Die Sache mit der Zielgruppe bei Thrillern

Hallo in die Runde,

ich habe einen Thriller mit einem jugendlichen Protagonisten geschrieben. Dabei stehen typische Adoleszenz-Themen im Fokus, aber die Handlung
dürfte auch Erwachsene ansprechen.
Mir ist aufgefallen, dass bei Genres wie Fantasy oder Dystopien das Alter der Hauptfigur oft kaum eine Rolle für die Genre-Einordnung spielt. Selbst mit jugendlichen Protagonisten ist der „Crossover“-Effekt quasi eingebaut, selbst wenn sie als „Jugendbuch“ deklariert werden. Bei Thrillern scheint das (zumindest nach meinem Empfinden) anders zu sein. Ich würde mir persönlich als Erwachsener eher selten einen „Young Adult-Thriller“ kaufen, weil ich automatisch an eine klar definierte Zielgruppe denke.
Meine Frage: Sollte ich mein Buch als ‚YA-Thriller‘ kennzeichnen, oder eher auf ‚Thriller‘ ohne Altersstempel gehen, um auch erwachsene Leser anzusprechen? Welche Strategien kennt ihr, um beides zu erreichen? Wann macht was Sinn?

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Ich denke, bei Thrillern liegt der Fokus ja ganz woanders…also nicht bei Romantik, Highschool-Dramen, coming outs etc. … Insofern, denke ich, der Thriller passt ganz allgemein ins Genre Thriller.

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Das sehe ich ähnlich.
Ein Thriller hat m.E. (i.d.R.) einen eher „allgemeingültigen“ Ansatz, wobei es nicht ganz so wichtig ist, wie alt die Protagonisten sind. Es muss halt „die Welt gerettet werden“.

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Wenn man sich die Thriller von Ursula Poznanski oder Holly Jackson ansieht, finde zumindest ich erkennbar, dass die sich primär an ein junges Publikum wenden und dieses durch das Thema ansprechen und ernstnehmen, aber durchaus mit der Härte eines „erwachsenen“ Thrillers konfrontieren. Das Thema macht da mE den Unterschied. Nicht einfach nur ein sadistischer Killer, der irgendwo in Schweden im Umfeld des Ermittlers herummurkst, sondern ein hippes Computerspiel, das zum Töten auffordert. (Wie relevant das in der Altersgruppe sein kann, sieht man an Gruppen wie White Tiger etc).

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Ich würde auch das Genre Thriller als allgemeines sehen, auch wenn der Protagonist noch so jung ist (könnte das Motiv beeinflussen). Allerdings würde ich ggf. im Klappentext würde auf das jugendliche Alter des Täters (ein Ermittler wird es wohl nicht sein :wink:) hinweisen, um ein YA-Publikum zu interessieren.

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Das Problem kenn ich sehr gut. Auch ich konnte mich nicht entscheiden zwischen Coming-of-age und Thriller. Zutreffend wär beides gewesen. Hab dann einfach „Roman“ darunter geschrieben. (Ja, ich weiss schon, die Verlage, die Agenturen, der Handel …)

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Das macht für mich Sinn. In meinem Buch steht jetzt kein klassisches jugendliches Thema (Cybermobbing, Mord im schulischen Umfeld etc.) im Zentrum. Erzählt wird aber aus der Perspektive des jugendlichen Protagonisten, in dessen Umfeld ein geliebter Mensch gestorben ist. Der Fokus liegt darauf, wie er in dieser Lebensphase (Adoleszenz, erste Liebe, Schule etc.) mit diesem Verlust umgeht.

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Ein ähnliches Problem habe ich auch. Ein 17-jähriger Gymnasiast ist die Hauptperson im Chaos nach der Alieninvasion und dem politischen Vakuum in den Monaten danach.

Einerseits ist die Charakterentwicklung das Ende seiner Kindheit und viele Szenen spielen in der Schule. Andererseits umschreibe ich nichts. Gewalt und Sex (Mein Protagonist wird 3,5 mal Sex haben) wird beschrieben und vieles wird nur mit Lebenserfahrung (z.B. Wissen über die Kulturrevolution) Sinn ergeben.

Deshalb würde ich es auf jeden Fall, trotz dem Protagonisten, nicht für Kinder und junge Erwachsene empfehlen.

Mal eine Frage am Rand. Abgesehen von Kinderbüchern, wer von euch macht sich vor dem Schreiben Gedanken über die Zielgruppe.

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Mit einem 17jährigen, der im Lebensumbruch ist und Sex hat, bist Du auch raus KiJu (&YA) und mindestens im New Adult-aufwärts-Segment.

Ich mach mir um meine Zielgruppenindividuen wenig Gedanken. Die müssen mental älter als 20 sein. Und Romance mögen, die nicht völlig von der Stange ist. „Upmarket“ würde ich draufkleben.

Mit einem 17jährigen der im Lebensumbruch ist und keinen Sex hat solltest du nicht ins Segment Jugendliteratur. Eher in die Jugendpsychiatrie.

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Auch eine Zielgruppe …
Wobei viele da auch bei den eher sexfreien Büchern wurzeln, sowas wie „The Glass Girl“ …

Da ich mich in den letzten Jahren auch von der SciFi mehr zu den Thrillern zugewandt habe, würde ich mir auch überlegen, welche Altersgruppe meine Zielgruppe ist und in welchem Stil ich schreibe.
Thriller bedeutet für mich auch eine gewisse Form von Härte, Gewalt oder Komplexität.
Ich finde, ich schreibe auch irgendwie in einem Jugendbuchstil, aber beschreibe auch Folterszenen in einigen Details, die sicher nichts für Heranwachsende sind.
Zudem haben meine Protagonisten einen Erfahrungsschatz, den man einem jungen Erwachsenen noch nicht abnehmen würde.

Und meiner Meinung nach ist ein Thriller eher etwas für Erwachsene und keine Jugendliteratur.

Einspruch, Euer Ehren!
Charakteristisch für den Thriller ist das Erzeugen einer Spannung, die nicht nur in kurzen Passagen, sondern während des gesamten Handlungsverlaufs präsent ist, ein beständiges Spiel zwischen Anspannung und Erleichterung. (wikipedia)
Und ohne dem kriegst du keine Kids zum Lesen, lieber @Kapalaran. Was Folterszenen aber nicht unbedingt voraussetzt. Mein Jugendbuch-Tipp: „Als die Stadt in Flammen stand“ von Kimberly Jones, zB. Oder „Der Junge im gestreiften Pyjama“ von John Boyne. Oder „Ich war der Lärm. Ich war die Kälte“ von Jenny Downham. Oder „Sonne und Beton“ von Felix Lobrecht. Da fliegt dir das Blech weg, so „thrillt“ das.

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Einspruch angenommen, mon Capitane.

Allerdings setze ich, je nach Schreibstil auch eine gewisse ‚Reife‘ der Zielgruppe voraus.
Je nachdem wie intensiv oder detailiert es in den Texten zugeht.
Ein Tarantino unterscheidet sich schließlich auch von Disney.
Das Problem ist lediglich, dass es keine FSK bei Büchern gibt an denen man sich im Regal orientieren kann. Lediglich Empfehlungen. Und entweder lese ich ‚Thriller‘ oder ‚Jugendlitereatur‘, ganz selten ‚junge Erwachsene‘.
Und ganz ehrlich: Welcher ‚junge Erwachsene‘ kauft in seiner Klasse, wenn er Hardcore bekommen kann?

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Ich glaube, dass eines der Hauptprobleme dabei ist, dass die Eltern nicht mehr mit den Kindern reden, über das, was sich die reinziehen, egal ob es beim Gaming, beim Streaming oder bei Bücher ist. Man delegiert seine „parental advisory“ einfach an eine FSK oder an halbgare Triggerwarnungen und gut isses. Isses aber ganz und gar nicht!
(Okay, meine Mutter wusste auch nicht, das ich mit 14 George Orwell las und dann wochenlang Alpträume hatte. Aber ich hatte meinen Büchermeister mit dem ich darüber reden konnte. Heute gibts stattdessen Tiktok.)

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Bei Spannungsliteratur finde ich die Übergänge zwischen den „Altersgruppen“ sehr fließend (Kinderkrimis mal ausgenommen, da ist die Zielgruppe recht eindeutig). Ich bin meinem Genre über die 20-25 Jahre hinweg, in denen ich lesen nun schon zu meinen Hobbys zähle, weitgehend treu geblieben. Als Kind habe ich gern Kinderkrimis gelesen, später andere Kriminal-, Thriller und Horrorliteratur. In den letzten Jahren zunehmend Klassiker. Ich kann also ein wenig auf meine eigene Entwicklung als Krimi-, Thriller- und Horrorfan zurückblicken.

Als Teenager habe ich vorrangig Thriller und Horror gelesen, in denen die Handlung möglichst brutal, nervenzerreißend und gerne sehr, sehr düster sein sollte. Ich wäre mit 16/ 17 nie auf die Idee gekommen, mir zum Beispiel einen Cosykrimi zu kaufen, obwohl manch einer diese Art von Literatur für eher angebracht gehalten hätte. Sowas wie Young Adult war damals noch nicht so verbreitet als eigenes Genre, glaube ich.
Thriller, die ich mir heutzutage kaufe, sind oft deutlich „harmloser“ als der Stoff, den ich mit 17 lesen wollte. Ich lese inzwischen lieber atmosphärisch düstere Geschichten mit Spannung und brauche dazu nicht mehr unbedingt das ganz brutale Szenario in der kompletten Bandbreite.

Kriminalliteratur im Allgemeinen lese und schreibe ich daher gezielt nicht für eine bestimmte Altersgruppe - das gilt auch für Thriller. In den letzten Jahren habe ich einige Thriller gelesen, die in Schulen/ Internaten spielen und sich mit den von Dir beschriebenen Themen befassen. Hätte ich mir als Jugendliche genau diese Bücher gekauft? Tatsächlich glaube ich das eher nicht. Mir wäre Mobbing an Schulen, Cyberkriminalität und Stalking damals zu lame gewesen - selbst, wenn dabei eine oder zwei Personen das Zeitliche segnen. Ich würde den Altersstempel an Deiner Stelle daher im Schrank lassen und das Buch einfach nur als „Thriller“ kennzeichnen. Ich glaube, Fans dieses Genre suchen meistens im Thriller Regal und weniger unter YA…

@Kapalaran Sorry, irgendwie passiert mir das sehr oft, dass ich versehentlich auf Beiträge antworte, ohne das zu beabsichtigen… Eigentlich sollte dieser Beitrag eine allgemeine Antwort sein. Tut mir leid!

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Ich glaube das Hauptproblem ist, dass sich die Gesellschaft seit unserer Jugend (Jahrgang 1963) geändert hat. In meiner Jugend gab es nur Kinderbücher die den Kleinen vorgelesen wurden und andere Bücher.

Den Vorwurf der Eltern, man würde nicht genug lesen gab es auch damals (zumindestens bei mir). Was wurde mir von meinem Vater empfohlen (unter 14)? Karl May. Hatte er auch gerne in seiner Jugend gelesen. Fand ich nach dem dritten Buch langweilig.

Irgendwann um die 14 fiel mir „Ein Kampf um Rom“ in die Hände. Auch kein Buch für gewaltfreie Kommunikation. Aber es war eine Geschichte, wo jede Seite Spannung war, Die Personen mit Zielen ausgestatte waren und es nicht den „Bösen“ gab. Dies Buch hatte mich zur Leseratte gemacht.

Lange Rede, kurzer Sinn. Heute wollen die Menschen in „Safespaces“ leben. Deshalb wird alles in Schubladen (siehe Bild unten) gepackt und mit Triggerwarnung versehen. Ich habe selbst als kleines Kind die Tageschau gesehen. Nach der Wetterkarte gings ins Bett.

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Da hast du absolut recht, @ftu_de. Mir gings in meiner Kritik an der mangelnden parental advisory aber weder um den Kontrollzwang mancher Helikopter Eltern noch um die Schaffung irgendwelcher Safe-Spaces (die es eh nicht gibt), sondern einfach darum, dass eben zwischen Kids und Homies genau gar nichts mehr läuft. Die Gründe dafür sind vielfältig und liegen in prekären Familien sicherlich vor allem bei Bildung und Einkommen, in besser situierten aber häufig im Desinteresse der Eltern. Das beginnt beim Handy, das der Zweijährige im Kinderwagen bekommt, damit er nicht quängelt, und endet bei den 17-jährigen die sich Hassprediger und Hard-Core-Pornos reinziehn.
Wir müssen mit den Kindern reden. Und dort wo sie Dinge tun, die ihnen langfristig schaden, auch klar Kante zeigen. Das geht super, auch ohne dass wir radikale Ge- und Verbote aufstellen. Einfach indem wir sagen: „Das finde ich aber echt kacke, was du dir da reinziehst. Und wenn du willst, erkläre ich dir auch warum.“ Also bei mir funktioniert das. Nicht von heute auf morgen, aber doch.

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Hier muss ich tatsächlich mal nachfragen, wie das konkret gemeint ist. Denn bis hier hin stimme ich Dir uneingeschränkt zu:

Was ich schwierig finde ist, dass Du in einem Thread über Thrillerromane auf Themen wie Hardcore Porn und Hassrede zu sprechen kommst. Für mein Gefühl kann und sollte man das nicht mit einer Geschichte vergleichen, die dazu verfasst wurde, zu unterhalten, zu gruseln und zu erschrecken. Der Autor hat das Buch (hoffentlich!) aus freien Stücken geschrieben, er hatte Spaß daran und wir lesen seinen Text mit Freude und Schrecken zugleich.

Es wurde niemand für das Buch ausgebeutet oder instrumentalisiert, im schlimmsten Fall bekommt der Leser vielleicht mal ein bisschen Angst im Dunkeln und durchsucht die Wohnung zur Sicherheit nach Einbrechern. Alles mit einem angenehmen Schauer und Grusel.

Ich glaube auch Teenager können durchaus unterscheiden zwischen einer Geschichte und Hassrede, Hetze und erst recht brutalem Bildmaterial, das vor einer Cam stattfand und bei dem man sich nicht sicher sein kann, ob oder ob nicht da jemand ernsthaft verletzt wurde und vor allem, ob das Video von allen Beteiligten freiwillig gedreht wurde. Darüber sollten wir als Gesellschaft sprechen und nicht nur mit Jugendlichen, sondern mit jedem, der sich in solchen Kreisen bewegt und der derartigen Inhalt konsumiert…
Findest Du denn wirklich, dass man so ernste Themen mit Horrorliteratur/ Horrorfilmen oder Thrillern vergleichen kann? Und wieso denkst Du so?

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Ich kann da kein psychiatrisches Problem identifizieren??