Im Unterschied zu Thrillern, Krimis, bei denen zum Teil Gewalttaten sehr ausführlich geschildert werden, wird immer klar, dass Gewalt nicht, niemals, nicht mal ansatzweise etwas Romantisches ist.
Deshalb kann ich problemlos über Mord und Totschlag lesen.
Aber ich kriege die absolute Krise, wenn Gewalt, Demütigung usw beschrieben werden und zugleich der Eindruck erweckt wird, dies sei romantisch und hätte etwas mit Liebe zu tun.
Das finde ich, sorry, aber zum K…
Zum Thema: „Unterschichtliteratur“ und dergleichen Äußerungen finde ich unmöglich. Das hat mit fairer und konstruktiver Kritik nichts zu tun. Ein Armutszeugnis für den „professionellen Kritiker“
Spannend. Ganz blöde Frage: warum zur Hölle wird es dann so viel von jungen Frauen gelesen? Ich meine, die Leserinnen sind doch nicht alle blöd. Ich würde es wirklich gerne verstehen.
Wenn da jetzt ein „Überraschungsmoment“, eine Genugtuung („Schurke wird bestraft“), irgendetwas in der Art da wäre…
Jedem echten Menschen sollte heute ja klar sein, dass Gewalt eben nicht romantisch sein kann.
Hat jemand mal eine bessere DR Autorin als Beispiel? Würde mir gerne ein eigenes Bild machen. Bitte etwas brauchbares - kein reiner Sadokram. Und keine 7 Bände a 500 Seiten Odyssee…
Mir ging es dabei um den Satz „warum zumeist der weibliche Part unterlegen“.
Das sehe ich völlig anders. Gut gemachte DR ist extrem anspruchsvoll, weil der Richtungswechsel der dunklen Figur glaubhaft und nachvollziehbar sein muss.
Keine Autorin, aber vor kurzem gelesen und die Entwicklung der männlichen Hauptfigur fand ich in den meisten Punkten gut gemacht (nein, nicht in allen und mir hat auch sonst nicht alles gut gefallen):
K. M. Moronova - Leave Me Behind
Gefallen ist hier aber wie bei allem anderen absolute Geschmackssache.
Und nebenher: SM ist nicht DR, denn bei SM hast du den Consent zwischen den beiden Personen in der Szene/Session. Bei DR eben nicht.
Vielleicht, weil viele dieser Frauen den Unterschied zur Realität sehen und trotzdem dunkle Seiten und Fantasien lesen - das Buch als Safe Space für diese Dinge - mögen?
Ich selbst kann es nicht nachvollziehen und empfinde die Romantisierung einer toxischen Beziehung als einen Schlag ins Gesicht jeder Frau (jedes Mannes), die/der in einer solchen je gesteckt hat oder steckt oder eine sonstige Gewalterfahrung auf Beziehungsebene erlebt hat.
Leider wird, wie Annabell schon schrieb, dieses Genre durch schlechte AutorInnen genauso kaputtgemacht wie vanillige Romance. Ist halt schwierig zu schreiben - eine frauenfeindliche Sexfantasie kann wahrscheinlich jeder Mann/jede Frau auf der Straße kurz runterschreiben, aber eine nachvollziehbare Entwicklung aus einem frauenverachtenden Mann in einen respektvollen Partner - das geht nicht so leicht. Und das wäre mein Anspruch an den Romancepart in DR.
Ich wüsste auch nicht, ob ich es könnte. Eine Idee hätte ich schon. Aber das Können? Hm.
Same here! Ich habe eine Idee, die seeehr nah an DR rankommt, vielleicht sogar wird, je nachdem, wie es sich entwickelt. Aber ich zögere mit dem Schreiben. Ich weiß, dass ich viel zu viel Potential bei der Charakterentwicklung nicht nutze, daher ist es noch ein „lass es“. Ich hab aber neue Anreize durch das Seminar und vielleicht wage ich es doch (und lasse es dann auf der Festplatte rosten), mal sehen.
Aber gute DR wird von den Personen getragen, nicht der Handlung. Und das passt halt in vielen Fällen leider tatsächlich nicht. Gerade, weil die bekanntesten (und umstrittensten) Autorinnen sich einen „wer ist schlimmer“ Wettkampf liefern, der absolut bescheiden ist.
Das wäre mal ein Statement!
Ein dunkler Romanzen Roman mit Tiefgang und Stil.
Ich las, ich glaube letztes Jahr »Cor Diaboli«
Ich dachte es wäre DK , aber kann ja nicht sein.
Da werden ja keine Frauen unterdrückt und finden das auch noch okay.
Als alter weißer Mann könnte ich jetzt mal raushauen:
Dieser Hype um das Mysterium der sich selbst erniedrigenden Frau hab ich erfunden und gepusht, um meine Vormachtstellung nicht zu verlieren. Ja sogar auszubauen.
Inhalt: Kombiniert klassische Liebesgeschichten mit intensiver Spannung, oft mit düsteren Hintergründen, Gewalt, kriminellen Milieus (Mafia, Biker) oder psychologischer/physischer Manipulation.
Charaktere: Die Hauptfiguren agieren oft in moralischen Grauzonen. Der männliche Protagonist ist nicht selten ein Antiheld, Stalker oder besitzt „villainous“ (schurkenhafte) Züge
.
Beziehung: Die Dynamik ist häufig toxisch, ungleich (Machtgefälle) und behandelt Tabuthemen, wobei Liebe oft durch Schmerz oder Gefahr ausgedrückt wird.
Grenzen: Oft werden Trigger-Warnungen (TW) benötigt, da Themen wie Dubcon (dubious consent - zweifelhafte Einwilligung) oder Noncon (non-consensual - ohne Einwilligung) vorkommen können.
Ende: Ein zentrales Element, das Dark Romance von reinem Thriller oder Horror unterscheidet, ist das obligatorische Happy End (HE) oder mindestens ein Happy-For-Now (HFN).
Zielgruppe: Die Bücher richten sich explizit an Erwachsene (oft 18-35 Jahre).
Dazu, wie glaubhaft so etwas überhaupt sein kann, darf man unterschiedlicher Meinung sein. Persönlich denke ich, dass das eher vom Ausmaß des Glaubens abhängt, als von einer noch so „nachvollziehbaren“ Erklärung.
Jeder Mensch mit romantisch gelagertem Mutter-Theresia-Komplex lebt dafür, jemand anderen von Böse zu Gut zu ändern. Ist das in den meisten Fällen ein Märchen? Ja!
Aber das war auch, dass MacGyver aus einem Kaugummi eine Bombe baut. Oder BA Baraccus auch beim dreißigsten Mal auf seine Kollegen reinfällt, die ihn ausknocken, um ihn in ein Flugzeug zu bekommen.
Da hat vor 30 Jahren keiner ein Fass aufgemacht. Und jetzt kommt ein durchaus kontroverses Genre und es wird ALLES niedergebrannt, in Frage gestellt und die Lesenden verpönt. Interessanterweise viel zu oft von Personen, die nichtmal ein Exemplar in dem Genre gelesen haben.
Mutter hat gerade vom Dachboden gerufen, dass sie nicht möchte, dass man Dark Romance mit dem Horrorgenre impliziert vergleicht. Sie schätzt das nicht.
So, und jetzt musst du dir Robert Bloch schnappen und Psycho unter dem Filter der toxischen Beziehung lesen. Übrigens ein unglaubliches Buch. Kurz und stilistisch brilliant.
Nebenbei - die Duschszene ist im Film verharmlost…
Ich kann mir gut vorstellen, dass es diese Diskussionen auch schon bei ‚Jane Eyre‘ und ’ Sturmhöhe’ gab. Für mich der Ursprung der DR. Heute Literatur, von allen Romantikern dieser Welt innig geliebt. Gerade ziehen wieder Scharen in die Kinos und sehen die Neuinterpretation von ‚Sturmhöhe‘. Mich haben beide Bücher als junge Frau eher verstört. Beide habe ich vor ein paar Jahren noch einmal gelesen. Diesmal kam Wut dazu. Nicht meine Vorstellung von Liebe und Romantik. Beide Mitte des 19.Jhdts. erstmalig erschienen. Alles wiederholt sich.
Ich will gar nichts niederbrennen. Ich bin froh über jeden, der liest und habe Respekt vor jedem, der schreibt. Meine Anmerkung, dass „glaubhaft“ kein Kriterium ist, sondern man sich auf die Fiktion einlassen muss, wenn man das Genre lesen will, hätte ich bei McGyver ganz genau so gemacht.
In beiden Fällen muss das was passiert nur soviel Anstrich von Glaubwürdigkeit haben, dass man die stillschweigende Übereinkunft zwischen Autor und Leser, die Erklärung hinzunehmen, einlassen kann, ohne sich völlig verar… vorzukommen.
Natürlich gilt das auch für Sci-Fi und Fantasy. Wir reden ja nicht von Sachbüchern und insofern sind DarkRom Charakterzüge und deren Formbarkeit auch nicht irrationaler als Elben, Orks und überlichtschnelle Raumschiffe. Wenn ich Sci-Fi nur lese, wenn es hart glaubhaft ist, habe ich eine sehr dünne Auswahl.
Wie gesagt, ist schlicht die Frage, worauf man sich einlassen mag.
„Jane Eyre“ wäre dann das heißgesuchte Beispiel einer gelungenen Dark Romance. Wobei man dort ein Arschloch als LI vorfindet, aber er Jane gut behandelt - die Lüge bricht ihn, nicht sie, sie wird sogar stärker. Geht an DR dann doch eher vorbei. (Sie ist überhaupt eine der stärksten Frauenfiguren, die ich je gelesen habe, und seit Schriftlegung sind über 200 Jahre vergangen.) Sie macht ihr Ding und zieht es durch. Und am Ende nimmt sie den gebrochenen Vollidioten auf und beide empfinden es als Glück.
„Sturmhöhe“ lebt von zwei verbohrten, unsympathischen Charakteren. Ich wüsste nicht, wer von beiden darker ist. Aber die Leidenschaft ist klar dunkelromantisch.
„Der Widerspenstigen Zähmung“ vom William dem Barden kommt mir noch düsterer vor, was die Frauenfeindlichkeit angeht. Trotzdem großartig. Dark Romance macht vor literarischem Anspruch nicht halt.
Jane Eyre habe ich tatsächlich anders empfunden. Aber das ist ja oftmals eine persönliche Sache. Ich hatte eher den Eindruck, dass die Machtverhältnisse sich umgekehrt haben. Da ich, zumindest nicht bewusst, keinen modernen DR Roman gelesen habe, fehlen mir aber auch die Vergleichsmöglichkeiten.
Wieso „entscheidet“? Scheck ist ein Kritiker, entscheiden tut er nichts (?) (Nebenbei: bezeichnen denn alle Literaturkritik das System, von dem sie leben, als „illegitim“?)
Und was heißt, dass „Verlage und Leser längst facts über Bewertungen stellen“? Ein Verlag verlegt Bücher, von denen er sich kommerziellen Erfolg verspricht - nicht mehr und nicht weniger.
So ganz versteh ich die Aufregung nicht - und um tieferliegende Probleme der Literaturkritik mögen sich gerne die literarisch spezialisierten Psychoanalytiker kümmern