Das Kreuz der Selbstzweifel ...

Wie geht ihr damit um? Ich habe gut ein Jahr an meinem Manuskript geschrieben. Historischer Kriminalroman um 1800. Ein weiteres Projekt begonnen. Mittelalter … und dann Papyrus für mich entdeckt. Ich habe daraufhin die vorangewobene “Schreibwolle” neugierig und euphorisch in die Stilanalyse eingepflegt. Bin nun mit der dritten Überarbeitung des vorangegangenen Textes zu gange und habe das Gefühl, dass das Manuskript inhaltlich verwischt, die Handlung lahm ist und die Protagonisten in der wörtlichen Rede kaum zu unterscheiden sind. ( Hier wäre vermutlich der Kurs “Schweinchen Babe” redet mit dem “Terminator” hilfreich … nur habe ich beide Filme nicht gesehen) Ich weiß, es gibt kein Patentrezept, mich interessieren eure Erfahrungen. Legt ihr Pausen zwischen den Überarbeitungen ein? Wenn ja, womit füllt ihr diese? Projektübergreifend arbeiten?
Falls einer von euch dieses Durcheinander kennt … gerne her damit.

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Moin,

kenne ich - ich habe viele Projekte begonnen und nie beendet, um mich keinem Urteil stellen zu müssen. Ich habe für mich dieses Jahr den Entschluss gefasst, mich meinen Ängsten und Zweifeln zu stellen. Der erste Schritt für den “Vertrag mit mir selbst” war, dass ich mich einem Verband angeschlossen habe “Mörderische Schwestern e.V.”

Dann habe ich mit einem Lektor ein Ziel verfasst: 1 Projekt, auf das ich mich konzentriere und das ich ab Januar 2022 vorlegen möchte - zumindest in Teilen.

Mit der Zielsetzung und der Konzentrierung auf ein Projekt zwinge ich mich, mich mutig meinen eigenen Ängsten zu stellen.

Ob mir das geholfen hat, kann ich aber erst in der Zukunft beantworten.

Pausen - aber nicht zu lange - können wichtig sein. Das Abwenden und Entfernen von einem Textproblem bei einem Spaziergang (Gehen ist sowieso immer wieder ein phantastisches Mittel, um die Gedanken schweifen zu lassen) kann manchmal zu einer richtigen “Erleuchtung” führen. Auf einmal hat man eine Lösung …

Aber längere Pausen führen dazu, dass man sich komplett neu einarbeiten muss.
So geht es mir zumindest.

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Eigentlich noch nicht. Ich habe noch nichts in der Schublade liegen. Nur ein paar Ideen für weitere Projekte, an denen ich noch nicht ernsthaft gearbeitet habe. Erst ist das aktuelle Projekt dran.
Ich arbeite seit 2013 an meinem ersten Projekt, das sich mittlerweile zu einer Pentalogie ausgedehnt hat. Nur im ersten Band habe ich bisher wirklich Szenen geschrieben, der Rest ist im Stadium der Planung. Beim nächsten Mal würde ich auch den ersten Band erst schreiben, wenn die Planung steht.
Ich finde Abstand zum Text sehr wichtig. Wenn mir ein Text nach einem halben Jahr noch gefällt, dann ist er wohl so gut, wie ich es kann.
Ich habe gelernt, jedes kleine Bauchgrummeln ernst zu nehmen und den entsprechenden Auslöser abzuändern, weil ich auch festgestellt habe, das da als erstes Kritik kommt. Wenn mir bei einer Idee oder deren Umsetzung nicht ganz geheuer ist, ist sie nicht gut.

Ich habe mir einen Coach gesucht. Das hat lange gedauert, denn man braucht jemanden, mit dem man gut zusammenarbeiten kann. Das kostet natürlich Geld. In die Beurteilung meiner ersten beiden Szenenpläne habe ich ca. 3000 Euro investiert, um sie auf eventuelle logische Brüche und unrealistisches Verhalten der Figuren (und alles, was sonst noch stören könnte) beurteilen zu lassen. Beim ersten Band hat sich mein Coach etwas unter Wert verkauft und dann bei Band 2 den Preis erhöht. Das heißt, bei den folgenden Szenenplänen gehe ich von jeweils 2000 Euro pro Band aus. Aber das ist es mir wert. Auf diese Weise sind bei mir zwar noch nicht alle Zweifel immer aus der Welt, aber doch ein guter Teil davon.
Wenn ich dann noch Selbstzweifel habe, mache ich einfach weiter. Ich suche die Stellen, die mir ein ungutes Bauchkribbeln verursachen und ändere sie ab. Ansonsten gilt: weitermachen, bis ich fertig bin. Und wenn es den Rest meines Lebens dauert. Das ist mir egal.
Mir gefällt meine Geschichte und meine Figuren werden langsam gute Freunde. Aber es ist viel Arbeit, weil es so umfangreich geworden ist. Da muss ich jetzt wohl durch. Ich liebe diese Arbeit an meinem Roman.

Was ich dir noch raten kann, wenn du nicht viel Geld für ein professionelles Lektorat ausgeben kannst oder willst: Such dir Testleser, am besten solche, die selbst schreiben, und lass dir Rückmeldungen geben. Du kannst auch hier eine Leseprobe (am besten die ersten 3 - 5 Seiten) einstellen. Wir antworten ehrlich im Bestreben, dir zu helfen.

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Das klingt für mich so, als hättest du dich inzwischen weiterentwickelt. Das solltest du deinem Text auch gönnen. Dafür ist die Überarbeitung des Manuskripts ja da :wink:
Das ist nervig, gehört für mich zum Schreiben aber dazu.

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Ja, klar, wer kennt das nicht? Zur Zeit arbeite ich an zwei Manuskripten, die sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien befinden. Wenn ich bei No. 1 hake, wende ich mich No. 2 zu. Als Ausgleichsprogramm mache ich Lederarbeiten, zwei Wallets und eine Messerscheide. Das sind recht komplexe Vorgänge, die meine volle Konzentration erfordern. Und es ist ja auch immer etwas in der Hütte zu machen, was im Sommer liegengeblieben ist.
Zweifel habe ich nach Roman no. 3 nicht mehr. So. Mein Plan ist, jedes Jahr einen Roman rauszugeben und bis jetzt hat das immer funktioniert. So gaaaanz bin ich jedoch nie raus, denn Recherche is allways and evrywhere.

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Da bin ich anderer Meinung, denn die Rückmeldung anderer Autoren soll was genau sein? Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Nicht wir müssen deinen Text gut finden, dein Leser, deine Leser müssen das. Von uns kommen nur gur gemeinte Ratschläge und gut gemeint ist das Gegenteil von gut. Klar kann von hier guter, fachlicher Rat kommen. Aber erst musst du einen Text einstellen, der dich und den Leser packt! Grundbedingung, bevor man in die Details geht. Man kann einen packenden Text verbessern und korrigieren, dass er noch besser wird. Aber man kann einen lahmen Text nicht dazu bringen, auf einmal herumzuhüpfen und zu springen. Das musst du leisten. Leider alleine.

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Das setzt aber voraus, dass sie weiß, warum der Text nicht funktioniert und einen packt. Da kann der Blick eines anderen schon hilfreich sein. Wenn wir dann nur antworten, tut mir leid, der Text packt mich nicht, dann ist ihr natürlich nicht geholfen. Aber manchmal wird man eben betriebsblind. Dann weiß man, dass etwas nicht stimmt, aber man weiß nicht, wie man es ändern kann.

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Ich fasse mich kurz, weil vieles schon gesagt wurde.

Mir hilft auch ein Schreibcoach. Wie @Pamina22 schon geschrieben hat, kostet das Geld. Doch ich lerne sehr viel daraus und darum ist es mir das wert. Wenn ich mit dem Buch soweit bin, werde ich auch in ein Lektorat investieren.

Mit @Unbefleckte gehe ich nicht einig. Die Rückmeldungen hier sind sehr hilfreich und fundiert. Wenn ich da so die Rückmeldungen zu Texten von Forenmitgliedern lese, bin ich immer wieder beeindruckt. Ich traue mir das nicht zu.
Ein Leser kann höchstens sagen “gefällt mir” oder “gefällt mir nicht”. (Oder “ist langweilig” = mein Bruder :frowning: - der gehört aber auch nicht zur Zielgruppe ;)). Aber um zu erklären, warum ein Text nicht gefällt oder was man verbessern könnte, muss man schon recht gut sein in Sachen Schreiben.

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Diese Aussage, die von Karl Kraus stammt, ist mir zu allumfassend formuliert. Manche gut gemeinten Ratschläge sind nicht gut. Manche jedoch schon. Besonders, wenn sie fachlich kompetent und kein pseudoliterarisches Geschwafel sind.
Abgesehen davon, @Füchsli, das Kommentieren von Texten - plus Auseinandersetzung mit Autorenrückmeldung - halte ich für durchaus lehrreich. Nur keine Angst. :wink:

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Die @Unbefleckte hat hier recht. Die Kritik die von Autoren kommt, ist was völlig anderes als die eines „unbedarften“ Lesers. Nachdem ich all die Kritiken über mein Machwerk gelesen habe bekomme ich nun fast regelmässig einen roten Kopf, wenn ich den aktuellen Roman auf meinem Schreibtisch lese. Kritik tut weh. Wenn man aber dann noch sieht, wie kritisierte „Stilmittel“ in gedruckter Form aus dem Heyne-Verlag vor einem liegen… Trotzdem halte ich die Kritik von Autoren für gut. Und wenn man nur nachdenkt und zum Schluss kommt, dass die Kritik unangebracht ist.

Das einem der eigene Text plötzlich nicht mehr so toll vorkommt ist doch erstmal ein gutes Zeichen. Man ist kritischer. Zwischen Projekten würde ich mich eher an kleinen Texten versuchen. Man kann ja z.B. eine Nebenstory schreiben mit bekannten Charakteren im selben „Romanuniversum“, um diese noch besser kennenzulernen. Oder man stellt sich Schreibaufgaben. Aus dem Forum habe ich zwei Aufgaben für mich mitgenommen. Einen Abstieg in Lovecrafts Traumwelt zu schreiben (fast fertig) und die Sache die unserer neuer User Felix mitgebracht hat (Psychothrillerszene) in 5000 Zeichen. Das tue ich, weil mir das eigentliche Schreiben Spass macht. Das ganze drumherum, ist irgendwie eher als anstrengend zu bezeichnen, aber notwendig.

Im Moment versuche ich mir klar zu werden, was ich genau eigentlich mit meinem „Projekt“ machen will*. *Mir fallen ständig neue Details und Ideen ein. Gleichzeitig würde ich gerne schreiben, aber es muss Hand und Fuß haben. Vieleicht muss es eine Art Redaktionsschluss geben und/oder es braucht mehr Zeit, damit die Ideen noch mehr „Fleisch“ ansetzen. Selbstzweifel: Ist das was ich ausbrüte vieleicht schon zu komplex und aufwendig als Erstlingswerk… :coffee:

„Darf ich Mama zu dir sagen?“
„Hasta la vista, Schweinebacke!“

Empfehlung: https://www.bundesakademie.de/programm/details/kurs/lit22-03/

Edit: Kritiker würde mich für die häufige Verwendung des Wortes „Kritik“ kritisieren.

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Danke für eure interessanten Antworten.

Genau das bekomme ich nicht richtig hin.

Das ist es! Na, klar, ich bleibe am Ball, aber meinen eigenen Text inclusive schreiben zum vierten, oder fünften Mal zu lesen, ist anstrengend. Testleser wird mein Mann. Er ist kritisch, das ist gut.

Das ist zum Glück nicht das Problem (diesmal nicht!), aber das kenne ich auch.
Ein Schreibcoach ist sicherlich hilfreich, aber das ist auch verflixt viel Geld und steht für mein Manuskript in keinem Verhältnis. Nach Möglichkeit möchte ich einen Verlagsvertrag ergattern und deshalb gute Vorarbeit leisten. Also Zähne zusammenbeißen, überarbeiten …
Und ja, ich überlege tratsächlich mich hier im Testleserbereich anzumelden.

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Schwierig zu erklären. Die Handlung funktioniert, aber ich gehe das ganze zu geballt an. Kapitel um Kapitel, jedden Tag mehrere Stunden und dann wieder von vorne.

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Es ist schwierig, hier allgemeingültige Ratschläge zu geben, da wir deine Persönlichkeit, deine Arbeitsweise und deinen Text nicht kennen. Es gibt ja bei Menschen die beiden Extrempositionen: Jemand, der extrem selbstkritisch ist und nie mit etwas zufrieden ist, was er getan oder geschaffen hat und das Gegenteil, dass sich für eine Morgengabe der Schöpfung hält und jeden Einkaufszettel, den er geschrieben hat, für ein grandioses literarisches Meisterwerk hält. Irgendwo dazwischen musst du dich ehrlich einsortieren. Wenn du mehr der selbstkritische Typus bist, musst du dir bei jedem Kritikpunkt (lahme Handlung, Dialogeinerlei bei den Figuren, …) auch immer die Frage stellen, ob es dafür objektive Beweise gibt oder ob da gerade dein innerer Zensor Amok läuft. Es kann auch eine raffinierte Form der Prokrastination sein, denn solange dein Manuskript nicht “fertig” ist, musst du dich auch nicht öffentlicher Kritik stellen. Das Unterbewusstsein ist manchmal ein Schuft.
Wenn du eher der Typ “Die Welt wird nicht mehr dieselbe sein, nachdem sie mein Epos gelesen hat” bist, würde ich bei solchen kritischen Gedanken in der Tat noch mal näher hinschauen.:wink:

Der andere Punkt, den @Neri bereits angesprochen hat: Du entwickelst dich weiter. In drei Jahren, wenn du mehr Erfahrungen und einige Romane mehr geschrieben hast, wirst du bei manchen Szenen, die du heute für absolut gelungen hältst, die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und denken “Was hab ich denn da für einen Stiefel zusammengeschrieben?”. Das musst du akzeptieren, sonst wirst du nie fertig. Irgendwann muss man bewusst zu sich selbst sagen: “So, ich kann guten Gewissens sagen, dass ich auf Basis meiner aktuellen Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten mein Bestes gegeben habe. Ich erkläre dieses Buch für abgeschlossen!”

Was das Überarbeiten angeht: Jeder hat Stärken und Schwächen bei bestimmten Szenen und Beschreibungen. Der eine kann Sexszenen so beschreiben, dass das Buch eigentlich nur zusammen mit einem Sabberlatz verkauft werden dürfte, dafür sind seine Kampfszenen lahm und wenig glaubwürdig, der andere schreibt packende Szenen, in denen etwas passiert, tut sich aber schwer mit “Zwischendurch”-Szenen, die aber auch sein müssen (Figuren reisen von A nach B, zwei Wochen Alltag, weil der Antagonist gerade noch auf der Evil Academy zur Fortbildung ist, etc.). Dann such diese Szenen, die dir ehrlicherweise nicht so liegen, nach einer generellen Überarbeitung noch mal gezielt auf. Bei Dialogen ist es ähnlich. Die Charakterisierung der Figur muss stehen, dann kannst du deine Dialoge noch einmal gezielt durchgehen und prüfen. Eine herzliche Hausfrau in den Fünfzigern unterscheidet sich in Ausdrucksweise und Sprachgebrauch deutlich von einem unter Weltschmerz leidenden, maulfaulen Teenager. Abweichungen davon müssen müssen für die Leser nachvollziehbar begründet sein. Vielleicht hilft es dir, wenn du dir zur Übung eine Standardsituation ausdenkst und wie deine Figuren typischerweise darauf reagieren würden, also beispielsweise:
[INDENT]“Was möchtest du essen?”
“Mir doch egal, koch halt irgendwas.” - Heinz, 38, “einfühlsamer” Ehemann
“Knödel! Aber nur, wie Oma sie immer kocht!” - Markus, 6, wenig experimentierfreudig
“Überrasch mich! Alles, was du kochst, ist doch so toll!” - Michaela, 18, die darauf spekuliert, sich Muttis Auto ausleihen zu dürfen
“Wie kannst du in so einem Moment an Essen denken?” - Stefan, 16, unverstandener Teenager im Emo-Look.[/INDENT]

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Ich glaube - man kann es nicht erzwingen.
Wenn es nicht fliest, fliest es eben nicht. Ist, glaube ich, so ähnlich wie mit dem schwanger werden.
Es gibt rundherum aber auch genug Arbeiten, die nicht auf den Kuss der Muse warten müssen, diesen kann man sich dann mal widmen. Ein hier viel verbreiteter Rat: Vorlesen. Und da Dein Mann Dein kritischster Leser ist - bei mir ist es meine Frau, und sie ist echt gnadenlos - lies ihm vor. Dabei erschließt sich vieles an eventuellen Ungereimtheiten, Missverständnissen etc…

Wenn wir mal bei dieser etwas unglücklichen Metapher bleiben wollen: Ein erfahrener Angler kann Dir sagen, dass der Barsch hier nicht auf Kartoffeln steht, eher auf Wattwurm. Das ist aber alles nur Technik und es setzt das Wohlwollen der anderen Anglers voraus. Und nicht alle Barsche sind gleich. Der Stil ist reine Geschmackssache.
Sind wir alle Konkurrenten? Gehts darum, dass mein Buch verkauft wird und nicht das des Herren/Damen/Gender Kollegen? Und darum wird es im Forum mies gemacht? Ich konnte hier auch schon so etwas wie Missgunst gespürt, aber eigentlich ist dieses Wort zu stark. Ich suche noch. Aber im Großen und Ganzen habe ich viele gute Tips erhalten. Und ich entscheide, auf was ich eingehe oder eben nicht. Und ich gestehe: Auf so vieles habe ich nicht gehört, es so belassen und es war okay.

Unterschätze den Leser nicht, niemals. Ich kenne so viele Menschen, die lesen wie irre. Meine Lieblingsschwester vertilgt gut 200 Bücher pro Jahr, und da kenne ich einige mehr. Und diese Leser können auch begründen, warum sie etwas so oder so fanden/finden, und schlucken nicht jede krumme Kröte. Ich komme immer wieder ins Gespräch mit Menschen, die meine Romane gelesen haben. Ihr würdet staunen. Und von vollkommen merkwürdigen Vorschlägen (Inhaltsangaben für jedes Kapitel) bis hin zu sehr wertvollen Hinweisen war alles dabei. Der Leser liest ja das ganze Buch. Hier im Forum werden allerhöchstens ein paar Kapitel feilgeboten.
Wir sind alle Autoreninnen in allen möglichen Entwicklungsstadien, was soll da Konkurenzdenken?
Aber ich bin ein lonesome rider und habe beschlossen, Niemand mehr testlesen zu lassen. Bis auf meine Frau natürlich.

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Ja, ist anstrengend. Ich gehe derzeit meine alten Texte durch und schmeiße sämtliche Ausrufezeichen raus. Das ist echt ne Quälerei. Aber es ist unglaublich, wie sehr die Texte davon profitieren. So ist das nun mal, wenn man Neues lernt :wink:

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Echt? Wer kommt denn auf so was? Habe ich noch nie gesehen. Das ist wirklich merkwürdig.

Ich hingegen kann ohne Testleser gar nicht leben. Die haben schon so viel entdeckt, was mir entgangen ist. Ich schätze mal ganz grob, dass ich auf 70 bis 80 Prozent der Änderungsvorschläge eingehe. Worauf ich nie eingehe ist: “Woher soll ich das denn auf Seite 100 noch wissen, nur weil es schon auf Seite 20 erwähnt worden ist?” Da muss ich ganz klar sagen: “Nicht mein Pech, wenn man ein Gedächtnis wie ein Sieb hat.” Ich schreibe kurze Bücher. Bei einem 1000-Seiten-Werk würde ich das natürlich gelten lassen.
Ansonsten bin ich zufrieden mit meinen Testlesern, habe Stammleser und immer mal wieder neue dabei. So ist das Bild rund und nicht durch eine oder zwei Personen gefärbt.

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So etwas Ähnliches gibt es bei Jim Knopf. Da wird nach der Kapitelzählung kurz umrissen, was in dem Kapitel passieren wird. Als Kind fand ich das aber schon doof. Ich fand, dass das die Spannung kaputt macht.

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Der arme Gottfried Keller erwarb Papyrus 11 mit Stilanalyse und hatte nichts Besseres zu tun, als das erste Kapitel seines Romans “der grüne Heinrich” einzupflegen und sich das Ergebnis der Stilanalyse anzuschauen. Rot war vorherrschend, dann Hellbraun, ein bißchen Gelb, Grün suchte er vergeblich. Daraufhin kam er zu der Erkenntnis, dass er es mit dem Schreiben doch lieber sein lassen und bei der Politik bleiben solle.

Zum Glück war das nur Fiktion, weil es Papyrus damals noch nicht gab. Keller machte keine Stilanalyse und wir können uns daher heute seiner
Werke erfreuen.

In diesem Sinne Kopf hoch. Ich halte es mit @narratöör: wenn die Menschen Deine Schreibe und Deine Geschichte lieben, kaufen sie Dein Buch, und wenn nicht, nützt die beste Stilanalyse und der beste Lektor nix.

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Kruder Vergleich, denn natürlich muss so ein Ergebnis herauskommen, wenn du Werke eines Schriftstellers des 19. Jhd. mit einem Werkzeug des 21. Jhd. prüfen willst, in dem natürlich auch aktuelle Geschmackspräferenzen ihren Niederschlag gefunden haben. Da braucht man nicht einmal so weit zurückgehen, damit ein Leser von heute darüber stolpert, oder würdest du den Satz: “Die Photographie zeigte ein Frauenzimmer neben der Thür mit einem Telephonapparat und einem Phonographen” heute nicht befremdlich finden?

Ich gebe dir recht, dass man sich nicht sklavisch an die Mäkeleien der Stilanalyse bzw. Lesbarkeitseinschätzungen halten soll, aber so sind diese Werkzeuge (!) auch nicht gedacht. Nur weil irgendjemand (schließt auch schlaue Algorithmen mit ein) auf etwas hinweist, muss man es nicht unbedingt ändern. Es soll zum Nachdenken bringen und dann kann man eine bewusste Entscheidung treffen. Wer bei der Überarbeitung nur die Stilanalyse mit allen Kästchen, Kringeln und sonstigen Markierungen befriedigen will und darauf hinarbeitet, dass die Lesbarkeitseinschätzung möglichst grün ist, hat etwas falsch verstanden.

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Hihi, ja das kenne ich gut.
Ich habe einige unfertige Projekte hier liegen, die mitunter auch einige Jahre alt sind.
Wenn mich die Muße packt, hole ich sie hin und wieder raus und fange an zu lesen. Zeitgleich zu korrigieren und zu überarbeiten. (Man entwickelt sich ja weiter) Und wenn es dann einmal läuft, kann es auch gut sein, dass ich dort weitermache und das Projekt dann auch beende. Oder aber ich lasse es dann liegen.

Eines schiebe ich ab und zu zwischendurch rein, wenn ich meiner Fantasie freien Lauf lassen will. (Mein persönliches Abschalten sozusagen.)
Da gibt es nur eine grobe Story und da es reines Fantasy ist, kann ich in alle Richtungen spielen. Mit Orten, Figuren, Wesen ect.

  • Bin da bereits bei über 400 Seiten und es ist noch lange nicht fertig. Mir graut es vor der Überarbeitung, aber ich denke, am Ende werden es mehrere Teile. Irgendwann. Mal sehen.

Manchmal, wenn ich ein Skript fertig habe, lege ich auch eine komplette Schreibpause ein. Es können Wochen sein, oder auch mal ein oder zwei Monate.
Wenn man sich das Skript dann wieder vornimmt, hat man eh das Meiste vergessen und ließt es aus einem anderen Blickwinkel.

Also Kopf hoch, das ist normal, dass man hin und wieder nicht mehr durchblickt. Das hat was mit der kreativen Phase zu tun, die schneller ist, als man selbst. :rofl: Da kommt man dann kaum noch hinterher.

LG Tessley

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