Hallo zusammen,
ich beginne diesen Text mit einem großen Geständnis: Ich schreibe meine Texte mit Hilfe einer KI.
Ich lasse diesen Satz erst einmal etwas wirken, bevor ich ihn erkläre.
Ich kenne neuronale Netze schon seit fast 30 Jahren. In meinem Beruf als Programmierer hatte ich immer wieder direkt oder indirekt mit ihnen zu tun. Ich kenne ihre Stärken und ihre Schwächen.
Und deshalb nutze ich sie. Nicht, weil sie eine Abkürzung beim Schreiben darstellen. Das Gegenteil ist der Fall: Mit KI ist es oft mehr Arbeit als ohne.
Ohne Training erzeugen moderne LLMs (Large Language Models) bei längeren Texten eher schwache Ergebnisse. Manchmal kommt sogar Skurriles dabei heraus. Zum eigentlichen kreativen Schreiben sind sie eher ungeeignet.
Damit sie brauchbar werden, muss man sie zunächst auf die eigene Art zu denken und auf das gewünschte Ziel trainieren (*). Hat man diesen Trainingsprozess abgeschlossen – was erstaunlich viel Tipparbeit bedeutet –, können sie sehr hilfreich sein.
Sie können Textpassagen gut analysieren, und ihre Antworten lassen sich grob in drei Kategorien einteilen:
A) Die Antwort ist unsinnig oder falsch → wegwerfen.
B) Die Antwort ist zwar richtig, aber bereits bekannt → kurz darüber nachdenken und dann wegwerfen.
C) Die Antwort enthält einen interessanten Gedanken → darüber nachdenken.
Ich benutze KI also nicht, weil sie eine Schreibabkürzung ist, sondern weil sie mir hilft, meine Gedanken zu fokussieren und zu ordnen.
Und natürlich auch für die Recherche. Das kann sie gut.
Es gibt allerdings auch Einschränkungen. Das Gedächtnis einer KI ist erstaunlich kurz. Man kann ihr keinen längeren Text vorlegen und fragen:
„Ich habe hier eine Narbe auf dem rechten Arm beschrieben. Hatte die Person vor vielen Seiten die Narbe nicht noch auf dem linken Arm?“
Kurze Textpassagen kann eine KI jedoch durchaus brauchbar bewerten.
Liebe Grüße
Ralf
P.S.: Zum Thema Tipparbeit: In Fällen, in denen es mir besonders wichtig ist, lasse ich sogar drei verschiedene LLMs arbeiten. Unterm Strich bedeutet das mehr als doppelt so viel Arbeit, als wenn man seinen Text komplett alleine schreibt.
P.P.S.: Das „Trainieren“ hat sogar einen Nachteil, den man beachten sollte: Kennt die KI zu viel von einem Text, wird sie bei dessen Bewertung oft etwas altersmilde.
Das kann man leicht selbst ausprobieren: Gebt ihr eine Textpassage von mehreren Sätzen und lasst sie bewerten. Arbeitet anschließend eine Weile mit ihr und gebt ihr dann dieselbe Passage noch einmal zur Bewertung.
Die Antwort könnte dann beispielsweise lauten:
„Diese Passage gefällt mir besser als die letzte Version, weil …“
Das ist natürlich Unsinn, denn es handelt sich um exakt denselben Text. Die KI «erinnert» sich jedoch an die gemeinsame Arbeit und neigt dazu, spätere Bewertungen positiver ausfallen zu lassen. Manchmal hilf ein einfaches: “Sei kritischer” . Manchmal muss man aber auch den ganzen Chatverlauf löschen und neu beginnen.
(*) Das Wort «Trainieren» ist fachlich nicht ganz Korrekt. Bei heutigen LLMs trainiert man das Modell normalerweise nicht selbst, sondern man arbeitet mit Anweisungen, Beispielen, Kontext und iterativen Prompts.