Bücherzensur in den USA

Hallo, zusammen!

Ich bin eben auf diesen Artikel aus der FAZ gestoßen: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/was-in-den-usa-nicht-laenger-pflichtlektuere-sein-darf-17991240.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Was haltet ihr davon?

Hi,
schrecklich. Ich möchte gar nicht detaillierter darauf eingehen, weil mir sonst der Kragen platzt.
Ein Hoch auf Oberflächlichkeit, Einheitsbrei und Entfremdung von der Realität zum vermeintlichen Wohle der Gesellschaft.
Ein weiterer Schritt auf dem Weg zur künstlichen Verdrängung negativer Einflüsse aufs Leben, die zu nichts führt.

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Grundsätzlich stimme ich dir zu. Wenn es z.B. um “How to kill a mocking bird” geht, in dem “nur” das “N-Wort” angeprangert wird.
Etwas differenzierter sehe ich das bei Gewalt oder Sexualität in Kinderbüchern (Grundschule). Bei Filmen gibt es ja auch Altersfreigaben, sodass man das bei Büchern auch begründen könnte.
Aber in der Mittelstufe könnten die Schüler durchaus schon etwas mehr ab.
Ich denke dabei aber auch immer an mich selbst. Wir mussten in der 9. Klasse den Film zu dem gleichnamigen Buch von Christiane F. “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo” anschauen. Im Unterricht. Ich konnte danach 3 Nächte nicht schlafen, weil ich mich so gegruselt habe. Auch nach der Lektüre des Buches (einige Jahre später) habe ich mich noch gegruselt, aber etwas weniger, da ich schon älter war und auch schon vorgewarnt. Aber in der 9. Klasse endete es damit, dass meine Mutter mit mir im Bett schlafen musste. Als Kind und als Jugendliche war ich schon ziemlich zartbesaitet …

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Tja, Neusprech ist angesagt. Und zunehmend erzwungene politisch korrekte Haltung. Ein falsches Wort oder gar ein falscher Satz kann heute die Karriere kosten. Die neuzeitlichen Haltungs-Jakobiner sind ständig auf der Jagd nach Abweichlern.
Was ideologisch nicht hineinpasst wird verboten oder gleich verbrannt. Gab`s das nicht schon mal irgendwo?
George Orwell erkannte diesen Irrsinn bereits 1948, als er seinen Roman *1984 *schrieb. Oder man denke an FrançoisTruffauts Fahrenheit 451, (1961) in dem aus ideologischen Gründen Bücher verbrannt wurden. Von Aldous Huxleys Schöne neue Welt (1937) will ich gar nicht anfangen. Ich vermute, dass diese Werke in naher Zukunft verboten werden. Sie spiegeln nur allzu klar die katastrophale Entwicklung unserer Gesellschaft.
Jede Revolution frisst letztlich ihre Kinder. Die französische führte über die Guillotine direkt in die napoleonischen Diktatur. Man kann sämtliche Ideologien auf die Spitze treiben. Je dümmer, desto spitzer, desto gefährlicher.

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Es wird zusätzlich der “White Saviour” moniert und das ist etwas, das aktuell an vielen Stellen überdacht wird. Für mich stellt sich da eher die Frage, ob es ein weißes Komitee ist, das darüber entscheidet.
Schulstoff und Grundschulbibliotheken sind für mich insgesamt ein anderes Thema als Bibliotheken allgemein. Bücher aus einer öffentlichen Bibliothek zu entfernen finde ich grundsätzlich falsch.
Schulstoff anders zu gestalten sollte eigentlich meiner Meinung nach regelmäßig diskutiert werden, jede Generation hat andere Debatten, Ausgangssituationen, Schwerpunkte und Selbstverständnisse. Und wichtige Themen nicht nur von einem einzigen Buch behandelt, es gibt Auswahl.
Das ist jedoch eine generelle Aussage, da ich die Bücher einzeln nicht gelesen habe, kann ich mir kein Bild davon machen, ob ich sie meinen Kindern im Grundschulalter vorlesen / miteinander lesen würde, oder ob die Kritik extrem Blickwinkelartig ist.
Ein Teil davon wurde ja schlicht überprüft und dann wieder aufgenommen.

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Wundert mich nicht. Das liegt in der Doppelmoral der Amerikaner begründet. Einerseits sehr prüde, andererseits kommen die meisten Pornoproduktionen aus den USA.
Ich finde auch, dass Sex und Gewalt nichts in Kinderbüchern zu suchen hat. In Jugendbüchern sieht das anders aus. Schon in Büchern ab 14 finde ich so manches fragwürdig.

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Meines Erachtens befeuern drei Dinge solche Auswüchse in den USA: Die mittlerweile teilweise aggressiv agierende Woke-Culture, der stramme Patriotismus (man könnte es auch Nationalismus nennen) und die erstarkende Religiosität. “God’s own country” kann keine Fehler machen, also werden widersprechende Ereignisse (und Bücher darüber) nach dem Motto “Aus den Augen, aus dem Sinn” behandelt.

Generell scheint mir das Pendel wieder zusehends in Richtung Prüderie und Körperfeindlichkeit (im Sinne von nackter Haut, nicht Körperkult) auszuschlagen. Wenn man mal die Entwicklung von den Hochzeiten von FKK und freier Liebe zu heute sieht, ist da viel Rückschritt festzustellen. Wenn man dann bspw. in Zeitungen liest, dass Jugendlich sich nicht mehr bzw. in Unterwäsche duschen, fragt man sich schon, wann wir wie im viktorianischen Zeitalter wieder Tischbeine verhüllen werden, um niemand auf unkeusche Gedanken zu bringen.

Daneben halte ich es auch für den Auftrag der Schule, Kinder und Jugendliche mit anderen Weltbildern und Ideen zu konfrontieren, um sie damit aus der ewig gleichen Blase ihrer Eltern und peer group herauszuholen. Mit “haben wir immer so gemacht und jede Abweichung ist böse” lässt sich kein Fortschritt erzielen.

Zum Thema Sex, Gewalt und Kinder: Ich halte es für wichtig, Kindern keine rosa Ponyhofwelt vorzugaukeln. Sie müssen wissen, dass es auch nicht so nette Menschen gibt und sie dann auch das Recht haben, sich zu wehren. Oder auch schlicht Gewalt erkennen: Wer von seinen Eltern geschlagen wird, sollte erkennen können, dass das halt nicht einfach so ist und scheinbar normal, sondern dass es sich dabei um Gewalt handelt, die nicht tolerierbar ist. Der Fokus sollte auch nicht nur auf körperlicher, sondern auch auf dem Erkennen von psychologischer Gewalt liegen. “Wenn du dies oder das nicht machst, hab ich dich nicht mehr lieb” ist brutale Erpressung. Das muss man aber in der Situation erkennen können. Jedwede Verherrlichung von Gewalt hat selbstverständlich nichts in der Erziehung von Kindern zu suchen. Und Sex? Würden wir Erwachsene nicht so einen verklemmten Bohei darum veranstalten, würden Kinder es als natürlichen und völlig normalen Vorgang akzeptieren, wie Essen und Trinken auch. Erst die Tabuisierung und die “Sex ist böse”-Einstellung macht das Thema doch erst interessant und verleitet zu heimlichen und schlecht vorbereiteten Experimenten, die manchmal unerwartete Folgen in Form von Minderjährigenschwangerschaften nach sich ziehen.

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So etwas wird früher oder später auch hier ankommen. Noch versucht man es so → https://www.alumniportal-deutschland.org/deutschland/kultur/filmfestival-film-festival/kinderbuecher-zensur
und so → https://taz.de/Zensur-in-Kinderbuechern/!5075555/
In einem anderen Forum ist die Diskussion über die Notwendigkeit des (bezahlten) “Sensitivity Readings” entbrannt. Ich könnte mir vorstellen, dass sich das irgendwann mal etablieren wird, denn die Nutzung des normalen Menschenverstandes kommt immer mehr aus der Mode.

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Das bringt es auf den Punkt.

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Ich habe das gerade mal gegoogelt und frage mich jetzt was daran dem gesunden Menschenverstand entgegenläuft, wenn man ein Thema - das man nicht voll beherrscht, weil man nicht Teil der Betroffenengruppe ist - von jemandem gegenprüfen lässt, der Teil davon ist.

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Man kann den Eindruck gewinnen, dass die meisten Leute einfach nicht mehr selbst nachdenken, verlieren das Gefühl dafür und lassen alles und jedes von jemand anders überprüfen. Auch das ist meiner Ansicht nach ein Entzug von Verantwortungsbewusstsein.
Ein Beispiel, das nicht ganz passt, dennoch viel aussagt: Eine Bekannte ist bis heute davon überzeugt, dass sexuelle Aufklärung, sei es in der Schule, im Biounterricht oder sonst wo schlecht sei. Die Kinder heutzutage wüssten viel zu viel. Und früher seien die Babys schließlich auch ohne Aufklärung zur Welt gekommen. Ich war platt, das zu hören. Genauso platt bin ich bei der Verwurschtelung von Literatur, egal, ob es in Richtung Gendern oder Zensur allgemein geht.
Ich meine, das schütze niemanden und der Überprüfungswahn hilft da ebenso wenig.

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Was vermutlich an Handy-Pornos liegt und nicht am Unterricht. Die Kinder wissen daher eigentlich zu wenig, weil sie es falsch vorgeb**st bekommen. Ist aber nur meine Vermutung; in meiner Schulzeit war man noch auf VHS und schlechte Verstecke von Eltern der Freunde angewiesen.

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Weil die Themen beim “Sensitivty Reading” nicht faktisch-fachlich überprüft werden, sondern auf politisch-moralische Korrektheit beurteilt werden. Es ist ein großer Unterschied, ob ich einen historischen Kontext checken lasse oder meine Gesinnung.

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Es prüft, ob das Thema, das du darstellen willst, auch aus der Sicht eines Betroffenen oder aus anderen Gründen stark involviert ist, das ausdrückt, das du ausdrücken möchtest. Da hat rein gar nichts mit deiner Gesinnung zu tun und deckt sehr wohl auch Fakten ab, derer du dir eventuell aufgrund der eigenen Perspektive nicht bewusst warst/bist.

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Das hat “unser Andreas Eschbach” schon in seinen beiden “Jesus-Romanen” beschrieben.

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Wie du selbst festgestellt hast, passt das Beispiel nicht.
Natürlich sollte jeder Verantwortung übernehmen. Dazu gehört aber auch zu erkennen, wenn ein Thema zu groß für die eigene Perspektive ist und man deshalb andere, die Ahnung davon haben involviert.

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Ha, sie würde sich wundern, was sogar Oberstufenschüler alles nicht wissen! Als Biolehrerin sitze ich da direkt an der Quelle. Thema ist es in der Oberstufe eigentlich nicht mehr, aber ab und zu baue ich es ein. In einer mündlichen Abiturprüfung hat eine Schülerin auf einer Abbildung die Gebärmutter mit dem Eileiter verwechselt. Das geht doch von der Form her gar nicht …

Sag ihr einen schönen Gruß, aber wir machen das vor allem, damit nicht so viele Kinder zur Welt kommen, zumindest nicht ungewollt. Die Natur hat schon dafür gesorgt, dass Fortpflanzung auch ohne theoretisches Wissen funktioniert. Nur mit der Verhütung ist es problematisch … :slight_smile:

Welche Verhütung? Heiraten, Kinder kriegen, Enkel bekommen. So, wie seit eh und je. Kleiner Scherz.
Die Dame ist ein wenig wunderlich und irgendwie in den 1950er Jahren stecken geblieben.

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Richtig - eines (!) Betroffenen. Was aber, wenn andere “Betroffene” andere Erfahrungen gemacht haben? Auf den Links, die ich kenne, gibt es Anbieter, die außer “Blogger” keinerlei weitere Qualifikationen anbieten können.
Das ist so ungefähr die Tonlage → Wer sollte Sensitivity Reading in Anspruch nehmen? Jede Person, die es ihrer Meinung nach für das eigens produzierte Werk für nötig hält. ABER: Genauso gut wie jeder Autorin das Recht hat, schlecht zu recherchieren, Senegal als ein asiatisches Land darzustellen, 2 + 2 zu 7 zu erklären oder ein Korrektorat für das Buch nicht in Erwägung zu ziehen, kann man auch ganz gut auf Sensitivity Reading verzichten. Insbesondere, wenn man Sensitivity Reading nicht als ein Hilfsmittel zur authentischen und sensiblen Darstellung von bestimmten Themen und Personen betrachtet, sondern es lächerlich findet, ihre Befürworterinnen für überempfindliche Schneeflöckchen hält, sich über sie lustig macht, sie als Sprachpolizei und Verfechtende der Kreativitätszensur betrachtet, die einem das Recht der freien Schreibäußerung verwehren wollen. Allerdings sollte man dann auch in Kauf nehmen, nach der Veröffentlichung wegen falscher, fehlerhafter oder ungewollt schädlicher Repräsentation von Marginalisierten kritisiert zu werden. Michael Ende kann jetzt keine Stellung dazu nehmen oder versöhnlich darüber kommunizieren, warum er das [N-Wort in „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“[/URL] verwendet hat. Aber Lisa Eckhart[5] und Sarah Kuttner hätten sich den Eklat mit dem N-Wort sparen können … hätten sie es nur gewollt.
https://ask-dogan.de/was-ist-sensitivity-reading-ein-blitzueberblick/ ](‘https://forum.papyrus.de/applewebdata://02551826-7133-4D19-93F2-B8B20514F8BB#_ftn6’)*

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Bin jetzt nicht sicher, was an dieser Zusammenfassung kontra Sensitivity Reading geht.
Und genauso wie ich mir einen Lektor aussuchen kann, kann ich mir auch einen Sensitivity Reader aussuchen. Beim ersten googlelink habe ich zum Themenbereich Rassismus einen Völkerrechtler gefunden. Das erscheint mir faktisch professionell genug.

Ich gehe ja auch nicht mit dem selben Roman zu zehn Lektoren, weil einer mir zu subjektiv ist, sondern suche mir einen der zu mir passt. Aber natürlich kann ich mir auch nen Lektor sparen, weil der ja nur meine Schreibe verändert, es dann nicht mehr mein Text ist, es Geld kostet und ich ja sowieso alles schon weiß.