Das Tief in der Mitte - Wer kennt es?

Hallo liebe Community,

ich schreibe seit 9 Monaten fleißig an meiner Geschichte, die ich mit viel Liebe und Fleiß geplant habe.
Ich habe mich an die Regeln des Aufbaus gehalten, einen Spannungsbogen ausgearbeitet und mir eine überraschende Wendung ausgedacht.

ABER:
Dann habe ich einen Thriller gelesen, der diesen Aufbau so perfekt beherrscht und nun zweifle ich alles an. Mir gefällt nichts mehr an meiner Geschichte, ich finde plötzlich alles albern und vorhersehbar und bin total blockiert.

Ich war total drin in meiner Story und seitdem habe ich das Gefühl den Bezug verloren zu haben.
(Mir ist das schon einmal bei einer Geschichte passiert. Ich habe sie daraufhin beendet, obwohl sie rückblickend Potenzial hatte.)

Hat jemand Tipps wie man mit so einem Vergleichsdruck umgeht?
Wie finde ich den Bezug und das Gefühl wieder, um motiviert weiter zu machen?

Liebe Grüße

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Herzlich willkommen, Zoeey.
Mmmh, was macht man da…einfach an sich selbst glauben, ehrliches Feedback von Testlesern abholen.
Daran glauben, dass du einen einzigartigen Stil hast, deine Geschichte zu erzählen.
Und wenn es mir ganz schlecht geht: Es gibt eine sehr erfolgreiche Autorin, die grottenschlechte Bücher schreibt … die halte ich mir dann vor Augen. :grinning:
Setze dich nicht selbst so unter Druck. Ist es das erste Buch?..Je mehr Bücher du schreibst, umso besser wird es

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Vielleicht hilft diese Seite von Andreas Eschbach: https://andreaseschbach.com/schreiben/fragen/zu_ende.html

Mir hat vor vielen Jahren vor allem dieser Gedanke daraus geholfen:

Es stimmt zwar, daß man mit dem Schreiben immer besser wird - ABER ES ZÄHLEN NUR FERTIGGESTELLTE TEXTE! Ein guter Anfang ist Zeitverschwendung. Ein guter Anfang und ein guter Mittelteil ist große Zeitverschwendung. Ein schlechter, aber zu Ende geschriebener Roman dagegen ist ein Schritt vorwärts. Der nächste KANN nur besser werden; das kann man gar nicht verhindern

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Mir hilft es, mir mein Projekt in Stufen vorzustellen.
Ich bin ein Perfektionist, aber ich erwarte nicht von meinem Buchprojekt, auf Anhieb perfekt zu werden. Mein Endziel ist hoch angesiedelt, aber ich versuche nicht, beim ersten Sprung schon alle Höhen zu erreichen.

Es ist völlig okay, wenn die erste Fassung noch nicht perfekt ist, sie muss halt nur fertig werden, das ist die erste Stufe. Danach fängt man von vorne an und macht daraus eine bessere zweite Fassung, danach überarbeitet man diese auch wieder.
Für mich nimmt das den Druck raus, zu viel auf einmal zu wollen.
Wenn mein Perfektionismus, mein „innerer Kritiker“, mich beim Schreiben blockiert, vertröste ich ihn auf die nächste Stufe, die nächste Fassung, die nächste Überarbeitung.
Und Stück für Stück wird das Buchprojekt tatsächlich besser.

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Willkommen bei uns.

Beim Texten ist es wie beim Flirten, habe nie nur ein Eisen im Feuer.

Ich schreibe zur Zeit an drei Büchern und wenn Isabella Migräne hat, habe ich noch Patrick und Sarah.
Zur Not prokrastiniere ich halt.

Grüße

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Welchen Thriller hast du denn gelesen, der dich so verunsichert hat?

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Hallo!

Wenn du deine Geschichte jetzt nicht mehr so Doll findest, liegt es wahrscheinlich daran, dass du sie kennst,.
Und zwar aus dem ff, mit allen Hintergründen und Zusatzinfos.
Das solltest du im Kopf behalten.

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Augen zu und weitermachen und dabei trotzdem selbstkritisch bleiben. Je intensiver man an einem Text arbeitet, desto weniger hat man einen neutralen Blick darauf.

Mir geht es sehr ähnlich: Wenn ich ein gelesenes Buch nicht mag, ziehe ich daraus Motivation und finde mein eigenes genial; wenn ich von einer Lektüre begeistert bin, kriege ich die Krise und denke, dass ich da nicht ansatzweise rankommen kann. Dazu kommt, dass der eigene Text ja noch in der Rohfassung und nicht x-fach überarbeitet ist und die Qualität einzelner Abschnitte auch sehr schwankt. (Ich merke in der Überarbeitung meistens genau, welche Stellen mir leicht von der Hand gingen und wo ich mich schwer getan habe.)

Vielleicht hilft es dir, gut gelungene Textstellen nochmal durchzulesen und dich auf die Dinge zu fokussieren, die du an deiner eigenen Geschichte eben gut findest? Und das Wissen, dass sie eben erst einmal fertig sein muss, um überhaupt vergleichbar zu sein :slight_smile:

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Gib mir ein Kapitel, damit ich dich aufbauen kann. Falls mir zum Aufbauen nichts einfällt, schreibe ich auch nichts. Der Vorteil: Falls ich es nicht gut finde, kann es trotzdem noch ein Erfolg werden.

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Schreib zuende, egal, wie.
Vergleiche niemals (während Du schreibst oder überarbeitest). Du bist (mindestens in dieser Phase) sowieso unvergleichlich.
Nur weil Du denkst, dass jemand anders etwas gut gemacht hat, heißt es nicht, dass Du es nun nicht mehr gut machen kannst. Das Kontingent des Gutmachens ist nicht aufgebraucht.

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Hallo und herzlich willkommen.

Warum sollte ich mich mit anderen messen? Es gibt so viele gute und erfolgreiche Autoren, wobei erfolgreich nicht immer unbedingt auch gut ist. Ich fahre ja auch sicher mit dem Auto, ohne ein Michael Schumacher oder Walter Röhrl zu sein. Meinen Debütroman habe ich für mich geschrieben. Der ist alles andere als perfekt, aber es ist meiner. Wenn ich dann auch noch ein paar Leser unterhalten kann, ist alles okay.

Im Laufe der Zeit verändert man seinen Stil, wird sicherer, souveräner – vielleicht auch besser. So gut wie ein Fitzek oder King werde ich nie. Ja und?

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Wenn man seinen Text irgendwann perfekt kennt, kommen gerne mal Zweifel, das ist normal. Man muss sich auch immer daran erinnern, dass man seine Texte nicht mit der Leserbrille liest, sondern mit der Autorenbrille - besonders, wenn sie noch nicht fertig sind. Klar fühlt sich ein frischer, unbekannter Text dann besonders gut an. Und vielleicht funktioniert der Aufbau und Spannungsbogen dieses Textes wirklich gut - davon kann man nur lernen.
Was helfen kann ist ein bisschen Abstand. Leg deinen Text vielleicht mal ein paar Tage weg und schau dann nochmal drauf. Oder ändere die Schriftart und Seitengröße - auch das kann wahre Wunder bewirken, weil man den eigenen Text dann nochmal anders wahrnimmt. Oder lass ihn dir mal in einem Reader mit Vorlesfunktion vorlesen.

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Hi,
herzlich willkommen.

Leg deinen Text einfach beiseite und entspann dich. Oder schreibe an etwas anderem weiter.

Es wird immer andere geben, die besser sind als du? Na und? Es gibt auch immer welche, die schlechter sind. So ist das eben. Was gut und was schlecht ist, ist noch nicht einmal leicht zu sagen. Auch dazu haben wir aktuell hier in der Community heiße Diskussionen geführt.

Mach es wie Udo Lindenberg: Mach dein Ding.

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Herzlich Willkommen hier bei uns.

Ich kenne das Tief nur allzu gut - und zwar nicht nur in der Mitte, sondern an jeder beliebigen Stelle. Mir hilft dann der Tipp von Suse, einfach mal nichts schreiben. Oder an etwas anderem, genug Ideen auf Halde habe ich dazu.

Mir hilft aber auch, mich von dem Gedanken zu lösen, dass der erste Entwurf gleich perfekt sein muss. Ich denke auch immer, dass das, was ich da auf den Bildschirm bringe nicht brauchbar ist und wenn ich dann in die Vergleichsschleife gerate, bin ich oft genug davor gewesen, gar nicht mehr zu schreiben.

Aber: Das veröffentlichte Buch, mit dem du dich vergleichst, hat die gleichen Schritte durchlaufen. Eine mehr oder eher weniger brauchbare Rohfassung und dann eine Überarbeitungsrunde nach der anderen. Vielleicht mit einem oder mehreren professionellen Lektorierenden. Vielleicht mit mehreren Runden von Testlesenden. Das weißt du alles nicht, wenn du das „Kunststück Vergleichsbuch“ in der Hand hälst.

Eine überarbeitete Version darf niemals dein Vergleichspunkt für deine Rohfassung sein. Einfach, weil sie einen völligen anderen Stand haben. Ich bin schon kein Fan davon, fertige Bücher miteinander zu vergleichen und dieses „nennen Sie Vergleichstitel“ bei Verlagseinreichungen finde ich auch bescheiden. Nur, weil etwas ähnlich ist, vielleicht die gleiche Idee hat, den gleichen Grundplot, heißt es doch nicht, dass ich es problemlos miteinander vergleichen kann. Ich mag es, jedes Buch für sich zu betrachten. Eventuell noch die Entwicklung einer Reihe von Buch zu Buch zu beurteilen, das war es dann aber auch schon.

Von daher mein Tipp: Mach weiter und ignorier das fertige Buch. Nimm es vielleicht als Anreiz, am Ende des Schreibprozesses, zu dem auch die Überarbeitungen gehören, genauso da zu landen oder besser zu sein.

Jemand schrieb es hier schon: Du kennst dein Werk auswendig, deswegen ist es weniger spannend und überraschend. Geht mir auch so, wenn ich mitten im Schreiben bin. Und dann lese ich nach Monaten oder Jahren wieder eines meiner Bücher und bin überrascht, dass ICH sowas geschrieben habe, dass ich es tatsächlich gut finde. (Und trotzdem noch Verbesserungspotential sehe - aber das ist normal.)

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Der gute Ho.Ro hat absolut recht, du steckst voll in deiner Geschichte drin, kennst jede Ecke, jede Wendung, jedes Fenster. Der Leser nicht, der ist im Zweifel bereit die Geheimnisse deiner Geschichte zu lüften.

Ich glaube, du zweifelst nicht an deiner Geschichte, sondern vielmehr an dich selbst.
Schau was du in deinem Leben bisher erreicht hast. Ist dein Lebenslauf ein Ergebnis von Vergleichen und Zweifeln? Wohl kaum.

Habe vertrauen in dich selbst.
Lächle, selbst wenn du nicht glücklich bist.

Schreibe die Geschichte zuende. Im Nachhinein, kann man immer noch Falten ausbügeln.
Der Schreibprozess ist für dich, als Autor. Es soll ein Genuss sein, dir Spaß machen und dich mit den Themen unterhalten, die du verwebst und für die du recherchierst. Das Ausbügeln von Falten ist der Teil, den du für den Leser machst.
Am Ende steht ein Produkt, dass du geschaffen hast, dass dem Vertrag zwischen dir und dem Leser gerecht wird und auf das du stolz sein kannst.

Man könnte es auch wie folgt bezeichnen: Du hast den halben Weg zum Ziel bereits geschafft. Warum jetzt umdrehen und nicht einfach weitergehen?

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Hallo Zoeey,

herzlich willkommen hier im Forum! Hier findest Du nicht nur Gleichgesinnte, sondern auch Gleichleidende. Was Du beschrieben hast – die Selbstzweifel, der Vergleichsdruck – das kennen wir alle hier. Und wie man damit umgehen kann, ist in den meisten Beiträgen schon sehr gut beschrieben worden. Ich gehe ähnlich vor wie die anderen Papyristi, wenn der innere Denis Scheck mir mein Buch schlecht reden will.
Ansonsten habe ich mir das Motto einer Erfolgsautorin zu Herzen genommen, das mir sehr hilft:
Gib Dein Bestes, aber erwarte nicht das Perfekte!

In diesem Sinne: Weitermachen! :smiley:

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Willkommen hier bei uns!

Es wurde schon Vieles gesagt, darf ich noch ein altes Zitat dazupacken. „Der Tod des Glücks ist der Vergleich.“
Stell es dir wie Kampfsport vor. Ich habe über 10 Jahre Aikido gemacht und mich 10 Jahre wie ein Anfänger - nein - ein Lernender gefühlt. Obwohl ich natürlich besser wurde, gab und gibt es Techniken, die ich nicht gut beherrsche.
So ist es mit dem Schreiben auch. Am Anfang hatte ich Probleme ein ganzes Buch zu schreiben (also den langen Atem für so ein Projekt) aufzubringen. Inzwischen fällt mir das leichter, aber Zweifel habe ich auch.

Ich habe aktuell eine Rohschrift beendet, die eine Art von „Cozy Crime“ darstellt. Ganz ohne Fantasyanteil. Fiel mir sehr schwer. Und ob dieses „cozy“ nun dazu geführt, hat dass das Buch weniger spannend ist? Ich weiß es nicht. :smiley: Testleser werden es mir sagen :smiley:

Schreib einfach weiter. Wichtig ist, dass Projekt fertigzustellen. Folge vielleicht den „Gut, statt perfekt“ Prinzip. Denn eines ist dir sicher: Wenn du das Buch wirklich einmal im Regal steht, gibt das sehr viel Kraft für ein weiteres!

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Vielleicht als kleine Richtigstellung eines Missverständnisses: Verlage möchten zwei, drei Vergleichstitel genannt bekommen, um dein Buch besser einordnen zu können und abzuschätzen, ob dafür ein Programmplatz vorhanden ist. Das ist alles.

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Nix is: Meine Bücher sind unvergleichlich (schön).

Ich stelle mich doch nicht das Niveau eines (Name hier einsetzen) herab.

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Schneller kannst du dich nicht ins Aus schießen. Aber das lese ich bei dir immer wieder: Du bist auf deine Einzigartigkeit stolz. Deine Bücher sind so unvergleichlich wie unverkäuflich. Leser mögen es nicht so gerne, wenn sie nicht wissen, was sie erwartet. Nicht der Grund, warum man nichts verkauft, aber mit ein Grund. Wenn ein Buch durchstarten soll, muss wirklich alles passen. Dazu gehört auch, dass man sich keinen Zacken aus der Krone bricht, wenn man nach etwas Vergleichbarem gefragt wird. Hat man nix parat außer dem selbst vergebenen Siegel der Unvergleichlichkeit, wird man beim Verlag ohne zu zögern in die Hybris-Ecke gesteckt und das war’s. Nie wieder etwas gehört.

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