Auf mehrfachen Wunsch kommt hier nun also „Spuren im Schnee“ (Teil 2).
Viel Spaß beim Lesen und Kommentieren!
Gruß
Super Girl, die hat ihre Nudelsuppe gegessen und ihr geht’s schon etwas besser! 
Spuren im Schnee (Teil 2)
Gleich nach der Mittagspause sortierte ich weitere Rechnungsbelege in einen großen Faltordner ein. Mein gleichaltriger Kollege Stefan erstellte eine Statistik am Computer. Während wir so vor uns hin arbeiteten, unterhielten wir uns über meinen neuen Fall. „Also wenn du mich fragst, diese Herren führen bestimmt irgendetwas im Schilde. Etwas Kriminelles meine ich.“
„Du müsstest sie auf frischer Tat ertappen, Lilly. Ohne Beweise können wir in diesem Fall nicht viel ausrichten“, bemerkte Stefan. Wie gut, dass unser Chef in diesem Augenblick nicht im Büro war und daher von unserem Gespräch nichts mitbekam. Als Herr Weidemann fünf Minuten später unser Arbeitszimmer betrat, verstummten Stefan und ich.
„Die Rechnungsbelege sind fertig einsortiert“, verkündete ich feierlich.
„Sehr gute Arbeit, Frau Jacobsen. Sie sind heute ganz schön tüchtig.“
„Ich helfe, wo ich kann.“
Ich lächelte in die Richtung unseres Chefs. Dann zwinkerte ich Stefan verschwörerisch zu.
„So ein paar Rechnungsbelege einzusortieren ist doch keine große Sache.“
Punkt 14:30 Uhr verabschiedete ich mich von meinem Chef. Ich wünschte ihm „Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr“, dann packte ich Stefan am Arm und zerrte ihn hinter mir her. „Wollen wir jetzt unseren neuen Fall lösen oder nicht?“, flüsterte ich meinem Arbeitskollegen zu. „Diese Männer sind doch sicher längst über alle Berge“, erwiderte Stefan. „Kann sein. Muss es aber nicht. Vielleicht sind sie noch in der Nähe und wollen möglichen Verfolgern nur glauben lassen, dass sie weit vom Tatort entfernt sind. Wilde Theorien und Spekulationen helfen uns auch nicht weiter. Komm. Besorgen wir uns erstmal Beweise.“ Noch bevor mein Kollege widersprechen konnte, war ich ins Treppenhaus geeilt und zerrte Stefan hinter mir her. „Nicht so schnell. Ich komme sonst nicht mit“, rief Stefan in meine Richtung. „Das ist mal wieder typisch für dich, Lilly. Sobald etwas Verdächtiges passiert, stehst du auf der Matte.“
Ich hegte bereits einen neuen Verdacht und wollte diesen so schnell es ging überprüfen. So eilte ich zuerst in die Ulmenstraße. Vor den Müllcontainern blieb ich stehen. Ich schob mit aller Kraft den ersten Container zur Seite. Hinter diesem kamen mehrere gelbe Säcke zum Vorschein. Ich rollte den ersten dieser Säcke in Richtung Straße. Stefan bot mir sogleich seine Hilfe an. Er rollte den zweiten gelben Sack beiseite. Unter den Säcken kam ein blauer Jogginganzug zum Vorschein. Das Oberteil war blutverschmiert. Ich zückte sogleich mein Handy und schoss mehrere Beweisfotos. „So ein Mist, das Blut ist schon getrocknet“, murmelte ich vor mich hin. „Ich gehe davon aus, dass der Besitzer des Jogginganzugs entführt worden ist. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er noch lebt. Wir haben doch vorhin Verbandszeug im Müllcontainer gefunden. Die Indizien weisen eindeutig darauf hin, dass sich unser Opfer verletzt hat. Ich tippe auf eine Schnittwunde an der Hand. Sieh doch, das Blut ist überwiegend am Ende des Ärmels geronnen. Das ist schon mal ein erstes Beweisstück.“
„Aber warum haben die Entführer dann die Joggingsachen versteckt?“, fragte Stefan an mich gewandt. „Vielleicht haben sie gemerkt, dass ihr Opfer Blutspuren hinterlässt und mussten ihn darum ausziehen. Fragen über Fragen. Es wird Zeit, dass wir uns einige Antworten besorgen.“
Stefan und ich rollten die gelben Säcke an die Stelle zurück, wo wir sie gefunden hatten. Anschließend sahen wir uns in der Gegend noch ein wenig um. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass unsere Verdächtigen noch irgendwo hier in der Nähe sind. Das sagt mir mein Instinkt“, flüsterte ich an Stefan gewandt. Mein Kollege zählte die Gebäude auf, die er aus seinem Wohnviertel her kannte. Eine verlassene Lagerhalle eines ehemaligen Automobilherstellers gehörte auch dazu. „Das ist
doch perfekt. Eine verlassene Lagerhalle. Wer würde dort nach einem entführten Mann suchen? Sicherlich keiner“, rief ich voller Freude. Nun ermahnte mich Stefan leiser zu sprechen.
„Wäre es nicht langsam mal an der Zeit die Polizei zu verständigen? Falls du Recht hast und die Typen bewaffnet sind, können wir selbst zu zweit nichts gegen diese Ganoven ausrichten.“
„Da hast du auch wieder Recht“, entgegnete ich und zückte erneut mein Mobiltelefon. Ich wählte die Nummer der Polizei. In knappen Sätzen berichtete ich von unseren gefundenen Spuren und meinem dringenden Tatverdacht den älteren Männern gegenüber. Ich konnte die Verdächtigen detailgetreu beschreiben. Immerhin konnte ich sie vor Beginn meiner Arbeit eine ganze Zeit lang beobachten. „Bleiben Sie, wo Sie sind. Wir schicken einen Streifenwagen“, lautete die Anweisung des Beamten, den ich am Apparat hatte.
Ich hatte jedoch anderes im Sinn. Ich ließ mir von Stefan den Weg zur verlassenen Lagerhalle zeigen. Wie gut, dass mein Begleiter die Strecke auswendig kannte. Wir bogen an der Heidenstraße links ab, folgten dem Sperberweg immer geradeaus. Bogen noch einmal an der Otto-Winkler-Straße links ab. Erst dann erreichten wir unser Reiseziel. Stefan deutete auf die Lagerhalle, die sich nun direkt vor uns erstreckte. „Könnte ein ortsunkundiger Mensch den Weg hierher finden?“, erkundigte ich mich nun bei meinem Weggefährten. „Kann schon sein. Du vermutest also, dass diese Männer nicht von hier kommen, stimmt’s? Schwer zu sagen, Lilly. Du stellst interessante Fragen.“
Vorsichtig schlichen wir uns näher an die Lagerhalle heran. „Hier hat sich jemand sehr viel Mühe gemacht Blutflecken wegzuwischen“, flüsterte ich und deutete auf den Asphalt direkt vor uns. „Dann sind wir tatsächlich auf der richtigen Spur“. Stefan zwinkerte mir verschwörerisch zu. Ich zwinkerte zurück. Wir spähten durch die Glasscheibe des Lagerhallen-Fensters in den verlassenen Raum. Was wir dabei entdeckten, verschlug uns glatt die Sprache. Ein Mann saß halbnackt, gefesselt und geknebelt auf einem hölzernen Stuhl. Zwei weitere Männer standen vor dem Sitzenden. Der Erste schlug auf sein sitzendes Gegenüber ein. Es gelang mir das Lagerhallen-Fenster einen Spalt breit zu öffnen. Ich drückte die Aufnahmefunktion an meinem Handy, um das Gespräch der Männer aufzuzeichnen. Meinem Begleiter Stefan beschwor ich so leise und unauffällig wie möglich zu agieren.
„Ich weiß nichts von einer halben Million“, sagte der Gefesselte. Erneut schlug der erste Herumstehende auf ihn ein. „Da haben wir aber andere Informationen“, rief der Mann im dunklen Anzug. Ich aktivierte derweilen die Abhörfunktion an meinem Handy, um das Gespräch der Männer aufzuzeichnen. „Donnerwetter. Lilly, du hattest mal wieder Recht“, wisperte Stefan so leise, dass nur ich es hören konnte. „Höchste Zeit abzuhauen“, fügte er hinzu. Doch ich blieb regungslos vor der Lagerhalle stehen. „Ich glaube es geht um viel Geld“, flüsterte ich zurück. „Zum Beispiel die Beute aus einem Banküberfall.“
Fortsetzung folgt