottert. Das ist kein Grund, das erste „das“ mit 2 s zu schreiben.

Außerdem solltest du darauf achten, eine neue Zeile zu beginnen, wenn eine neue wörtliche Rede beginnt:
Ich habe all ihre Filme und Shows gesehen!“, erklärt sie mir begeistert. [neuer Absatz!] „Sind sie nicht zu jung für all die alten Schinken?“, frage ich.
Dann kommst du auch mit weniger Inquit-Formeln aus, weil durch den Zeilenwechsel deutlich wird, dass jemand anderes spricht.

… wir haben ein Déjà-vu.
Déjà-vu ist laut Duden neutrum.

Hallo, @StellaMaris1112,
ich muss leider zugeben, dass mich der Text auch nicht zum Weiterlesen animiert. Ich finde ich ihn nicht spannend. Die vielen Rückblenden zu Beginn der Geschichte verhindern, dass man richtig eintauchen kann.
Außerdem sind Ziel und Konflikt in der Szene nicht sehr geschickt eingesetzt.
Hannes hat zwar ein Ziel, nämlich seine Anna wiederzutreffen, aber er hat auch nicht wirklich Einfluss darauf, ob sie kommt oder nicht. Das lässt ihn als Protagonisten passiv wirken.
Hinzu kommt, dass die Konflikte bestenfalls Pseudokonflikte sind. Wenn er sich bei einem ersten kurzen Treffen, das vielleicht auch noch spontan abläuft, nicht traut, ihr zu sagen, was er an ihr findet, kann ich das noch verstehen.
Aber auf dieses Treffen bereitet er sich mental vor. Er denkt die ganze Zeit an nichts anderes. Zudem ist er Schauspieler, also nicht gerade ein ängstlicher Typ, der jeden Abend vor Publikum auftritt. Und da braucht er so lange, um sie anzusprechen und ihr zu sagen, dass sie sich von früher kennen? Das wäre doch eigentlich ein guter Aufhänger für ein Gespräch. Ein guter Einstieg. Aber den lässt er verstreichen.
Und die Konflikte, falls es überhaupt welche gibt, sind eher seine eigene Zurückhaltung, die mir nicht so recht zur Situation und zu seinem Charakter zu passen scheint.
Wenn er sich gerade bereit gemacht hätte, sie anzusprechen, und dann sähe, dass sie von einem anderen Mann in die Arme geschlossen wird (niemand weiß bisher, dass es eigentlich ihr Bruder ist), dann würde ich verstehen, dass er einen Rückzieher macht und dass ihm die Worte im Hals stecken bleiben. Und seine Schüchternheit könnte man einmal zu Beginn der Szene gelten lassen. Aber fast die ganze Szene hindurch?

Hast du mal daran gedacht, die Szene aus Annas Sicht zu erzählen? Sie hätte viel weniger Einfluss auf das Geschehen. Wird sie ihrem Idol nahe kommen? Wird sie ein Autogramm ergattern? Oder wird es heute gar keine Autogrammstunde geben? Wurde diese vielleicht abgesagt? Was würde sie alles unternehmen, um doch ein Autogramm zu bekommen?
Hier kannst du entscheiden, ob sie sich an ihn erinnern soll oder nicht. Sie könnte in ihm ebenfalls ihre heimliche Liebe erkennen und sich fragen, ob er überhaupt etwas mit ihr zu tun haben will, wo er doch ein recht berühmter Schauspieler ist, der sicher viele weibliche Fans hat. Das würde zumindest erklären, warum sie sich nicht gleich abspeisen lässt, als die Autogrammstunde abgesagt wird.
Oder will sie nur ein Autogramm für ihre Sammlung haben und ihr ist gar nicht mehr bewusst, dass sie sich von früher her kennen? Dann kannte sie früher vielleicht auch nur seinen Vor- aber nicht seinen Nachnamen … Und als er sich ihr nähert, hält sie seine Avancen zunächst für geschmacklos und lässt ihn abblitzen. Und dann müsste er sich etwas Neues ausdenken, um sie zu erobern.

Das Gespräch in der Bar ist eher langweilig, weil es dort auch keinen nennenswerten Konflikte gibt. Sie tauschen sich über die Vergangenheit aus und man hat den Eindruck, das Gespräch plätschere so vor sich hin. Damit erreichst du die Leser aber nicht, und schon gar nicht im ersten Kapitel.
Die Szene sollte am Ende möglichst in eine neue kleine Katastrophe münden, damit schon der Konflikt für die nächste Szene gelegt wird und die Spannung nicht abreißt. Zumindest nicht am Ende der Szene. In der Mitte kann es gerne mal eine Verschnaufpause geben, aber ungern am Ende. Außer, natürlich, in der allerletzten Szene. Da darf es gerne ein Happy End geben.

1 „Gefällt mir“

Ich sehe das mit den Konflikten in jeder einzelnen Szene deutlich anders als Pamina22. Ansonsten muss ich ihr jedoch Recht geben.
Wenn du dazu noch RalfGs Anmerkungen beherzigst meine ich, könnte deine Geschichte durchaus Potential entwickeln.

Hallo Katja,

nach den vielen Detailanmerkungen der anderen würde ich dir gern noch einen etwas gröberen Blick geben.
Zunächst einmal würde ich nicht mit der Selbstbetrachtung im Spiegel beginnen, das ist allzu verpönt und typisch.

Stattdessen würde ich dir raten, hier einzusteigen:

Ich bin alt. Viel älter als sie und doch spüre ich ein kleines Gefühl in mir, was zum aufregenden Kribbeln wird.

Auch, weil du damit direkt loslegst. Ich denke, in deinem Text ist einfach noch Kürzungspotential. Informationen, die von einer an die andere Stelle verschoben werden können. Informationen, die nicht mehrfach abgewandelt wiederholt werden sollten. (!!)

Anbei mal ein Beispiel wie es sein könnte, gebastelt aus deinem Stoff – ohne weitere Bearbeitung (außer tw. Sätze zu einem gekürzt):

Ich bin alt. Viel älter als sie und doch spüre ich ein kleines Gefühl in mir, was zum aufregenden Kribbeln wird. Wie viele Jahre habe ich auf diesen Tag gewartet, die Monate, Tage und Stunden gezählt.

Niemand hat je erfahren, was damals geschah. Die Presse war in Aufregung geraten, hatte mir aufgelauert und gefragt, wo sie denn hin sei. Ich blieb ihnen immer eine Antwort schuldig.

Mein Blick wandert zur Uhr. Viertel vor acht. Endlich wird sie wieder ein Teil von mir sein, und weiß doch gar nichts von ihrem Glück.

Ich lächle mein Spiegelbild aufmunternd an. „Du hast es geschafft, alter Junge, heute hat dein Warten ein Ende!“ Ich verstumme, als hinter mir die Tür aufgeht.
„Herr Petersen, es ist soweit!“
„Danke, Marie, ich komme gleich!“ Höre ich ein Zittern in meiner Stimme? Heute muss sie klar und fest klingen. Heute Abend, so habe ich mir vor vielen Jahren geschworen, werde ich meinen besten Auftritt abliefern. Ich straffe meine Schultern, kehre meinem Spiegelbild den Rücken zu und laufe mit festem Schritt Richtung Bühne.

Während der Vorstellung jagt mein Blick verstohlen durch die Reihen. Wie oft habe ich schon auf den einen Platz gestarrt. Reihe 3 Sitz 28. ziemlich genau in der Mitte. Anna. Ohne zu wissen, welch Freude mich erfüllt, sie endlich wiederzusehen. Anna, die Ahnungslose, für die Morgen das Leben erst anfängt.

Der Applaus erfüllt das Theater wie das Klatschen eines heftigen Platzregens. Ich verbeuge mich tief. Höre laute „Bravo, Bravo“ rufe. Höre Annas Stimme durch den Regenschauer klatschender Hände. Nur noch sie. Als ich mich aufrichte, sehe ich das erste Mal seit über drei Jahrzehnten wieder in ihre Augen. Rasch schaue ich weg, sie darf nichts merken. Mein Herz schlägt schneller. Sie ist immer noch schön.

Noch einmal verbeuge ich mich, küsse galant die Hand meiner Partnerin, reiche ihr einen Blumenstrauß und verlasse die Bühne.
In einer viertel Stunde habe ich es geschafft, mich abzuschminken und umzuziehen. Das alte, zerknitterte Foto zittert in meiner Hand. Eine Autogrammkarte. Anna gab sie mir, kurz bevor sie mich verließ.

Meine Knie zittern leicht, als ich Richtung Künstlerausgang gehe. Als ich nach draußen trete, bläst mir der Januarwind einen Schwall Schnee ins Gesicht. Ich schließe die Augen und wische die Kälte weg. Als ich sie wieder öffne, sehe ich Anna etwas abseits. Nervös tritt sie von einen auf den anderen Fuß, hat mich fixiert und lächelt dennoch.

Ich muss mich zusammenreißen, um sie nicht beim Namen zu nennen. „Wie heißen Sie?“ Ich muss mich räuspern.
„Anna. Anna Siebert.“ Ihre sanfte Stimme jagt mir längst vergessene Schauer über den Rücken. Ich suche ihren Blick und versuche zu ergründen, ob sie mich erkennt. Noch nicht.

„Anna! Schöner Name!“ „Danke!“ „Möchten Sie eine Widmung dazu?“

„Für Anna, vielen Dank für den Applaus, Hannes Petersen“ schreibe ich schwungvoll und reiche es ihr. Kurz berühren sich unsere Hände. Ihre sind eiskalt, viel kälter als meine.

ch schlucke den Klos in meinem Hals hinunter, und greife automatisch nach ihrer Hand, um sie zu wärmen. Sie endlich berühren. Das um uns herum noch andere Autogrammjäger stehen, ist mir egal.
Sie sieht mich erschrocken an. „Entschuldigen Sie, aber Ihnen ist offensichtlich kalt…“

Ich sehe, wie sie auf unsere Hände hinab starrt, so als ob sie nicht fassen kann, dass ich nach ihrer Hand gegriffen habe. „Dass, das fühlt sich angenehm an.“, flüstert sie und lächelt ihr umwerfendes Lächeln.

„Können wir vielleicht noch ein gemeinsames Foto machen?“, fragt sie, nun mutiger. Ich nicke. „Sehr gerne!“ Ein anderer Fan, der etwas abseitssteht, kommt und greift nach der Kamera… Ich lege einen Arm um ihre Schultern, bin wie berauscht davon, sie so nah bei mir zu fühlen. Ich frage mich, wer hier der Fan ist. Ich kann nicht anders, als mich zu ihr zu drehen, um sie anzuschauen.

„Wie wäre es, wollen sie noch etwas mit mir trinken gehen, Anna?“

„Nun, ja, warum denn auch nicht!“, sagt sie unsicher, kann nicht fassen, was da gerade passiert.

Ich greife nach ihrem Arm und wir betreten den breiten Aufgang zum Theater, biegen in einen anderen Gang ab und gehen die Treppen nach unten in die angesagte Hotelbar. Dort ist es schwummerig. Leise Musik klingt aus den Boxen. Zum Glück sind bei diesem Wetter heute Abend nicht allzu viel Leute da. Ich führe sie in eine Ecke, wo die hohen Korbsessel neugierige Blicke aussperren.

Und so weiter.
Inhaltlich geht hier meiner Meinung nach nichts verloren, stattdessen ist es auf die wesentliche Informationen reduziert, womit nach meiner Ansicht die Zähigkeit des Textes verschwindet, worüber sich ja ein paar Leute beschwert haben.

5 „Gefällt mir“