Sicher hat jeder von uns Autoren, die ihn besonders inspirieren, deren Stil ihm besonders nahe ist, die man vielleicht sogar zu imitieren versucht. Ernest Hemingway versuchte angeblich in seiner Anfangszeit, wie Gertrude Stein zu schreiben. Franz Kafka soll in seiner Frühzeit Gustave Flaubert und Fyodor Dostojewsky als Vorbilder gehabt haben. Bei Thomas Mann habe ich selbst an vielen Stellen das Gefühl, einen Goethe-Text zu lesen. Natürlich haben all diese Autoren ihren eigenen, unverkennbaren Stil entwickelt.
Mir selbst geht es so, dass ich während einer Schreibphase bewusst nur Lektüre wähle, die weit von dem Genre entfernt ist, an dem ich selbst gerade arbeite - weil ich Angst habe, zu sehr ins „Nachahmen“ zu verfallen.
Wie ist das bei Euch? Kennt Ihr dieses Phänomen, habt Ihr Vorbilder, an denen Ihr Euch bewusst oder unbewusst orientiert? Wie geht Ihr damit um?
Zählen zu deiner Frage auch Unterhaltungsautoren?
Als ich anfing zu schreiben (also vor über 20 Jahren) wollte ich unbedingt wie Wolfgang Hohlbein schreiben. Ich liebte seine Bücher und ich merkte deutlich den qualitativen Unterschied zu „englischer Fantasy Übersetzungsware“ wie sie damals gerne von Weltbild vertrieben wurde. Aber während er 2 Seiten inneren Monolog mit aufkommender Verzweiflung beschreiben kann, ohne dass man sich langweilt, fiel mir das eher schwer. Was ich unbewusst vielleicht von ihm übernommen habe, ist die Art und Weise wie er „Soft Grusel/Horror“ beschreibt. Er belebt die „eigentlich neutrale Umwelt“, personifiziert sie gerne.
Mein zweites Vorbild war (übersetzt) Jennifer Robertson mit meinen damaligen Lieblingsbüchern der „Schwerttänzer Saga“. Ich habe (damals) noch nie so viel witzige Dialoge gelesen. Außerdem konnte sie die Illusion einer ehrlichen Romanze über 3 Romane strecken. Ich traue mich gar nicht, ihre Bücher erneut zu lesen - nicht, dass sie mir nicht mehr gefallen
Sonst habe ich gar nicht so viele Vorbilder. Ich glaube hauptsächlich beflügelt mich das Gefühl im Sinne, wenn ich ein richtig spannendes Buch gelesen habe, denke ich mir … „ich will das auch so machen!“
Ich lese alles quer durch die Obstgarten, Klassiker, Science-Fiction, Dystopien, Abenteuerromane, vor kurzem auch 2 erotische Romane, zwischendrin auch schon mal. Der Autor, den ich am häufigsten lese, ist Andreas Eschbach.
Ich imitiere keinen, habe so gesehen auch keine Vorbilder. Deshalb mache ich mir auch keine Gedanken, was ich während einer Schreibphase lese. Ich wollte mal eine Verfolgungsjagd aus Sicht einer Ich-Erzählerin schreiben, ohne dass sie hinterherhechten muss. Man hatte mir den Tipp gegeben Elsbergs Zero zu lesen. Das habe ich gemacht, um mich inspirieren zu lassen. Hat auch geklappt. Aber ich habe nicht nach Stilmitteln gesucht, sondern nach einer praktischen Lösung zur Umsetzung. Also eher danach, wie man jemanden verfolgen könnte ohne ihn zu verfolgen. Nach der Elsberg-Lektüre hatte ich dann eine eigene Idee dazu. Ähnlich ist es mir mit Samjatins Wir gegangen.
Fazit: Ich lasse mich inspirieren, habe aber keine Angst, dass ich dadurch versehentlich etwas kopieren könnte.
Ich glaube, jemanden nachzuahmen, geht gar nicht. Was ich aber nicht schlimm finde, wenn man wie sein Vorbild schreiben möchte. Warum nicht probieren? Und dann sehen, was dabei heraus kommt? Klar, wie meine Vorbilder werde ich nie schreiben können. Auch das ist nicht schlimm, man möchte ja auch sein eigenes Schreiben entwickeln und besser und besser werden…großes Ziel!
Ich lese, auch wie Suse, viele verschiedene Autoren und die unterschiedlichsten Genres. Trotz allem sind mir St. King, Robert Merle und J. Mario Simmel die liebsten. Bei Simmel frage ich mich , wie er es schafft, mich regelmäßig zum Heulen zu bringen… das ist für mich große Kunst.
Ich lese viel und faktisch (fast) alles.
Aber nach einem Vorbild gefragt würde ich immer Martin Suter antworten.
Nicht nur seine Wort haben es mit angetan, auch sein Kleidungsstil. Wobei ich diesem näher komme, als seinem Schreibstil. Vermutlich weil es einfacher ist sich gut zu Kleiden, statt gut zu schreiben.
Das war und ist Robert Ludlum - leider schon verstorben. Seine frühen Bücher habe ich alle im Regal. Bei ihm hatte ich immer den Eindruck, dass er mehr weiß als andere. Die, die angeblich aus seinem Nachlass stammen, sind maximal dritte Wahl und kaum lesenswert.
Meine Vorbilder sind mit mir gewachsen, oder besser: Ich bin meinen Vorbildern entwachsen. Und das gilt durch alle Genre. Teilweise habe ich mich da an den Autoren einfach sattgelesen oder aber sie hatten keine neuen Einfälle mehr, wenn etwas Neues auf den Markt kam.
Bestes Beispiel da für mich: Fitzek. Nesbø genauso mit seiner Reihe um Harry Hole. Tana French hat nach dem dritten Buch auch nachgelassen. Grisham mag ich immer noch, gerade in Bezug auf Jugendliche - genau wie Holly Jackson, die beiden sind da klasse.
Das bezieht sich aber nicht nur auf Krimi/Thriller, ich habe das durch alle Genre.
Jodie Ellen-Malpas für DAS Romance-Klischee mit Alpha-Mann und was weiß ich. Es funktioniert, aber es ist immer der gleiche Aufbau bei ihr gefühlt. Ich will nicht so vorhersehbar schreiben.
Humor? Marc-Uwe Kling. Das Känguru ist ungeschlagen. Petra Hülsmann ist auch großes Kino für locker-leichte Romantik, ohne zu dramatisch oder seicht zu sein.
Mein größtes Vorbild für emotionale Achterbahn ist Frederik Backmann. Brit-Marie war hier, Ein Mann namens Ove und Oma lässt grüßen haben mich von Lachanfällen zu stundenlangen Heulattacken getrieben. DAS wäre mein absolutes Vorbild, wenn ich versuchen würde, wie jemand zu schreiben, statt meinen eigenen Stil zu entwickeln. Wobei, das hat auch Anna McPartlin mit Die letzten Tage von Rabbit Hayes geschafft. Das habe ich als Hörbuch gehört - die Stimme hat mich zusätzlich gebrochen.
Vorbild für Unterhaltungsliteratur wäre stilistisch für mich F. Paul Wilson.
Unerreichbar gut geschrieben ist Robert McCammon A boy’s life.
Deutsche Autorin Antonia Michaelis, weil sie mit Sprache malt.
Dialoge fand ich John Scalzi top.
Earnest Cline bewundere ich mit Ready Player one eine völlig irre Idee SO zu schreiben.
Genrebildung R. A. Heinlein unglaublich konsequent.
Mein Lieblingsautor bleibt King, aber obwohl ich seine Bücher liebe, hat er stilistisch Schwächen, die nur er sich erlauben kann.
Imitieren kann ich keinen. Ich glaube aber, dass ich meinen Grundstil gefunden habe. Und zumindest ich mag ihn ganz gerne…
Ich habe mit Kinderdieb bei ihm angefangen und war als Jugendlicher sehr fasziniert, wie er seine Geschichte dargestellt hat.
Man merkt bei mir - wenn man sich meine Layouts und Gemälde, die ich ebenso in meine Bücher bringen möchte, betrachtet - woher es kommt.
Die Gestaltung seiner Bücher hat mich damals geprägt und man sieht die Spuren bis heute in meiner Gestaltung.
Es bleibt dennoch in meinem Rahmen, da ich ihn nicht kopieren möchte. Was ich möchte ist eher das Gefühl/die Atmosphäre visuell rüberzubringen so wie er es schafft.
Meine Texte sind eigen, aber die Themen oder die Philosophie dahinter (wenn man also zwischen den Zeilen liest) möchte ich auch rüberbringen können, ähnlich wie er.
Das ist auch mein Ansporn.
Ob es Vorbilder sind? Könnte ich nur, was sie können!!!
Robert Galbraithe(Joanne K. Rowling) sehr durchdachte Story, die Klassiker von Agatha Christie kurz und knackig, George R.R.Martin- überzeugende Figuren en masse, John Irving- sehr eigen; die Geschichte in der Geschichte und doch nicht verwirrend, Stephen King- Gänsehautgrusel, Karin Slaughter- spannend bis zum Schluss, Minette Walters und Elizabeth George - spannend ohne zu viel Blut und nicht zuletzt Charlotte Lyne- poetisch, liebevoll- Geschichte, die bestens recherchiert und eigen erzählt wird. Es sind soooo viele, je mehr ich drüber nachdenke, um so mehr fallen mir ein. (Ich mag Kishons Humor und sein "die beste Ehefrau von allen- eine eigene Phrase wie „es war einmal“ - wie toll! Achja, absolut crazy: Tama Janowitz) Bestes Beispiel für Co- Autoren: Die Steinmüllers (Andymon- der erste utopische Roman meines Lebens, der mich als Kind in die futuristische Szene zog. (Zum Glück war es nicht schlimmeres…)
Ich habe Stephen King gerne gelesen und habe mich tatsächlich von seinen Büchern auf Dienstreisen abends ans Hotelbett fesseln lassen.
Einen ähnlichen Effekt hatte Don Winslow auf mich mit seinem Werk " Tage der Toten", einem Thriller über die mexikanische Drogenmafia. Obwohl ich das Buch wegen des eigenwilligen Stils nach ein paar Seiten weglegen wollte, habe ich es dann doch auf einem Langstreckenflug in einem Zug durchgelesen. Den Bordservice habe ich ausfallen lassen …
Mein Spiritus Rector hingegen ist Michel Crichton, der mit seinen Thrillern wie „Jurassic Park“ die Wissenschaft immer nur einen kleinen Schritt weiter gedacht hat. Was wäre, wenn …
Mit seinen Ideen hat er mich inspiriert, aber seinen Stil zu übernehmen, habe ich erst gar nicht versucht. Da bin ich noch auf der Suche nach einem eigenen unverwechselbaren Ausdruck – wenn die Lektorin mich lässt.
Spannend. Ich kenne das Buch (Brom - Der Kinderdieb) sogar und war damals überrascht, wie düster es war, ohne zu sehr ins Detail zu gehen und doch hatte man das Gefühl mitten im Erlebnis zu stecken.
… gute Idee - Erinnerungen werden wach! Habe mir direkt zur „Auffrischung“ (lange her, dass ich etliche Ludlums verschlungen habe) das „Sigma-Protokoll“ aufs Kindle geholt.