Danke für die Erinnerung an das Buch von Felix Dahm … das war auch eines der Bücher, mit denen ich aufgewachsen und lesesozialisiert worden bin. Müsste ich fast mal wieder rausholen.
Liebe Arletta
Ich glaube, das es erst mal wichtig ist, zu definieren, was „Horror“ oder „Thriller“ überhaupt bedeutet. Sind das Splattermovies bzw. -bücher, bei denen das Blut quasi schon aus dem Fernseher bzw. zwischen den Seiten hervorsprudelt oder zählen da auch schon Bücher wie Ottfried Preußlers Kleine Hexe dazu? (Ich weiß, ich überspitze jetzt, das aber ganz bewusst.)
Das Zweite, das wir klären müssen ist weniger die Zielgruppe, als jene Gruppe von Lesenden/ Sehenden, bei denen das - auch im Sinne der Autor:innen - nicht ankommen soll. Und genau um die gehts mir ja. Beispiel Fitzek: Gefällt mir nicht, lese ich nicht. Dass meine Bonustochter (= die Tochter meiner Frau aus erster Ehe) jedes Buch von ihm (und noch schlimmere) verschlingt - jo mei. Das „Kind“ ist 38. Sie kann und soll selbst bestimmen, womit sie ihre Zeit verbringt. Wäre sie 16, würde ich ein ernstes Wort (im oa Sinne) mit ihr reden, aber auch noch nichts wirklich verbieten - geht ja gar nicht. Wäre sie 10, hätte sie - wieder mit Erklärung - diese Bücher nicht.
Anderes Beispiel: Stephen King. Da würde ich (fast) jedes Buch bei meinen Teenies tolerieren, aber wieder mit ihnen darüber reden. Die klassische Dreierfrage: „Was hast du wahrgenommen, wie hat das auf dich gewirkt, was lernst du daraus?“ - Gleiches gilt auch für ernstere Literatur - von Kafka (der wirklich schlimmsten Horror geschrieben hat - siehe „Das Urteil“ oder „Die Verwandlung“) bis hin zu derzeit wirklich guten aber schmerzhaften Jugendromanen in denen wichtige Themen wie Missbrauch, Drogenabhängigkeit, Mobbing und anderes abgehandelt wird.
Differenzierung tut also not - sowohl hinsichtlich der Qualität des Werkes, als auch der nötigen Reife des Publikums (was mittlerweile mit Alter nur mehr wenig zu tun hat).
Und das Dritte - die Gefahr, die ich bei solchen Sachen sehe, ist der Gewöhnungseffekt, den wir aus der Suchtforschung kennen und dem bei labileren Persönlichkeiten so gut wie immer eine Dosissteigerung folgt. Erst ist es der (vermeintlich einvernehmliche Sex in einer simplem Highschool-Sitcom, dann kommt Pornhub, dann das Ausprobieren von dem Scheiß in echt (ich hab 13jährige gesehen, die bereits ihren ersten Gangbang hatten) und am Ende stehen die Snuffs. Gute Nacht. Ähnlich die Hassprediger-Videos - egal ob von links, von rechts oder von jeglicher Religion. Da hab ich schon die Schnauze voll, wenn ich nur daran denke.
Nach wie vor meine ich, dass es gegen diesen ganzen Wahnsinn nur ein Gegenmittel gibt, nämlich darüber zu reden. Vor allem mit Kindern und Jugendlichen deren geistige Fähigkeiten alleine aufgrund der noch nicht abgeschlossenen Entwicklung ihres Gehirnes solche Sachen kognitiv gar nicht verarbeiten können und die in weiterer Folge - allein gelassen mit dieser permanenten emotionalen Überforderung - in unterschiedlichster Weise darauf pathologisch reagieren. Wir sind gerade drauf und dran, unsere Kinder zu verlieren, weil wir offensichtlich zu feig, zu faul oder zu blöd sind, die Klappe dagegen aufzukriegen und tolerieren, was nicht toleriert werden kann.
Ach ja, und wieso ich so denke? Weil ich sie jeden Tag sehe, diese kaputtgemachten Kids. Im Bus, in der Schule, am Skaterplatz, an der Tanke, beim Macci. Und das reißt mir das Herz heraus, echt.
Sorry, dass das diese Antwort jetzt etwas länger ausgefallen ist, aber das war und ist mir wichtig.
Hm. Vielleicht sollte ich einige meiner Posts mit #sarc markieren?
… ja … ich bin durchaus ironiebegabt, aber evtl. auch empfindlich bei bestimmten Themen - Psychiatrie hat genug „Imageprobleme“, die man m.E. nicht unnötig befördern muss. Ich gehe auch mit Leuten ins Gericht (Psychiater im Bekanntenkreis), die sehr locker mit Ferndiagnosen (beliebte Zielgruppe: Politiker) sind.
Ich weiss. Aber das einzige, das dich in der Klapse am Leben hält ist schwarzer Humor. Egal auf welcher Seite des Bettes du stehst.
Wenn ich zurück denke, las ich häufiger"Erwachsenenliteratur" als Kinderbücher. (seit ich ungefähr 9 Jahre alt war).
Ich fand sie einfach spannender und hatte eine Vorliebe für utopische Romane.
Schlaflose Nächte hatte ich nicht. Ich hab nur nicht alles verstanden.
„Klapse“ - sorry, dann ist Schluss!! - mag ich auch nicht …
… und schwarzer Humor (nein, nicht der Wurst-Humor von Herr Söder) ist die wichtigste Zutat für jedes (!) Survival-Kit – den gibt’s inzwischen übrigens auch in Dosen bei amazon.
haha - das verstehe ich ![]()
. Ich habe als Kind die Stadtbücherei meines Heimatortes komplett ausgelesen (die Bibliothekarinnen haben mich auf Händen getragen!) - und unzählige Bücher mit nach Hause genommen, von denen ich nicht die Hälfte verstanden habe. Allerdings nicht nur Belletristik. Auch Bücher über Hypnose oder die Französische Revolution erinnere ich. Keine Ahnung, was mich geritten hat. Die Bücherei war in jedem Fall mein Lieblingsort, zum „Spielen“ (schlimmer noch: mit anderen Kindern!) musste ich gejagt werden ![]()
Stimmt, mit der Klapse ist schon 2006 Schluss gewesen. Nur zur Erinnerung: Das war eine Schülerzeitung, die seit 1991 von psychisch kranken Schülern der Alfred-Adler-Schule in Düsseldorf, herausgegeben wurde. Ich glaub ich hab dort sogar mal einen Fachartikel geschrieben. Liebe Güte, was bin ich doch schon alt geworden…
muss man die Schülerzeitung kennen …?? Der Name „Klapse“, „Klapsmühle“ ist umgangssprachlich sehr verbreitet, leider auch heute noch, woher auch immer er stammt (Klapse auf den Hinterkopf, die das Denkvermögen durcheinanderbringen?) - ich hab’s nicht mit political correctness, zumindest nicht mit übertriebener, aber die Kranken sollte man in Schutz nehmen, verballhornen wir lieber: (hier beliebig einzusetzen: Politiker, Autoren, Lehrer, Verflossene …)
Nun ja. Man kannte sie zumindest in 90er Jahren und ich hielt und halte sie nach wie vor für ein ganz tolles Zeichen der Selbstermächtigung - sowohl im psychiatrischen als auch pädagogischen Feld. Wäre heute wohl nicht mehr möglich, in einer Zeit wo jeder sofort wegen allem entweder beleidigt oder Schuld an einer Beleidigung ist.
Whatever - wir haben mehr gemeinsam als du vielleicht denkst, @Phlox.
ich hab Dich missverstanden. „Psychisch kranke Schüler“ … ich dachte blöderweise an eine normale Schule. Es handelte sich um eine Schule, die einer kinderpsychiatrischen Einrichtung angeschlossen war. Sorry. Ich nehm (fast) alles zurück, diese Kids dürfen eine Zeitung natürlich so nennen. Da bin ich bei Dir.
Kein Problem und kein Grund sich zu entschuldigen, ich hatte Dich ja explizit nach Deiner Meinung gefragt.
Mit YA oder NA verbinde ich grundsätzlich Romance, Coming of Age, Enemies to Lovers und sowas.
Keine Thriller.
Und wenn ich in der Buchhandlung stöbere und nach einem Thriller greife, erwarte ich nicht (bzw. unterscheide ich nicht), ob der Protagonist 17 oder 70 ist.
Es gibt schon spezifische YA-Thriller, die auch so vermarktet werden, z.B. One of Us is Lying (als bekanntestes Beispiel) oder die Romane von Megan Lally.
Ich sehe in meinem Buch ein paar Parallelen (Adoleszenz-Thematik, teilweise schulisches Setting etc.), aber auf erzählerischer Ebene eben auch große Unterschiede, die mich davon abhalten, dass als „YA“ zu kategorisieren. Die Beiträge in diesem Thread haben mich da auch bestärkt - vielen Dank für den guten Input ![]()