Mit weit über 50 Jahren liegt meine Schulzeit deutlich weiter zurück, doch das habe ich nie so gehört. Entweder: Im Satz steht der Hinweis ‚dachte er/sie‘, dann wird der Gedanke in keiner Weise betont, weil er sich selbst erklärt. Das trifft auch zu, wenn bspw. aus der Ich-Perspektive geschrieben wird – da ist ja alles gedacht. Oder: Der Gedanke steht solo mitten im Text, dann wird er kursiv geschrieben. Die Anführungsstriche betonen nur wörtliche Rede und einige andere Sonderfälle. Für mich logisch, als Leser möchte ich erkennen, wann etwas mit, wann ohne Ton mitgeteilt wird.
So ein Mist, dachte sie.
„So ein Mist“, (sagte sie).
Sie trat ein eine Pfütze. So ein Mist. Sie lief weiter.
Ich trat in eine Pfütze. So ein Mist. Ich lief weiter.
(Angaben ohne Gewähr, aber so im Bundesland Hessen gelernt. )
Edit: Ich habe die Aussage nochmal überdacht (sollte man früher machen, ich weiß) und erkenne, dass das für einen Buchdruck Sinn ergibt. In der Schule, beim Schreiben per Hand, müssen andere Regeln gegolten haben, und da verlässt mich mein Gedächtnis. Einfache Anführungszeichen erscheinen mir jedoch am logischsten.
Mir ging es ganz ähnlich. Uns hatte man beigebracht, Gedanken in einfache Anführungszeichen zu setzen. ›Wenn ich bloß noch wüsste, wer das war! Keyser, der Arsch? Nee, eher früher.‹ Aber ich bin damit allein auf weiter Flur. Lehrer sind in dem Fall wohl gerne eigenmächtig. Steht dazu nix im Lehrplan, beantworten sie die Schülerfragen so, wie sie es für richtig erachten, ergo falsch. Ich zeichne Gedanken im Text nicht aus. Merkt man beim Lesen nicht, dass es ein Gedanke ist, hat man schon etwas falsch gemacht.
Jegliche Auszeichnung von Gedanken im Text ist überflüssig und schädlich. Falls es in einem Genre üblich ist, hält man sich vielleicht daran, aber ich rate davon ab.
Ich habe es auch so gelernt, Gedanken in ‚…‘ zu setzen. Das hat mir damals schon nicht gefallen.
Da ich hauptsächlich Phantastik schreibe, mache ich es mir einfach und setzte Gedanken akzentuiert und sparsam in Kursiv.
Ich erinnere mich bezüglich der unterrichteten Details an fast nichts mehr. Ich hatte wohl immer zu viel anderes im Kopf.
Allerdings haben sich in den letzten vierzig Jahren ja so einige Konventionen beim schreiben geändert, weshalb es mich nicht wundern würde, wenn man das heute anders handhabt, als früher.