Dark Romance: Warum die Kritik an „Unterschichtenliteratur“ mehr über die Kritiker verrät als über das Genre

Denis Scheck bezeichnet Dark Romance als „hirnerweichende Sexschwarten“ und „grassierende Unterschichtenliteratur“. Doch wer hier wirklich ein Problem hat, ist nicht das Genre – sondern ein Literaturverständnis, das Leser:innen und Marktmechanismen ignoriert.

Drei Gründe, warum diese Kritik hinkt:

  1. Markt vs. Feuilleton: Dark Romance ist kein Nischenphänomen, sondern ein Millionenmarkt. Wer das als „Unterschicht“ abtut, verkennt die Realität.

  2. Doppelte Standards: Niemand verlangt von „Tatort“ oder Rosamunde Pilcher literarische Revolutionen. Warum dann von Dark Romance?

  3. Wer entscheidet hier eigentlich? Literaturkritiker wie Scheck leben von einem System, das sie selbst als „illegitim“ bezeichnen – während Verlage und Leser:innen längst facts über Bewertungen stellen.

Mein Fazit: Kritik ist legitim – aber sie muss fair sein. Dark Romance ist kein „Qualitätsverfall“, sondern ein Symptom für den Wandel der Buchbranche. Und der ist längst überfällig.

Den vollständigen Artikel (inkl. englischer Version und Podcast-Folge zum Thema) gibt’s hier:
:point_right: meiersworld.de/darf-man-dark-romance-kritisieren

Was denkt ihr? Ist Dark Romance „nur“ Unterhaltung – oder zeigt die Debatte ein tieferliegendes Problem der Literaturkritik?

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Dark Romance ist genauso Unterhaltung wie viele andere Genres auch. Mit einer spezifischen Zielgruppe und dem Turbo der Booktok-Hype im Rücken. Dass sich ausgerechnet das Feuilleton und die Schar der hehren Literaturkritiker (nicht alle!) darüber lustig machen, ist insofern unprofessionell, als sie den Markt-Kontext ignorieren. Selbst bei einem in vielen Fällen gerechtfertigten Verriss sollte gelten: Der Ton macht die Musik.

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Ich bin aus anderen Gründen diesem speziellen Genre gegenüber kritisch eingestellt; aber LeserInnen abzuwerten - Unterschicht als Schimpfwort zu benutzen - und dabei selbst nicht einen Finger zu rühren, um Klüfte abzuschaffen und sie stattdessen bewusst zu vertiefen - ja, das sagt in der Tat etwas über diese Person aus, die den Dauerdrang hat, sich auf Kosten anderer selbst erhöhen zu wollen. Er macht sich nunmal selbst zum Klischee. Auf traurigem Niveau.

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Also ich lese Bücher, die mir potenziell gefallen. Warum potenziell? Weil ich ja vorher nicht weiß, was drin steht.
Wird das Werk gut oder schlecht kritisiert, beeinflusst mich das natürlich, zumindest unterbewusst.
Aber, was ein Kritiker furchtbar findet, kann ich dennoch für das beste Buch der letzten 10 Jahre halten.
Daher verstehe ich die ganze Diskussion eigentlich nicht wirklich.

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Das betrifft ja nicht nur „Dark Romance“, sondern war früher auch das Label von Fantasy und Scifi im Generellen. Wenn es nicht gerade dystopische Gesellschaftskritik (Sie essen Menschen?!) war, hatte Literatur der Unterhaltung Willen immer einen Ruf, vielleicht etwas besser als ein Groschenroman zu sein.

Ob jetzt Dark Romance „schlechter“ ist als andere Genres, würde ich nicht pauschal behaupten.

Nicht umsonst gewinnen Literaturpreise meist Bücher, die irgendwie langweilig (wollen wir sagen Kunst?) sind. Ich schreibe Unterhaltung und versuche dabei das beste Niveau zu erreichen, das mir möglich ist :stuck_out_tongue:

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„Hirnerweichende Sexschwarten“ und „Untetschichtenliteratur“ klingt für mich wie ein niveauloser, nur hübscher verpackter Troll-Kommentar auf Social Media. Hater in real life.
Wieso man ein ganzes Genre, seine Fangemeinde und die Autoren gleich beleidigen muss, erschließt sich mir nicht. Hat für mich was von „Klausuraufgabe nicht verstanden“.

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Die Kritiker des Genres Romance haben sicherlich Angst. Angst vor moralischem Verfall und Zersetzung von Sitten.
Zu allen Zeiten galt, Sex sells, das ist in dem Genre Romance nicht anders, nur das Medium ist anders verpackt und kann von daher in Regalen beworben und verkauft werden. Anders als für Pornofilmchen und Schmuddelheftchen, gilt kein generelles Altersgebot für Romane.
Die Diskussion zu führen, ob es moralisch verwerflich ist, sollte legitim sein.
Beleidigungen und Diffamierung überschreitet jedoch den guten Jargon.

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Da ich die Person bisher nicht kannte, aber jetzt weiß, es ist ein älterer Literaturkritiker (was soll das sein? Mich hat schon immer gestört, dass sich jemand über Literatur erheben (darf)) vermute ich Absicht hinter der scharfen Formulierung im Sinne „Schaut mal, was ich so raushaue!“
Dabei sollten wir nicht auch noch Spaltung in der lesenden Gesellschaft betreiben. Mir erschließt sich nicht, wieso ein „romance“ inhalt verwerflicher sein sollte, als andere Menschen mit Plasmakanonen zu grillen, oder einen Mörder zu verfolgen, der seine Opfer in Koffer aufteilt.

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Es steht nur im Tagesspiegel.

Ich habe ihn mal ein bisschen cybergestalkt - er scheint ja schon immer „Lesergruppen“ zu beleidigen. Anfang 2025 schrieb er: „Wer Fitzek liest, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Interessant auch sein Streit mit Heidenreich, über die er schrieb: „Ich sehe sie […] nicht als Kollegin, weil sie eben keine Literaturkritikerin ist. Bei ihr ist Literatur ein Mittel gegen seelische Blessuren. Für mich ist Literatur nicht dazu da, um uns über unsere Seelenwehwehchen hinwegzutrösten.“

Ich packe ihn jetzt wohl auch in eine Schublade. Die des „Old school Trolls“ :wink:

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Kritik kann nie objektiv sein.

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Das darf man alles nicht so ernst nehmen. Literaturkritik versteht sich selbst als Kunstform und lebt vom möglichst schillernden Verriss. Wenn er ein Buch überhaupt bespricht, ist das schon Werbung für das Buch. Ich denke nicht, dass ein potentieller Leser es wegen seiner Kritik nicht anfasst. Die anderen fühlen sich bestärkt in ihrer eigenen Meinung und huldigen dem Kritiker. Ich finde Hr. Scheck bisweilen ganz witzig, käme aber nicht auf die Idee, mich nach seinen Empfehlungen zu richten . Der Mann wäre halt gerne Reich-Ranicki.
Persönlich wäre ich froh, er würde mal eines meiner Bücher besprechen auch wenn er es dabei dann wieder mal theatralisch in die Tonne wirft.

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Dark Romance ist vollkommen okay. Was ich nicht okay finde, ist die Romantisierung von Gewalt.
Es gibt ja Dark Romance und Dark Romance…wenn gewisse Grenzen eingehalten werden, durchaus okay.
Aber wie du schon sagst: Es ist ein Millionenmarkt.

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Du sprichst mir so aus dem Herzen. Dark darf es sein, aber Vergewaltigungen, Entführungen und toxische Beziehungen zu romantisieren, kann Folgen haben.
Ich hab das mal in Romanform gepackt, meine Entführerin meint auch, ihr Opfer würde sie schon lieben, wenn sie ihn genug überzeugt. Spoiler, nein.

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Also ich fand Emilia Galotti, Werther, Dracula, Macbeth durchaus verstörend in toxischen Beziehungsmodellen, aber als Unterschichtenliteratur sehe ich sie jetzt nicht so.
Bin aber auch kein Literaturkritiker.

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Die einzige zulässige Diskussion bei diesem Genre ist m. E. eine Altersbeschränkung. Die wäre wirklich mal angebracht.

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Es gibt für Bücher keine FSK-Einstufung, einfach weil Bücher nicht dem Medienrecht (was in erster Linie für Filme aus dem Boden gestampft wurde) unterliegen. Bücher sind viel älter als diese FSK. Es gibt in Deutschland die Einstufung »indiziert«, dann darf es nicht im Regal stehen, sondern wird zur Bückware.

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Tatsächlich? Ist das so?

Ich (persönlich) empfinde das so. Das kann aber jeder anders sehen :stuck_out_tongue: Ich schaue hin und wieder in Listen, die Preise gewinnen (einfach aus Neugier) und bemerke halt eine starke Kluft zu dem, was mir gefällt.

Hier ist so eine Liste, 10 Bücher aus 2025, die Preise gewonnen haben. Von den „Inhalten“ würde ich gereademal ein Buch mit vagen Interesse lesen wollen (Halbinsel).

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„See der Schöpfung“ ist zumindest intellektuell spannend zu lesen. „James“ ist ganz großes Literaturkino, sowohl was die Figuren angeht, als auch was die (exzellent übersetzte) Sprache betrifft. Aber ich bin eh ein Everett-Fan. :wink:

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