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Ich kenne das Tief nur allzu gut - und zwar nicht nur in der Mitte, sondern an jeder beliebigen Stelle. Mir hilft dann der Tipp von Suse, einfach mal nichts schreiben. Oder an etwas anderem, genug Ideen auf Halde habe ich dazu.
Mir hilft aber auch, mich von dem Gedanken zu lösen, dass der erste Entwurf gleich perfekt sein muss. Ich denke auch immer, dass das, was ich da auf den Bildschirm bringe nicht brauchbar ist und wenn ich dann in die Vergleichsschleife gerate, bin ich oft genug davor gewesen, gar nicht mehr zu schreiben.
Aber: Das veröffentlichte Buch, mit dem du dich vergleichst, hat die gleichen Schritte durchlaufen. Eine mehr oder eher weniger brauchbare Rohfassung und dann eine Überarbeitungsrunde nach der anderen. Vielleicht mit einem oder mehreren professionellen Lektorierenden. Vielleicht mit mehreren Runden von Testlesenden. Das weißt du alles nicht, wenn du das „Kunststück Vergleichsbuch“ in der Hand hälst.
Eine überarbeitete Version darf niemals dein Vergleichspunkt für deine Rohfassung sein. Einfach, weil sie einen völligen anderen Stand haben. Ich bin schon kein Fan davon, fertige Bücher miteinander zu vergleichen und dieses „nennen Sie Vergleichstitel“ bei Verlagseinreichungen finde ich auch bescheiden. Nur, weil etwas ähnlich ist, vielleicht die gleiche Idee hat, den gleichen Grundplot, heißt es doch nicht, dass ich es problemlos miteinander vergleichen kann. Ich mag es, jedes Buch für sich zu betrachten. Eventuell noch die Entwicklung einer Reihe von Buch zu Buch zu beurteilen, das war es dann aber auch schon.
Von daher mein Tipp: Mach weiter und ignorier das fertige Buch. Nimm es vielleicht als Anreiz, am Ende des Schreibprozesses, zu dem auch die Überarbeitungen gehören, genauso da zu landen oder besser zu sein.
Jemand schrieb es hier schon: Du kennst dein Werk auswendig, deswegen ist es weniger spannend und überraschend. Geht mir auch so, wenn ich mitten im Schreiben bin. Und dann lese ich nach Monaten oder Jahren wieder eines meiner Bücher und bin überrascht, dass ICH sowas geschrieben habe, dass ich es tatsächlich gut finde. (Und trotzdem noch Verbesserungspotential sehe - aber das ist normal.)