Dem Leser vertrauen ... aber wie?

Folgendes Problem: ich bin ein alter Erklärbär. Das heißt, ich möchte immer richtig verstanden werden und neige daher dazu, mich in Erklärungen zu verlieren. Das führt dazu, dass ich Sätze nicht einfach stehen lasse und darauf vertraue, dass der Leser schon wissen wird, was ich meine, sondern leg öfter noch eines drauf, indem ich eine (zusätzliche) Erklärung nachschiebe. Das stört aber den Erzählfluss.
Dazu kommt, dass ich nicht voraussetzen kann, dass die ganzen eishockeyspezifischen Begriffe verstanden werden.

Wie entkomme ich diesen Spannungsfeld? Ich hab derzeit keinen echten Plan.

Wie macht ihr das?

An deiner Stelle würde ich erst Mal schreiben, was das Zeug hält, mit so vielen Erklärungen, wie du es für nötig hältst, um ein gutes Gefühl zu haben. Zwischendurch oder auch erst ganz am Ende - also wenn die Geschichte fertig ist - würde ich dann massiv kürzen. Denn dann hast du auch erst einen kompletten Überblick über deine Geschichte. Oder du machst es eben in kleinen Häppchen, was dir eben besser liegt.

12 „Gefällt mir“

Ich schließe mich Suse an. Bezüglich der Begriffe: Du könntest zur Not auch ein Verzeichnis ins Buch einbringen.

1 „Gefällt mir“

einen Glossar hab ich schon angefangen.

4 „Gefällt mir“

Die andere Möglichkeit ist es zu vereinfachen.
Sei weniger spezifisch. Wähle weniger Fachvokabular.
Du hast doch auch schon Kinder trainiert, ihnen wirst du auch nicht jede Kleinigkeit mit Fachbegriffen erklärt haben.

Ich halte das für „gefährlich“. Schreibe ich eine Pferdegeschichte muss ich die Nasenlöcher Nüstern nennen und den Schwanz Schweif. Sonst wird die Geschichte unglaubwürdig.
Schreibe ich eine U-Boot - Geschichte kann ich auch nicht schreiben: … und sah durch dieses Dings da. Da muss ich den Fachbegriff Periskop verwenden.
Eine Vereinfachung wirkt in solchen Fällen auf mich lächerlich.

9 „Gefällt mir“

Ja. Ich hab mit Kindern trainiert (U9,U11). Sagen wir so: ich war da nicht sonderlich erfolgreich. Oder geduldig. Bei U15 geht es dann schon. Ab U17 geht auch wirklich was voran.

1 „Gefällt mir“

Ich würde das auch so machen. Und im Zweifelsfall Deine Erklärungen drin lassen und Deine Testleser fragen, welchen Eindruck sie in Szene XY gewinnen konnten und ob sie diese eine Besprechung Eurer Spieltaktik verstanden haben oder nicht.
Kürzen kann man immer noch.

3 „Gefällt mir“

Es ist schwer , so aus der Ferne zu urteilen.
Die üblichen Begriffe sind ja nunmal in Englisch, da wäre die deutsche Bezeichnung schon hilfreich

Deine bisherigen Textproben habe ich problemlos verstanden, außerdem vermute ich mal, wer sich für einen Roman im Eishockey-Umfeld interessiert, hat auch etwas Ahnung von der Terminologie und kennt so Ausdrücke wie Goalie oder Body-Check. Ich würde die auch auf Englisch beibehalten, wie soll man z.B. ‚Icing‘ mit einem Wort ins Deutsche übersetzen?
In diesem Fall ist aber ein Glossar tatsächlich mal echt sinnvoll.

Und was die weiteren Erklärungen angeht: So wenig wie möglich, Leser kapieren meist viel mehr, als man ihnen als Autor zutraut. Aber das hat Zeit bis später, schreib es wirklich erstmal so zu Ende, wie du es für richtig hältst und mach dir dann Gedanken, was wegkann und was nicht.

8 „Gefällt mir“

Zum Einen: Ich finde Suses Vorschlag absolut geeignet und würde es genau so machen.

Zum Anderen: In meinem Projekt gibt es einen „Seefahrerstrang“ (historisch, Segelschiffe,segeln) Ich benutze da auch Fachbegriffe, die ich nicht erkläre. Der Text ist trotzdem verständlich, selbst wenn 1 Begriff es mal nicht ist, tut es dem Verständnis der Handlung keinen Abbruch. Wenn das Rigg knarrt … es geht ums Geräusch, das ist verständlich.

Solange ich der Handlung folgen kann, finde ich Erklärungen eher störend. Ich brauche sie nur, wenn das Verständnis ohne dieses Wissen auf der Strecke bleibt.

7 „Gefällt mir“

Ich habe gerade eine Reihe über Formel 1 gelesen, etwas, von dem ich Null Ahnung hatte (und mich auch nicht interessiere).
Die Autorin hat viele Fachbegriffe verwendet, ohne viel zu erklären. Das ergab sich aus dem Kontext. Oder auch nicht. Hat mich dann auch nicht weiter gestört, höchsten mal kurz zucken lassen.
Im Grunde ging es um die Protagonisten und nicht darum, den Teamfunk bis ins Detail zu verstehen oder sonst was aus der Rennsprache.
Dazu kamen dann noch Dinge wie „shippen“. Vermutlich bin ich ohnehin die EInzige, die das nicht kannte. Fankulte sind mir eher suspekt. Das war jedenfalls einfach für die Autorin, weil einer der Protagonisten damit auch nichts anfangen konnte und sie es ihm erklären lassen konnte.

Ich selbst vertraue ein Stück weit dem Publikum, oder lasse es nebenher einfließen, im Gespräch oder in den Gedanken der Protagonisten.
Ich würde mir die Frage stellen, wie viele Fachbegriffe notwendig sind und ob du die nicht durch eine gezeigte Handlung ersetzen/ erklären kannst.
Für die Neugierigen würde ich ein Glossar als Service anfügen, dann kann jeder selbst entscheiden, wie tief er eindringen möchte. Im E-Book sind Fußnoten praktisch.

3 „Gefällt mir“

Ich habe für mein Bergmannsbuch Fachbegriffe mit Links versehen, die direkt zur Erklärung am Ende des E-Books führen.
Funktionieren Fußnoten in E-Books überhaupt?

3 „Gefällt mir“

Ich hab auf der Rehab ua „Donezk Girl“ von Tamara Duda gelesen (schwere Empfehlung!), einen Roman über den Beginn des Ukrainekrieges. Am Ende hat die Autorin ein sehr hilfreiches Glossar eingefügt, das viele, in der Geschichte unverständliche, Begriffe geklärt hat. War toll.
In „Das Mädchen“ von Stephen King regnet es förmlich von Fachbegriffen aus Baseball - einen Sport, der in Europa weitaus weniger bekannt ist, als Eishockey. King verzichtet (in Anbetracht seines amerikanischen Publikums) auf Erklärungen, die Story bleibt trotzdem selbst für Ösis wie meinereins lesbar und unglaublich spannend (no na!). Und schliesslich gibts ja noch die Ente und den Gogl. Was immer, unterschätze deine Leser:innen nicht, die sind klüger, als man glaubt!

1 „Gefällt mir“

Testleser sind die Lösung.
Schreib deine erste Fassung fertig, überarbeite sie einmal, und gib sie dann auf Papier einer gut ausgewählten Gruppe von Testlesern zu lesen, mit der Bitte, am Rand zu notieren, wo Erklärungen nerven oder fehlen.

4 „Gefällt mir“

Meinereiner würde die Idee mit dem Glossar weiterverfolgen. Und im Glossar einen kurzen beschreibenden Satz und danach eine komplexe Erklärung.
Nebenbei: alles unter U15 ist lustig… habe aktuell mit einer U20 in Südfrankreich zu tun, die sollen mal schnell auch eine Zweitsprache (=englisch) lernen…

1 „Gefällt mir“

Da sieht man, wie unterschiedlich die Leute sind.
Kommt aber vielleicht auf die Sportart an.

Ich bin aber auch kein hauptberuflicher Trainer. Ich helfe zeitweise bei Trainingscamps und ähnlichem aus.

Ich denke, es ist gar nicht so wichtig, dass der Leser alles „versteht“. Anders ist auch der Erfolg von TV-Serien wie „Emergency Room“ gar nicht vorstellbar. Dort (nur als Beispiel, man könnte z.B. auch eine populäre Anwalts-Serie nehmen) wird man überflutet mit Fachjargon. Dadurch vermittelt sich aber eine sehr authentische Atmosphäre, die den Betrachter mitreisst, auch wenn er in den medizinischen Details sicher nicht folgen kann. Ähnlich sehe ich das auch in der Literatur. Und wie immer ist alles eine Frage des Handwerks, der richtigen Dosierung (ich will natürlich nicht seitenlang geflutet werden mit rein fachlichen, aber die Geschichte nicht wirklich vorantreibenden und langweilig wirkenden Fachbegriffen).

Star Trek Next Generation: da wird mit phaseninvertierten Tachyonenimpulsen munter die Dilithium-Matrix neu ausgerichtet, wenn es zu Subraumfeld-Instabilitäten kommt … und jeder glaubt es, keiner versteht es! (Ich will bloß nicht, dass Data und La Forge minutenlang nur noch fachsimpeln - es muss schon krachen!)

:sunglasses::vulcan_salute:

3 „Gefällt mir“

sehe ich ähnlich, du möchtest ja keine wissenschaftliche Abhandlung schreiben :smiley:, ich würde trotzdem interne Fachbegriffe spärlich verwenden, die können beim Lesefluss stören.

Bleib bei deiner Geschichte, darauf kommt es an, der Leser soll „eintauchen“ in deine Welt, sich mittragen lassen, dem Prota folgen, mit ihm mitfiebern…das ist meiner Meinung nach mit das Wichtigste. :smiley:

Ich mache es umgekehrt, schreibe so knapp es geht und überprüfe mich dann erst beim Lesen. Wenn ich dann immer noch glaube, es ist unverständlich, füge ich Satzteile ein. Es gibt nämlich nichts Schlimmeres, als den Leser für doof zu halten. Ständig den Erklärbären lesen zu müssen, ermüdet mich, bis ich das Buch endgültig zuklappe und von dem Autor kein weiteres kaufe.

2 „Gefällt mir“