ich schreibe seit 9 Monaten fleißig an meiner Geschichte, die ich mit viel Liebe und Fleiß geplant habe.
Ich habe mich an die Regeln des Aufbaus gehalten, einen Spannungsbogen ausgearbeitet und mir eine überraschende Wendung ausgedacht.
ABER:
Dann habe ich einen Thriller gelesen, der diesen Aufbau so perfekt beherrscht und nun zweifle ich alles an. Mir gefällt nichts mehr an meiner Geschichte, ich finde plötzlich alles albern und vorhersehbar und bin total blockiert.
Ich war total drin in meiner Story und seitdem habe ich das Gefühl den Bezug verloren zu haben.
(Mir ist das schon einmal bei einer Geschichte passiert. Ich habe sie daraufhin beendet, obwohl sie rückblickend Potenzial hatte.)
Hat jemand Tipps wie man mit so einem Vergleichsdruck umgeht?
Wie finde ich den Bezug und das Gefühl wieder, um motiviert weiter zu machen?
Herzlich willkommen, Zoeey.
Mmmh, was macht man da…einfach an sich selbst glauben, ehrliches Feedback von Testlesern abholen.
Daran glauben, dass du einen einzigartigen Stil hast, deine Geschichte zu erzählen.
Und wenn es mir ganz schlecht geht: Es gibt eine sehr erfolgreiche Autorin, die grottenschlechte Bücher schreibt … die halte ich mir dann vor Augen.
Setze dich nicht selbst so unter Druck. Ist es das erste Buch?..Je mehr Bücher du schreibst, umso besser wird es
Mir hat vor vielen Jahren vor allem dieser Gedanke daraus geholfen:
Es stimmt zwar, daß man mit dem Schreiben immer besser wird - ABER ES ZÄHLEN NUR FERTIGGESTELLTE TEXTE! Ein guter Anfang ist Zeitverschwendung. Ein guter Anfang und ein guter Mittelteil ist große Zeitverschwendung. Ein schlechter, aber zu Ende geschriebener Roman dagegen ist ein Schritt vorwärts. Der nächste KANN nur besser werden; das kann man gar nicht verhindern
Mir hilft es, mir mein Projekt in Stufen vorzustellen.
Ich bin ein Perfektionist, aber ich erwarte nicht von meinem Buchprojekt, auf Anhieb perfekt zu werden. Mein Endziel ist hoch angesiedelt, aber ich versuche nicht, beim ersten Sprung schon alle Höhen zu erreichen.
Es ist völlig okay, wenn die erste Fassung noch nicht perfekt ist, sie muss halt nur fertig werden, das ist die erste Stufe. Danach fängt man von vorne an und macht daraus eine bessere zweite Fassung, danach überarbeitet man diese auch wieder.
Für mich nimmt das den Druck raus, zu viel auf einmal zu wollen.
Wenn mein Perfektionismus, mein „innerer Kritiker“, mich beim Schreiben blockiert, vertröste ich ihn auf die nächste Stufe, die nächste Fassung, die nächste Überarbeitung.
Und Stück für Stück wird das Buchprojekt tatsächlich besser.
Wenn du deine Geschichte jetzt nicht mehr so Doll findest, liegt es wahrscheinlich daran, dass du sie kennst,.
Und zwar aus dem ff, mit allen Hintergründen und Zusatzinfos.
Das solltest du im Kopf behalten.
Augen zu und weitermachen und dabei trotzdem selbstkritisch bleiben. Je intensiver man an einem Text arbeitet, desto weniger hat man einen neutralen Blick darauf.
Mir geht es sehr ähnlich: Wenn ich ein gelesenes Buch nicht mag, ziehe ich daraus Motivation und finde mein eigenes genial; wenn ich von einer Lektüre begeistert bin, kriege ich die Krise und denke, dass ich da nicht ansatzweise rankommen kann. Dazu kommt, dass der eigene Text ja noch in der Rohfassung und nicht x-fach überarbeitet ist und die Qualität einzelner Abschnitte auch sehr schwankt. (Ich merke in der Überarbeitung meistens genau, welche Stellen mir leicht von der Hand gingen und wo ich mich schwer getan habe.)
Vielleicht hilft es dir, gut gelungene Textstellen nochmal durchzulesen und dich auf die Dinge zu fokussieren, die du an deiner eigenen Geschichte eben gut findest? Und das Wissen, dass sie eben erst einmal fertig sein muss, um überhaupt vergleichbar zu sein
Gib mir ein Kapitel, damit ich dich aufbauen kann. Falls mir zum Aufbauen nichts einfällt, schreibe ich auch nichts. Der Vorteil: Falls ich es nicht gut finde, kann es trotzdem noch ein Erfolg werden.
Schreib zuende, egal, wie.
Vergleiche niemals (während Du schreibst oder überarbeitest). Du bist (mindestens in dieser Phase) sowieso unvergleichlich.
Nur weil Du denkst, dass jemand anders etwas gut gemacht hat, heißt es nicht, dass Du es nun nicht mehr gut machen kannst. Das Kontingent des Gutmachens ist nicht aufgebraucht.
Warum sollte ich mich mit anderen messen? Es gibt so viele gute und erfolgreiche Autoren, wobei erfolgreich nicht immer unbedingt auch gut ist. Ich fahre ja auch sicher mit dem Auto, ohne ein Michael Schumacher oder Walter Röhrl zu sein. Meinen Debütroman habe ich für mich geschrieben. Der ist alles andere als perfekt, aber es ist meiner. Wenn ich dann auch noch ein paar Leser unterhalten kann, ist alles okay.
Im Laufe der Zeit verändert man seinen Stil, wird sicherer, souveräner – vielleicht auch besser. So gut wie ein Fitzek oder King werde ich nie. Ja und?
Wenn man seinen Text irgendwann perfekt kennt, kommen gerne mal Zweifel, das ist normal. Man muss sich auch immer daran erinnern, dass man seine Texte nicht mit der Leserbrille liest, sondern mit der Autorenbrille - besonders, wenn sie noch nicht fertig sind. Klar fühlt sich ein frischer, unbekannter Text dann besonders gut an. Und vielleicht funktioniert der Aufbau und Spannungsbogen dieses Textes wirklich gut - davon kann man nur lernen.
Was helfen kann ist ein bisschen Abstand. Leg deinen Text vielleicht mal ein paar Tage weg und schau dann nochmal drauf. Oder ändere die Schriftart und Seitengröße - auch das kann wahre Wunder bewirken, weil man den eigenen Text dann nochmal anders wahrnimmt. Oder lass ihn dir mal in einem Reader mit Vorlesfunktion vorlesen.
Leg deinen Text einfach beiseite und entspann dich. Oder schreibe an etwas anderem weiter.
Es wird immer andere geben, die besser sind als du? Na und? Es gibt auch immer welche, die schlechter sind. So ist das eben. Was gut und was schlecht ist, ist noch nicht einmal leicht zu sagen. Auch dazu haben wir aktuell hier in der Community heiße Diskussionen geführt.